Liturgische Metamorphose – 7. Teil

Größere Veränderungen gab es bei der „Bitte um Verwandlung der Opfergaben“, die nun eine „Bitte um Heiligung der Gaben“ ist. „Heiligung“ ist ja nun etwas anderes als „Verwandlung“. „Heiligung“ geschieht beispielsweise auch durch Weihe von Gegenständen oder Personen, aber doch nicht ihre Wesensverwandlung! Zugleich soll die „Bitte um Heiligung“ wohl die „Epiklese“ ersetzen, die ja laut Vorgaben zum „Eucharistischen Hochgebet“ gehört. Im römischen Meßkanon fehlt diese, weil die Anrufung des Heiligen Geistes bereits bei der Opferung erfolgte, und muß daher nun irgendwie erzeugt werden. Entsprechend wurde der Text angepaßt. In der Version des wahren römischen Kanons lautet er: „Quam oblationem tu, Deus, in omnibus, quæsumus, benedictam, adscriptam, ratam, rationabilem, acceptabilemque facere digneris: ut nobis Corpus et Sanguis fiat dilectissimi Filii tui, Domini nostri Jesu Christi. – Diese Opfergabe mache Du, o Gott, wir bitten Dich, huldvoll in jeder Hinsicht zu einer gesegneten, (bei Dir) eingetragenen, gültigen, geistigen und genehmen, damit sie uns werde Leib und Blut Deines vielgeliebten Sohnes, unsres Herrn Jesus Christus.“ Dabei machte der Priester fünf Kreuzzeichen, drei über die gesamte Opfergabe und je eines über Hostie und Kelch. Nunmehr heißt es schlicht: „Schenke, o Gott, diesen Gaben Segen in Fülle und nimm sie zu eigen an. Mache sie uns zum wahren Opfer im Geiste, das dir wohlgefällt: zum Leib und Blut deines geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.“ Hier werden offensichtlich Brot und Wein als die Opfergaben angesehen, ganz gemäß den Texten der „Gabenbereitung“, die Gott segnen und annehmen möge, um uns daraus ein „wahres Opfer im Geiste“ zu machen, „das dir wohlgefällt: zum Leib und Blut deines geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus“ – wie immer man sich das vorstellen mag. Ob das Opfer bei Gott eingetragen und gültig ist, spielt dann auch keine Rolle mehr und kann getrost wegfallen. Hingegen haben wir bereits im Zusammenhang mit der Opferung gesehen, daß die Opfergabe bei der wahren Messe von Anfang an nichts anderes ist als Unser Herr Jesus Christus, Sein Fleisch und Sein Blut, deren Annahme zu unserem Heil in der folgenden Wandlung wir an dieser Stelle erflehen.

Einsetzungsbericht statt Konsekration

Es folgt nun der „Einsetzungsbericht“, der früher einmal die Wandlung war. Entsprechend finden sich im römischen Kanon die Wandlungsworte, und diese allein, stets hervorgehoben, während nun im „Ersten Eucharistischen Hochgebet“ der gesamte „Bericht“ hervorgehoben wird, also beginnend von „Am Abend vor seinem Leiden…“ bis „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Es lohnt sich auch, die übrigen Unterschiede zu betrachten. Im wahren Meßkanon heißt es bei der Wandlung der Hostie: „Qui pridie quam pateretur, accepit panem in sanctas ac venerabiles manus suas, et elevatis oculis in cælum ad te Deum, Patrem suum omnipotentem, tibi gratias agens, benedixit, fregit deditque discipulis suis, dicens: Accipite, et manducate ex hoc omnes. HOC EST ENIM CORPUS MEUM. – Er nahm am Abend vor Seinem Leiden Brot in Seine heiligen und ehrwürdigen Hände, erhob die Augen zum Himmel zu Dir, Gott, Seinem allmächtigen Vater, sagte Dir Dank, segnete es, brach es und gab es Seinen Jüngern mit den Worten: Nehmet hin und esset alle davon: DAS IST MEIN LEIB.“ Nunmehr lesen wir: „Am Abend vor seinem Leiden nahm er das Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, erhob die Augen zum Himmel, zu dir, seinem Vater, dem allmächtigen Gott, sagte dir Lob und Dank, brach das Brot, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegen wird.“

Wie wir sehen, ist der Segen samt dem zugehörigen Kreuzzeichen weggefallen, dafür wurde aus der Danksagung „Lob und Dank“ – natürlich, denn es ist ja laut Ratzinger das jüdische „Preis- und Segensgebet“. Zweimal wird „das Brot“ betont, ist es doch die „Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit“, und die eigentlichen Wandlungsworte wurden schriftgemäß ergänzt: „der für euch hingegeben wird“. Schließlich sind es ja keine Wandlungsworte mehr, sondern die „Herrenworte“ oder „Einsetzungsworte“ aus der Hl. Schrift. Im wahren Meßkanon vollzieht der Priester das, was er spricht. Bei den Worten „accepit panem“ nimmt er tatsächlich die Hostie in die Hand, bei „elevatis oculis“ hebt er die Augen zum Himmel, er neigt zum Dank das Haupt bei „tibi gratias agens“ und schlägt das Segenskreuz über die Hostie bei dem Wort „benedixit“. Nur das „fregit deditque“ ist auf die spätere Kommunion verschoben. D.h. der Priester erzählt hier also nicht einfach, was Christus getan hat, sondern er tut es selbst, er handelt eben „in persona Christi“. Im „Eucharistischen Hochgebet“ fällt das weg. Hier wird nur noch vorgelesen, nichts mehr getan.

Ähnlich erging es auch dem „Kelchwort“. Im römischen Kanon betet der Priester: „Simili modo postquam cœnatum est, accipiens et hunc præclarum Calicem in sanctas ac venerabiles manus suas: item tibi gratias agens, benedixit, deditque discipulis suis, dicens: Accipite, et bibite ex eo omnes. HIC EST ENIM CALIX SANGUINIS MEI, NOVI ET ÆTERNI TESTAMENTI: MYSTERIUM FIDEI: QUI PRO VOBIS ET PRO MULTIS EFFUNDETUR IN REMISSIONEM PECCATORUM. Hæc quotiescumque feceritis, in mei memoriam facietis. – In gleicher Weise nahm Er nach dem Mahle auch diesen wunderbaren Kelch in Seine heiligen und ehrwürdigen Hände, dankte Dir abermals, segnete ihn und gab ihn Seinen Jüngern mit den Worten: Nehmet hin und trinket alle daraus: DAS IST DER KELCH MEINES BLUTES, DES NEUEN UND EWIGEN BUNDES – GEHEIMNIS DES GLAUBENS –, DAS FÜR EUCH UND FÜR VIELE VERGOSSEN WIRD ZUR VERGEBUNG DER SÜNDEN. Tuet dies, so oft ihr es tut, zu Meinem Gedächtnis.“ Neuerdings heißt es so: „Ebenso nahm er nach dem Mahl diesen erhabenen Kelch in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, sagte dir Lob und Dank, reichte den Kelch seinen Jüngern und sprach: Nehmet und trinket alle daraus: Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“

Abermals wurde also der Segen samt Kreuzzeichen und alle Handlungen des Priesters entfernt, dafür das „Lob“ zum Dank gefügt und die Worte ein wenig umgestellt, vor allem aber wurde das „Geheimnis des Glaubens“ ausgeblendet und auf später verschoben (wozu wir gleich kommen werden) und die bewußte Falschübersetzung des „pro multis“ mit „für alle“ frech vorgenommen. Diese falsche Übersetzung, die trotz der vor nicht allzu langer Zeit erfolgten Anmahnung des Vatikans zur Korrektur nach wie vor in deutschen Landen überall in Gebrauch ist, verfälscht die Worte Christi und den Sinn des ganzen Geschehens. Hätte Unser Herr Jesus Christus „für alle“ gemeint, dann hätte Er auch „für alle“ gesagt. Er hat aber bewußt „für viele“ verwendet, weil es in der Heiligen Messe nicht um das Verdienen der Erlösungsfrüchte geht, die der Heiland freilich für alle erworben hat, sondern um ihre Zuwendung, und diese setzt voraus, daß die Seele durch Glaube und Liebe mit Unserem Herrn Jesus Christus verbunden ist, was keineswegs bei „allen“, sondern leider nur bei vielen der Fall ist. Oder wissen es unsere Herren Neu-Liturgiker besser als Unser Herr Jesus Christus? Tatsächlich ist diese Fälschung so gravierend, daß sie allein genügt hätte, die Gültigkeit einer so gefeierten Messe in Frage zu stellen.

Auffallend ist auch die Auslassung der Worte „so oft ihr es tut“ in der Mahnung zum Gedächtnis des Herrn. Bekanntlich hat das Konzil von Trient festgestellt, daß der Heiland mit diesen Worten die Apostel zu Priestern geweiht hat. „So oft ihr dies tut“, so oft ihr also eure priesterliche Vollmacht ausübt und das Meßopfer feiert, so will der Heiland sagen, „tut dies zu meinem Gedächtnis“. „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ hingegen kann im Sinne einer schlichten Gedächtnisfeier verstanden werden, so wie man auch den Jahrtag der Landung der Alliierten in der Normandie und ähnliches feiert, und soll wohl auch das meinen. Nicht mehr das „Tun“, also das Feiern der Hl. Messe durch Vollzug der Wandlung, sondern das „Gedächtnis“ steht hier im Vordergrund. Wie sagte es Ratzinger so schön: Wir treten ein in die „Stunde Jesu“, in „sie treten wir ein durch das Wort der heiligen Macht der Verwandlung, die durch das Preisgebet geschieht, das uns in die Kontinuität mit Israel und der ganzen Heilsgeschichte Gottes stellt und uns zugleich das Neue schenkt, auf das dieses Gebet von innen her wartete“.

Die Worte „mysterium fidei – Geheimnis des Glaubens“ hat die Kirche nicht umsonst in die Wandlungsworte selbst aufgenommen. Sie sind eine uralte Tradition, wahrscheinlich sogar älter als die „Einsetzungsworte“ der Heiligen Schrift. Denn hier, bei der Wandlung des Weines in das Kostbare Blut Unseres Herrn Jesus Christus, vollzieht sich das Geheimnis des Glaubens, nun ist der Gottmensch wahrhaft, mit Leib und Blut, unter den Gestalten von Brot und Wein auf dem Altar gegenwärtig, erneuert Er unsichtbar Sein Kreuzesopfer und vergießt mystisch Sein Kostbares Blut zu unserem Heil. Werden diese Worte herausgenommen und hinter den „Einsetzungsbericht“ gesetzt, so ergeben sie einen ganz neuen Sinn. Sie machen aus dem ganzen „Gedächtnis“ ein Mysterium, das „Pascha-Mysterium“ eben, bei welchem in unserer Gemeinschaftsfeier zum Andenken an das Geschehen beim Letzten Abendmahl Jesus Christus auf geheimnisvolle, geistige Weise gegenwärtig wird. Darum folgt nun auch der neu ersonnene und eingefügte, im römischen Meßkanon nie vorhanden gewesene, „Zuruf der Gemeinde“: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ Schon mancher Liturgiker hat darauf hingewiesen, wie widersinnig es sei, gerade in diesem Augenblick, da der Herr leibhaftig auf dem Altar gegenwärtig sein sollte, auf Seine Wiederkunft am Ende der Welt zu verweisen. Im Kontext der „Neuen Messe“ ergibt das einen Sinn. Wir halten eben durch diese Gedächtnisfeier das Andenken Jesu so lange lebendig, bis er „kommt in Herrlichkeit“.

Gedächtnis und Gemeinschaft

Im römischen Kanon erfolgt nun das Gedächtnis des Erlösungswerkes Christi: „Unde et memores, Domine, nos servi tui, sed et plebs tua sancta, ejusdem Christi Filii tui, Domini nostri, tam beatae passionis, nec non et ab inferis resurrectionis, sed et in caelos gloriosae ascensionis: offerimus praclarae majestati tuae de tuis donis ac datis, hostiam puram, hostiam sanctam, hostiam immaculatam, Panem sanctum vitae aeternae, et Calicem salutis perpetuae. – Daher sind wir denn eingedenk, Herr, wir, Deine Diener, aber auch Dein heiliges Volk, des heilbringenden Leidens, der Auferstehung von den Toten und der glorreichen Himmelfahrt Deines Sohnes, unsres Herrn Jesus Christus, und bringen so Deiner erhabenen Majestät von Deinen Geschenken und Gaben ein reines Opfer dar, ein heiliges Opfer, ein makelloses Opfer: das heilige Brot des Lebens und den Kelch des immerwährenden Heiles.“ Im „Eucharistischen Hochgebet“ des „NOM“ liest es sich so: „Darum, gütiger Vater, feiern wir, deine Diener und dein heiliges Volk, das Gedächtnis deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus. Wir verkünden sein heilbringendes Leiden, seine Auferstehung von den Toten und seine glorreiche Himmelfahrt. So bringen wir aus den Gaben, die du uns geschenkt hast, dir, dem erhabenen Gott, die reine, heilige und makellose Opfergabe dar: das Brot des Lebens und den Kelch des ewigen Heiles.“