Der heilige Alfons Maria von Liguori IV

von antimodernist2014

Das Leben des hl. Alfons von Liguori war in vieler Hinsicht außerordentlich. Seine abgebrochene Karriere als Rechtsanwalt, seine Bekehrung, sein Wirken als Priester und dann als Bischof von S. Agata dei Goti – Gott führte diesen Heiligen auf nicht alltäglichen Wegen. Wir haben in unseren einzelnen Bildern dieses Heiligenleben bisher noch gar noch von der bedeutendsten und weitreichendsten Aufgabe gesprochen, der hl. Alfons war Gründer der Redemtoristen. Diese waren eine Ordensgemeinschaft, die sich zu Aufgabe machte, den Ärmsten und Verlassensten Missionen zu predigen, sie also in den Grundwahrheiten des katholischen Glaubens zu unterrichten und zu einem Leben mit und aus den hl. Sakramenten und der Gottesmutter Maria anzuleiten.

Schon als Seminarist war der hl. Alfons mit den Missionen vertraut worden. Während seines Studiums hatte er Katechismusunterricht für die Kinder gegeben, Hausbesuche gemacht und zuweilen eine geistliche Betreuung übernommen. Nach seiner Priesterweihe war der einstige Rechtsanwalt schnell zu einem der meistgeachteten und einsatzfreudigsten Mitglieder der Kongregation der Dompriester geworden. Zusehends vereinnahmten ihn die Volksmissionen: Diese forderten seine Zeit, genauso wie sein Herz und seine Kräfte. Ohne es selbst zu merken, stand er im Begriff, sich von dieser Form der Seelsorge ganz und auf Lebenszeit mitreißen zu lassen.

In einem Schreiben Pater von Liguoris an einen neugewählten Bischof erwähnt er auch den großen geistlichen Nutzen, der für das Volk aus den heiligen Missionen entspringt: „Nachdem der Herr im Alten Testament Propheten gesandt hatte, um sein Gesetz zu verkünden, schickt er im Neuen seinen eingeborenen Sohn, um das neue Gesetz der Gnade als Vervollkommnung und Erfüllung des alten zu lehren. Paulus sagt: In dieser Endzeit aber hat Gott zu uns gesprochen durch den Sohn (Heb 1,2). Weil aber Jesus Christus nur gesandt war, den Juden zu predigen, beauftragte er die Apostel, nach seinem Tod das Evangelium allen Völkern zu verkünden: Gehet hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen (Mk 16,15). So begann das Evangelium durch die Missionen der Apostel in aller Welt Frucht zu tragen, wie Paulus für seine Zeit bestätigt: Die Heilsbotschaft trägt in der ganzen Welt Frucht und wächst (Kol 1,6). Die Apostel wiederum beauftragten ihre Schüler, den Glauben überall dort zu verkünden, wohin sie selbst nicht gekommen waren. So wurden, wie wir aus der Kirchengeschichte wissen, im Laufe der Zeit immer wieder heilige Menschen von den Päpsten und Bischöfen beauftragt, in allen Teilen der Welt das Evangelium zu verkünden.“

Aus diesen Worten wird ersichtlich, daß der hl. Alfons die Missionen keineswegs nur für eine seelsorgliche Zugabe oder sogar einen Luxus für christliche Pfarreien hielt, sondern diese waren, genau wie das Priesteramt, mit der Sendung der Apostel, ja sogar mit der Sendung Jesu Christi, des vom ewigen Vater Gesandten und Sendenden, unlösbar verbunden. Für Alfons haben die Heidenmission und die christliche Mission eine gemeinsame Wurzel, weshalb er weiter ausführt: „Im 13. Jahrhundert wurden die Brüder des hl. Dominikus und des hl. Franziskus vom Papst nach Griechenland, Armenien, Äthiopien, ins Tartarenland und nach Norwegen gesandt, um dort zu predigen … Aus jüngster Zeit kennen wir die zahlreichen Bekehrungen, die der hl. Franz Xaver in Ostindien und Japan und der hl. Ludwig Bertrand in Westindien bewirkt haben! Ich brauche nicht die vielen anderen häretischen und ungläubigen Länder aufzuzählen, die durch Missionen bekehrt wurden: es sei hier nur das Chablais genannt, wohin Franz von Sales von seinem Bischof gesandt wurde, und wo er 72.000 Häretiker bekehrte. Ebenso bekannt ist die Tatsache, daß Vinzenz von Paul eine durch den hl. Stuhl approbierte Kongregation von Priestern gründete, die Missionen hielten, wo immer man nach ihnen verlangte; daher ihr Name Missionsväter. Kurzum, wenn irgendwo in der Welt der Glaube eingepflanzt oder die Sitten reformiert wurden, dann geschah dies durch Missionen.“

Schon der hl. Dominikus und der hl. Franziskus waren Volksmissionare, haben sie doch dem Volk den Glauben gepredigt und sie zu einem heiligen Leben ermahnt und angeleitet. Das IV. Allgemeine Laterankonzil – Franz von Assisi und Dominikus von Guzman waren bei diesem Konzil anwesend – formuliert in Kanon 10 folgende Regel: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Daher sind die Bischöfe gehalten, Männer zur Verkündigung des Wortes Gottes heranzuziehen, die kraftvoll in Werk und Wort und fähig sind, ersprießliche Predigten zu halten, und die durch ihr Wort und Beispiel die seelsorgliche Gegenwart des Bischofs an alle Orte tragen. Sie sind unmittelbare Mitarbeiter des Bischofs nicht nur in der Predigt, sondern auch im Beichtstuhl, sowie bei der Zuteilung der Buße… Bischöfe, die diese Pflicht vernachlässigen, werden streng bestraft.“

Die ersten Missionsorden und die Ausbreitung der missionarischen Kongregationen

Die „kleinen Brüder“ (Minoriten) des hl. Franziskus und die Predigerbrüder des hl. Dominikus sind neuartige Ordensmänner. Sie leben nicht einfach zurückgezogen in ihren Klöstern, sondern arbeiten durch ihr Beispiel, durch ihre Predigt und als Beichtväter unermüdlich am Heil des Menschen. Sie geben die wirtschaftliche Sicherheit auf und leben vom Betteln. So bilden sie die ersten Missionsorden. Mutig ziehen sie ins ferne Marokko, nach Ägypten, zu den Türken, Mongolen und Tartaren. Sie leben in der Nähe der Häretiker und Schismatiker — und suchen innerhalb der Katholiken jene auf, deren Glaubensleben in Sünde, Gleichgültigkeit oder Lauheit abgesunken ist. Der hl. Alfons erkennt die Notwendigkeit der Missionen – oder besser gesagt er erlebt sie im Königreich Neapel. Hier hatten die Jesuiten schon bald die Schwäche der kurzen Missionen erkannt. Der größte dieser Jesuiten, Pater Paul Segneri der Ältere, begründete das System der „zentralen Mission“, die das Dekanat und die angrenzenden Pfarreien umfaßte. Die Morgenpredigt wurde in jeder Kirche gehalten. Zur Abendandacht kamen dann alle ins Zentrum, wo sie für ihre Mühe reichlich belohnt wurden: drei Stunden Gebet, Predigt, Beichte, wegen des überaus großen Zustroms natürlich unter freiem Himmel. Am darauffolgenden Montag begann man in einem anderen größeren Ort, der vom ersten nicht allzu weit entfernt sein sollte, damit auch die Unentschlossenen der vergangenen Woche noch eine Chance hatten, von neuem. Im Kielwasser der Gesellschaft Jesu widmen sich die besten neapolitanischen Weltpriester in gemeinschaftlichen oder nicht gemeinschaftlichen Kongregationen, die im 17. Jahrhundert gegründet wurden, den Missionen.

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