Prototyp der Neuen Messe

von antimodernist2014

Wenn man die Arbeit der Modernisten mit derjenigen der sog. Traditionalisten vergleicht, so muß man leider weitestgehend feststellen, die Modernisten arbeiten vorausschauender, geordneter, zielstrebiger, gekonnter und viel effektiver als diese. Dazu kommt noch, nur ganz wenige Traditionalisten sind noch fähig, die ganze Tragweite der modernistischen Irrlehre richtig einzuschätzen, weshalb sie fast immer weit hinter der modernistischen Fehlentwicklung hinterherhinken. Ein Paradebeispiel dafür ist die hl. Liturgie und ihre modernistische Reform. Wir haben in der Artikelreihe „Liturgische Metamorphose“ schon ausführlich dargestellt, mit welchem über Jahrzehnte währenden Bemühen die Modernisten daran gegangen sind, die hl. Liturgie so grundlegend zu verändern, daß sie als Kult des Menschen auch zur neuen Menschenmachwerkskirche paßt.

Der hauptsächliche Macher der Neuen Messe, Annibale Bugnini, war ein Meister der liturgischen Verwandlungen, oder besser gesagt Fälschungen. Wahrlich meisterhaft verstand er es, den Katholiken einzureden, seine neuen Riten seien im Grunde nichts Neues, sondern nur die alten Riten in einer ursprünglicheren Form. Bugnini hatte schon unter Pius XII. die Möglichkeit, seine Meisterschaft unter Beweis zu stellen. Im Kielwasser der sog. Liturgischen Bewegung ging man damals schon daran, die Liturgie der Karwoche einfacher zu gestalten und damit vermeintlich der Liturgie des Urchristentums wieder besser anzugleichen. Das „2. Vatikanum“ wird in der Konstitution über die heilige Liturgie den ungeheuerlichen Satz sich zueigen machen: „Deshalb sollen die Riten unter treulicher Wahrung ihrer Substanz einfacher werden. Was im Lauf der Zeit verdoppelt oder weniger glücklich eingefügt wurde, soll wegfallen. Einiges dagegen, was durch die Ungunst der Zeit verlorengegangen ist, soll, soweit es angebracht oder nötig erscheint, nach der altehrwürdigen Norm der Väter wiederhergestellt werden.“ Die überwältigende Mehrheit der katholischen Bischöfe übernimmt mit diesem Text den von Pius XII. noch verurteilten Irrtum des Archäologismus, „jene übertriebene und ungesunde Altertumssucht“, welche behauptet, das Alte sei immer besser als das Neue und damit zudem das unfehlbare Wirken des Heiligen Geistes bei der Gestaltung der kirchlichen Riten leugnet.

Bei der Neugestaltung der Karwoche hatte Bugnini freilich erhebliche Mühe, diese auch nur einigermaßen durch dieses Argument glaubhaft zu machen, handelte es sich bei den meisten Riten um die ältesten des römischen Meßbuches überhaupt. Es war deswegen natürlich gar nichts Älteres oder Ursprünglicheres zu finden, wodurch aber ganz klar gezeigt wird, daß es im Grunde auch gar nicht darum ging. Dementsprechend gibt Aemiliana Löhr OSB in ihrem Buch „Die heilige Woche“ zu bedenken: „Die Frage ist: Wie kann eine Einrichtung, die so völlig göttlichen Ursprungs ist und der die Form jeder künftigen Gegenwärtigsetzung von göttlicher Hand vorgezeichnet ist, irgendwelcher Fehlentwicklung unterliegen, Wandlungen und Verzeichnungen erleiden, die ihre reine ursprüngliche Form verändern und darum späteren Geschlechtern Erneuerung, Wiederherstellung des Anfänglichen zur Pflicht machen?“ Die Antwort auf diese Frage klingt sodann recht ausweichend: „Nun, gewiß ist, daß der Kern einer so göttlichen Überlieferung niemals von dem Wandel und Wechsel angegriffen werden kann, der das Los aller bloß menschlichen Einrichtungen ist. Nie wird die Kirche in ihrer eigentlichen offiziellen Liturgie etwas anderes vergegenwärtigen und feiern als das Pascha Christi, wie jenes erste und einzige Opfer ‚auf dem Berge‘ genannt wurde, weil es sich zu der Zeit vollzog, als die Juden in Jerusalem die Passahlämmer schlachteten, um das jährliche Gedächtnis ihrer Herausführung aus Ägypten, ihres Durchzuges durch das Rote Meer und ihres Bundes mit Jahwe zu begehen.“

Ist es aber wahr, ist „der Kern einer so göttlichen Überlieferung“ durch die Liturgiereform wirklich nicht „von dem Wandel und Wechsel angegriffen, ja uminterpretiert und schließlich zerstört“ worden?

Der Karfreitag als Mitte der Karliturgie

Die Mitte der Karwochenliturgie ist „Der heilige Karfreitag“. Bugnini hatte offensichtlich ein ganz besonderes Augenmerk auf diesen Ritus geworfen. Da es sich beim Karfreitag nicht um eine hl. Messe im eigentlichen Sinne handelte, mußte er bei seiner Reform nicht so vorsichtig sein wie bei den anderen Riten, war doch der Ritus der hl. Messe zur damaligen Zeit immer noch weitestgehend unantastbar. Dennoch griff Bugnini bei seiner Karwochenreform auch schon in den Ritus der hl. Messe ein – und zwar immer da, wo er eine Akzeptanz erwarten konnte, nämlich bei den veränderlichen Teilen. So ließ er z.B. an manchen Tagen einfach das Stufengebet wegfallen. Da die Karfreitagsliturgie bekanntlich keine eigentliche Messfeier (wohl aber eine „Missa praesanctificatorum“) enthielt, war sie der ideale Rahmen für eine Neugestaltung des Ritus. Bugnini wird darum, ohne daß es irgendjemand gemerkt hat, diese Liturgie zum Prototyp seiner „Neuen Messe“ machen.

Die Neue Messe war, wie der Name ganz offen und unzweifelhaft zum Ausdruck bringt, eine Neuerfindung, eine Neuschaffung am grünen Brett. Sie hat keinerlei Vorbild in irgendeiner Liturgie der Vergangenheit. Das Konzil skizziert diese Neue Messe in der Liturgiekonstitution, an deren Ausarbeitung Bugnini bekanntlich ebenfalls mitgewirkt hatte, war er doch von 1959 bis 1962 Sekretär der Liturgischen Vorbereitungskommission des „2. Vatikanums“, folgendermaßen: Im Gegensatz zur alten Messe soll „den Gläubigen der Tisch des Gotteswortes reicher bereitet werden“ (SC 51). Zudem wird die Predigt „als Teil der Liturgie selbst sehr empfohlen“ (SC 52) und es soll nach dem Evangelium und der Predigt „das ‘Allgemeine Gebet’ oder ‘Gebet der Gläubigen’ wiedereingeführt werden, damit unter Teilnahme des Volkes Fürbitten gehalten werden“ (SC 53). Endlich wird „mit Nachdruck“ jene „vollkommenere Teilnahme an der Messe empfohlen, bei der die Gläubigen nach der Kommunion des Priesters aus derselben Opferfeier den Herrenleib entgegennehmen“. Bedeutsam ist auch noch die Nr. 56 der Liturgiekonstitution, in der von „beiden Teilen“ die Rede ist, „aus denen die Messe gewissermaßen besteht, nämlich Wortgottesdienst und Eucharistiefeier“. Diese seien „so eng miteinander verbunden, daß sie einen einzigen Kultakt ausmachen“.

Zur Erinnerung: Nach „alter“ Anschauung bestand die hl. Messe aus drei Hauptteilen, nämlich der Vormesse („Wortgottesdienst“), der Hauptmesse („Opfergottesdienst“) und der Nachmesse („Schlußgottesdienst“). Durch den dreiteiligen Aufbau zeigte sich als klares Zentrum der Opfergottesdienst, auf den die beiden anderen Teile wesentlich hingeordnet waren.

Im Folgenden wollen wir nun zeigen, wie es Bugnini meisterhaft verstand, diese Vorgaben schon im Voraus bei der Gestaltung des Ritus für den Karfreitag umzusetzen. Wir werden jeweils den ursprünglichen Ritus mit dem neu geschaffenen Ritus vergleichen und die verschiedenen Veränderungen herausarbeiten und kommentieren. Als Vorlage dient uns dabei der „Schott“ und ergänzend der „Bomm“.

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