Bergoglio als Umweltguru

von antimodernist2014

Im gewissen Maße hat man sich allmählich daran gewöhnt: Jorge Mario Bergoglio liebt es, aus der Reihe zu tanzen, nicht nur dadurch, daß er sich kurzerhand über alle Kleiderordnungen hinwegsetzt, sondern auch durch seine saloppe Art, wichtigste Themen anzusprechen und sodann neue und völlig irrige Ansichten zu präsentieren. Dieses auffällige Verhalten stellt den Endpunkt der Entwicklung vom Lehramt zum Leeramt dar, die wir schon an anderer Stelle ausführlich dargelegt haben. Nüchtern betrachtet war es natürlich gar nicht anders möglich, denn je mehr sich die neurömischen „Päpste“ in die Tagesmeinung einklinkten, desto flüchtiger und unverbindlicher mußte ihre Lehre werden – sofern man überhaupt noch von einer Lehre im eigentlichen Sinne des Wortes sprechen konnte, denn man war schließlich schon lange in die Irrlehre mit ihren unüberschaubaren Variationsmöglichkeiten abgeglitten.

Eine unmittelbare Folge solch unverbindlichen Redens ist das Ausufern der Texte. Je weniger Substanzielles man noch zu sagen hat und weiß, desto mehr meint man sagen zu müssen, damit der eigene Unglaube nicht allzu sehr auffällt. Diese Tatsache ist leicht an der wachsenden Textflut der Konzils“päpste“ aufzuweisen, und natürlich hatte sich besonders auch das sog. 2. Vatikanum schon dadurch besonders ausgezeichnet, Texte von ausufernder Länge zu produzieren, die sich durch ihre Vielzahl von Zweideutigkeiten von allen früheren Texten des Lehramtes wesentlich unterschieden – was leider nur noch einer kleinen Minderheit aufgefallen war. Diese Tendenz des Vielredens hat sich nach dem „2. Vatikanum“ fortgesetzt und gefestigt.

Natürlich steht auch Jorge Mario Bergoglio in dieser unguten Tradition und wartet gleich mit einem 220 Seiten langen „Leerschreiben“ auf – zu einem Thema, das ihn eigentlich von Amts wegen nichts angeht, ist der Umweltschutz schließlich kein Gegenstand für das kirchliche Lehramt, sondern für die Politik. So gesehen könnte man dieses Schreiben sicher auch einfach ignorieren, wenn es nicht doch auch Fragen aufwerfen und Hinweise geben würde, die durchaus wieder mit dem eigentlichen Thema, dem Glauben nämlich, zu tun haben.

Martin Mosebach stellt in einem Interview mit der Zeitschrift „Der Spiegel“ fest: „Dieser Papst macht Stimmung, er schafft Atmosphäre. Aber Atmosphäre ist eben keine Lehre. Es war sehr aufschlußreich, ihn sagen zu hören: ‚Wer bin ich, dass ich richte?‘ Ein schöner Satz, ein apostolischer Satz, aber als Papst darf er das nicht sagen.“ Das, was sich lehrmäßig zum Thema Umweltschutz sagen ließe und was somit von Amts wegen im Aufgabenbereich von Bergoglio als Papst liegen würde, ließe sich wohl auf drei Seiten klar und griffig formulieren. Warum also eine 220 Seiten lange Abhandlung zu diesem Thema – mit der Absicht, nicht richten zu wollen? Nur um Stimmung zu machen? Um sich ins Gespräch zu bringen und um im allgemeinen Durcheinander der modernen Meinungsvielfalt ebenfalls seine Meinung kund zu tun? Seltsamerweise richtet Bergoglio gerade in diesem Schreiben und zu diesem Thema, das ihn nichts angeht, durchaus über andere und bezieht dezidiert Stellung, wie wir sehen werden. Wenn auch die von ihm eingenommene Position geeignet ist, Stimmung zu machen, geht dieses Schreiben dennoch, wie wir sehen werden, über bloße Effekthascherei hinaus. Um das zu verstehen, muß man freilich über den vatikanischen Tellerrand hinaussehen.

Werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf einige Pressemeldungen, um zu erfahren, wie das Schreiben von der Öffentlichkeit aufgenommen wurde.

In „weltkirche.katholisch.de“ liest man: „Mit seiner am Donnerstag veröffentlichten Umwelt-Enzyklika stößt Papst Franziskus bei Politik und Wissenschaft auf positives Echo. Kirchenvertreter sprachen von einer wegweisenden Botschaft. Die beiden katholischen Hilfswerke Misereor und Adveniat sehen in der Umweltenzyklika eine Aufforderung zu einem radikalen Kurswechsel.“ In dem Lehrschreiben mit dem Titel „Laudato si“, „zu Deutsch ‚Sei gepriesen’“, welcher „dem Sonnengesang des Franz von Assisi (1181/82-1226) entnommen“ ist, spreche sich „das Oberhaupt der katholischen Kirche unter anderem dafür aus, Umweltschutz und den Kampf gegen Armut zusammenzudenken“. „Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan würdigte das Papier als ‚moralisch und ethisch stark‘. Spitzenpolitiker aus Deutschland betonten mit Blick auf die bevorstehenden internationalen Treffen zu Klima- und Umweltschutz, das Schreiben erscheine zum richtigen Zeitpunkt. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sprach gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) von einem ‚Weckruf‘. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hob die ‚klare Sprache‘ und die ‚Tiefe der Gedanken‘ hervor. Diese böten Anstöße, ‚die weit über die katholische Welt hinaus Wirkung entfalten werden‘.“

Die KNA meldet am 18. Juni unter dem Titel „Umweltenzyklika von Papst Franziskus veröffentlicht“: „Klimawandel, Artenvielfalt, Trinkwasser: Diese Themen bestimmen die Umweltenzyklika von Papst Franziskus. Er wendet sich damit an ‚alle Menschen guten Willens‘ – und erklärt, warum eine ökologische Umkehr auch soziale Gerechtigkeit bedeutet.
Papst Franziskus hat die reichen Industrienationen zu einer grundlegenden ‚ökologischen Umkehr‘ aufgefordert, um globale Umweltzerstörung und Klimawandel zu stoppen. Es sei unvertretbar, dass einige ‚mehr und mehr konsumieren und zerstören, während andere noch nicht entsprechend ihrer Menschenwürde‘ leben könnten, heißt es in seiner am Donnerstag veröffentlichten Umweltenzyklika ‚Laudato si‘ (Sei gepriesen). ‚Darum ist die Stunde gekommen, in einigen Teilen der Welt eine gewisse Rezession zu akzeptieren und Hilfen zu geben, damit in anderen Teilen ein gesunder Aufschwung stattfinden kann‘, so Franziskus weiter. Die rücksichtslose Ausbeutung natürlicher Rohstoffe auf Kosten ärmerer Länder, sei eine ‚ökologische Schuld‘ der Industrienationen. Einige ‚Höchstgrenzen der Ausbeutung des Planeten‘ seien bereits überschritten.“

Mit der Zwischenüberschrift „Ökologische Fragen erstmals im Mittelpunkt“ fährt der Artikel fort: „Die zweite Enzyklika von Franziskus trägt den Untertitel ‚über die Sorge für das gemeinsame Haus‘. Die deutsche Version umfasst rund 220 Seiten. Zum ersten Mal stellt ein Papst damit ökologische Fragen in den Mittelpunkt eines so verbindlichen päpstlichen Dokuments.“ Franziskus rufe „in seiner Enzyklika unter anderem zum globalen Kampf gegen den Klimawandel auf“. „Es brauche ‚politische Programme‘, um den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen ‚drastisch zu reduzieren‘, schreibt der Papst. Nötig seien dazu ein Ausstieg aus fossilen Energieträgern und eine schnellstmögliche Umstellung auf erneuerbare Energien.“ Weitere Themen des Schreibens seien „unter anderem der Erhalt der Artenvielfalt, der Zugang aller Menschen zu sauberem Trinkwasser und gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere. ‚Unseretwegen können bereits Tausende Arten nicht mehr mit ihrer Existenz Gott verherrlichen noch uns ihre Botschaft vermitteln. Dazu haben wir kein Recht‘, so Franziskus. Den Zugang zu sauberem Trinkwasser bezeichnet er als ‚fundamentales Menschenrecht‘ und wendet sich gegen eine ‚Privatisierung‘ dieser natürlichen Ressource, durch die Armen ausgeschlossen würden. Zur genetischen Veränderung von Pflanzen und Tieren äußert sich der Papst zurückhaltend. Ein allgemeines Urteil sei derzeit noch nicht möglich. Nötig sei eine breite öffentliche und wissenschaftliche Debatte.“

Weiter heißt es in dem Beitrag: „Als Grund für die Umweltzerstörungen prangert der Papst ein ausschließlich auf wirtschaftlichen Profit ausgelegtes Wirtschaftssystem und hemmungslosen Konsum an. Dahinter stehe eine übersteigerte Selbstbezogenheit des Menschen, ein ‚despotischer Anthropozentrismus‘. Franziskus macht in dem Schreiben zudem deutlich, dass Umweltschutz untrennbar mit sozialer Gerechtigkeit verbunden sei. Leidtragende der Umweltzerstörungen seien vor allem die Ärmsten. Ein ‚wirklich ökologischer Ansatz‘ sei daher immer auch ein ’sozialer Ansatz‘. Weiter hebt die Enzyklika hervor, dass Umweltschutz immer auch Lebensschutz sein müsse. Es sei ’nicht vereinbar‘, die Natur zu verteidigen und Abtreibungen nicht zu verurteilen. Zudem wendet sich Franziskus gegen staatliche Geburtenkontrolle und Experimente mit Embryonen.“

„tagesschau.de“ kommentiert die Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus folgendermaßen: „Vom Paradies zur Müllhalde. Der Papst hat in seiner ersten eigenen Enzyklika Umweltzerstörung, Klimawandel und Konsumrausch angeprangert. Franziskus sieht vor allem reiche Länder in der Pflicht, ihren Lebensstil zu verändern. Wissenschaftler lobten ihn für die klaren Worte.“

Tilmann Kleinjung vom ARD-Hörfunkstudio Rom berichtet: „Dieser Text ist ein 220 Seiten langer Appell: ‚Ich lade dringlich zu einem neuen Dialog ein über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten‘, schreibt Franziskus am Anfang seiner Umwelt-Enzyklika. Ein Aufruf, der sich nicht nur an die Mächtigen und Wichtigen richte, sondern an Jedermann, sagt Pater Bernd Hagenkord von Radio Vatikan: ‚Der Papst sieht mit Blick auf die Schöpfung, dass sehr viel schief läuft und dass sich was ändern muss, damit wir unseren Planeten wieder bewohnbar machen. Ich würde das mit dem Papst die ‚ökologische Umkehr‘ nennen. Da dreht sich viel drum, dass wir unser Leben ändern müssen.’“

Ein solch durchgehend positives Echo nicht nur aus kirchlichen Kreisen, sondern auch aus Kreisen der Politik und der Medien, ist immer auffallend, zeigt es doch eindeutig, daß Bergoglio gedanklich mit dem Strom mitschwimmt. Sein Autorenkollegium war offensichtlich auch entsprechend ausgewählt, um politisch korrekt zu arbeiten, denn Bergoglio hat das 220 Seiten lange Dokument natürlich nicht allein verfaßt, er hat durchaus seine Helfer und Mitautoren gehabt. Aber bevor wir uns besonders mit einem dieser Mitautoren etwas eingehender beschäftigen wollen, zunächst einige Anmerkungen zum Text selbst.

Es gibt durchaus Auffälligkeiten in dem Schreiben, das sich den Themen „Klimawandel, Artenvielfalt, Trinkwasser“ widmet und sich an „alle Menschen guten Willens“ wendet. Grundsätzlich bergen derartige Themen die Gefahr in sich, in eine endlose Diskussionen abzugleiten und somit das Wesentliche niemals in den Blick zu bekommen. Bergoglio und sein Autorenteam scheinen es direkt darauf angelegt zu haben, an jeder nur möglichen Klippe geistig zu zerschellen.

1. Wer sich bei solchen Themen zu sehr ins Detail verliert, der gleitet nur allzu leicht ins Absurde ab.

Bergoglio und sein Team werden zuweilen in ihren Darlegungen und Vorschlägen ganz konkret. So raten sie etwa zur „Vermeidung des Gebrauchs von Plastik und Papier“, zur „Einschränkung des Wasserverbrauchs“, der „Trennung der Abfälle“ und empfehlen den Lesern, „nur so viel zu kochen, wie man vernünftigerweise essen kann, die anderen Lebewesen sorgsam zu behandeln, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen oder ein Fahrzeug mit mehreren Personen zu teilen, Bäume zu pflanzen, unnötige Lampen auszuschalten“. Alexander Kissler stellt in „www.cicero.de“ ganz zu Recht bezüglich dieser Detailverliebtheit fest: „Womit die Grenze zur Albernheit erreicht wäre. Ein Pontifex Maximus als Theologe der Abfalltrennung: Das gab es dann wirklich noch nicht.“ – Treffender kann man dieses kuriose Phänomen wohl kaum in Worte fassen.

In „conservo.wordpress.com“ weist Peter Helmes auf einen weiteren dieser Rumpelsätze, wie er sie nennt, hin. In § 211 ist zu lesen: „Wenn jemand, obwohl seine wirtschaftlichen Verhältnisse ihm erlauben, mehr zu verbrauchen und auszugeben, sich gewohnheitsgemäß etwas wärmer anzieht, anstatt die Heizung anzuzünden, bedeutet das, dass er Überzeugungen und eine Gesinnung angenommen hat, die den Umweltschutz begünstigen.”

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