Alt- versus Neo-Lefebvristen

Oho, da sind wir aber perplex! Es gibt also keine Unvereinbarkeit der Zugehörigkeit zur katholischen Kirche und zur Freimaurerei (weil letzteres maximal eine „kleine Exkommunikation“ bedeutet) und noch weniger zwischen der Zugehörigkeit zur katholischen Kirche und der zur „konziliaren Kirche“, zumal diese im Gegensatz zur Freimaurerei keine „Gegen-Kirche“ darstellt. Eine solche Auffassung erschiene unseren gemäßigten Herren nämlich „übertrieben“, wie sie in ihrer Fußnote dazu bemerken. Daß die Zugehörigkeit zur Freimaurerei mit der Zugehörigkeit zur katholischen Kirche tatsächlich sehr wohl unvereinbar ist, haben wir schon gesehen. Wie ist es nun mit der „übertriebenen“ Auffassung von der „Konziliaren Kirche“ als „Gegen-Kirche“?

Die „Konziliare Kirche“ ist wesentlich apostatisch. Ihre Grundsätze sind die des Modernismus, welchen der heilige Pius X. nennt das „Sammelbecken aller Häresien“. Auch der große Meister der Alt- wie der Neo-Lefebvristen, Erzbischof Lefebvre höchstselbst, sprach von dieser Apostasie. In der Einleitung zu seinem Buch „Sie haben Ihn entthront“ (Stuttgart 1988) schreibt er: „Es handelt sich nicht so sehr um Kriege, um atomare oder ökologische Katastrophen, sondern vor allem um die Revolution außerhalb und innerhalb der Kirche und schließlich um die Apostasie, den Abfall vom Glauben, der ganze einst katholische Völker, ja sogar die Hierarchie der Kirche bis zu ihrer Spitze erfaßt“ (S. III). Das ganze Buch, sagt er, hat den Zweck zu zeigen, „daß das Gift des Liberalismus, wenn es einmal in die Kirche eingedrungen ist, sie in einer natürlichen Konsequenz zur Apostasie, zum Abfall vom Glauben führt“. „’Vom Liberalismus zur Apostasie‘ lautet deshalb das Thema dieses Buches“ (S. V). Wenn also die Lefebvristen ihren Meister nur einigermaßen ernst nehmen – auch wenn er selbst seine Worte oft nicht so ernst genommen hat –, dann werden sie uns zugeben müssen, daß es eben das ist, was die „Konziliare Kirche“ ausmacht und sie wesentlich von der katholischen Kirche unterscheidet: die Apostasie.

Nun kann man freilich nicht gleichzeitig katholisch sein und Apostat. Die Apostasie trennt von der katholischen Kirche. Somit kann man auch nicht gleichzeitig der katholischen Kirche und der „Konziliaren Kirche“ angehören, von den Einzelfällen einer rein äußerlichen Zugehörigkeit in „gutem Glauben“ einmal abgesehen. Wie gerade die Verhandlungen der „Piusbruderschaft“ mit dem „konziliaren Rom“ in den letzten Jahren und Jahrzehnten gezeigt haben, fordert die „Konziliare Kirche“ die Apostasie als conditio sine qua non für die Zugehörigkeit zu ihr auch unerbittlich ein. Nach wie vor beharrt der „Glaubenspräfekt“ Müller darauf, daß die „Piusbruderschaft“ die „lehrmäßige Präambel“ zu unterfertigen habe, in welcher sie sich zu den apostatischen Lehren des „II. Vatikanums“ und den Einrichtungen der „Konziliaren Kirche“ zu bekennen habe, namentlich dem „Novus Ordo Missae“ und dem „neuen Kirchenrecht“, ehe man sie zur „vollen Gemeinschaft“ mit Neurom zulassen kann. Damit wird nebenbei auch eindeutig klar, daß es sich bei der „Konziliaren Kirche“ sehr wohl um eine real existierende eigene Gesellschaft handelt, die von der katholischen Kirche verschieden ist.

Doch welcher Natur ist diese „Konziliare Kirche“ nun genau? Wir haben soeben gesehen, daß ihr Wesen die Apostasie ist. Wie wir bereits in unserem Beitrag „Siamesische Kirchen“ dargelegt haben, ist ihr Prinzip die Negation, die Leugnung und Tilgung all dessen, was die katholische Kirche ausmacht. „Das ‚Vatikanum II‘ mit seinen Lehren der Religionsfreiheit und des Ökumenismus ist wesentlich Leugnung der wahren Kirche Christi“, schrieben wir damals, „der ‚Novus Ordo‘ ist wesentlich Leugnung der göttlichen Liturgie und die konziliaren Päpste mit ihren Privat-Theologien sind wesentlich Leugnung des unfehlbaren Lehramtes.“ Wie also könnte man eine wahre „Gegen-Kirche“ noch besser beschreiben?

6. Wir wissen aus der Heiligen Schrift, daß auch der Teufel seine Kirche hat, die „Synagoge Satans“, die er gegen die Kirche Gottes stellt. Als „Affe Gottes“ ahmt er Gott nach und verkehrt als „Diabolos“ gleichzeitig alles ins Gegenteil. Während die Kirche Gottes eine ist und auf der einen Wahrheit des Glaubens beruht, welche durch ihr eines Lehramt verkündet wird, herrscht in der „Synagoge Satans“ der Pluralismus, die „Vielfalt in der Einheit“. Dabei besteht die Einheit vor allem darin, gegen Gott und Seine heilige Kirche zu kämpfen. Abgesehen davon aber gibt es eine Vielzahl von „Kirchen“, Sekten, Gemeinschaften, die sich teils sogar gegenseitig bekämpfen, die zwar oft Gegner sind, aber keine Feinde. Der eigentliche Feind ist nach wie vor die makellose Braut Christi, die Kirche. Es handelt sich um eine wahre „Gegen-Kirche“, weil sie gegen die Kirche Gottes kämpft. Ihre Lehren sind Irrtümer aller Art – und davon gibt es eben im Gegensatz zur Wahrheit, die nur eine sein kann, sehr viele –, ihr „Lehramt“ sind die „falschen Propheten“.

„Durch die falschen Propheten sucht der Satan das Reich Christi auf Erden zu zertrümmern“, schreibt Spirago in seinem „Volkskatechismus“. Er nennt drei Arten von falschen Propheten: „1) Falsche Propheten, die im Namen Christi kommen, als wären sie von Christus gesandt. Solche waren die Irrlehrer, wie Arius, Luther u.a. 2) Solche, die nicht im Namen Christi auftreten, sondern nur ihre eigenen Ansichten an die Stelle der Heilslehre Christi und der Offenbarung zu setzen suchen. Zu diesen Männern gehören die verschiedenen christentumsfeindlichen Philosophen, wie z.B. Voltaire, Rousseau u.a.“ Wir können hierher sicherlich auch Leute rechnen wie Charles Darwin, Karl Marx oder die modernen Atheisten wie den „Evolutionsbiologen“ Richard Dawkins oder den „Astrophysiker“ Stephen Hawking. „3) Falsche Propheten, die sich für Christus ausgeben, also falsche Christus, welche große Zeichen tun und viele verführen (s. Matth 24,24). Diese Art der Propheten wird am Ende der Welt auftreten.“

Gemäß diesen drei Arten von falschen Propheten können wir auch die drei großen Abteilungen der „Gegen-Kirche“ unterscheiden. Da sind einmal jene Gemeinschaften, die aus der Häresie und dem Schisma stammen, sich jedoch als christlich bezeichnen, ja sogar vorgeben, das eigentliche Christentum zu verwirklichen, wie Christus es gewollt habe, und nicht, wie die katholische Kirche es entstellt und mißbraucht hat. Zum anderen haben wir jene Gesellschaften, die sich nicht als christliche Gemeinschaften sehen, sondern auf anderen Heilslehren beruhen. Hierher gehört sicherlich die Freimaurerei. Und schließlich haben wir da jene apostatische Sekte, die sich selbst für die Kirche Christi, die katholische Kirche, ausgibt: die „Konziliare Kirche“. Diese setzt sich nicht einfach neben die Kirche oder gegen sie, sondern an ihre Stelle! Darin zeigt sich ihr perfider, im wahrsten Sinne des Wortes antichristlicher Charakter und zugleich der apokalyptische Charakter unserer Zeit, denn diese Art „wird am Ende der Welt auftreten“. Damit erweist sich die „Konziliare Kirche“ aber als die eigentliche „Gegen-Kirche“ par excellence, geradezu als ihr Inbegriff!