Liturgische Metamorphose – 7. Teil

von antimodernist2014

Das „große Werk“ des Alchimisten Annibale Bugnini ist am Ziel. Die Transformation vom terminus a quo, dem heiligen Meßopfer der katholischen Kirche, zum terminus ad quem, der Versammlung zur Mahlfeier der konziliaren Menschenmachwerkskirche, ist vollzogen. Wir haben im letzten Beitrag begonnen, uns eine solche „(un)heilige Versammlung des Volkes Gottes“ nach dem „Novus ordo“ im Detail näher anzusehen. Wir waren überrascht, wie deutlich in den „Gebeten zur Gabenbereitung“, welche an die Stelle der Opferung getreten sind, zum Ausdruck kommt, daß wir es nicht mehr mit dem Opfer des Abel, sondern mit dem des Brudermörders Kain zu tun haben. So sind wir auf alles gefaßt, wenn wir uns jetzt mit dem „Eucharistischen Hochgebet“ beschäftigen.

Eucharistisches Hochgebet

Endlich ist das „Eucharistische Hochgebet“ an der Reihe, das den früheren Meßkanon ersetzt. „Nun beginnen Mitte und Höhepunkt der ganzen Feier: das Eucharistische Hochgebet selbst, das heißt, das Gebet der Danksagung und der Heiligung“, behaupten die Bischöfe. „Der Priester lädt das Volk ein, die Herzen zum Herrn in Gebet und Danksagung zu erheben und vereint es mit sich in jenem Gebet, das er im Namen der ganzen Gemeinschaft durch Jesus Christus im Heiligen Geist an Gott den Vater richtet. Sinn dieses Gebetes aber ist es, dass die ganze Versammlung der Gläubigen sich mit Christus im Lobpreis der großen Taten Gottes und in der Darbringung des Opfers verbindet. Das Eucharistische Hochgebet verlangt, dass alle es ehrfürchtig und schweigend anhören“ (Nr. 78).

Wie unser Befund bereits gezeigt hat, ist das „Eucharistische Hochgebet“ allein schon vom Aufbau her keineswegs „Mitte und Höhepunkt der ganzen Feier“. Aufschlußreich ist auch die Definition als „Gebet der Danksagung und der Heiligung“, das der Priester „im Namen der ganzen Gemeinschaft durch Jesus Christus im Heiligen Geist an Gott den Vater richtet“. Darum kann natürlich der „Sinn dieses Gebetes“ nur ein gemeinschaftsstiftender sein: „dass die ganze Versammlung der Gläubigen sich mit Christus im Lobpreis der großen Taten Gottes und in der Darbringung des Opfers verbindet“. Die „ganze Versammlung der Gläubigen“ bringt also hier das Opfer dar, und der Priester handelt nicht „in persona Christi“, sondern „im Namen der ganzen Gemeinschaft“.

Im einzelnen müssen laut den deutschsprachigen Bischöfen folgende Teile des „Eucharistischen Hochgebets“ unterschieden werden (Nr. 79): „a) Die Danksagung, die besonders in der Präfation ihren Ausdruck findet: Im Namen des ganzen heiligen Volkes verherrlicht der Priester Gott, den Vater, und sagt ihm Dank für das gesamte Heilswerk oder für eine bestimmte Heilstat, je nach Tag, Fest oder Zeit.“ Die Präfation wird also Bestandteil des „Eucharistischen Hochgebets“. In der wahren Heiligen Messe ist sie die feierliche Eröffnung der Opferhandlung und geht dem Meßkanon voraus. In einer alten Ausgabe des „Schott Meßbuchs“ von 1938 heißt es immerhin noch: „Diese (die Präfation) ist ein feierliches Lob- und Danklied an den unendlich erhabenen Gott. Wir vereinigen uns dabei mit dem Lobpreis Christi selbst und mit den Chören der Engel.“ Nunmehr vereinen wir uns also nicht mehr demütig mit dem Lobpreis Christi und der ganzen himmlischen Heerscharen, sondern „der Priester“ selber „verherrlicht .. Gott“, und zwar im „Namen des ganzen heiligen Volkes“.

„b) Die Akklamation: Darin vereint sich die ganze Versammlung mit den himmlischen Mächten und singt das Sanctus. Diese Akklamation, die Teil des Eucharistischen Hochgebetes selbst ist, wird vom ganzen Volk zusammen mit dem Priester vorgetragen.“ Auch das Sanctus ist also „Teil des Eucharistischen Hochgebetes selbst“, während im wahren heiligen Meßopfer der „Canon Missae“ an das Sanctus anschließt. Wiederum ist es die „ganze Versammlung“, die hier tätig ist, weshalb die „Akklamation“ auch „vom ganzen Volk zusammen mit dem Priester vorgetragen“ wird.

„c) Die Epiklese: Darin erfleht die Kirche durch besondere Anrufungen die Kraft des Heiligen Geistes, damit die von Menschen dargebrachten Gaben konsekriert, das heißt, Leib und Blut Christi werden und damit die makellose Opfergabe, die in der Kommunion empfangen wird, denen zum Heil gereiche, die daran Anteil erhalten.“ Wir haben oben schon gesehen, daß man sich hier an den Ostkirchen orientiert, die fälschlich die „Epiklese“ für das konstituierende Element des Altarsakraments halten. Im Sinne des Opfers Kains müssen „die von Menschen dargebrachten Gaben“ betont werden, die Kommunion der Gläubigen wird als der eigentliche Zweck der „Konsekration“ angegeben und als notwendiges Mittel zum „Heil“. Daher die bei „konziliaren Katholiken“, selbst bei denen, die höchst selten überhaupt zur Messe gehen, inzwischen geradezu zwanghafte Angewohnheit, zum Kommunionempfang anzutreten, gleich in welchem Seelenzustand und in welcher Verfassung, auch ohne jegliche Kenntnis und Vorbereitung, egal: Man geht zur Kommunion, weil alle es tun.

„d) Der Einsetzungsbericht und die Konsekration: Durch die Worte und Handlungen Christi wird das Opfer vollzogen, das Christus selbst beim Letzten Abendmahl eingesetzt hat, als er seinen Leib und sein Blut unter den Gestalten von Brot und Wein darbrachte und den Aposteln zum Essen und Trinken reichte und ihnen den Auftrag gab, dieses Mysterium fortdauern zu lassen.“ Die „Konsekration“ verschwindet somit im „Einsetzungsbericht“, bei welchem durch „die Worte und Handlungen Christi“ das „Opfer vollzogen“ wird. Konsekration und „Einsetzungsbericht“ sind jedoch sehr verschiedene Dinge. Den „Einsetzungsbericht“ verliest der Priester etwa am Gründonnerstag im Evangelium, wo über das Letzte Abendmahl berichtet wird. Durch die Verlesung dieses „Einsetzungsberichtes“ geschieht aber keine Wandlung und daher auch kein Meßopfer, auch wenn er die „Worte und Handlungen Christi“ enthält. Erst wenn der Priester selbst „in persona Christi“ handelt und eben das tut, was der Heiland damals getan hat, nämlich Brot und Wein durch die Wandlungsworte in Christi Fleisch und Blut verwandeln, vollzieht sich auf dem Altar das Opfer. Die Konsekration ist eine Handlung, eine Aktion, nicht ein verlesener Bericht. Deshalb heißt es im wahren Meßbuch „infra actionem“. Genau hier liegt eines der großen Probleme des „Novus Ordo“. Dank der Ersetzung der Konsekration durch einen „Einsetzungsbericht“ geschieht keine Wandlung und kein Opfer mehr. Wenn die Herren „Konzelebranten“ um den Druidenstein herumstehen und in verteilten Rollen einen „Einsetzungsbericht“ verlesen, wird keine Konsekration vollzogen, selbst wenn sie sich für die „Herrenworte“ zum Chor vereinen und dazu ihre Hände erheben oder ausstrecken. Die Kardinäle Ottaviani und Bacci schreiben aus diesem Grund noch etwas vorsichtig in ihrer „Kurzen Kritischen Untersuchung des neuen ‘Ordo Missae’“: „Die Wandlungsworte, wie sie in den Kontext des Novus Ordo eingefügt sind, können gültig sein kraft der Intention des Priesters. Sie können auch ungültig sein, weil sie nicht mehr gültig sind ex vi verborum (aus der Kraft der Worte) oder genauer kraft des ‘modus significandi’, den sie bis jetzt in der Messe hatten. Werden die Priester, die die traditionelle Ausbildung nicht mehr erhalten haben (was in nächster Zeit der Fall sein wird) und sich, um ‘das zu tun, was die Kirche tut’, auf den Novus Ordo verlassen, gültig konsekrieren? Man darf daran zweifeln.“

„e) Die Anamnese: Durch sie begeht die Kirche das Gedächtnis Christi selbst, indem sie das Gebot erfüllt, das sie von Christus, dem Herrn, durch die Apostel empfangen hat. Sie gedenkt dabei vor allem seines heiligen Leidens, seiner glorreichen Auferstehung und seiner Himmelfahrt.“ Der „Novus Ordo“ ist ja wesentlich Gedächtnisfeier. Durch dieses „Gedächtnis“ wird das Ereignis vom Letzten Abendmal mystisch gegenwärtig und „verleiblichen“ sich die Gestalten von Brot und Wein.

„f) Die Darbringung: Darin bringt die Kirche, und zwar besonders als hier und jetzt versammelte, bei der Begehung dieses Gedächtnisses im Heiligen Geist die makellose Opfergabe dem Vater dar. Die Kirche wünscht, dass die Gläubigen nicht nur die makellose Opfergabe darbringen, sondern auch lernen, sich selbst darzubringen, und dass sie so von Tag zu Tag durch Christus, den Mittler, vollendet werden zur Einheit mit Gott und untereinander, damit Gott schließlich alles in allem sei.“ Die eigentliche „Darbringung“ geschieht also wieder durch „die Kirche, und zwar besonders als hier und jetzt versammelte“, sprich die konkrete „Gemeinde“ mittels des „Gedächtnisses“. Ziel ist die „Einheit mit Gott und untereinander“. Das entspricht der Idee von der Kirche als Ursakrament der Einheit des Menschengeschlechtes „mit Gott und untereinander“.

„g) Die Interzessionen: Durch sie kommt zum Ausdruck, dass die Eucharistie in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche, der himmlischen wie der irdischen, gefeiert wird und dass die Darbringung für sie und alle ihre Glieder geschieht, die Lebenden und Verstorbenen, die alle zur Teilnahme an der Erlösung und dem durch Christi Leib und Blut erworbenen Heil berufen sind.“ Zur „Teilnahme an der Erlösung und dem durch Christi Leib und Blut erworbenen Heil berufen“ sind ja an sich nicht nur die Glieder der Kirche, sondern alle Menschen. Die Christen sind dieser Erlösung vielmehr bereits teilhaftig geworden und erwarten nur noch deren Vollendung in der ewigen Seligkeit. Hier scheint vielmehr die Idee der „Menschheitskirche“ im Hintergrund zu stehen.

„h) Die Schlussdoxologie: Darin findet die Verherrlichung Gottes ihren Ausdruck; sie wird durch den Ruf Amen seitens des Volkes bekräftigt und abgeschlossen.“ Wiederum scheint es das „Volk“ zu sein, das Gott verherrlicht.

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