Jahr der Barmherzigkeit

von antimodernist2014

1. Bergoglio hatte wieder einmal einen Geistesblitz, und da solche für ihn stets gleichbedeutend sind mit göttlichen Eingebungen, machte er sich sogleich daran, ein außerordentliches „Heiliges Jahr“ der „Barmherzigkeit“ anzukündigen. „Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 11. April, Vigil des zweiten Sonntags der Osterzeit oder Sonntags der Göttlichen Barmherzigkeit, im Jahr des Herrn 2015, im dritten Jahr meines Pontifikats“ veröffentlichte Bergoglio seine zugehörige „Bulle“ mit dem Titel „Misericordiae Vultus“, ein – wie von der „Konziliaren Kirche“ allgemein und vom Schwätzer Bergoglio im besonderen nicht anders zu erwarten – Dokument von ausufernder Länge.

Da sind wir dankbar, daß der „indultistische“ Blog „Rorate Caeli“, der sich auf die „gute Seite“ der „Konziliaren Kirche“ mit Ratzinger und Burke gegen deren „schlechte Seite“ mit Kasper und Bergoglio geschlagen hat, bereits Vorarbeit geleistet hat. Drei Bemerkungen, sagt uns ein Beitrag dieses Blogs, seien zu „Misericordiae Vultus“ anzubringen: „1. Die Verteidigung des II. Vatikanums geht in einen hohen Gang. 2. Hat die Kirche vergessen, barmherzig zu sein? 3. Dringende Fragen über die ‚Missionare der Barmherzigkeit‘.“ Wir beginnen, wie es sich gehört, mit dem ersten Punkt.

2. Der „Päpstliche Rat für die Neuevangelisierung“ habe bereits bei der Ankündigung des Jubiläumsjahres, welche im März anläßlich des zweijährigen „Thronjubiläums“ Bergoglios erfolgte, eine Note herausgegeben, die besagte: „Die Eröffnung des kommenden Jubiläumsjahres wird stattfinden am fünfzigsten Jahrestag des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils im Jahr 1965. Das ist von großer Bedeutung, da es die Kirche ermahnt, das mit dem II. Vatikanum begonnene Werk fortzusetzen.“ Noch enthusiastischer äußerte sich Bergoglio selbst in seiner „Bulle“: „Ich habe den 8. Dezember als Eröffnungstermin gewählt, weil er eine große Bedeutung in der jüngsten Kirchengeschichte hat. Ich werde nämlich die Heilige Pforte genau fünfzig Jahre nach dem Ende des II. Vatikanischen Ökumenischen Konzils öffnen. Die Kirche spürt das Verlangen, diesen Moment lebendig zu erhalten. Für sie begann damals ein neuer Weg in ihrer Geschichte. Die Konzilsväter hatten stark – wie ein wahres Wehen des Geistes – die Notwendigkeit verspürt, zu den Menschen ihrer Zeit in einer verständlicheren Weise von Gott zu sprechen. Mauern, die die Kirche allzu lange in einer privilegierten Festung eingeschlossen hatten, wurden eingerissen, und die Zeit war gekommen, um das Evangelium auf neue Weise zu verkünden. Eine neue Etappe der immer anstehenden Evangelisierung hatte begonnen. Eine neue Verpflichtung für alle Christen, mit verstärktem Enthusiasmus und voller Überzeugungskraft Zeugnis für ihren Glauben abzulegen. Die Kirche spürte die Verantwortung, in der Welt das lebendige Zeichen der Liebe des Vaters zu sein.“

Bergoglio fährt fort: „Es kommen uns die bedeutungsschweren Worte des heiligen Johannes XXIII. in Erinnerung, die dieser bei der Eröffnung des Konzils gesprochen hatte und mit denen er dessen Richtung vorgab: ‚Heute dagegen möchte die Braut Christi lieber das Heilmittel der Barmherzigkeit anwenden als die Waffen der Strenge. […] Die katholische Kirche, während sie durch dieses ökumenische Konzil die Leuchte der katholischen Glaubenswahrheit hoch hält, will sich damit als eine sehr liebevolle, gütige und geduldige Mutter aller erweisen, voller Erbarmung und mit Wohlwollen für ihre Kinder, die von ihr getrennt sind.‘ Auf der gleichen Linie liegt der selige Paul VI., als er zum Abschluss des Konzils feststellte: ‚Wir wollen vielmehr unterstreichen, dass die Religion dieses Konzils die Nächstenliebe ist […] Die uralte Erzählung vom barmherzigen Samariter wurde zum Paradigma für die Spiritualität dieses Konzils. […] Eine Woge der Zuneigung und der Wertschätzung für die moderne Welt ging von diesem Konzil aus. Natürlich werden die Irrtümer abgelehnt, dass verlangt die Verpflichtung zur Liebe und nicht weniger die Verpflichtung zur Wahrheit. Aber für die Menschen gibt es nur Ermutigung, Respekt und Liebe. Statt niederschmetternder Einschätzungen schlägt das Konzil ermutigende Heilmittel vor; statt dunkler Vorahnungen hat das Konzil Botschaften des Vertrauens an die zeitgenössische Welt gerichtet. Nicht nur wurden ihre Werte respektiert, sondern sogar geehrt und ihre Anstrengungen unterstützt und ihre Bestrebungen geläutert und gesegnet. […] Und noch eine andere Sache wollen wir hier aufzeigen: All dieser doktrinäre Reichtum hat ein einziges Ziel, nämlich dem Menschen zu dienen. Und zwar dem Menschen, so dürfen wir sagen, in jeder Lebenslage, in all seinen Krankheiten und in all seinen Bedürfnissen.’“

Zwar, so bestätigt „Rorate Caeli“, sei es zutreffend, daß Bergoglio mit seinem Gerede von einer „neuen Etappe“ und einem „neuen Weg“ der Kirche sich lediglich in den Fußstapfen früherer „nachkonziliarer Päpste“ bewege, die dasselbe oft sogar in kräftigerer und radikalerer Sprechweise ausgedrückt hätten. Auch winde er zwei Stränge „nachkonziliarer“ Rhetorik zusammen, wenn er nach Art des „Neuen Pfingsten“ Roncallis und Wojtylas die Konzilsväter ein „Wehen des Geistes“ verspüren habe lassen und die Mauern einer zur Festung mißratenen Kirche ganz im Sinne vom „Schleifen der Bastionen“ eines Balthasar (der damit „sogar“ den doch sonst so „guten“ Ratzinger beeindruckt hat) habe eingerissen sehen. „Der entscheidende Punkt hier ist nicht so sehr, daß Franziskus einige dieser Dinge sagt, sondern die Art, wie er ganz auf das II. Vatikanum als einen Bruch mit der Vergangenheit und ein Näherrücken zur Welt abstellt. Es scheint, man habe nichts gelernt aus den Konfrontationen mit den säkularen und atheistischen Ideologien während der letzten 50 Jahre. Die von ihm als Zitate ausgewählten Passagen von Johannes XXIII. und Paul VI. sind aufschlußreich: des ersteren Dichotomie zwischen der ‚Medizin der Barmherzigkeit‘ des Konzils im Gegensatz zur ‚Strenge‘, des letztern glühendes Bekenntnis des Zutrauens und der Bewunderung für die moderne Welt. Franziskus, all seinem Gerede vom Vorwärtsschreiten zum Trotz, scheint gesonnen, zur Naivität der unmittelbar nachkonziliaren Jahre zurückzukehren, mit dem Jubiläum als Instrument seiner Zeitreise.“

Es ist ja seinerseits Zeichen einer geradezu rührenden Naivität, wenn „Konservative“ oder „Traditionalisten“ immer meinen, die Anführer der „Konziliaren Kirche“ seien gutmeinende Katholiken, die in bester Absicht irregegangen sind und das nun mit der Zeit merken müßten und dadurch lernen umzudenken. In Wahrheit handelt es sich jedoch um Feinde der Kirche, die einem festen Programm zu deren Zerstörung folgen, und das mit eiserner Konsequenz bis zum bitteren Ende. Dieselbe Naivität der „Konservativen“ ist auch im politischen Bereich zu beobachten. Auch dort verstehen diese nicht, warum die Regierenden in vielen Fällen trotz besserer Einsicht und wissenschaftlicher Erkenntnisse auf den falschen und verheerenden Wegen fortfahren, ja diese sogar noch intensivieren, z.B. was den „demographischen Wandel“ anbelangt. Der Grund ist auch hier, daß die negativen Folgen wie die Zerstörung der Familie gezielt gewollt und beabsichtigt sind. Bergoglio signalisiert also mit seinen Worten, daß er zu den Feinden der Kirche gehört und fest entschlossen ist, das Werk ihrer Zerstörung weiter fortzusetzen, und das ist sein „Vorwärtsschreiten“, von dem er dauernd spricht. Wir dürfen an die Worte des heiligen Apostels und Evangelisten Johannes erinnern: „Liebet nicht die Welt, noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm“ (1 Joh 2,15), und die noch härteren des heiligen Jakobus: „Ihr Ehebrecherinnen, wisset ihr nicht, daß die Freundschaft der Welt Feindschaft wider Gott ist? Wer nun irgend ein Freund der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes dar“ (Jak 4,4).

Seiten: 1 2 3