Leben im All

von antimodernist2014

1. Es gibt ein Thema, das „Wissenschaftler“ und „Astronomen“ regelmäßig und unfehlbar in höchste Aufregung und in einen Fieber- und Freudentaumel ohnegleichen versetzt: Leben im All! Erst dieser Tage meldete „Spiegel online“, daß der Mars derzeit „wieder die Fantasie der Wissenschaftler“ beflügele. „Vor Kurzem verkündete die US-Weltraumbehörde Nasa, sie habe starke Hinweise auf flüssiges Wasser auf dem unwirtlichen Planeten entdeckt“, und nun habe gar „der Mars-Rover ‚Curiosity‘ ein System ausgetrockneter Seen und Flüsse aufgespürt“. Wird aber irgendwo Wasser vermutet, dann zuckt sofort die magische Vorstellung von „extraterrestrischem Leben“ in den Hirnen auf – „streng wissenschaftlich“ natürlich.

So heißt es auch in unserem Beitrag weiter: „Aktuelle Beobachtungen ließen den jungen Mars geologisch immer erdähnlicher erscheinen, betont Majorie Chan von der University of Utah. Obwohl es noch keinen Beleg für die Existenz von extraterrestrischem Leben auf dem Mars gebe, seien die wichtigsten Zutaten dafür vorhanden gewesen.“ „Auf der Erde sei seit 3,5 Milliarden Jahren vermutlich jedes Oberflächengewässer mit Mikroben besiedelt“, sagt die „Wissenschaftlerin“ und bezweifelt, daß der Mars „reine, abiotische Gewässer besessen haben“ soll. Sie meint vielmehr: „Je mehr die Geologie der Erde ähnelt, umso wahrscheinlicher scheint es, dass sich irgendwelche Lebensformen im Marswasser entwickelt haben könnten.“

Das jüngste teure Steckenpferd der „Astronomen“ ist neben der Erforschung des Mars die Suche nach sog. „Exoplaneten“. „Mit immer neuen Strategien und Instrumenten versuchen die Forscher, diese fernen Welten aufzuspüren – in der Hoffnung, sie könnten unserer Erde mehr oder weniger ähnlich sein. Bis 2030 werden die Astronomen voraussichtlich Hunderttausende Exoplaneten aufgespürt haben“, schreibt Harald Zaun in einem Beitrag in der „Welt“ mit dem Titel: „So nah war die Entdeckung vom Leben im All noch nie“. Er fährt fort: „Viele von ihnen dürften lebensfreundlich sein, also grundsätzlich die Voraussetzung für die Entstehung von Leben bieten. Doch das muss nicht bedeuten, dass dort auch tatsächlich Leben entstanden ist.“ Wenngleich dies natürlich immer der dahinterstehende Traum ist.

„Gibt es irgendwo da draußen weitere Formen der Existenz? Das ist zu einer zentralen Frage der Astronomie geworden. Mit neuen leistungsfähigen Teleskopen wollen Forscher sie beantworten.“ So etablierte sich „im Laufe weniger Jahre … innerhalb der Astronomie die neue Disziplin der Exoplanetenforschung, die eng verknüpft ist mit der Astrobiologie“. Denn, so zitiert der Artikel die „Astrophysikerin Heike Rauer vom Berliner Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)“: „Tatsächlich ist die Suche nach Leben im All eines der wichtigsten Ziele bei der Planetenjagd.“ Somit ist ein „Exoplanet“ besonders interessant, „wenn er nicht nur eine felsige Oberfläche hat, sondern auch über Wasser und eine Atmosphäre verfügt“, denn das „sind nach irdischen Maßstäben Voraussetzungen für das Entstehen von Leben“.

Zwar hat man bisher „keine zweite Erde“ entdeckt, was die „NASA“ nicht hinderte, den angeblichen „Exoplaneten“ „Kepler-452b als ‚Cousin‘ der Erde zu bezeichnen“, obwohl es „weder klar“ ist, „ob dieser Exoplanet eine feste Oberfläche hat“, noch „Belege für die Existenz von Wasser“ gibt. „Noch in diesem Jahrzehnt“ soll „eine ganze Armada neuer Hochleistungsteleskope in Betrieb gehen“, um nach „Exoplaneten“ Ausschau zu halten. „’Wir werden Planeten finden, die ihren sonnenähnlichen Stern in der lebensfreundlichen, der habitablen Zone umkreisen‘, hofft Heike Rauer, die DLR-Leiterin des Plato-Instrumentenkonsortiums. ‚Hierzu zählen Planeten, auf deren Oberfläche Wasser vorhanden sein könnte und auf denen dann vielleicht sogar die Entwicklung von Leben, wie wir es kennen, möglich wäre.’“ „Ferne Welten zu entdecken und zu charakterisieren ist eine Sache – auf ihnen Spuren von Leben zu finden hingegen eine sehr viel größere Herausforderung. ‚Der Traum der Planetenjäger ist, von einem erdähnlichen Planeten ein komplettes optisches Spektrum zu erhalten und in den dortigen Atmosphären Biomarker zu finden‘, erklärt Mayor“, ein „Astronom“, der vor 20 Jahren erstmals einen „Exoplaneten“ vorstellte.

2. Woher nur diese sonderbare Faszination, diese Fixierung auf „extraterrestrisches“ Leben, die wir doch eher in „Science fiction“-Romanen und -Filmen verorten sollten als bei seriösen Wissenschaftlern? Wieso sind diese sofort wie elektrisiert, wenn sie nur schon von der Möglichkeit hören, daß es irgendwo im Weltraum einen Himmelskörper mit flüssigem Wasser geben könnte, und träumen gleich von außerirdischem Leben, anstatt nüchtern die Fakten zu betrachten und die Forschungsergebnisse abzuwarten und auszuwerten?

Nach dem Philosophen Max Picard leben wir in einer „Welt der Flucht“. Der moderne Mensch befindet sich in einer ständigen „Flucht vor Gott“. Darum muß alles dauernd in Bewegung sein, in fortwährendem Fluß. Die Menschen sind heute dank moderner Technik und Lebensweise „mobil“ wie nie zuvor. Moderne Verkehrsmittel ermöglichen das Reisen in jeden Winkel der Welt, und wenigstens „virtuell“ steht ihnen dank „World Wide Web“ die ganze Welt jederzeit dafür offen. Das „Mobiltelefon“ hat das „Festnetz“ längst abgehängt, das „Smartphone“ den „Desktop-Computer“. Die „Wissenschaft“ hat dazu den „Evolutionismus“ beigesteuert, wonach überhaupt alles, was wir um uns sehen, in ständigem Fluß, in fortwährender Entwicklung sich befindet, und namentlich das Leben.

Da wäre es nun die Krönung, wenn man endlich, endlich „nachweisen“ könnte, daß sich auch anderswo Leben entwickelt hat, wenn nur die Bedingungen entsprechend waren. Das wäre der schlagende Beweis, daß das Leben eben doch aus der „Ursuppe“ stammt und nicht von Gott, und daß wir nichts weiter sind als eine Höherentwicklung jener Mikroben, die zuerst die Oberflächengewässer unseres Planeten besiedelten. Damit stünde auch einer weiteren Höherentwicklung des Menschen nichts mehr im Wege, und so wird er bald noch andere Planeten besiedeln, zuerst den Mars, dann in fernerer Zukunft dank fortschreitender Technik auch „Exoplaneten“, zumal bis dahin die Erde womöglich unbewohnbar geworden ist. Eine Begegnung mit anderen hochentwickelten Zivilisationen ist natürlich gleichfalls nicht ausgeschlossen.

Das ist, wie wir noch einmal betonen dürfen, „Wissenschaft“, nicht Literatur oder Kino! Und doch sehen wir, wie sehr diese Bereiche inzwischen verschmolzen sind und zusammen jene „Welt der Flucht“ bilden, zu der auch die Politik und die modernistische Menschenmachwerksreligion das Ihrige beisteuern. Alle Bereiche des Lebens und alle Institutionen der Gesellschaft stehen in Diensten jener Flucht vor Gott. Die „Astronomie“ ist dafür besonders gut geeignet, führt sie doch von Haus aus unsere Phantasie in ferne Welten.

3. Es gab einmal eine Zeit, da lenkte der Blick zu den Sternen die Menschen nicht auf phantastische Fluchtwege weg von Gott, sondern im Gegenteil, näher zu Gott hin. Beim Anblick des bestirnten Nachthimmels dachten sie nicht an ferne Welten und außerirdisches Leben im All, sondern an den Schöpfer und Herrn. „Wenn ich deine Himmel anschaue, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du gebildet hast, was ist da der Mensch, daß du seiner gedenkst, oder der Menschensohn, daß du ihn in Gnaden heimsuchst?“ (Ps 8,4f). Nicht die Hybris, den ganzen Weltraum zu erforschen, zu bereisen und zu beherrschen, war die Folge solchen Betrachtens, sondern ein Akt tiefer Demut. Und nur die Demut führt zu einem wahren Blick auf Gott und Seine Schöpfung, während der Stolz des Menschen ihn verblendet. Nur wo keine künstlichen Lichter oder Smog die Sicht verderben, sieht man den Nachthimmel klar und rein.

Das mittelalterliche Weltbild war von dieser Art. Der moderne Mensch spottet meist über das Mittelalter, das noch voller Aberglaube und Finsternis war, bevor die „Aufklärung“ der Welt das Licht der Vernunft und der Wissenschaft brachte. In Wahrheit ist es eher umgekehrt. Das „Licht“, das die „Aufklärung“ brachte, ist das Licht des Stolzes, das Licht Luzifers, welches die Wahrheit verdunkelt. Die „Finsternis“ des Mittelalters war die Demut, die allein der Wahrheit angemessen ist und den Blick auf sie ermöglicht.

Im Mittelalter, so will man uns weismachen, habe man die Erde noch für eine Scheibe gehalten. Der heilige Thomas von Aquin (1225 bis 1274) hat das jedenfalls nicht getan. Er spricht etwa in seiner „Summa Theologiae“ (I q.67 a.4 ad 2), da er den ersten Schöpfungstag behandelt mit der Trennung von Licht und Finsternis, ausdrücklich von „Hemisphären“, also Halbkugeln. Er sagt, daß das Licht, das Gott erschuf, bereits das Licht der Sonne war, und die Trennung von Licht und Finsternis dreifach zu verstehen sei: Einmal von der Ursache her, insofern die Sonne Ursache für das Licht war, die Erde hingegen für die Finsternis (wir erleben das jede Nacht, wenn sich die Erde zwischen uns und der Sonne befindet, oder bei den verschiedenen Mondphasen, wenn die Erde das Sonnenlicht verdunkelt, das auf den Mond fällt, oder sehr eindrucksvoll bei einer Mondfinsternis); zweitens in bezug auf den Ort, insofern nämlich die eine Hemisphäre in Dunkelheit liegt und die andere im Licht; drittens in Hinsicht auf die Zeit, insofern auf ein und derselben Hemisphäre je nach den verschiedenen Zeiten Licht und Finsternis einander abwechseln.

Von sonderbaren außerirdischen Lebensformen finden wir freilich nichts beim heiligen Thomas, wohl aber einen überaus erhabenen Blick auf den Kosmos, das geordnete Weltganze, das für ihn weit mehr ist als ein Weltraum oder „Space“ mit Galaxien, Spiralnebeln, Sonnen, Planeten, Asteroiden usf., sondern das Werk des allmächtigen Gottes, das dieser aus Nichts hervorgebracht hat und seither in Seiner weisen Vorsehung regiert. Während bei der Erschaffung dieser Welt kein Geschöpf beteiligt gewesen sein konnte, da dies allein die Schöpfermacht Gottes vermochte, so läßt doch Gott an der Regierung der Welt die Geschöpfe teilhaben, je nach ihrer Natur, die Er ihnen verliehen hat. Nicht zwar an der Vorsehung selbst sind die Geschöpfe mit beteiligt, so als ob sie bei der Regierung der Welt mitzubestimmen hätten – auch wenn der moderne liberale und demokratiegläubige Mensch das gerne so hätte –, sondern bei der Ausführung der göttlichen Pläne.

Darum geht die Ordnung der Ausführung auch strikt hierarchisch von oben nach unten. Die niedrigeren Geschöpfe werden jeweils durch die höheren gelenkt. „Da es aber zur göttlichen Vorsehung gehört, daß die Ordnung in den Dingen gewahrt bleibe, und es die angemessene Ordnung ist, daß vom Höchsten zum Niedrigsten nach und nach hinabgestiegen werde, muß die göttliche Vorsehung in einer gewissen Stufenleiter der Verhältnismäßigkeit bis zu den untersten Dingen gelangen. Diese Verhältnismäßigkeit besteht darin, daß ebenso, wie die obersten Geschöpfe unter Gott stehen und von ihm gelenkt werden, so die niederen Geschöpfe unter den höheren stehen und von ihnen gelenkt werden. Unter allen Geschöpfen aber die obersten sind die geistigen, wie oben gesagt. Somit verlangt das Wesen der göttlichen Vorsehung, daß die übrigen Geschöpfe durch die geistigen Geschöpfe gelenkt werden“ (Summa contra gentiles, III cap. 78).

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