Alt- versus Neo-Lefebvristen

4. Es ist vielleicht hier am Platze, eine kleine Klarstellung einzufügen, damit die Dinge nicht immer wieder durcheinandergeworfen werden. Eichmann-Mörsdorf schreiben in ihrem „Lehrbuch des Kirchenrechts auf Grund des Codex Iuris Canonici“ (Paderborn 1950), Bd. III, über den „Kirchenbann“ oder die Exkommunikation: „Der Kirchenbann (excommunicatio) ist die einstweilige Ausstoßung eines Kirchengliedes aus der Gemeinschaft der Gläubigen mit näher bestimmten Wirkungen, die gesetzlich festgelegt sind und nicht voneinander getrennt werden können. Der einstweilige Charakter des Kirchenbannes beruht darauf, daß der Bann seinem Wesen nach Beugestrafe ist; er kann daher nur auf unbestimmte Zeit ausgesprochen und muß nach Aufgabe der Verhärtung wieder aufgehoben werden. Der Bann ist nicht Ausschluß aus der Kirche, sondern Absonderung von der aktiven Kirchengemeinschaft. Der Gebannte wird vereinsamt, damit er in sich gehe und seine Verhärtung aufgebe; zugleich wird die kirchliche Gemeinschaft vor der Gefahr verderblicher Ansteckung geschützt. Die Wirkungen des Kirchenbannes liegen im wesentlichen auf rein kirchlichem Gebiet, und zwar nicht in dem Bereich der konstitutionellen, sondern der tätigen Gliedschaft. Der Bann nimmt nicht das Personsein in der Kirche, d.h. die kirchliche Rechtsfähigkeit bleibt in aktiver und in passiver Hinsicht als allgemeines Vermögen bestehen“ (S. 382).

Die Exkommunikation ist also eine Kirchenstrafe, die zwar vorübergehend von der Kirchengemeinschaft absondert, nicht aber notwendig den grundsätzlichen Ausschluß aus der Kirche bedeutet. Darum gilt auch: „Durch rechtserhebliches Handeln erworbene kirchliche Rechte werden grundsätzlich nicht entzogen, sondern bloß hinsichtlich ihrer Ausübung behindert. Es kann z.B. ein gebannter Amtsinhaber gewisse Hoheitsakte rechtswirksam setzen; ein gebannter Kardinal besitzt aktives und passives Wahlrecht bei der Papstwahl, könnte also rechtswirksam zum Papste gewählt werden und würde mit Annahme der Wahl rechtmäßiges Oberhaupt der Kirche sein“ (S. 383). Übrigens weiß das Lehrbuch: „Das geltende Kirchenrecht unterscheidet nicht mehr zwischen großem und kleinem Kirchenbann; es gibt nur einen Bann mit den gesetzlich festgelegten und untrennbaren Wirkungen“ (S. 384). „Der kleine Kirchenbann, den man sich nach früherem Recht durch den Verkehr mit einem Gebannten zuzog, war im wesentlichen Ausschluß von dem Sakramentenempfang und konnte von jedem Beichtvater behoben werden“, heißt es dazu in einer Fußnote (ebd.).

Wie also die Herren „Dominikaner“ zu ihrer sonderbaren Auffassung gelangt sind, es gebe eine kleine Exkommunikation, welche nicht von der Kirche ausschließt, und eine große, die das wohl tut, bleibt rätselhaft. Wie auch immer, nach can. 2335 zieht die Zugehörigkeit zur Freimaurerei „ohne weiteres den Kirchenbann“ nach sich, „dessen Lossprechung dem Heiligen Stuhl in einfacher Weise vorbehalten ist“. „Zur Vollendung des Tatbestandes genügt die bloße Zugehörigkeit zu einer solchen Gesellschaft; eine Lossprechung ist erst möglich, wenn der Austritt erfolgt ist“ (S. 435). Der Freimaurer ist also exkommuniziert. Aber ist er deswegen aus der katholischen Kirche ausgeschlossen?

Der (echte!) Dominikaner Dominicus M. Prümmer lehrt in seinem „Manuale Theologiae Moralis secundum principia S. Thomae Aquinatis“, Bd. I, über den Glaubensabfall, die Apostasie, diese könne definiert werden als „völliger Abfall vom einst willentlich empfangenen christlichen Glauben“. „Wir sprechen von völligem Abfall, denn wenn jemand den einen oder anderen Glaubensartikel leugnet, ist er eher ein Häretiker als ein Apostat. Dennoch wird ein Katholik, der auch nur einen Glaubensartikel leugnet, damit notwendig die Unfehlbarkeit der Kirche leugnen, fällt daher eo ipso völlig von der Kirche und dem katholischen Glauben ab und wird ein wahrer Apostat. Daher scheint das Wesen der Apostasie darin zu bestehen, daß jemand willentlich den katholischen Glauben zurückweist, den er zuvor hatte“ (S. 363).

Er fährt fort: „Darum ist einer, der von Kindheit an in der Häresie getauft und erzogen wurde, kein Apostat, sondern ein Häretiker. Zur Apostasie ist es jedoch nicht erforderlich, daß jemand irgendeiner bestimmten falschen Sekte angehört, also z.B. zum Judentum oder Islam übertritt, sondern es genügt, daß er nach der in der katholischen Kirche empfangenen Taufe völlig vom Glauben abfällt. Daher sind Rationalisten, Atheisten, Freidenker und Freimaurer (wenigstens die meisten von ihnen) in Wahrheit vom Glauben abgefallen.“

Die Exkommunikation ist also das eine, die Apostasie oder der Glaubensabfall das andere. Zwar steht auf Apostasie und Häresie ebenfalls die Kirchenstrafe der Exkommunikation, doch darüberhinaus trennt sich der Apostat auch ipso facto völlig von der Kirche (die freilich die Jurisdiktion über ihn wie alle anderen Getauften behält und daher auch eine Kirchenstrafe über ihn verhängen kann). Die Behauptung der Herren „Dominikaner“, man könne gleichzeitig Freimaurer sein und doch katholisch bleiben, ist somit zumindest sehr gewagt. Sie könnte allenfalls auf solche Katholiken zutreffen, die guten Glaubens der Freimaurerei anhangen, weil sie in ihr tatsächlich einen Philanthropen-Verein erblicken, ohne hinter ihre Fassade zu schauen oder ihre rationalistischen und naturalistischen Grundsätze anzunehmen. Das dürften freilich nicht allzu viele sein.

5. Warum die Predigerbrüder neben die sicher legitime Zugehörigkeit eines Katholiken zu einem Staat oder einer erlaubten Vereinigung ausgerechnet die illegitime und unerlaubte Zugehörigkeit zur Freimaurerei rücken wollten, wird aus folgendem klar: „Nehmen wir genau dies letzte Beispiel. Ein Freimaurer könnte gleichzeitig Mitglied der katholischen Kirche sein (wenn er nicht formell abgefallen ist) und Mitglied der Gegen-Kirche. Es gibt da keine Unvereinbarkeit (Inkompatibilität). A fortiori gibt es keine Unvereinbarkeit (Inkompatibilität), wenn man gleichzeitig Mitglied der katholischen Kirche und der konziliaren Kirche ist, welche man trotz allem von der Gegen-Kirche unterscheiden muß.“