Alt- versus Neo-Lefebvristen

Die „Wirkursache“ sei das Haupt der Gesellschaft, „für die katholische Kirche Unser Herr Jesus Christus, ihr Gründer, und die Päpste, welche seine Stellvertreter sind; und für die konziliare Kirche die Päpste des Konzils, also dieselben Päpste; somit scheint dieselbe Hierarchie die beiden Kirchen zu regieren“. Abermals falsch, denn der Papst als Stellvertreter Christi kann selbstverständlich nur die Kirche Christi, die katholische Kirche, regieren und nicht die „konziliare“. Denn Christus ist ja nicht einfach nur der Gründer der Kirche, sodaß Er sie fortan sich selbst bzw. der Regierung durch Seinen Stellvertreter überlassen hätte, sondern Er ist ihr unsichtbares Haupt im Himmel, von wo aus Er sie weiterhin regiert durch Seinen Stellvertreter, den Papst. Ein „Papst“, der sich durch Apostasie von Christus trennt, kann somit nicht Stellvertreter Christi und der Papst der katholischen Kirche sein.

Als „Zweckursache“ nennt der Herr Bischof das von den Mitgliedern verfolgte Gemeinwohl. Dies sei im Falle der katholischen Kirche das ewige Heil der Seelen, bei der konziliaren Kirche mehr oder weniger vor allem die „Einheit des Menschengeschlechtes“. Wiederum scheint uns dies nicht ganz zutreffend, verfolgt doch die „Konziliare Kirche“ vor allem das Ziel, die katholische Kirche zu beseitigen und zu ersetzen. Die „Formalursache“ sei die „Einheit der Geister und Willen der Mitglieder in der Verfolgung des Allgemeinwohls“. „In der katholischen Kirche durch das Bekenntnis desselben Glaubens, die Übung desselben göttlichen Kultes und die Unterwerfung unter dieselben Hirten und somit die von ihnen gegebenen Gesetze, nämlich das kanonische Recht. In der konziliaren Kirche durch die Annahme der Lehre des Konzils und des Lehramtes, das sich auf dieses beruft, und durch die Übung der neuen Liturgie und den Gehorsam gegenüber dem neuen Rechtsbuch.“ Auch das ist wieder nicht ganz richtig. „Formalursache“ der katholischen Kirche ist nämlich der Heilige Geist selbst. Er ist ihre Seele und damit ihre Form, Er erhält sie in der Einheit und verleiht ihr beständig ihre Heiligkeit. Die „Formalursache“ der „Konziliaren Kirche“ kann demgegenüber nur eine rein äußerliche sein. Sie besteht darin, die Apostasie des „II. Vatikanums“, ihre Folgen und deren Verbreitung durch das „konziliare Lehramt“ wenigstens im Prinzip zu akzeptieren, zu billigen oder zu dulden und sich dabei weiterhin „katholisch“ zu nennen oder so zu betrachten.

Der hochwürdigste Herr Weihbischof gibt nun auf der Grundlage der von ihm herausgearbeiteten „vier Ursachen“ folgende „approximative“ Definitionen der „beiden Kirchen“: „Die katholische Kirche ist die Gemeinschaft der Getauften, die ihre Seele retten wollen, indem sie den katholischen Glauben bekennen, denselben katholischen Kult feiern und denselben Hirten folgen, den Nachfolgern der Apostel.“ Die konziliare Kirche hingegen „ist die Gemeinschaft der Getauften, welche den Direktiven der aktuellen Päpste und Bischöfe folgen, indem sie sich mehr oder weniger bewußt die Absicht zu eigen machen, die Einheit des Menschengeschlechtes zu verwirklichen, und welche in der Praxis die Entscheidungen des Konzils annehmen, die neue Liturgie praktizieren und sich dem neuen Kirchenrecht unterwerfen“.

Letztere Definition haben wir oben schon gesehen. Der ersteren Definition haben wir bereits in unserem Artikel „Siamesische Kirchen“ diejenige gegenübergestellt, welche uns der Katechismus des hl. Pius X. gibt: „Die katholische Kirche ist die Gemeinschaft oder Sammlung all der Getauften, die auf der Erde leben, denselben Glauben und dasselbe Gesetz Jesu Christi bekennen, an denselben Sakramenten teilhaben und den legitimen Hirten gehorchen, vor allem dem Römischen Pontifex.“ Diese Definition ist wesentlich genauer und besser, da sie nicht so sehr den Willen der Gläubigen betont, ihre Seelen zu retten, als vielmehr die von oben, von Christus gegebene Einheit im Glauben, in Seinem Gesetz, den von Ihm eingesetzten Sakramenten und dem Gehorsam der von Ihm bestellten legitimen (!) Hirten und namentlich Seines Stellvertreters auf Erden, in welche die Gläubigen durch die Taufe eintreten und in welcher sie ihre Seelen retten, wenn sie darin verharren. Außerhalb dieser Kirche befinden sich daher notwendig „die Ungläubigen, die Juden, die Häretiker, die Apostaten, die Schismatiker und die Exkommunizierten [letztere jedenfalls außerhalb „der tätigen Gliedschaft“, s.o.]“, wie uns derselbe Katechismus des hl. Pius X. belehrt. Abermals stellen wir fest, daß man nicht gleichzeitig zur katholischen Kirche und zur apostatischen, häretischen und schismatischen „Konziliaren Kirche“ gehören kann.

9. Seine Exzellenz, der Herr Weihbischof, hingegen behauptet: „Wenn es sich so verhält, so haben wir zwei Kirchen, welche die selben Oberen haben und zumeist die selben Mitglieder, jedoch diametral verschiedene Formen und Ziele“, nämlich das eine Mal das soziale Königtum Christi, das andere Mal die Einheit des Menschengeschlechtes durch den liberalen Ökumenismus. Das sei ein wenig „schnell gesagt“, doch das folgende werde dies belegen. Daher stellt sich der Bischof nun die Frage, ob eine einzige Hierarchie für zwei Kirchen überhaupt möglich sei. „Daß die katholische Hierarchie zugleich die katholische Kirche und eine Gesellschaft regiert, welche das Gebaren einer Fälschung der Kirche hat, scheint dem Beistand zu widersprechen, welchen Christus dem Petrus und seinen Nachfolgern verheißen hat, indem er die Irrtumslosigkeit des Lehramts und die Unvergänglichkeit (Indefektibilität) der Kirche garantierte (Mt 16,17-19; 28,20). Wenn der Papst eine andere Kirche leitet, ist er Apostat, er ist nicht mehr Papst und die Hypothese der Sedisvakantisten hat sich bewahrheitet.“ In der Tat!

Da dies jedoch nicht sein kann, weil es nicht sein darf, fegt der Herr Weihbischof nun mit ein paar dürren Floskeln den „Sedisvakantismus“ vom Tisch. Es genüge nämlich zu entgegnen, sagt er, daß „Prima sedes a nemine judicatur“, der Heilige Stuhl von niemandem gerichtet werde, und daher keine Autorität das Beharren und die Hartnäckigkeit des obersten Pontifex im Irrtum oder der Abweichung feststellen oder erklären könne. Und daß andererseits im Falle eines Zweifels die Kirche gemäß can. 209 des Kirchenrechts zumindest die exekutive Gewalt des scheinbaren Oberhirten ersetzen würde. Was das Lehramt betreffe, so sei diesem die unfehlbare Assistenz nur zugesichert, wenn es die Absicht habe, die Glaubenshinterlage weiterzugeben und nicht irgendwelche profanen Neuigkeiten. Und was schließlich die Indefektibilität der Kirche anbelange, so hindere diese nicht, daß die Kirche infolge eines großen Abfalls, wie er vom hl. Paulus angekündigt sei (2 Thess 2,3) auf eine sehr bescheidene Zahl von Katholiken zusammenschrumpfen könne. Somit gebe es keine maßgeblichen Schwierigkeiten, die gegen die Existenz einer wahren Gesellschaft, welche man konziliare Kirche nennt, und die von dem katholischen Papst und der katholischen Hierarchie geleitet werde, sprechen würden.