Was ist eigentlich ein „Sedisvakantist“?

von antimodernist2014

1. Der Katholik hat es in den heutigen Tagen wahrlich mehr als schwer. Von der „Konziliaren Kirche“, die sich als die katholische ausgibt, hat er ohnehin nichts zu erwarten und will er auch nichts. Bei den „Traditionalisten“, in welchen er Gesinnungsgenossen zu haben glaubte, wird er schief angesehen, umgehend ausgestoßen und auf den Haufen der „Sedisvakantisten“ entsorgt. Hier aber fühlt er sich auch nicht wirklich wohl, sondern eher fremd, zumal da so allerhand lagert, was ihm nicht unbedingt katholisch zu sein scheint.

Der Grund liegt darin, daß der Begriff „Sedisvakantist“ mehrdeutig ist und auch bewußt mehrdeutig gebraucht wird, um damit die braven Katholiken zu „diskriminieren“. Zu allen Zeiten gab es Ausdrücke, welche die wahren Katholiken schmähen und herabsetzen sollten. Man nannte sie etwa „Ultramontane“ oder „Hyperkatholiken“ oder auch „Antimodernisten“. Heute nennt man sie „Sedisvakantisten“.

2. Wollen wir also zuerst sehen, was den guten Katholiken heute wie zu allen Zeiten ausmacht. Da ist vor allem eines: Er nimmt seinen Glauben ernst, man könnte fast sagen, tödlich ernst. Denn er weiß, daß am Glauben alles hängt. „Wer glaubt, wird gerettet; wer nicht glaubt, wird verdammt werden.“ Darum läßt er lieber sein Leben als den Glauben. Das ist das Blutzeugnis so vieler Märtyrer durch all die Jahrhunderte. Ihm liegt alles daran, die Seelen zu retten, indem er sie zum wahren Glauben führt. Davon zeugt der Seeleneifer so vieler Missionare, die unter Einsatz ihres Lebens den in Unglauben und Heidentum verlorenen Seelen zur Hilfe eilten. Und er kann nicht zulassen, daß der Glaube verfälscht und getrübt wird. Davon spricht der unablässige Kampf so vieler Päpste und tapferer Kirchenlehrer gegen den Irrtum und die Häresie.

Sein Glaube schließt den Glauben an die wahre Kirche ein und setzt diesen sogar in gewisser Weise voraus, denn von der Kirche empfängt er seinen Glauben. Sein Glaube ist wesentlich kirchlich, weil es der Glaube der Kirche ist und sie ihm diesen durch die Taufe und ihre Lehre mitteilt, gemäß dem Missionsbefehl, den sie von ihrem Haupt und Bräutigam, Unserem Herrn Jesus Christus, selbst empfangen hat: „Gehet also hin, und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe“ (Mt 28,19 f). „Gehet hin in die ganze Welt, und prediget das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen läßt, wird selig werden, wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden“ (Mk 16,15f).

Darum hängt der Katholik mit kindlichem Sinn an seiner Kirche und an ihren amtlichen Lehrern und Hirten, namentlich dem Papst als seinem obersten Hirten und „Heiligen Vater“. Er vertraut unverbrüchlich auf den himmlischen Beistand, den der Heiland dem Petrus und seinen Nachfolgern verheißen hat, er glaubt fest, daß Petrus der Fels ist, dessen Glaube nicht wanken wird, daß auf diesen Felsen die Kirche gebaut ist und die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden. Der Katholik hält unbedingt fest an der Heiligkeit und Makellosigkeit der Kirche, der Braut Christi, und verteidigt ihre Ehre mit derselben Unnachgiebigkeit wie die der allerseligsten Jungfrau. Die Unfehlbarkeit des kirchlichen Lehramtes ist ihm ebenso ein Herzensanliegen wie die Unbefleckte Empfängnis.

3. Wie der große Antimodernist und Dominikaner Albert Maria Weiß richtig beobachtet, ist es ein Kennzeichen des modernen, vom Liberalismus geprägten Menschen, alles nur und ausschließlich aus seiner Sichtweise zu betrachten und zu beurteilen. „Das ist nun an und für sich gar nichts absonderliches“, schreibt er. „Es ist die alte und ewig gleiche Krankheit der Menschen, die hier wieder einmal zum Vorschein kommt. Es war nicht erst Pythagoras, der den Satz erfunden hat, der Mensch sei das Maß aller Dinge. Dieser Gedanke sitzt zutiefst im gefallenen Menschen, und es gibt keinen, der nicht dagegen zu kämpfen hätte. Nur durch einen langen, langen Kampf gegen sich selber, und nur durch die volle Unterwerfung unter eine höhere Autorität kann einer dieses leidige Erbstück von Adam her los werden.“

Er fährt fort: „Da nun aber der Mensch im großen und ganzen an den Kampf gegen sich selber so wenig denkt wie an die Unterwerfung unter die Autorität, so hat dieser Hang zur Selbstherrlichkeit und die damit verbundene Tyrannei gegen alles, was von der eigenen Ansicht abweicht, die Herrschaft auf allen Gebieten des Lebens an sich gerissen. Der Liberalismus tut nur etwas besonderes darin, daß er sich selbst zum Maß aller Dinge sogar in Sachen des Glaubens und der Religion macht. Die Berichte von den Tugendübungen der Heiligen müssen Übertreibungen sein, weil ihm derlei Überwindungen fremd sind. Ekstasen und Wunder kann es nicht geben, sonst müßte er doch auch etwas davon wissen. Und die Erzählungen der Bibel kann man nicht so buchstäblich nehmen, denn ihm leuchten sie nun einmal nicht ein. Dies ist der Ausgangspunkt für die Religionskritik und für die Religionsgeschichte des Liberalismus.“

Derselbe kluge Beobachter und erfahrene Menschenkenner weist auch darauf hin, daß für einen kleinwüchsigen Menschen solche normaler Größe oft als übermäßig groß erscheinen. Ebenso erscheint einem liberalen Katholiken, dessen Glaube schwach und dessen Gesinnung lau ist, ein normaler Katholik eben als „Hyperkatholik“. Die für jeden Katholiken normale Orientierung am kirchlichen Lehramt und dem römischen Papst wird zum „Ultramontanismus“. Und der Katholik, der seinen Glauben an die Kirche noch ernst nimmt und daher einen Häretiker und Apostaten auf dem Papstthron mit der Heiligkeit, Unfehlbarkeit und Unvergänglichkeit der Kirche für unvereinbar beurteilt, wird als „Sedisvakantist“ verunglimpft. Der ganz normale Katholik wird zum „Rigoristen“, zum „Extrem“, das es zu meiden gilt, und dem gegenüber man die gemäßigte „Mitte“ sucht.

4. So weit erscheint also die Sache ganz nachvollziehbar. Nun kommt allerdings hinzu, daß der mit dem Etikett „Sedisvakantist“ versehene Katholik damit in eine Nachbarschaft gerückt wird, in welche er offensichtlich nicht gehört. Denn zweifellos dient der „Sedisvakantismus“ so manchem Zeitgenossen als Deckmäntelchen, um sich darunter in völliger Ungebundenheit recht wohl zu fühlen. Damit entpuppt er sich aber nicht als Katholik, sondern vielmehr gerade als Liberaler.

Seiten: 1 2