Synodale Kirche

Für Bergoglio hingegen gilt: „Für die Jünger Jesu – gestern, heute und allezeit – ist die einzige Autorität die Autorität des Dienens, die einzige Macht die Macht des Kreuzes“, wobei er sich auf Mt. 20,25-27 bezieht. Und wieder übersieht er, daß der Heiland hier die Apostel gerade deswegen warnt, ihre Macht zu mißbrauchen, sich etwas auf sie einzubilden und ihre Autorität anders einzusetzen als zum Dienst an den Seelen, weil Er daran ist, ihnen die Schlüssel des Himmelreichs zu übergeben, weil Er ihnen die höchste Gewalt gibt, die auf Erden denkbar ist, nämlich im Himmel wie auf Erden, d.h. sogar in ewigen und übernatürlichen Dingen, zu lösen und zu binden. Es ist jedoch typisch für Modernisten und damit auch für Bergoglio, daß sie zwischen Amt und Person nicht unterscheiden können. Statt in Demut die vom Amt erforderten Hoheitszeichen zu ertragen und die Person bescheiden dahinter zu verbergen, stellt Bergoglio stolz und eitel seine persönliche falsche „Bescheidenheit“ zur Schau.

5. „In einer synodalen Kirche ist die Bischofssynode nur der deutlichste Ausdruck einer Dynamik der Gemeinschaft, die alle kirchlichen Entscheidungen leitet“, doziert unser Jesuitenschüler weiter. Die „kirchlichen Entscheidungen“ in der „synodalen Kirche“ werden nicht vom unveränderlichen göttlichen Gesetz, sondern von der „Dynamik der Gemeinschaft“ geleitet. Das muß man gut beachten! „Die erste Ebene, auf der die Synodalität ausgeübt wird, verwirklicht sich in den Teilkirchen.“ Hierher gehören „der Priesterrat, das Konsultoren-Kollegium, das Kanonikerkapitel und der Pastoralrat“. „Nur in dem Maße, in dem diese Organismen mit ‚dem Boden‘ verhaftet bleiben und von den Menschen, von den täglichen Problemen ausgehen, kann eine synodale Kirche beginnen, Gestalt anzunehmen: diese Hilfsmittel, die sich manchmal nur mühsam entwickeln, müssen als Gelegenheit des Zuhörens und des Mitteilens aufgewertet werden.“ So mancher Pfarrer, der sich mit einem aufsässigen „Pfarrgemeinderat“ herumzuschlagen hat, wird dies mit Aufmerksamkeit hören.

„Die zweite Ebene ist die der Kirchenprovinzen und Kirchenregionen, der Partikularkonzilien und in besonderer Weise der Bischofskonferenzen.“ Hier sei zu überlegen, „wie wir über diese Organismen noch mehr die mittleren Instanzen der Kollegialität verwirklichen können, möglicherweise durch Integrierung und Weiterbildung einiger Aspekte der alten kirchlichen Ordnung“. Der „Wunsch des Konzils“ habe sich in dieser Beziehung noch nicht wirklich erfüllt, man sei „auf halbem Weg, auf einer Teilstrecke“. Bergoglio erinnert an seine „Apostolische Exhortation“ mit dem Titel „Evangelii Gaudium“, wo er angemahnt hatte, es sei „in einer synodalen Kirche ’nicht angebracht, dass der Papst die örtlichen Bischöfe in der Bewertung aller Problemkreise ersetzt, die in ihren Gebieten auftauchen’“, und fortgefahren war: „In diesem Sinn spüre ich die Notwendigkeit, in einer heilsamen ,Dezentralisierung‘ voranzuschreiten.“ Also weg vom alten, „ultramontanen“ römischen „Zentralismus“! Es gibt dann nicht mehr nur die römisch-katholische Kirche und vielleicht noch einige unierte, sondern auch die deutsch-katholische, die französisch-katholische usw. Dabei könnte dann die „deutsch-katholische“ z.B. im Hinblick auf „geschiedene Wiederverheiratete“ eine andere Linie fahren als etwa die „polnisch-katholische“.

„Die letzte Ebene ist die der Universalkirche. Hier wird die Bischofssynode, die den katholischen Episkopat repräsentiert, Ausdruck der bischöflichen Kollegialität innerhalb einer ganz synodalen Kirche.“ Als guter Jesuit versäumt Bergoglio nicht die Distinktion: „Zwei verschiedene Begriffe: ‚bischöfliche Kollegialität‘ und ‚ganz synodale Kirche‘.“ Die „ganz synodale Kirche“ umfaßt eben mehr als nur „bischöfliche Kollegialität“. Dabei kann die „collegialitas affectiva“, welche „die Bischöfe untereinander und mit dem Papst in der Sorge für das Volk Gottes verbindet“, „unter Umständen auch ‚effektiv‘ werden“.

6. Damit sind wir schon beim ökumenischen Aspekt, der selbstverständlich auch nicht fehlen darf. „Die Aufgabe, eine synodale Kirche zu errichten – ein Auftrag, zu dem wir alle berufen sind, jeder in der Rolle, die der Herr ihm anvertraut –, ist voller Implikationen für die Ökumene. Aus diesem Grund habe ich kürzlich bei einer Ansprache an die Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel die Überzeugung bekräftigt: ‚Die sorgfältige Untersuchung, wie in der Kirche das Prinzip der Synodalität und der Dienst dessen, der den Vorsitz hat, zum Ausdruck kommen, wird einen wichtigen Beitrag zum Fortschritt der Beziehungen zwischen unseren Kirchen darstellen‘.“ In der Tat finden wir bei den meisten von der Kirche getrennten häretischen und schismatischen Gemeinschaften „synodale“ Strukturen.

Über die Kirchenordnung der „Altkatholiken“ etwa weiß „Wikipedia“: „Die Verfassung der altkatholischen Kirchen ist bischöflich-synodal und beruht auf demokratischen Prinzipien (Mehrheitsentscheid; Gewaltenteilung)“, und fährt fort: „Volljährige Gemeindemitglieder haben Mitbestimmungsrechte, die vor allem auf den halbjährlichen Gemeindeversammlungen wahrgenommen werden.“ „Dazu zählen u.a. die Wahl des Kirchenvorstandes, der Synodalabgeordneten und i.d.R. des Pfarrers. Der Bischof wird auf einer Synode gewählt, der aus den Gemeinden entsandte Laien und Geistliche angehören. Der Bischof leitet zusammen mit dem Synodalrat (in Deutschland: mit der Synodalvertretung) das Bistum. Die Rechtsprechung im Bistum obliegt unabhängigen Synodalgerichten.“ Was für ein schönes Muster einer „ganz synodalen Kirche“!

Zu den Synoden bei den Protestanten werden wir unterrichtet: „In den evangelischen Kirchen in Deutschland sind die Synoden Parlamente der kirchlichen Selbstverwaltung.“ Weiter: „Diese Synoden sind zuständig für die Gesetzgebung und Rechtsetzung innerhalb des kirchlichen Selbstbestimmungsrechtes. Außerdem nehmen sie das kirchliche Mitspracherecht wahr, das den Kirchen auf verschiedenen staatlichen Ebenen durch staatliche Gesetze oder Staatsverträge eingeräumt wird (so bei der Regelung des Religionsunterrichts an staatlichen Schulen und dem Militärpfarrrecht). Auch treffen Synoden gesamtkirchliche Entscheidungen und sind allein oder ergänzend zu den jeweiligen Bischöfen für die Formulierung der theologischen Leitlinien ihrer Kirche zuständig. In presbyterianischen, reformierten und unierten Kirchen sind die Möglichkeiten der Einflussnahme der Synode im Vergleich zu den lutherischen evangelischen Kirchen besonders stark ausgeprägt; sie stellen gewissermaßen einen elementaren Bestandteil des konfessionellen Selbstverständnisses dar.“ Wie schön, wenn auch hier die Kirchenstrukturen sich zunehmend angleichen.

Bei den Orthodoxen schließlich ist der „Heilige Synod … ein ständiges Gremium (Organ), das sich an der Spitze der orthodoxen Kirchen befindet“. Es wird also höchste Zeit, daß auch die „Konziliare Kirche“ synodale Strukturen bekommt. Bergoglio zeigt sich „überzeugt, dass in einer synodalen Kirche auch die Ausübung des Primats Petri deutlicher zum Vorschein kommen kann“. „Der Papst steht nicht allein über der Kirche, sondern in ihr als Getaufter unter Getauften und innerhalb des Bischofskollegiums als Bischof unter den Bischöfen, der gleichzeitig berufen ist – als Nachfolger des Apostels Petrus – die Kirche von Rom zu führen, die in Liebe allen Kirchen vorsteht.“

In diesem Sinn weist Bergoglio „auf die Notwendigkeit und Dringlichkeit“ hin, „’an eine Neuausrichtung des Papsttums‘ zu denken“, wie er ebenfalls bereits in „Evangelii gaudium“ formuliert hatte, und bezieht sich auf die Worte seines „Vorgängers Papst Johannes Paul II.“ seligen, nein heiligen Angedenkens, welcher fabulierte: „Als Bischof von Rom weiß ich sehr wohl, (…) dass die volle und sichtbare Gemeinschaft aller Gemeinschaften, in denen kraft der Treue Gottes sein Geist wohnt, der brennende Wunsch Christi ist. Ich bin überzeugt, diesbezüglich eine besondere Verantwortung zu haben, vor allem wenn ich die ökumenische Sehnsucht der meisten christlichen Gemeinschaften feststelle und die an mich gerichtete Bitte vernehme, eine Form der Primatsausübung zu finden, die zwar keineswegs auf das Wesentliche ihrer Sendung verzichtet, sich aber einer neuen Situation öffnet.“ Es ist klar, zu einer neuen Kirche gehört ein neues „Papsttum“.

Doch bei der Ökumene bleibt der „synodale Weg“ noch nicht stehen. Es weitet sich vielmehr unser Blick „auch auf die Menschheit aus“. Denn: „Eine synodale Kirche ist wie ein für die Völker aufgestelltes Zeichen (vgl. Jes 11,12) in einer Welt, die – wenngleich sie sich in der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten auf Anteilnahme, Solidarität und Transparenz beruft – das Schicksal ganzer Bevölkerungen oftmals in die gierigen Hände kleiner Machtgruppen gibt. Als Kirche, die mit den Menschen ‚gemeinsam auf dem Weg ist‘, beteiligt an den Wehen der Geschichte, hegen wir den Wunsch, dass die Wiederentdeckung der unverletzlichen Würde der Völker und der dienenden Funktion der Autorität auch der zivilen Gesellschaft helfen können, sich in der Gerechtigkeit und in der Brüderlichkeit zu errichten und für die nach uns kommenden Generationen eine schönere und menschenwürdigere Welt zu schaffen.“ Und ist das nicht die vornehmste und erhabenste Aufgabe der „Konziliaren Kirche“, ein „Zeichen“ für die Völker zu sein, ein „Sakrament“, damit sich die zivile Gesellschaft „in der Gerechtigkeit und in der Brüderlichkeit“ errichten kann, um „für die nach uns kommenden Generationen eine schönere und menschenwürdigere Welt zu schaffen“? Sie steht eben ganz im Dienst der freimaurerisch-antichristlichen „Neuen Weltordnung“.

7. Den ganzen Sermon schließt der „Bischof von Rom“ mit einem schlichten „Danke“. Wir unsererseits bedanken uns bei Herrn Bergoglio für dieses Musterbeispiel modernistischen Denkens, seine klaren und unmißverständlichen Worte, wo es mit der „Konziliaren Kirche“ hinausläuft und welche Rolle die „Familiensynode“ dabei spielt. Die „Konziliare Kirche“ bekommt als „synodale Kirche“ einen noch viel tieferen und verständlicheren Sinn; sie geht nicht nur einfach auf „das Konzil“ zurück, sondern sie ist durch und durch „synodal“, was sie zugleich in ihrer Architektur als auch in ihrer ökumenischen Ausrichtung besser charakterisiert als „konziliar“, ein Begriff, der doch noch zu sehr katholisch klingt und an die großen dogmatischen Konzilien erinnert. Wir können nur nicht begreifen, warum so viele „Konservative“ und „Traditionalisten“ immer noch meinen, es gehe bei dieser „Familiensynode“ um eine innerkirchliche Auseinandersetzung um die Frage der Ehe- und Familienlehre. Treuherzig versuchen sie, die „katholische Ehemoral“ zu retten und ein „Auseinanderbrechen“ der „Kirche“ zu verhindern, und sehen nicht, daß sie es längst mit einem völlig anderen und neuen Konzept von „Kirche“ zu tun haben, einer „Menschenmachwerkskirche“ eben, die ganz andere Strukturen hat als die katholische, der „synodalen Kirche“.

„Die Zeichen stehen auf Sturm. Tiefe Spaltungen im Kardinalskollegium und im Episkopat werden in dieser Frage sichtbar. Weitreichende Entscheidungen bezüglich der Ehemoral und der Identität der christlichen Familie werden fallen. Die Beratungen, Auseinandersetzungen und Beschlüsse werden aber auch schwerwiegende Konsequenzen für die Kirche selbst mit sich bringen.“ So schrieb etwa ein „Traditionalisten-Oberer“ und rief die Gläubigen „zum inständigen Gebet in Ihren Familien und in den Kapellen, zum eifrigen Kommunionempfang in diesem Anliegen, zu großen und kleinen Opfern auf“. Es gehe „um die Ehre Gottes“, um „die Rettung der Ehemoral und der christlichen Familie“, ja „um das Heil der Seelen“. „Beten wir darum mit der ganzen Kirche…“ In Wahrheit geht es lediglich um den „synodalen Weg“ der „Konziliaren Kirche“, mit der wir als Katholiken nichts zu tun haben wollen. Wenn wir wirklich „um die Ehre Gottes“, um „die Rettung der Ehemoral und der christlichen Familie“ und „um das Heil der Seelen“ besorgt sind, dürfen wir die Gläubigen nicht zum Gebet für den „synodalen Weg“ der „Konziliaren Kirche“ aufrufen, sondern im Gegenteil, zur vollständigen Trennung von dieser. „Ziehet aus von ihr, mein Volk, auf daß ihr nicht mit ihren Sünden Gemeinschaft habet, und daß ihr von ihren Plagen nicht empfanget!“ (Off. 18,4).