Zur Oktav der hll. Apostel Petrus und Paulus

Mgr. Fellay ist also offensichtlich der Meinung, daß „unsere heilige Mutter Kirche“ ihre Einheit verlieren kann – und zwar „sowohl aufseiten des Glaubens und der Moral, als auch aufseiten der Liturgie und der Leitung“. Liegt es nicht nahe, daß der Grund für diese irrige Meinung des Generaloberen der Piusbruderschaft sein häretischer „Papst“ ist, dem er de facto, also in der Tat, in Wirklichkeit, gezwungenermaßen, da er ihn als Häretiker nicht mehr ernst nehmen kann, nur noch einen Ehrenprimat zuerkennt, von dem Leo XIII. sagt: „Der bloße ‚Vorrang der Ehre‘ und eine wenig besagende Beratungs- und Ermahnungsberechtigung, welche man auch ‚höhere Leitung‘ (= directio) nennt, vermag keiner menschlichen Gemeinschaft die entsprechende Einheit und Festigkeit zu geben“?

Die notwendige Folge eines häretischen „Papstes“ ist aber der Verlust der Glaubens-Einheit. Sieht man nur genauer hin, so bestätig sich diese Vermutung in vielerlei Hinsicht, denn würde ein legitimer Papst die Kirche leiten, dann wäre ein „Verlust der Einheit in der Kirche sowohl aufseiten des Glaubens und der Moral, als auch aufseiten der Liturgie und der Leitung“ ganz und gar unmöglich, denn, Leo XIII. lehrt: „Die KIRCHE hat als Wesensbeschaffenheit die Einheit erhalten, und sie ist eine (einzige); die Irrlehrer aber wollen sie in viele ‚Kirchen‘ zerreißen. Wir behaupten, die altehrwürdige und katholische KIRCHE sei nur eine: und zwar in ihrem Wesen und in ihrer Überzeugung, in ihrem Ursprung und in ihrer Vollendung. … Die glanzvolle Hoheit ihrer Entwicklung ebenso wie ihr Ursprung stammt aus der Einheit, sie übertrifft alles andere, nichts ist ihr ähnlich oder gleich“ (Freude an der Wahrheit, Karl Haselböck, Wien, Nr. 83, S. 9).

Die Kirche Jesu Christi ist eine übernatürliche Wirklichkeit, weshalb ihre Einheit eine gottgeschenkte Wesensbeschaffenheit und damit unverlierbar ist, weshalb wir auch im Glaubensbekenntnis beten: „Ich glaube… an die eine …Kirche“. Die Irrlehrer aber zerreißen die Kirche, weil sie die Einheit des Glaubens zerstören. Wenn aber nun plötzlich ein Irrlehrer der oberste Chef der Kirche sein soll, atomisiert sich notwendigerweise ihre Einheit des „Glaubens, der Moral, als auch der Liturgie und der Leitung“, weshalb Mgr. Fellay auch folgerichtig weiterfabuliert: „Es ist deshalb nicht gewagt zu behaupten, daß eine sehr schwierige Periode vor uns liegt. Wenn kein Wunder geschieht, ist zu befürchten, dass die Seelen noch mehr sich selbst überlassen sein werden und keinen – doch so wichtigen – Halt vonseiten der Hierarchie in ihrer Gesamtheit erwarten können.“

Exzellenz bestätig damit also nochmals, was Leo XIII. zu bedenken gibt – Der bloße „’Vorrang der Ehre‘ und eine wenig besagende Beratungs- und Ermahnungsberechtigung, welche man auch ‚höhere Leitung‘ (= directio) nennt, vermag keiner menschlichen Gemeinschaft die entsprechende Einheit und Festigkeit zu geben“ – es fehlt ihm jedoch jegliche Einsicht in den eigentlichen, grundlegenden Tatbestand. Dieser Tatbestand ist: Sein häretischer Papst verführt ihn, selbst eine Häresie zu verbreiten! Was Mgr. Fellay hier öffentlich behauptet, widerspricht eindeutig dem Glauben der Kirche, den etwa Leo XIII. so formuliert: „Die KIRCHE CHRISTI ist also nur eine einzige für immerwährende Zeiten: alle, die getrennt von ihr wandeln, irren ab vom Willen und von der Vorschrift CHRISTUS DES HERRN: sie verlassen den Weg des Heiles und gehen dem Untergang entgegen. Wer sich von der KIRCHE trennt, der verbindet sich mit einer Ehebrecherin und geht der Verheißungen der KIRCHE verlustig; wer die KIRCHE CHRISTI verlassen hat, der gelangt nicht zu den Belohnungen CHRISTI…. Wer diese Einheit nicht festhält: der hält nicht das Gesetz GOTTES fest; der hält nicht fest den Glauben an den VATER und den SOHN; der behält nicht das Leben und das Heil.“ Man muß diese Worte einfach nur so ernst nehmen wie sie sind – „Wer diese Einheit nicht festhält: der hält nicht das Gesetz GOTTES fest; der hält nicht fest den Glauben an den VATER und den SOHN; der behält nicht das Leben und das Heil“ – sodann erkennt man die ganze Tragweite dieses Irrtums.

Versuchen wir nun das Evangelium ein drittes Mal zu durchdenken und angewandt auf die heutige Zeit richtig zu interpretieren. Petrus wird von unserem göttlichen Herrn aufgrund seines Bekenntnisses der wahren Gottessohnschaft Jesu zum Felsenmann bestimmt. Die Aufgabe des Petrus ist es, die Kirche als göttliche Institution zu leiten und vor jeder Irrlehre zu bewahren. Dafür gibt ihm unser Herr das Chrisma der Unfehlbarkeit, also den notwendigen Beistand des Heiligen Geistes für alle Entscheidungen in Glaubens- und Sittenfragen. Deshalb erklärt Pius XI.: „Niemand befindet sich und niemand bleibt in dieser einzigen Kirche Christi, es sei denn, er anerkenne und akzeptiere gehorsam die Autorität und die Gewalt Petri und seiner legitimen Nachfolger“ (Enzyklika „Mortalium animos“, 1928).

Es war für die Katholiken Jahrhunderte hindurch einfach, diese Lehre zu beachten, denn wie der Dogmatiker Heinrich noch in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts allgemein entgegen den vielfach von den Häretikern ausgegrabenen Fällen feststellen konnte: „Es ist aber auch nicht einmal eine persönliche Häresie eines Papstes in irgend einem dieser Fälle nachweisbar.“ Mit dem Tod Pius XII. ändert sich die Situation gleichsam über Nacht grundlegend. Mit einem Mal hat es der Katholik mit „Päpsten“ zu tun, die am überlieferten Glauben der hl. Kirche rütteln. Was folgt aber daraus? Wie verhalte ich mich als Katholik diesen Männern gegenüber, die offensichtlich die Kirche Jesu Christi zerstören wollen, indem sie eine neue Kirche erbauen? Anerkenne ich sie weiterhin als Päpste oder nicht? Aber bin ich überhaupt befugt, ein Urteil über sie zu fällen? Andererseits kann ich doch diesen offensichtlichen Irrlehren als Katholik niemals zustimmen! Zudem kann ich an der neuen Liturgie nicht mehr teilnehmen und die modernen Sakramente nicht mehr empfangen…

Der Katholik steht zweifelsohne in einem schweren Dilemma! Er hat nun drei Möglichkeiten, mit dieser völlig neuen Situation umzugehen: 1. Er übernimmt mit den „Päpsten“ den Modernismus – und verliert seinen katholischen Glauben. 2. Er konstruiert sich selbst seinen traditionellen Glauben neben und gegen den als „Papst“ anerkannten Häretiker, wobei er sich jedoch notwendigerweise über diesen erhebt und selbst zum Lehramt wird und damit genau das zur Grundregel seines Handelns macht, was Pius XII. mit folgenden Worten klar verurteilt hat: „Möge es unter euch keinen Raum für den Hochmut der ‚freien Prüfung‘ geben, der weit mehr von der Mentalität der Nichtkatholiken als von katholischem Geist geprägt ist und der dazu führt, daß die einzelnen selbst das, was vom Apostolischen Stuhl kommt, mit den Maßstäben ihres eigenen Urteils messen“ („Vos omnes“, 10. September 1957). 3. Er erkennt, daß ein Häretiker kein legitimer Papst der hl. Kirche mehr sein kann, weil er als solcher kein Katholik mehr ist und außerhalb der Kirche steht. Zudem erkennt er in der sog. Konzilskirche eine neue, von Menschen erdachte und gemachte Kirche, die nur noch eine Karikatur der wahren Kirche Jesu Christi ist und immer mehr auch sein will. Darum kann er die Worte Christi – „die Pforten der Hölle werden sie nicht überwinden“ – nur so deuten: Gott läßt in der Zeit des großen Abfalls zu, daß die Katholiken ohne Papst leben müssen. Denn einen Häretiker als Papst anzusehen würde auf jeden Fall bedeuten, daß die Pforten der Hölle die Kirche überwunden hätten. Denn gründlicher kann man die Kirche nicht zerstören als durch ein häretisches „Lehramt“, was ja ein Widerspruch in sich ist. Gerade einen Häretiker als Felsenmann anzuerkennen wäre offensichtlich im höchsten Maße widersinnig.

Wir wollen unsere Darlegung mit den Gedanken eines engagierten Laien abschließen, der zu denjenigen gehörte, die von Anfang an die ungeheure Tragweite der von einem Katholiken geforderten Entscheidungen während der Konzilszeit erkannte:

„Schon lange vor dem Tode Pius XII. arbeiteten die klerikalen Modernisten, nachdem das Vatikanum I. abgebrochen werden mußte (1870), auf ein besonderes Konzil hin, das nicht die Fortsetzung desselben sein durfte. Dies kam dann auch als sog. Vatikanum 2, auf dem sich dann auch die sog. ‚röm. Konzilskirche‘ konstituierte. Diese ist das Produkt einer klerikalen Revolution ‚von oben‘ (von Seiten des ‚höheren Klerus‘ mit ihren Anhängseln) und einer dreifachen Apostasie, die schon 1965 offenkundig war (Abschluß des ‚Konzils‘), aber zunächst nur von theologisch gebildeten Laien (!) erkannt wurde (!):

1.) einem Abfall von der röm.-kath. und apostolischen Kirche durch einen Bruch mit ihr, bezeichnet als ’neuer Anfang‘ oder ‚Neubeginn‘, weil sich im Laufe der Zeit schon viel zu viel Schlechtes angesammelt habe und nun auszumerzen sei, angefangen mit der angeblich ‚triumphalistischen Liturgie‘ in Kult und Ritus. Der Häretiker Roncalli berief sich dabei auf eine ‚Erleuchtung vom Hl. Geiste‘, und das kommende ‚Konzil‘ sollte die Stelle eines ’neuen Pfingsten‘ einnehmen (weil das ‚alte Pfingsten‘ in Jerusalem in seiner Wirkung versagt habe). Die meisten Kleriker, aber auch einige bischofshörige Laien, schwelgten in Euphorie. Mir wird heute noch schlecht, wenn ich sich daran erinnere. Karl Rahner nannte diesen Bruch und ‚Neubeginn‘: ‚rückgreifenden Vorgriff‘ (d.h. zurückgreifend bis vor das erste allgemeine Konzil von Nicäa (im Jahre 325) und ausgreifend in alle Zukunft). Man muß diesen aus einer Apostasie stammenden Bruch (Abbruch) begreifen, sonst erfaßt man nicht, was aus der röm.-kath. und apostolischen Kirche geworden ist. Diese kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben. Eine ‚Diasporakirche‘ ist doch kein Luftgespinst!
2.) ein Abfall von der ‚vera fides‘ (dem wahren Glauben) und ihres Begründers und Vollenders, Christus-Jesus (Heb 12,2); und damit verschwand auch der klare Begriff von der ‚fides divina et catholica‘ (dem göttlich katholischen Glauben) in seiner Einheit und Unterschieden. – Konservative und Traditionalisten redeten immer vom ‚katholischen Glauben‘ (dem sie treu bleiben), hatten aber keinen Begriff davon; sie haben diese Apostasie nie erfaßt.
3.) ein Abfall von Jesus (dem) Christus selbst, d.h. dem Messias und Gottmenschen bei gleichzeitiger Verfälschung der Wesensgestalt Jesu-Christi. Die ‚röm. Konzilskirche‘, die sich nach Abschluß des Vatikanums 2 in allen Diözesen etabliert hatte (da gab es keine Ausnahme!), ist das Produkt dieser dreifachen Apostasie. Nur eine ganz kleine Minderheit orthodoxer Katholiken (fast nur Laien) hatte dieses schauerliche Übel erkannt, war jedoch wegen ihrer Zerstreuung zu schwach, gesellschaftlich!, um dagegen anzukämpfen und etwas Positives und Zentrales aufzubauen, wenigstens vor Ort und regional (im Diözesanbereich). Es kann doch nicht wahr sein, daß nach 1965 alle orthodoxen Katholiken ausgestorben waren. Aber vielleicht hat man schon früher die Anzahl orthodoxer Katholiken maßlos überschätzt!?“