Bergoglio als Umweltguru

Offensichtlich hat sich im Vatikan einiges geändert, seit Bergoglio das Ruder übernommen hat. Während sein Vorgänger gegenüber den „neuesten Ergebnissen“ von Weltklimaforschern à la Schellnhuber noch zurückhaltend war und diese nicht überzeugend fand, läßt sich dieser nun rückhaltlos vor den Karren dieser Ideologie spannen. Dazu nochmals Peter Helmes: „Nehmen wir einen typischen Satz aus § 24, um den Geist, der durch die Enzyklika weht, zu erkennen: ‚Die Erwärmung beeinflusst ihrerseits den Kohlenstoffkreislauf. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, der die Situation weiter verschärft und der die Verfügbarkeit unerlässlicher Ressourcen wie das Trinkwasser, die Energie und die Agrarproduktion in den heißesten Zonen beeinträchtigen und das Aussterben eines Teils der biologischen Vielfalt des Planeten verursachen wird. Durch das Schmelzen des Polareises und der Hochgebirgsflächen droht eine sehr gefährliche Freisetzung von Methangas, und die Verwesung der tiefgefrorenen organischen Stoffe könnte die Ausströmung von Kohlendioxid noch weiter erhöhen. Das Verschwinden der tropischen Urwälder verschlechtert seinerseits die Lage, denn sie helfen ja, den Klimawandel abzuschwächen. Die durch das Kohlendioxid verursachte Verschmutzung erhöht den Säuregehalt der Ozeane und gefährdet die marine Nahrungskette. Wenn die augenblickliche Tendenz anhält, könnte dieses Jahrhundert Zeuge nie dagewesener klimatischer Veränderungen und einer beispiellosen Zerstörung der Ökosysteme werden, mit schweren Folgen für uns alle. Der Anstieg des Meeresspiegels, zum Beispiel, kann Situationen von äußerstem Ernst schaffen, wenn man bedenkt, dass ein Viertel der Weltbevölkerung unmittelbar oder sehr nahe am Meer lebt und der größte Teil der Megastädte sich in Küstengebieten befindet.’“

Dazu das Urteil des Autors: „Dieses verquaste Geschwätz riecht verdächtig nach ‚Club of Rome‘, Weltklimarat (IPPC) und eben auch Schellnhuber vom PIK.“ Wenn man einmal in einen Zug eingestiegen ist, kann man nicht einfach wieder aussteigen. Diese Erfahrungswahrheit trifft natürlich auch auf die sog. Umwelt-“Enzyklika“ Bergoglios zu. Die entscheidende Frage ist nun aber: Kann man in den Zug eines Schellnhubers & Co. bedenkenlos einsteigen? Sicher nicht!

Wie soll man also das römische Schreiben beurteilen? Alexander Kissler schreibt: „Ein Papst, der Maß einfordert, verfeuert seine Einsichten und Anliegen maßlos. Dass diese ehrenwert sind und sympathisch, dass ‚Schwester Erde‘ tatsächlich Grund zu seufzen hat, ist unbenommen. Franziskus‘ Aufruf, die Technik nicht über den Menschen, die Rendite nicht über die Gesellschaft, die Interessen nicht über das Gemeinwohl bestimmen zu lassen und die Bande der Menschheitsfamilie zu stärken, verdient jedwedes Gehör, weltweit. Der radikale Angriff aber auf die Wirtschaftsweise des Westens könnte ‚Laudato Si‘ zu einer Kampfschrift machen, die Brücken eher abreißt als aufbaut. Der Weg ins Himmelreich wird auch künftig nicht mit Mehrwegtüten gepflastert sein.“

Peter Helmes meint: „Beschließen wir – zwar ein wenig ketzerisch, doch versöhnlich gestimmt – diese kritische Betrachtung mit § 83 aus der Feder des Pontifex maximus: ‚Der letzte Zweck der anderen Geschöpfe sind nicht wir. Doch alle gehen mit uns und durch uns voran auf das gemeinsame Ziel zu, das Gott ist, in einer transzendenten Fülle, wo der auferstandene Christus alles umgreift und erleuchtet. Denn der Mensch, der mit Intelligenz und Liebe begabt ist und durch die Fülle Christi angezogen wird, ist berufen, alle Geschöpfe zu ihrem Schöpfer zurückzuführen.‘ ‚Alle Geschöpfe zum Schöpfer zurückzuführen‘, heißt es da tatsächlich. Nach alter judäischer und christlicher Auffassung sind auch Tiere ‚Geschöpfe‘. So gesehen ist die Erlaubnis, sein Haustier neben sich im Grabe beerdigen zu lassen, durchaus sinnvoll. Denn dereinst dürfen wir ja mit unserem Hund und unserer Katze vor den Schöpfer treten. Nein, Eure Heiligkeit, so geht es nicht.“

In der Wochenzeitschrift „Neue Solidarität“ wird unter dem Titel „LaRouche: Das Empire hat das Papsttum gekapert“ folgende zusammenfassende Stellungnahme abgedruckt: „Die neue päpstliche Enzyklika Laudato si stand im Mittelpunkt mehrerer öffentlicher Diskussionen mit Lyndon LaRouche. In der Internetsendung mit seinem Politischen Komitee sagte LaRouche sehr deutlich: ‚Das Britische Empire hat faktisch den Papst gekapert.‘ LaRouche bezog sich dabei auf den Schwindel von der angeblichen menschengemachten Erderwärmung, der in der Enzyklika als wissenschaftliche Wahrheit hingestellt wird, und auf die Rolle von ‚John‘ Schellnhuber – dieser sei ’satanisch‘ im ursprünglichen Sinn des Wortes, d.h. ein Feind der Menschheit. Schellnhuber, einer der Autoren der Enzyklika, ist zwar bekannt als Kanzlerin Merkels ‚Klimaguru‘, sei faktisch aber ein Agent des Empires. Die These vom menschengemachten Klimawandel und die Forderung nach ‚Dekarbonisierung‘ der Wirtschaft ist eine Erfindung der herrschenden britischen Fraktion mit Vertretern wie Ex-Premier Tony Blair und Prinz Philip, dem Gründer der weltweiten Umweltbewegung und speziell des World Wildlife Fund (WWF).“

Weiter: „LaRouche sagte, es gebe ‚in diesem Prozeß die Diskreditierung des Papsttums, die das Empire dem Papsttum aufzwingt. So hat Satan im Augenblick das Papsttum übernommen. Nicht als permanentes Arrangement, aber mit Sicherheit als temporäres Arrangement, das von Ihrer Majestät der Queen geboten wird. Das ist also eine ziemlich üble Lage. Dabei darf man nicht vergessen, um was es dem Britischen Empire dabei geht, was jetzt politisch vom Papst unterstützt wird. Ich denke nicht unbedingt, daß er das beibehalten wird, weil ich nicht glaube, daß er wirklich ein Satanist sein will. Ich glaube nicht, daß der Papst das will. Aber er ist jetzt in einer Lage, wo das Empire beschlossen hat, über die Zukunft der Menschheit zu entscheiden. Und das Empire hat beschlossen, daß die Weltbevölkerung massiv reduziert werden soll.’“

Vergleichen wir mit diesen tiefgründigen Einblicken das, was der deutsche „Vorzeige-Theologe“ der „Piusbruderschaft“, P. Matthias Gaudron, in deren jüngstem Mitteilungsblatt von sich gibt. Unter dem wohl kritisch gemeinten Titel „Bekehrung zu Christus oder ökologische Bekehrung – woher erwartet der Papst das Heil?“ beginnt er, wie bei den „Pius-Theologen“ der Brauch, mit einem Lob für den braven Bergoglio als „captatio benevolentiae“: „Die Enzyklika ist mit den Worten ‚Über die Sorge für das gemeinsame Haus‘ überschrieben, wobei mit dem ‚gemeinsamen Haus‘ unser Planet Erde gemeint ist, der angesichts der Umweltverschmutzung in Gefahr ist, zunehmend unbewohnbar zu werden. Dass der Papst sich diesem Thema zuwendet, muss man nicht von vorneherein kritisieren, denn die Bewahrung und Bewunderung der Schöpfungswerke Gottes ist etwas, was uns Christen sehr wohl angeht.“

Der „Papst“ zeichne „im ersten Kapitel ein dramatisches und fast apokalyptisches Bild der Gefahren, die uns durch Umweltverschmutzung, Klimawandel, Wasserknappheit
und das Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten drohen“
, und hebe dabei hervor, „dass gerade die Ärmsten dieser Erde unter diesen Umweltschäden am meisten zu leiden haben werden“. „Problematisch“ sei hier „vielleicht“, „dass manche wissenschaftlichen Prognosen, auf die er sich stützt, nicht unumstritten sind“, was insbesondere für das Thema der „Erderwärmung“ gelte.

„Schön und lesenswert“ gar seien „die Darlegungen des zweiten Kapitels, in denen das Verhältnis von Mensch und Schöpfung im Licht der Heiligen Schrift betrachtet wird“, wobei „der Papst sich allerdings fast dafür entschuldigt, in einer Enzyklika, die ausdrücklich an alle Menschen gerichtet ist, über Glaubensdinge zu sprechen“. „Nach einem … Interview mit Bischof Mario Toso, der maßgeblich am ersten Entwurf der Enzyklika beteiligt war, sah dieser eine viel längere Einleitung theologischen, liturgischen, sakramentalen, spirituellen Charakters vor“, weiß der „Theologe“. „Es sei jedoch der Wunsch des Papstes gewesen, dies auf einen theologischen Teil und einige fromme Erwägungen am Schluss zu begrenzen. Der Papst wolle sich damit ‚zum Promotor einer globalen ökologischen Bewegung‘ machen.“

Trotz der Darlegung, daß die ursprüngliche Harmonie durch die Sünde gestört worden sei, werde dieser Ansatz in der „Enzyklika“ nicht zuende geführt, insofern eine Heilung dann nämlich nur durch Bekehrung erfolgen könne. Stattdessen könnten die meisten Teile des weitschweifigen Dokuments „von irgendwelchen Biologen und Soziologen geschrieben worden sein“, kritisiert zaghaft der „Pius“-Mann. „Immerhin“ jedoch stelle sich „der Papst in einigen Punkten gegen den Mainstream“, nämlich etwa was die Frage der Abtreibung oder der „Gender-Ideologie“ anbelangt. „Auch ein falscher Anthropozentrismus, der alles gutheißt, was technisch machbar ist und den egoistischen Bedürfnissen entspricht,wird verurteilt. Richtig weist der Papst darauf hin, dass der Mensch ’nicht völlig autonom‘ ist (Nr. 105), und er bezeichnet die Idee, ‚dass es keine unbestreitbaren Wahrheiten gibt … und deshalb der menschlichen Freiheit keine Grenzen gesetzt sind‘, als ein Übel (Nr. 6).“

Doch endlich kann sich der Herr Oberlehrer auch der „Kritik“ nicht ganz enthalten; denn nach probater „Pius“-Lehre ist ja ihr „Papst“ sowohl katholisch als auch Modernist, verdient daher wie Lob so auch Tadel. Es sei „erschütternd, dass in einer Enzyklika, die doch wohl eine Art Grundsatzprogramm der katholischen Kirche zur Ökologie sein soll, unser Herr Jesus Christus praktisch bedeutungslos ist“. „Problematisch“ sei „auch die Forderung nach einer ‚echten politischen Weltautorität‘ (Nr. 175)“, die „unter den gegenwärtigen Umständen“ nämlich „zweifellos antichristlichen Charakter haben“ würde. Ferner scheine „Papst Franziskus“ nicht „daran zu glauben, dass eine wirkliche Neuevangelisierung der Völker möglich ist“, und wolle darum, „dass die Kirche wenigstens an einer im natürlichen Bereich besseren Welt mitarbeitet“. Dies jedoch sei „illusorisch“ und gehe „am göttlichen Auftrag der Kirche vorbei“. Seine „Priesterbruderschaft St. Pius X. und die mit ihr befreundeten Gemeinschaften“ erbrächten „dagegen täglich den Beweis dafür, dass es auch heute noch möglich ist, Menschen für ein echt katholisches Leben zu gewinnen“. „Würden die Autoritäten der Kirche sich selbst an die Spitze einer wirklich katholischen Erneuerung stellen, anstatt diese ständig zu behindern, könnte die Welt auch heute wieder Staunenswertes erleben, denn mit der Gnade Gottes ist es auch heute noch möglich, ‚alles in Christus zu erneuern‘.“

Mit diesen ebenso selbstbewußten wie wohlwollend kritisch und hoffnungsfrohen Worten schließt der Pater seine Rezension des „päpstlichen Schreibens“, und es fehlt nur noch, daß der Herr „Pius-Theologe“ eine Zensurnote daruntersetzt, die seinem Kommentar nach zu schließen zwischen „2-3“ und „3-4“ schwanken dürfte. Dies belegt einmal mehr den Umgang der Herren von der „Piusbruderschaft“ mit ihrem „Papst“, den sie in völliger Verkennung der Sachlage und blinder Selbstüberschätzung nicht als ihren Lehrer, sondern als ihren Schüler betrachten. Zum anderen beweist es, wie wenig sie verstanden haben, worum es überhaupt geht, und was da alles vor sich geht, und welchen Meister seines Faches sie in ihrem „Schüler“ tatsächlich vor sich haben.

Man möge Bergoglio nicht unterschätzen. Seine argentinischen Freunde beschreiben ihn als „Schachspieler“, bei dem jeder Tag „perfekt organisiert“ ist und „jeder einzelne Schritt genau überlegt“. Er selbst sagte einst zu einigen Journalisten, daß er seine Impulse genau kontrolliere, denn „die erste Antwort, die mir einfällt, ist für gewöhnlich falsch“. Auch seine scheinbare Spontanität ist also bestens organisiert, die Worte, die ihm bisweilen „herausrutschen“, wenn er „ein Wort zuviel“ gesagt hat, seine so spontanen und herzlich erscheinenden Gesten – alles das ist genau berechnet und geplant. Er weiß, was er will, auch mit seiner „Umwelt-Enzyklika“.