Der heilige Alfons Maria von Liguori IV

Pius VI. persönlich erklärt Mgr. von Liguoris Gesandten, daß politische Motive eine andere Lösung unmöglich gemacht haben: Rom konnte sich diese Gelegenheit, dem König und der Königin von Neapel einen Schlag zu versetzen, nicht entgehen lassen. Der Schlag traf Alfons. Seine einzige Reaktion: „Seit sechs Monaten bete ich nur um dies eine: Herr, ich will, was du willst.“

Alfons bekam ein Magengeschwür. Nachdem er so viel Blut gespuckt hatte, daß er fast daran gestorben wäre, kam er langsam wieder zu sich, und man hörte ihn murmeln: „Wie? Sind wir nicht die Kongregation des Allerheiligsten Erlösers. Haben wir nicht die Regel von Papst Benedikt XIV. empfangen? Wenn wir die Regel des Papstes beachten, warum gehören wir dann nicht zur Kongregation?“

So stieg sein tiefer Schmerz in Augenblicken des Halbbewußtseins auf, dann aber schloß er, wieder bei vollem Bewußtsein: „Man zweifelt vielleicht, daß wir die Regel beachtet haben und beachten, die uns Papst Benedikt XIV. gegeben hat, und wir müssen vielleicht deshalb draußen stehen? Gott will es so, Geduld!“ Seine Söhne versuchen sich, ihn zu beruhigen: „Aber nein, vertreibt diese düsteren Gedanken, wir sind echte Redemptoristen.“ Daraufhin verfiel er in Schweigen. Niemals hörte man ihn in seinen Augenblicken des Halbbewußtseins oder seiner Krankheitsdelirien auch nur die geringste Klage gegen den Heiligen Stuhl oder gegen irgendjemanden äußern.

Gedrängt durch die Briefe zahlreicher Bischöfe gab die Hl. Kongregation am 4. April 1783 „Mgr. von Liguori auf Lebenszeit und jedem seiner Missionare, der jetzt und künftig an seiner Aufgabe teilnimmt, die Ablässe und geistlichen Gnaden … der Priester der Kongregation des Allerheiligsten Erlösers, die im Kirchenstaat existiert“, zurück. Alfons hatte einen Indult „für seine Missionare“ erbeten; die römischen Juristen aber waren sehr darauf bedacht, ihn Alfons und seinen Missionaren „individuell“ (singularis) zu gewähren, um ja nicht eine „Körperschaft“ anzuerkennen.

Alfons selbst aber dachte nur noch ans Sterben. Und doch war er übervoll der Hoffnung. Immer wieder sagte er: „Bleibt Gott treu, dann wird auch Gott der Kongregation treu bleiben; die Dinge kommen nach meinem Tod wieder ins Lot.“ Eines Tages sagte er zu P. Giuseppe Cardone: „Ich habe gehofft, noch zu erleben, daß sich die Dinge einrenken; ich habe die Muttergottes immer wieder darum gebeten und bitte sie darum; aber es ist nicht Gottes Wille. Die Dinge werden sich einrenken, aber erst nach meinem Tod.“

Im Bewußtsein seiner Ohnmacht und um schädliche Erschütterungen nach seinem Tod zu vermeiden, entschließt er sich, sein Amt abzugeben.

Nachgedanke…

Am 29. Juli dieses für Alfons so heißen Jahres bricht der Vesuv aus und versetzt die ganze Gegend in Angst und Schrecken. Der Vulkan speit eine hohe Flamme und ergießt seine Lava nach Norden in Richtung Somma und Ottaviano. Am 8. August wendet sie ihren Lauf und bedroht das nur zwanzig Kilometer entfernte Pagani. Gegen 9 Uhr abends wird der Anblick gespenstisch. P. Corsano läuft zu Alfons‘ Zelle. Gestützt auf Romito und Pollio, schleppt sich Monsignore zum Fenster am Ende des Flurs, von dem aus man den Vulkan sehen kann. „Jesus!“, ruft er entsetzt. Er schlägt ein großes Kreuz, und der Vesuv sinkt in seinem Krater zusammen. Wie wir sehen ist die Natur um einiges verständiger und viel leichter zu bändigen als der Mensch mit seinen Leidenschaften…