Alt- versus Neo-Lefebvristen

von antimodernist2014

1. Die Herren „Dominikaner“ aus Avrillé im Tradiland, die wir bereits als profunde Theologen und wackere Streiter wider die „Sedisvakantisten“ kennengelernt haben (vgl. Seliger Irrtum), beschäftigen sich in ihrer jüngsten Nummer von „Le Sel de la Terre“ (Nr. 93, Sommer 2015) mit den verschiedenen Notionen von „Konziliare Kirche“. Sie stellen nämlich fest, daß sich nach vierzig Jahren weitgehender Einigkeit in diesem Punkt nunmehr seit dem Jahr 2013 eine neue Sichtweise breitmache. Daher fühlen sie sich berufen, den Alt-Lefebvrismus gegen den Neo-Lefebvrismus zu verteidigen.

2. In einer kurzen Darstellung der beiden Positionen führen sie aus, daß man bis dato allgemein festgehalten habe, daß eine organisierte „Konziliare Kirche“ existiere, welche man wie folgt definieren könne: „Die konziliare Kirche ist die Gemeinschaft der Getauften, welche den Direktiven der aktuellen Päpste und Bischöfe folgen, indem sie sich mehr oder weniger bewußt die Absicht zu eigen machen, die Einheit des Menschengeschlechtes zu verwirklichen, und welche in der Praxis die Entscheidungen des Konzils annehmen, die neue Liturgie praktizieren und sich dem neuen Kirchenrecht unterwerfen.“ Diese Definition entnehmen die „Herrenhunde“ einer Arbeit des vorzüglichen Weihbischofs, Lefebvre-Jüngers und -Evangelisten Bernard Tissier de Mallerais, welche sie zwei Jahre zuvor, im Sommer 2013, in ihrer Revue veröffentlicht hatten (Nr. 85): „L’Église conciliaire existe-t-elle? – Existiert die konziliare Kirche?“. Wir werden auf diese Arbeit noch einzugehen haben.

Die „Domini canes“ vergessen nicht, sogleich hinzuzufügen, daß man „konziliar“ sein könne und gleichzeitig katholisch bleiben, „auch wenn man seinen Glauben in Gefahr bringt“. „Daher kann der Papst Haupt der katholischen Kirche bleiben, auch wenn er Teil der konziliaren Kirche ist“, sagen sie, und wir merken gleich, woher der Wind weht: Bloß kein „Sedisvakantismus“! Auch hierbei berufen sie sich per Anmerkung u.a. auf die Arbeit von Bischof Tissier de Mallerais und geben uns einen weiteren Grund, uns weiter unten näher mit dieser zu beschäftigen.

Dieser alt-lefebvristischen Position stellen sie also nun die neue der Neo-Lefebvristen gegenüber, wonach es heute ebenso wie gestern nur eine Kirche gebe, nämlich die katholische Kirche. Die Bezeichnung „konziliare Kirche“, welche in der Vergangenheit bisweilen, vor allem von Mgr. Lefebvre, gebraucht wurde, sei nur eine Metapher, um „einen neuen Geist“ zu bezeichnen, der sich seit dem Konzil in der Kirche ausgebreitet habe. Man habe diesen Ausdruck getrost benutzen können im Kontext einer erst kurz davor erfolgten und vor aller Augen evidenten Subversion, heute jedoch müsse man ihn meiden, da er eine „sedisvakantistische“ Mentalität befördere. In der Tat würde die Behauptung, der Papst stehe einer anderen Kirche als der katholischen vor, dahin führen zu denken, daß er nicht mehr das Haupt der katholischen Kirche sei. So meinen die Herren „Dominikaner“, die neo-lefebvristische Position korrekt wiedergegeben zu haben, wie sie diese etwa in dem Artikel „Peut-on parler d’une Èglise conciliaire? – Kann man von einer konziliaren Kirche sprechen?“ des vortrefflichen „Pius-Ekklesiologen“ Abbé Gleize im „Courrier de Rome“ Nr. 363 vom Februar 2013 gefunden haben. Wir sehen sofort die Gemeinsamkeit beider Positionen, denn auch hier schreit es uns förmlich entgegen: Bloß kein… nun ja, wir wissen schon. Somit stellen sich beide gleichermaßen dar als verschieden nuancierte Ausflüchte vor derselben Wahrheit.

3. Für die Predigerbrüder jedoch stützt sich die „neue Meinung“ auf einen „Sophismus“, einen Denkfehler, welcher in seiner Logik zu schwerwiegenden Konsequenzen führe. Das wollen sie uns als erstes darlegen. Danach wollen sie uns vor Augen führen, daß das Konzept der „konziliaren Kirche“ von solcher Notwendigkeit ist, daß man sich in der Praxis nicht davon lösen kann, wenn anders man die Positionen Mgr. Lefebvres bewahren will – und das will ja jeder Lefebvrist unbedingt! Schließlich wollen sie uns noch zeigen, daß die „alte“ Position weitestgehend die aller „der Tradition treugebliebenen Bischöfe“ sei. Da sind wir aber gespannt!

Doch zunächst zum „Sophismus der neuen Position“. „Das Argument der Neuerer läßt sich so zusammenfassen“, dozieren die Herren Mönche: „Wenn eine konziliare Kirche als eine Gesellschaft betrachtet existieren würde, wäre diese eine neue, von der katholischen Kirche verschiedene Kirche, deren Mitglieder (namentlich der Papst) notwendigerweise mit der katholischen Kirche gebrochen hätten. Nun ist aber der Papst der Papst (außer man würde die Hypothese des Sedisvakantismus zugeben, welche falsch ist), er bewahrt seine grundsätzliche Neigung zum Wohl der Kirche, auch wenn es Hindernisse gibt bei der Ausübung dieser Neigung. Somit ist der Papst nicht das Haupt einer anderen Kirche, und die konziliare Kirche existiert nicht als Gesellschaft.“

Diese Beweisführung nun sei falsch, so unsere Herrenhunde, und zwar nicht etwa deswegen, weil der Untersatz eine schlichte und unhaltbare Behauptung darstellt, deren einziger Beweis das „argumentum ad absurdum“ ist, daß man andernfalls „Sedisvakantist“ wäre – welch grauenhafte Vorstellung! -, sondern sie sei falsch in ihrem Obersatz, in ihrer ersten Behauptung: „Wenn man einer anderen Gesellschaft als der katholischen Kirche angehört, hat man nicht notwendigerweise mit der katholischen Kirche gebrochen.“ Man könne nämlich katholisch sein und dennoch vielen anderen Gesellschaften angehören: „einer Nation, einer Akademie, einer Vereinigung, sogar der Freimaurerei“. Letzteres begründen die gelehrten Herren damit, daß im alten Rechtskodex der Kirche zwar die Zugehörigkeit zur Freimaurerei mit einer „kleinen“ Exkommunikation belegt gewesen sei, welche allerdings nicht ausreiche, um von der Zugehörigkeit zur Kirche auszuschließen, wozu eine „große“ Exkommunikation nötig sei. Im neuen Kodex sei diese Exkommunikation ganz verschwunden, und die Zugehörigkeit zur Freimaurerei werde von der Glaubenskongregation lediglich als „schwere Sünde“ betrachtet.

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