Vom Dreifaltigkeitsfest

von antimodernist2014

1. Wir glauben an den dreifaltigen Gott: Ein Gott in drei Personen, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das ist es, was unseren christlichen Glauben von allen anderen Religionen unterscheidet, selbst den sogenannten „monotheistischen“. Denn diese glauben zwar an einen Gott, aber nicht an einen Gott in drei Personen. Für uns jedoch ist dieser Glaube fundamental, und wir bekennen ihn viele Male am Tag, z.B. wenn wir das Kreuzzeichen machen und dazu beten: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Wir übernehmen damit die Worte des Heilands, durch welche Er uns das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit geoffenbart und die Kirche beauftragt hat, alle Menschen auf diesen Glauben zu taufen. „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Geht darum hin und macht alle Völker zu Jüngern, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles halten, was Ich euch aufgetragen habe“ (Mt 28,18-20).

2. Der heilige Papst Pius X. fragt in seinem Katechismus: „Wann feiert die Kirche das Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit?“ Die Antwort lautet: „Die Kirche ehrt die allerheiligste Dreifaltigkeit jeden Tag des Jahres und besonders an den Sonntagen. Sie begeht aber dafür am ersten Sonntag nach Pfingsten ein besonderes Fest.“ So grundlegend und bedeutsam ist dieser Glaube, daß er nicht nur das ganze Leben der Kirche durchzieht, sondern durch ein eigenes Fest in besonderer Weise bekannt werden soll. Doch warum wird dieses Fest gerade am ersten Sonntag nach Pfingsten gefeiert? „Die Kirche feiert am ersten Sonntag nach Pfingsten das Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit, damit wir verstehen, daß es das Ziel der Geheimnisse Jesu Christi und der Herabkunft des Heiligen Geistes war, uns zur Erkenntnis der allerheiligsten Dreifaltigkeit zu führen und sie im Geist und in der Wahrheit zu ehren.“ Das ganze Erlösungswerk gipfelt und mündet in die Erkenntnis der heiligsten Dreifaltigkeit, und darin wird auch unser ewiges Leben und unsere ewige Seligkeit bestehen, den dreifaltigen Gott von Angesicht zu Angesicht zu schauen und teilzuhaben am Leben der drei göttlichen Personen.

„Dreifaltigkeit“ bedeutet, wie wir schon gesehen haben: „Ein Gott in drei wirklich verschiedenen Personen: dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist.“ Wir haben es also mit ein und demselben Gott zu tun, jedoch „in drei wirklich verschiedenen Personen“, weshalb wir auch zu jeder dieser Personen in besonderer Beziehung stehen und in besonderer Weise sprechen oder beten können. Es ist kennzeichnend für das Gebet vieler großer Heiliger, daß sie nicht einfachhin nur zu Gott beten, sondern sehr konkret die göttlichen Personen ansprechen, wie etwa der heilige Ludwig Maria Grignion von Montfort in seinem „prophetischen Flammengebet“, das sich zunächst an den Vater richtet, dann an den Sohn, dann an den Heiligen Geist. In jeder Litanei, die die Kirche betet, ruft sie zu Beginn nicht nur den dreifaltigen Gott als solchen, sondern auch alle drei Personen der Dreifaltigkeit einzeln an.

3. Nun ist Gott jedoch „reinster Geist“, wie wir wissen. „Warum stellt man also die allerheiligste Dreifaltigkeit in sichtbarer Gestalt dar?“ Es wird ja den Katholiken ihr Bilderkult oft zum Vorwurf gemacht, und das natürlich besonders dann, wenn sie Gott selbst, der doch reinster Geist ist, bildlich darstellen. Die Antwort des heiligen Pius X.: „Gott ist reinster Geist; aber man stellt die drei göttlichen Personen in bestimmten Bildern dar, um uns einige Eigenschaften oder Handlungen, die ihnen zugeschrieben werden, oder die Art, in der sie einige Male erschienen sind, erkennen zu lassen.“ Denn wenn auch Gott reinster Geist ist, so ist doch der Mensch trotz seiner Geistbegabung ein Sinnenwesen, er ist das „animal rationale“. Unser Geist ist zur Erkenntnis auf die Sinne angewiesen. Der heilige Thomas von Aquin sagt: „Nihil est in intellectu, quod non prius fuerit in sensu. – Nichts ist im Verstand, was nicht zuvor in den Sinnen gewesen ist.“ Wir müssen hören, sehen, fühlen, um zur Erkenntnis der geistigen Wahrheit zu gelangen. Daher bedient sich auch Gott und nach Seinem Beispiel die Kirche sinnlicher Mittel, um uns die geistigen Wahrheiten unseres Glaubens zu vermitteln. Jeder Katholik versteht das sehr gut, und keiner würde glauben, daß Gott Vater wirklich ein alter Mann mit Rauschebart ist, der auf einer Wolke thront.

Doch „warum wird Gott Vater in Gestalt eines Alten dargestellt“? Die Antwort versteht sich von selbst: „Gott Vater wird in Gestalt eines Alten dargestellt, um so die göttliche Ewigkeit zu versinnbildlichen, und weil Er die erste Person der allerheiligsten Dreifaltigkeit und der Ursprung der beiden anderen Personen ist.“ Wieviel Theologie steckt also in diesem einfachen Bild! Er ist der „Alte der Tage“ (Dan 7,9), der von Ewigkeit da ist, noch vor allem Anbeginn, noch vor den Uranfängen der Erde, ehe noch irgendetwas erschaffen ward. Und Er ist die erste Person der heiligsten Dreifaltigkeit, aus welcher die anderen Personen in ihr hervorgehen: Er zeugt den Sohn, ist selbst jedoch ungezeugt, mit dem Sohn zusammen haucht Er den Heiligen Geist, doch Er selbst ist ohne jeden Ursprung.

Der Sohn Gottes wird in Gestalt eines Mannes abgebildet, und dies hat seinen Grund sehr einsichtig darin: „Der Sohn Gottes wird in Gestalt eines Mannes dargestellt, weil Er auch wahrer Mensch ist, da Er für unser Heil die menschliche Natur angenommen hat.“ Das eben ist unser christlicher Glaube, daß die zweite Person der heiligsten Dreifaltigkeit, der Sohn Gottes, unsere menschliche Natur angenommen hat und aus der Jungfrau Maria als Mensch geboren wurde, um uns zu erlösen: Unser Herr Jesus Christus. Deswegen trägt der Sohn in den Darstellungen der heiligsten Dreifaltigkeit zumeist auch Sein Kreuz in der Hand, durch welches Er uns erlöst hat.

Der Heilige Geist wird zumeist „in Gestalt einer Taube dargestellt, weil Er in dieser Gestalt auf Jesus Christus herabkam, als dieser vom heiligen Johannes getauft wurde“. Auch dieses Bild ist tief theologisch, was uns nicht wundert, da doch Gott selber es für geeignet gefunden hat zur Darstellung des Heiligen Geistes bei der Taufe am Jordan. Dieser gewaltige Geist, welcher die Welt erschaffen hat, kommt wie eine sanfte Taube auf uns herab, Bild des Friedens, der Sanftmut, der Liebe, all jener Früchte des Heiligen Geistes.

4. „Was müssen wir am Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit tun?“ Fünf Dinge sind es, die wir tun sollen: „1. das Geheimnis des einen und dreieinigen Gottes anbeten“. Anbetung Gottes ist unsere erste Pflicht und wird unsere ganze Ewigkeit sein. Das „Heilig, heilig, heilig“ der himmlischen Heerscharen ist nichts als ständige Anbetung des dreifaltigen Gottes. Denn das sind „die wahrhaftigen Anbeter“, die „den Vater in Geist und Wahrheit anbeten“, d.h. im wahren Glauben an den dreifaltigen Gott, und solche Anbeter sucht der Vater (Joh 4,23).

Zweitens sollen wir „der allerheiligsten Dreifaltigkeit für alle zeitlichen und geistigen Wohltaten, die wir empfangen, danken“. Dank ist ja nach der Anbetung unsere zweite Pflicht Gott gegenüber, weshalb die Kirche ihr Nachtgebet, die Matutin, mit der Anbetung Gottes im Invitatorium beginnt: „Venite adoremus – kommt, lasset uns anbeten“, und mit dem großen Danklied, dem Te Deum, beendet: „Te Deum laudamus – Großer Gott, wir loben Dich“. Ebenso verknüpft sie in der Heiligen Messe stets den Dank mit der Anbetung; das große Danklied der Präfation mündet wiederum in das „Sanctus, Sanctus, Sanctus“ der Anbetung.

Drittens sollen wir „uns selbst ganz Gott weihen und uns vollständig Seiner göttlichen Vorsehung unterwerfen“. Der dreifaltige Gott ist der Schöpfer, Erhalter und Regierer der Welt. Über allem waltet Seine weise und gütige Vorsehung. Er ist unser liebender Vater, unser bester Freund, unser weisester Ratgeber. Was also könnten wir besseres tun als uns ganz Ihm zu unterwerfen, uns ganz Ihm anzuvertrauen?

Viertens sollen wir „daran denken, daß wir mit der Taufe durch die Anrufung und durch die Kraft des Namens des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in die Kirche eingetreten und Glieder Jesu Christi geworden sind“. Was für eine Gnade für uns, was für ein Vorzug! Als Glieder Jesu Christi, des menschgewordenen Sohnes Gottes, haben wir selber Zugang zur heiligsten Dreifaltigkeit. Wir sind Kinder des Vaters und Erben des Himmels. Ein solcher Adel verpflichtet uns zu einem entsprechenden Leben, wie wir es auch bei unserer Taufe versprochen haben.

Fünftens sollen wir „uns vornehmen, immer mit Andacht das Kreuzzeichen zu machen, das dieses Geheimnis ausdrückt, und mit lebendigem Glauben und mit der Absicht, die allerheiligste Dreifaltigkeit zu verherrlichen, jene Worte auszusprechen, welche die Kirche so oft wiederholt: ‚Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.’“ Das Kreuzzeichen wird oft so gewohnheitsmäßig, fahrig und nachlässig gemacht, und doch ist es Bekenntnis und Ausdruck unseres Glaubens. Wenn unser Glaube so ist wie die Kreuzzeichen, die wir machen, wie ist es dann um unseren Glauben bestellt? Wie schwach, wie lau, wie nachlässig ist er oft! Das können wir ändern, indem wir beim Kreuzzeichen anfangen. Ebenso ist es mit dem Lobpreis der heiligsten Dreifaltigkeit, der auch oft so unachtsam dahingebetet wird, insbesondere beim Rosenkranz. Denken wir, wie selbst die Engel im Angesicht der Majestät Gottes zittern, wenn sie der Dreifaltigkeit ihr Lob singen, und bemühen wir uns um eine ebenso große Ehrfurcht.

5. Schließlich können wir die heiligste Dreifaltigkeit nicht besser ehren als in ihrem Meisterwerk, der seligsten Jungfrau. Sie ist die geliebte Tochter des Vaters, die Mutter des Sohnes, die Braut des Heiligen Geistes. Die drei göttlichen Personen treffen sich in ihr und wirken in ihr in einer ganz außerordentlichen Weise. Wollen wir sie also ehren, indem wir oft die drei Ave beten oder den Engel des Herrn und dabei an die heiligste Dreifaltigkeit denken.