Leo XIII. und der heilige Rosenkranz

von antimodernist2014

Leo XIII. war ein gebildeter, weitsichtiger, glaubensstarker, er war mit einem Wort gesagt ein großer Papst. Er regierte die Kirche Jesu Christi in einer schweren Zeit, denn die Angriffe der Feinde wurden immer heftiger. Auf der einen Seite widersetzten sich kirchenfeindliche Regierungen und Kräfte der übernatürlichen Religion und bedrohten mehr und mehr ihre Existenz. Zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl gab es keine diplomatischen Beziehungen mehr, und der Papst war ein „Gefangener“ innerhalb der Mauern des Vatikans. Der Kulturkampf in Deutschland und der Schweiz versuchte die Kirche in die Sakristeien einzusperren und jeglichen öffentlichen Einfluß zu rauben, und die Regierungen von Frankreich und Belgien wollten die Kontrolle über die kirchlichen Schulen erhalten und deswegen die kirchlichen Lehrkongregationen vom Lehrbetrieb ausschließen. Auf der anderen Seite war die Freimaurerei, über die der Papst in einer eigenen Enzyklika gesprochen hat, der Kirche unverhohlen feindselig gesonnen und versuchte mit allen Mitteln, Einfluß auf das kirchliche Leben zu gewinnen, indem sie die Kirche unterwanderte. Hinzu kam noch, daß die sog. neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft lang vertretene kirchliche Lehren zu widerlegen schienen und damit das Lehramt in eine gefährliche Defensive drängten.

Leo XIII. erkannte all diese Gefahren und bemühte sich, ihnen entgegenzuwirken. Neben all seinen politischen und kirchenpolitischen Bemühungen sah er vor allem noch ein weiteres notwendiges Mittel, um die Kirche vor ihren vielen Feinden zu schützen, ein Mittel, das nicht natürlich, sondern übernatürlich war – der hl. Rosenkranz!

Papst Leo XIII verfaßte während seines Pontifikates zwölf Enzykliken und fünf Apostolische Schreiben über den hl. Rosenkranz. Von 1883 bis 1889 erschien fast jedes Jahr, in der Regel als Vorbereitung auf den Monat Oktober, eine Enzyklika über den hl. Rosenkranz. In der Enzyklika „Supremi apostolatus“ aus dem Jahr 1883 erklärt Leo XIII., warum es ihm besonders notwendig erscheint, in dieser bedrängten Lage Zuflucht zu Maria zu nehmen:

„Das apostolische Amt, das Wir bekleiden, sowie die außerordentlich kritischen Zeitverhältnisse ermahnen Uns und zwingen Uns fast täglich, um so mehr auf den Schutz und das Heil der Kirche bedacht zu sein, je heftiger Wir sie umkämpft sehen. Indem Wir nach Kräften auf jede mögliche Weise für die Rechte der Kirche Uns einsetzen und bemühen, die drohenden und vorhandenen Gefahren abzuwehren oder ihnen zuvorzukommen, besteht Unsere ständige Sorge um die Erlangung der Hilfe von oben. Nur dadurch können Unsere Mühen und Sorgen den gewünschten Erfolg sicher erlangen. Um dieses Ziel zu erreichen, erachten Wir nichts für so heilsam und machtvoll, als in kindlicher Verehrung für Uns das Wohlwollen der hocherhabenen Gottesmutter und Jungfrau Maria zu erflehen. Sie ist bei Gott die Mittlerin des Friedens für uns und die Spenderin der himmlischen Gnaden. Mit großer Macht und Herrlichkeit thront sie im Himmel, um den Menschen ihren Schutz zu gewährleisten auf ihrer mühsamen und gefahrvollen Wanderung in die ewige Heimat.“

Der Papst war der festen Überzeugung, ohne Hilfe vom Himmel ist den vielen Gefahren nicht mehr Herr zu werden. Um aber diese Hilfe zu erlangen, ist es notwendig, übernatürliche Mittel zu ergreifen – Mittel, die dem Weltmenschen töricht erscheinen, dem Glaubenden aber unerschütterliches Vertrauen auf die Gnadenhilfe Gottes verleihen. Dabei ist es vor allem „heilsam und machtvoll, sich in kindlicher Verehrung für Uns das Wohlwollen der hocherhabenen Gottesmutter und Jungfrau Maria zu erflehen“. Leo XIII. erklärt dementsprechend weiter:

„Es war von jeher für den katholischen Menschen ein Herzensbedürfnis, in den Stunden des Bangens und der Not zu Maria seine Zuflucht zu nehmen und sich in ihre mütterlichen Arme zu werfen. Darin kommt die felsenfeste Hoffnung und das unerschütterliche Vertrauen zum Ausdruck, das die katholische Kirche mit Recht stets auf die Mutter des Herrn gesetzt hat. Die ohne Makel der Erbsünde empfangene Jungfrau, die zur Gottesmutter Auserwählte, die zur Mitwirkung an der Erlösung des Menschengeschlechtes berufen ist, steht bei ihrem Sohne in so großem Ansehen und besitzt eine so große Macht, daß weder Mensch noch Engel mit ihr verglichen werden, ja niemals gleichkommen kann. Weil es ihr das liebste ist, jedem, der ihre Hilfe anruft, beizustehen mit ihrem Trost, wird sie zweifelsohne noch bereitwilliger die Bitten der ganzen Kirche erhören, ja, sie wird in gewissem Sinn nach solchen Bitten verlangen. Einen hoffnungsfrohen Aufschwung nahm die große Verehrung der erhabenen Himmelskönigin jedesmal, wenn Irrtümer in großer Zahl aufstiegen, wenn Sittenverderbnis sich ausbreitete oder gefährliche Angriffe auf die kämpfende Kirche gestartet wurden.“

Instinktiv nimmt der Katholik bei besonderen Gefahren Zuflucht zur Gottesmutter Maria. Sie, die „ohne Makel der Erbsünde empfangene Jungfrau, die zur Gottesmutter Auserwählte, die zur Mitwirkung an der Erlösung des Menschengeschlechtes berufen ist, steht bei ihrem Sohne in so großem Ansehen und besitzt eine so große Macht, daß weder Mensch noch Engel mit ihr verglichen werden, ja niemals gleichkommen kann“. Sie ist die Mittlerin aller Gnaden und die Siegerin in den Schlachten Gottes. Wobei wir Katholiken wissen, das Reich Christi auf Erden ruht auf anderem Fundament als die Reiche dieser Welt. Der Katholik kämpft deswegen nicht mit irdischen Waffen, nicht mit Gewehren, Panzern und Flugzeugen, sondern mit Waffen des Geistes, Waffen des Himmels. Die Hauptwaffe in diesem Sinne des Wortes aber ist das Gebet, und unter den Gebeten wiederum besonders der hl. Rosenkranz, wie Leo XIII. hervorhebt.

„Weil die Allerseligste Jungfrau gerade an diesem heiligen Gebet besonderes Wohlgefallen zu haben scheint und weil es sich zur Verteidigung der Kirche und der Christenheit eignet sowie zur Erlangung von Gnaden für das private und öffentliche Leben, ist nicht zu verwundern, wenn auch andere Unserer Vorgänger vor Uns das Rosenkranzgebet mit Lobsprüchen überhäuften und die Andacht zu verbreiten suchten. Urban IV. erklärt, ‚daß durch den Rosenkranz die Gläubigen täglich Gnaden erlangen‘. Sixtus IV. erklärt diese Gebetsweise als sehr geeignet ‚zur Verehrung Gottes und der Allerseligsten Jungfrau und zur Abwehr drohender Gefahren für die Welt‘. Leo X. nennt den Rosenkranz ‚eine Einrichtung gegen Irrlehren und schleichende Irrlehren‘ und Julius III. ‚eine Zierde der römischen Kirche‘. Im gleichen Sinn äußert sich der Heilige Vater Papst Pius V.: ‚Wenn dieses Gebet gepflegt wird und die Gläubigen sich in diese Betrachtung versenken, dann bewirkt diese Flamme des Gebetes eine plötzliche Bekehrung in anderen Menschen. Die Finsternis der Irrlehren weicht zurück, und das Licht des katholischen Glaubens erstrahlt in neuem Glanze.‘ Gregor XIII. erklärt schließlich: ‚Das Rosenkranzgebet wurde vom heiligen Dominikus eingeführt, um Gottes Zorn zu versöhnen und die Fürbitte der Heiligsten Jungfrau zu erwirken.‘ Derartige Erwägungen in Verbindung mit dem Beispiel Unserer Vorgänger leiten auch Uns, wenn Wir jene feierliche Andacht auch für Uns gegenwärtig für zeitgemäß halten, damit auch wir durch Anrufung der erhabenen Jungfrau im Rosenkranzgebet eine ähnliche Hilfe in unserer Notlage von Christus, ihrem Sohn, erlangen.“

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