Liturgische Metamorphose – 7. Teil

Im römischen Kanon wird an dieser Stelle des Erlösungswerkes unseres Heilands gedacht, das sich eben am Altar wiederholt hat, denn dort hat sich das Kreuzesopfer Christi erneuert, weshalb in diesem Gebet dreimal das Wort „Opfer“ vorkommt. Zugleich befindet Er sich nun als der Auferstandene und in den Himmel Aufgefahrene in den heiligen Gestalten auf dem Altar, sodaß wir in diesen Ihn und Sein gesamtes Erlösungswerk dem himmlischen Vater aufopfern können, was feierlich mit fünf Kreuzzeichen geschieht. Im „Novus Ordo“ gedenken wir nicht dessen, was soeben geschehen ist, sondern „feiern“ ein „Gedächtnis“ und „verkünden“ den Tod Jesu, Seine Auferstehung und Himmelfahrt, bis er kommt „in Herrlichkeit“. Und indem wir das tun, bringen wir Gott ein Lobopfer dar, natürlich ohne lästige und übertriebene Kreuzzeichen. Deshalb ist auch nicht mehr dreimal vom Opfer die Rede, sondern nur einmal von der „Opfergabe“. Und eine solche „Opfergabe“, so geht aus der anschließend einigermaßen unverändert übernommenen „Bitte um Annahme“ hervor, haben wohl auch Abel, Abraham und Melchisedech dargebracht, deren Opfer hier als die Vorbilder des heiligen Meßopfers aufgeführt werden. Doch es ist etwas anderes, ob man an das denkt, was tatsächlich gerade auf dem Altar geschieht, wenn auch unsichtbar als „Geheimnis des Glaubens“, oder ob man sich an etwas erinnert, was vor 2000 Jahren einmal im Abendmahlsaal geschehen ist. Ersteres ist die Art, wie die Kirche im römischen Kanon das Gedächtnis des Erlösungswerks Christi feiert, zweiteres die „Gedächntisfeier“ des „Novus ordo“.

Das folgende Gebet des römischen Kanon beginnt mit einer tiefen Verneigung des Priesters über dem Altar und den Worten: „Supplices te rogamus, omnipotens Deus – Demütig bitten wir Dich, allmächtiger Gott“. Verneigung und Demut sind im „Eucharistischen Hochgebet“ gestrichen: „Wir bitten dich, allmächtiger Gott“, heißt es dort schlicht im „Glanz edler Einfachheit“. Im Meßkanon fährt das Gebet fort: „jube haec perferri per manus sancti Angeli tui in sublime altare tuum, in conspectu divinae majestatis tuae: ut, quotquot ex hac altaris participatione sacrosanctum Filii tui Corpus, et Sanguinem sumpserimus, omni benedictione caelesti et gratia repleamur. Per eundem Christum… – Dein heiliger Engel möge dieses Opfer zu Deinem himmlischen Altar emportragen vor das Angesicht Deiner göttlichen Majestät. Laß uns alle, die wir gemeinsam von diesem Altare das hochheilige Fleisch und Blut Deines Sohnes empfangen, mit allem Gnadensegen des Himmels erfüllt werden. Durch Christus…“ Im „Novus Ordo“: „Dein heiliger Engel trage diese Opfergabe auf deinen himmlischen Altar vor deine göttliche Herrlichkeit; und wenn wir durch die Teilnahme am Altar den heiligen Leib und das Blut deines Sohnes empfangen, erfülle uns mit aller Gnade und allem Segen des Himmels.“ Das eine Mal ist von der Gemeinschaft der Heiligen die Rede, welche alle „gemeinsam von diesem Altare das hochheilige Fleisch und Blut Deines Sohnes empfangen“, womit die geistige Kommunion gemeint ist, welche uns „mit allem Gnadensegen des Himmels erfüllt“. Das andere Mal ist von jenen die Rede, die zur Kommunion gehen, und dann, „wenn“ sie „durch die Teilnahme am Altar den heiligen Leib und das Blut deines Sohnes empfangen“, „mit aller Gnade und allem Segen des Himmels“ erfüllt werden sollen. Hier geschieht also die Gemeinschaft durch gemeinsame sakramentale Kommunion, „Mahlfeier“ eben. Abermals bemerken wir, daß das „Opfer“ des Kanon durch die „Opfergabe“ ersetzt worden ist, das Opfer von Leib und Blut Unseres Herrn Jesus Christus durch die „Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit“.

Beim nun folgenden Gedächtnis der Toten fällt vor allem auf, daß die zweifache Anrufung des Herrn und die Schlußformel „Durch Christus, unsern Herrn“ gestrichen sind. So lautet das Original: „Memento etiam, Domine, famulorum famularumque tuarum N. et N., qui nos praecesserunt cum signo fidei, et dormiunt in somno pacis. Ipsis, Domine, et omnibus in Christo quiescentibus locum refrigerii, lucis et pacis ut indulgeas, deprecamur. Per eundem Christum, Dominum nostrum. Amen. – Herr, gedenke auch deiner Diener und Dienerinnen N. und N., die uns mit dem Zeichen des Glaubens vorangegangen und im Frieden entschlafen sind. Wir flehen Dich an, Herr: gewähre ihnen und allen, die in Christus ruhen, in Deiner Milde den Ort der Erquickung, des Lichtes und des Friedens. Durch denselben Christus, unsern Herrn. Amen.“ Nunmehr heißt es: „Gedenke auch deiner Diener und Dienerinnen, die uns vorangegangen sind, bezeichnet mit dem Siegel des Glaubens, und die nun ruhen in Frieden. Wir bitten dich: Führe sie und alle, die in Christus entschlafen sind, in das Land der Verheißung, des Lichtes und des Friedens.“ Dreimal wird der Herr – Dominus – in diesem Gebet ursprünglich genannt, nicht ein einziges Mal in der „Novus Ordo“-Abwandlung. Die vom Priester still zu nennenden Namen der Verstorbenen „N. und N.“ werden schlicht durch ein „stilles Gedenken“ ersetzt, das wohl ganz allgemein bleiben darf.

Das anschließende Gebet „Nobis quoque“ ist einigermaßen unverändert beibehalten worden, nur entfällt natürlich die kurze Erhebung der Stimme des Priesters – denn er spricht ja ohnehin alles laut und zumeist ins Mikrophon – sowie das Schlagen an die Brust. Der feierliche Lobpreis zum Abschluß des Kanon enthielt allein acht Kreuzzeichen. Drei wurden über die heiligen Opfergaben geschlagen bei dem Gebet „Per quem haec omnia“, jeweils zu den Worten „sanctificas, vivificas, benedicis – heiligest, belebst, segnest“: „Per quem haec omnia, Domine, semper bona creas, sanctificas, vivificas, benedicis et praestas nobis. – Durch Ihn erschaffst Du, Herr, immerfort all diese Gaben, heiligest, belebst, segnest und gewährst sie uns.“ Sodann deckte der Priester den Kelch ab und machte mit der Hostie fünf Kreuzzeichen, drei über dem Kelch, zwei über dem Korporale, um danach Kelch und Hostie zusammen zur „kleinen Elevation“ zu erheben. Dabei betet er: „Per ipsum, et cum ipso, et in ipso, est tibi, Deo Patri omnipotenti, in unitate Spiritus Sancti, omnis honor et gloria. – Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm wird Dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes, alle Ehre und Verherrlichung.“ Nachdem er die Opfergaben wieder aufs Korporale niedergelegt hat, macht er eine Kniebeuge, um dann laut den Abschluß zu beten oder zu singen: „Per omnia saecula saeculorum. – Von Ewigkeit zu Ewigkeit“, worauf die Gläubigen antworten: „Amen.“ In der „erneuerten“ Version entfallen sämtliche Kreuzzeichen sowie die Kniebeuge. Der Zelebrant hält Kelch und Hostie in der Luft und spricht oder singt dabei laut – allein oder mit den „Konzelebranten“ – das seither nur allzu bekannte: „Durch ihn und mit ihm und in ihm…“

Ungültige Nicht-Messen

Wir stellen zusammenfassend fest, daß die Veränderungen am Meßkanon ausgesprochen schwerwiegend sind, was umso mehr ins Gewicht fällt, als es sich hier um den Kern oder das Herzstück der ganzen Heiligen Messe handelt. Man hat den ursprünglichen heiligen römischen Meßkanon degradiert zu einem „Eucharistischen Hochgebet“ neben mehreren anderen, von Menschen gemachten. Man hat ihn vollständig seines geheimnisvollen und durch und durch sakralen Charakters beraubt. Mehr noch, man hat ihn zu einem „Preis- und Segensgebet“ umgeformt, in welchem nur noch das Gedächtnis des Letzten Abendmahls begangen wird und nicht mehr das Opfer von Golgotha. Darum wurde die Wandlung, das eigentliche Geschehen der Heiligen Messe – die jetzt nur noch ein Bestandteil der „Berakha“ ist, welche insgesamt jene eigentliche „grundlegende Verwandlung“ bewirkt „von Gewalt in Liebe“ – durch einen „Einsetzungsbericht“ ersetzt, die Handlung durch ein „Gedächtnis“, sogar die noch von der apostolischen Zeit her tradierten uralten und stets unangetastet gebliebenen Konsekrationsworte wurden verändert und verfälscht und sind nun „Einsetzungsworte“, „Herrenworte“ oder „Hingabeworte“.

Man kommt um die Einsicht nicht herum, daß in dieser „Messe“ – selbst bei Verwendung des sog. „römischen Kanon“, der in Wahrheit gar nicht mehr der römische Kanon ist – keine Wandlung oder Konsekration mehr stattfindet. Die „Messen“, die nach dem Meßbuch Pauls VI. gefeiert werden, sind keine wahren Messen, sie sind ungültig. Nur wenn ein Priester an der entscheidenden Stelle von diesem Meßbuch abweicht und etwa den römischen Meßkanon tatsächlich auf die Art und Weise betet, wie es all die Jahrhunderte hindurch geschehen ist, dazu noch die früheren Opferungsgebete, kann eine solche Messe gültig sein. Schon in der „Ottaviani-Intervention“ war dies, wie bereits erwähnt, vorsichtig angedeutet worden: „Die Wandlungsworte, wie sie in den Kontext des Novus Ordo eingefügt sind, können gültig sein kraft der Intention des Priesters. Sie können auch ungültig sein, weil sie nicht mehr gültig sind ex vi verborum (aus der Kraft der Worte) oder genauer kraft des ‘modus significandi’, den sie bis jetzt in der Messe hatten. Werden die Priester, die die traditionelle Ausbildung nicht mehr erhalten haben (was in nächster Zeit der Fall sein wird) und sich, um ‘das zu tun, was die Kirche tut’, auf den Novus Ordo verlassen, gültig konsekrieren? Man darf daran zweifeln.“ Wenn freilich die „Herrenworte“ „nicht mehr gültig sind ex vi verborum (aus der Kraft der Worte) oder genauer kraft des ‘modus significandi’, den sie bis jetzt in der Messe hatten“, dann „können“ sie nicht nur „ungültig sein“, sondern dann sind sie per se ungültig. Nur wenn aus den „Herrenworten“ wieder bewußt Konsekrationsworte, aus dem „Einsetzungsbericht“ wieder gezielt eine Wandlung gemacht wird, können sie gültig sein.

Darum nochmals unser Befund: Der „Novus Ordo“ Pauls VI. ist keine Heilige Messe mehr. Es kommt darin per se – außer durch bewußtes und ergänzendes eigenes Zutun des Priesters – keine Wandlung mehr zustande. Die „Novus Ordo-Messen“ sind an sich ungültige Nicht-Messen, Negation der Messe oder „Anti-Messen“.