Zur Oktav der hll. Apostel Petrus und Paulus

von antimodernist2014

Die hl. Kirche feiert jedes Jahr den Märtyrertod der hll. Apostel Petrus und Paulus in einem einzigen Fest. Beide hatten in Rom gewirkt und gelehrt. Der eine wurde für seinen Glauben an Jesus Christus gekreuzigt, der andere enthauptet. Mit ihrem Tod gaben die beiden Apostelfürsten ein letztes, zum äußersten bereites Zeugnis dafür, daß sie glaubten, Jesus Christus ist der wahre und einzige Sohn Gottes, der durch seinen Tod am Kreuz unser aller Erlöser geworden ist.

Dieses Fest ist besonders seit der Reformationszeit zu einem Bekenntnis zum Felsenmann, also zum Papsttum geworden. Der hl. Petrus ist nicht einfach eine Einzelperson mit einem persönlichen Charisma, wie der hl. Paulus, nein, er ist in seinem Amt eine Institution – und zwar eine göttliche Institution. Das hl. Evangelium dieses Festes ist der Haupttext der Heiligen Schrift, auf den sich dieser Glaube von der göttlichen Institution des Petrusamtes stützt. Dieser Text wird heutzutage zwar vielfach zitiert, wenn es um die Frage des Papsttums geht, aber wird er richtig verstanden und wird er richtig angewendet?

Sowohl die Modernisten, die Konservativen, die Traditionalisten, als auch die Katholiken kennen den Text und führen ihn als Beweis für ihre Ansicht an. Die meisten lassen sich jedoch in die Irre führen, weil sie nicht genau hinhören und den Text deswegen nicht richtig verstehen und deuten. Der Grund für die Fehldeutung ist wohl meistens eine ideologische Voreingenommenheit, die man stillschweigend an den Text heranträgt und zur Interpretationsgrundlage macht. Wegen dieser vielfältigen Mißdeutungen ist es sicher der Mühe wert, sich mit dem wahren Aussagesinn dieser wenigen Zeilen etwas genauer zu beschäftigen. Was ist hier wirklich gesagt? Was trägt man dagegen vielmals willkürlich in den Text hinein? Wie ist er in Bezug auf die heutige Situation richtig zu deuten?

Der hl. Text beginnt mit einer allgemeinen Frage Jesu an die Jünger: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ Was ist die öffentliche Meinung über Mich? Was denkt der Mann auf der Straße über den Menschensohn? Der hl. Thomas bemerkt in seiner Catena Aurea: „Er sagt aber nicht: Für wen halten mich die Schriftgelehrten und Pharisäer? Sondern: Für wen halten mich die Menschen? Denn er will die Gesinnung des Volkes, das nicht zum Bösen geneigt war, erfahren. Denn obwohl ihre Ansicht von Christus viel niedriger war, als sie hätte sein sollen, so war sie doch ferne von der Bosheit, während die Ansicht der Pharisäer von Christus sehr boshaft war.“

Für wen halten also die Menschen den Menschensohn? „Die einen für Johannes den Täufer, die andern für Elias, wieder andere für Jeremias oder einen Propheten.“ Wie nicht anders zu erwarten, ist die allgemeine Auskunft nicht einheitlich. Der hl. Thomas kommentiert: „Daher heißt es: Sie aber sprachen: Einige für Johannes den Täufer, — welche nämlich der Ansicht des Herodes folgten, — andere für Elias – indem sie nämlich glaubten, daß Elias entweder zum zweiten Mal geboren wurde, oder seit jener Zeit im Körper lebte und in jener Zeit wieder erschien –, andere für Jeremias, — welchen der Herr zum Propheten für die Heiden bestellte, ohne einzusehen, daß Jeremias das Vorbild Christi war —, oder für einen von den Propheten, — aus einem ähnlichen Grund wegen dessen, was der Herr zu jenen Propheten redete. Aber dies ging nicht an ihnen, sondern an Christus in Erfüllung.“ Und Alioli ergänzt: „Das Volk meinte wohl wie Herodes, die Propheten seien nach der Auferstehung mächtiger in Wunderwerken. Es bestand eine allgemeine Erwartung, daß der Messias kommen werde, aber man erwartete ihn in Herrlichkeit und Macht.“

Nach dieser Auskunft wendet sich Jesus direkt an die Apostel: „Ihr aber, für wen haltet ihr Mich?“ In seiner Catena Aurea schreibt der hl. Thomas dazu: „Weil aber die Jünger die Ansicht des Volkes angegeben hatten, fordert er sie durch die zweite Frage auf, etwas Größeres von ihm zu halten. Darum folgt: Jesus sagte zu ihnen: Für wen haltet aber ihr mich? Ihr, sage ich, die ihr immer bei mir seid, und größere Wunder als das Volk seht, dürft in eurer Meinung nicht mit dem Volk übereinstimmen. Darum fragte er sie nicht gleich vom Anfang der Predigt, sondern nachdem er viele Wunder gewirkt und mit ihnen von seiner Gottheit vieles gesprochen hatte.“

Die Frage nach dem Größeren steht also unmittelbar im Raum. Es ist wohl jetzt bei den Aposteln so wie bei vielen anderen Gelegenheiten: Man meint, über eine gewisse Sache ganz gut Bescheid zu wissen, sobald man aber gefragt wird, kommt man ins Stottern und ist unfähig, eine sachlich klare, wohlüberlegte Antwort zu geben. Genauso erging es den Aposteln bei dieser unvermittelten Frage Jesu. Sie verstummten und es folgte eine geraume Weile des Schweigens. Ehe diese Weile allzu peinlich zu werden beginnt, ergreift Petrus spontan das Wort und sagt laut, deutlich, ohne zu stottern: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Ein klares Bekenntnis der Gottheit Jesu ist also die Antwort des Petrus auf dessen Frage, was für einen gläubigen Juden zu dieser Zeit wahrlich etwas Großes, ja Gewaltiges war, hatte der gläubige Jude schließlich eine wahre, vollkommen richtige, überaus ehrfurchtgebietende Einsicht in das transzendente Wesen Gottes, desjenigen Gottes, der Himmel und Erde erschaffen hat und der himmelweit über den Cherubim thront.

Lassen wir uns auch diese Antwort Petri vom hl. Thomas kommentieren: „Petrus leugnete, daß Jesus etwas von dem sei, wofür ihn die Juden hielten, aber er bekannte: Du bist Christus, was die Juden nicht wußten, sondern, was noch mehr ist: der Sohn des lebendigen Gottes, der auch durch die Propheten gesagt hatte: Ich lebe, sagt der Herr; darum sagte er lebendig, aber im höchsten Sinn, weil er über alles Lebendige hinausragt, weil er allein die Unsterblichkeit hat, und die Quelle des Lebens ist, was eigentlich Gott der Vater heißt. Das Leben ist der gleichsam von der Quelle hervorgehende, welcher sagte (Joh. 11): Ich bin das Leben. — Gott nennt er ferner lebendig im Vergleich zu den Götzen, die für Götter gehalten werden, aber tot sind, nämlich Saturn, Jupiter, Venus und Hercules und die übrigen Ungeheuer der Götzen.“

Petrus denkt also sicher bei seinem Bekenntnis nicht an einen dieser heidnischen Göttersöhne, oder soll man besser sagen heidnische Göttersöhnchen, spricht er doch vom Sohn des lebendigen Gottes, wohingegen die Götter der Heiden Söhne eines toten Gottes sind. Der hl. Thomas fährt deswegen weiter: „Der Glaube ist aber wahr und unverletzlich, daß von Gott Gott der Sohn hervorgegangen sei, der mit dem Vater von gleicher Ewigkeit ist. Daß dieser nun den Leib angenommen und Mensch geworden sei, dies ist das vollkommene Bekenntnis.“ Auf dieses Bekenntnis des Petrus hin entgegnet Jesus: „Selig bist du Simon, Sohn des Jonas, denn nicht Fleisch und Blut hat dir das geoffenbart, sondern Mein Vater, der im Himmel ist. Und ich sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen will Ich meine Kirche bauen.“

Für das richtige Verständnis dieser Worte des hl. Evangeliums ist es entscheidend, den Zusammenhang dieser Textstellen nicht aus dem Auge zu verlieren. Das Bekenntnis des Herrn, „Du bist Petrus“, hat das Bekenntnis Petri zur Voraussetzung: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Wobei unser Herr betont, daß dieses Bekenntnis des Petrus kein rein menschliches Bekenntnis ist, also nicht menschlicher, natürlicher Vernunft entspringt, sondern einer Erleuchtung durch Gott Vater. Dieses Bekenntnis des Petrus ist somit ein Akt des übernatürlichen, göttlichen Glaubens. Und dieser eingegossene, göttliche Glaube ist wiederum Voraussetzung, Bedingung, Grundlage für die Antwort Jesu. Petrus ist nur Petrus aufgrund seines göttlichen Glaubens an Jesus, den Sohn des lebendigen Gottes. Nochmals sei es betont: Dieser göttliche, übernatürliche, eingegossene Glaube ist Voraussetzung, Bedingung für das Petrussein, das Fels-sein. Das zu sehen, ist äußerst wichtig.

Diesen Zusammenhang bestätigt auch der hl. Thomas: „Dem Bekenntnis des Petrus folgte aber ein würdiger Lohn, weil er am Menschen den Sohn Gottes gesehen hatte. Daher folgt: Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat es dir nicht geoffenbart. – Denn Christus gab ebenfalls dem Apostel Zeugnis, wie Petrus von ihm Zeugnis ablegte. Er hatte nämlich gesagt: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Der Herr aber sagte zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir dies nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der im Himmel ist. Was das Fleisch und Blut nicht offenbaren konnte, das wurde durch die Gnade des Hl. Geistes geoffenbart. Vom Bekenntnis also erlangt er den Beinamen, welcher anzeigt, daß er die Offenbarung vom Hl. Geist habe, weil er dessen Sohn heißt; denn Barjona bedeutet in unserer Sprache Sohn der Taube.“

Gehen wir nun dem Begriff auf den Grund: Was heißt Petrus-sein, Fels-sein genau? Wofür steht dieses Bild? Fels-sein heißt in diesem Zusammenhang, also im Hinblick auf die Kirche Jesu Christi: Im übernatürlichen Glauben von unerschütterlicher Festigkeit sein. Es heißt, in allem den göttlichen Glauben bewahren, verteidigen, erklären, vor Mißdeutungen und Verdrehungen schützen. Petrus ist nur dann der Felsenmann, wenn er diese Aufgabe erfüllt – eine übermenschliche Aufgabe, die genau wie der Glaube Petri an die Gottheit Jesu ein göttliches Geschenk ist, das wir die Unfehlbarkeit nennen. Allein dieses Charisma der Unfehlbarkeit macht Petrus zum Felsenmann.

Dementsprechend schreibt Papst Leo XIII. in seinem Apostolischen Rundschrieben „Satis Cognitum“, vom 29. Juni 1896: „JESUS CHRISTUS hat also, wie aus dem Gesagten klar hervorgeht, in der Kirche ein lebendiges, beglaubigtes und ewig fortdauerndes Lehramt eingesetzt, ausgestattet mit einer von IHM entspringenden Gewalt; ER hat dieses Lehramt mit dem Geist der Wahrheit versehen, durch Wunder bestätigt, und ER hat strengstens anbefohlen, dessen Lehrvorschriften geradeso wie Seine eigenen zu beobachten. Sooft also durch das Wort dieses Lehramtes erklärt wird, dieser oder jener Punkt gehöre zum Umfang der von GOTT her überlieferten Lehre, dann muß jeder fest daran glauben, daß dies wahr ist: wenn auf irgendeine Weise etwas Falsches daran wäre, so folgte daraus (was ein offenkundiger Widerspruch ist), daß GOTT selber der Urheber des Irrtums im Menschen sei. Herr, wenn es ein Irrtum ist, dann sind wir von dir betrogen worden (Richardus de S. Victore, De Trin, lib. I, cap. 2.). Dem Zweifel ist somit jeder Grund entzogen — und wie kann dann jemand nur irgendeine unter diesen (göttlichen) Wahrheiten zurückweisen, ohne daß er eben dadurch der offenkundigen Irrlehre verfällt? Und ohne daß er sich (äußerlich sichtbar) von der Kirche trennt, verwirft er mit diesem einen Satz die gesamte christliche Lehre“ (Freude an der Wahrheit, Karl Haselböck, Wien, Nr. 83, S. 20).

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