Vom Fest der Beschneidung des Herrn

von antimodernist2014

Am 1. Januar feiert die Kirche die Oktav von Weihnachten und das Fest der Beschneidung des Herrn. „Das Fest der Beschneidung des Herrn ist eingesetzt worden, um das Gedächtnis des vergossenen Blutes Christi in den ersten Tagen seines Lebens zu feiern“, sagt der Katechismus des hl. Pius X.

Es fällt auf, daß die Kirche in der Weihnachtsoktav mehrere blutige Feste begeht. Bereits der zweite Weihnachtsfeiertag ist das Fest des ersten Blutzeugen und Erzmartyrers Stephanus. Zwei Tage später werden die Unschuldigen Kinder gefeiert, die um der Geburt unseres Erlösers willen von Herodes grausam hingemetzelt wurden. Nun vergießt auch der Heiland in den Armen Seiner heiligsten Mutter als kleines Kind Sein erstes Blut. All dies soll uns darauf hinweisen, daß wir über all dem Idyll mit dem Kind in der Krippe, den Engeln, Schafen und Hirten, nicht vergessen, daß es der Heiland der Welt ist, der da geboren wurde, um für uns Sein Leben zu geben. Er ist das wahre Lamm Gottes, das für uns geopfert wird.

„Darum spricht Er bei Seinem Eintritte in die Welt: Opfer und Opfergaben hast du nicht gewollt, einen Leib aber hast du mir bereitet. An Brandopfern für die Sünden hattest du kein Wohlgefallen. Da sprach ich: Siehe ich komme (in der Buchrolle steht von mir geschrieben) deinen Willen zu tun, o Gott!“ (Hebr. 10,5-7). Im Kreuzeshymnus „Pange, lingua, gloriosi lauream certaminis“ singt die Kirche zu den Festen Kreuzauffindung und Kreuzerhöhung die Verse: „Als nun kam der Zeiten Fülle, daß dem Teufel wurd‘ der Lohn, war’s des Weltenschöpfers Wille, daß Er stieg von seinem Thron und erschien in Knechtshülle als der reinen Jungfrau Sohn. Wimmernd lallt die ersten Grüße Er der Welt im Kripplein klein; und in Windeln hüllt das süße Kind die Mutter Jungfrau rein; und die heil’gen Händ‘ und Füße schnüren enge Bande ein.“ So wird die hölzerne Krippe schon zum Vorbild des Kreuzes.

„Die Beschneidung war im Alten Bund ein vom Herrn eingeführter Ritus, um jene, die zum Volke Gottes gehörten, zu kennzeichnen und sie von den Heidenvölkern zu unterscheiden“, erklärt uns der Katechismus. Genaueres erfahren wir aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon: Beschneidung „ist jene liturgische Handlung, durch welche der Israelit das sichtbare Zeichen (die Besiegelung) des göttlichen Bundes empfing. … Für neugeborene Kinder war die gesetzliche Zeit der Bescheidung der achte Tag, auch wenn er ein Sabbat war.“ Die Beschneidung war ein Zeichen „1. der Erwählung, die an den Geschlechtzusammenhang mit Abraham gebunden war; 2. der Absonderung, welche auch leiblich abgeprägt werden sollte, da die umliegenden Völker unbeschnitten waren; 3. der Heiligkeit“. „Die mit der Beschneidung eingegangene Verpflichtung ist der Gehorsam gegen das Gesetz, auf welchem der Bund beruht. Wer sich nicht beschneiden läßt, negiert die Autorität des Gesetzes; wer sich beschneiden läßt, erkennt sie an. … Als Zeichen des Bundes und als feierliche Anerkennung des Gesetzes war die Beschneidung für den Jude in seinem Kreise, was die Taufe für den Christen ist, aber ohne sakramentale und sühnende Wirkung… Zu einem Bundeszeichen gehörte Blut…“

In Buchbergers Lexikon für Theologie und Kirche (LThK) lesen wir: „Die Beschneidung war bei den Hebräern Bundeszeichen, galt als Siegel des Glaubens, als Symbol der Reinigung des Herzens, war Vorbild der Taufe. Sie galt als Ehrenzeichen, um derentwillen man auch Verfolgungen nicht scheute.“ Zur theologischen Bedeutung schreibt das LThK von 1962: „Die Theologie rechnet die Beschneidung als Zeichen der Zugehörigkeit zum Bundesvolk zu den alttestamentlichen Sakramenten; die Beschneidung rechtfertigt – wenn auch nicht ex opere operato – aus dem Glauben des Bundesvolkes, in dem dieses sich vorbehaltlos der noch offenen und verborgenen (aber objektiv auf Christus hinzielenden) Verfügung des in seiner Geschichte handelnden Gottes anheimgibt. Mit dem Ende des Alten Testamentes als heilsgeschichtliche Größe ist auch die Beschneidung abgeschafft und in die Taufe aufgehoben.“

Unwillkürlich stellt sich da die Frage: „War auch Jesus Christus dem Gesetz der Beschneidung unterworfen?“ Der Katechismus antwortet: „Jesus Christus war gewiß dem Gesetz der Beschneidung nicht unterworfen, weil es für die versklavten und sündigen Menschen bestimmt war, Jesus Christus aber wahrer Sohn Gottes und Urheber des Gesetzes und die Heiligkeit selbst war.“ Warum aber wollte dann „Jesus Christus beschnitten werden, ohne dazu verpflichtet zu sein“? „Jesus Christus wollte beschnitten werden, ohne dazu verpflichtet zu sein, weil er aus Liebe zu uns unsere Sünden auf sich genommen hat und daher auch die Strafen dafür tragen und schon in den ersten Tagen seines Lebens beginnen wollte, sie mit Blut abzuwaschen.“

Der heilige Thomas von Aquin nennt in seiner „Summa theologiae“ (III q. 37 a. 1) weitere Gründe: „Aus mehreren Gründen mußte Christus beschnitten werden. Erstens, um die Wirklichkeit Seines menschlichen Fleisches zu zeigen, gegen die Manichäer, die sagten, er habe einen Scheinleib gehabt; gegen Apollinaris, welcher behauptete, der Leib Christi sei gleichen Wesens wie die Gottheit; und gegen Valentinus, welcher sagte, Christus habe Seinen Leib vom Himmel mitgebracht. Zweitens, um die Beschneidung zu bestätigen, die Gott einst eingesetzt hatte. Drittens, um zu bekräftigen, daß Er aus dem Geschlechte Abrahams sei, welcher das Gebot der Beschneidung empfangen hatte als Zeichen seines Glaubens, den er an Ihn gehabt hatte. Viertens, um den Juden die Entschuldigung zu nehmen, daß sie Ihn nicht aufnahmen, wenn Er unbeschnitten war. Fünftens, um uns ein Beispiel der Tugend des Gehorsams zu geben. Daher wurde Er auch am achten Tage beschnitten, wie es im Gesetz vorgeschrieben ist. Sechstens, damit Der, welcher ‚in der Ähnlichkeit des Fleisches der Sünde‘ (Rö 8,3) gekommen war, das Mittel nicht verschmähe, durch welches das Fleisch von der Sünde gereinigt zu werden pflegte. Siebtens, um, indem Er die Last des Gesetzes auf Sich nahm, andere von der Last des Gesetzes zu befreien, gemäß Gal 4,4-5: ‚Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, gebildet aus einem Weibe, unter das Gesetz gestellt, damit er die, welche unter dem Gesetze standen, erlöste, damit wir an Kindes Statt angenommen würden.’“

Derselbe engelgleiche Lehrer erklärt uns auch, daß die Beschneidung, indem sei ein kleines Häutchen an jenem Organ entfernt, welches der Fortpflanzung dient, die Wegnahme des alten Fluches der Fortpflanzung, der Erbsünde, bedeutet. Von dieser werden wir jedoch nicht erlöst durch die Geburt Christi, sondern durch Sein Leiden und Seinen Tod. „Darum wurde dieses Vorbild nicht in der Geburt Christi wahrhaft erfüllt, sondern erst in Seinem Leiden, vor welchem die Beschneidung ihre Kraft und Stellung behielt. Daher mußte Christus vor Seiner Passion als Sohn Abrahams beschnitten werden.“ Zugleich ist die Beschneidung Christi ein erster Hinweis oder Vorbereitung Seines Leidens. Wie Christus Seinen Tod freiwillig auf sich nahm, so auch die Beschneidung.

Der Katechismus fragt weiter: „Was geschah noch, als Jesus Christus beschnitten wurde?“ Die Antwort: „Als Jesus Christus beschnitten wurde, wurde ihm der Name Jesus gegeben, wie schon der Engel im Auftrag Gottes der allerseligsten Jungfrau Maria und dem hl. Joseph befohlen hatte.“ Was aber „bedeutet der Name Jesus“? „Der Name Jesus bedeutet Retter; er wurde dem Sohne Gottes gegeben, weil er kam, um uns zu retten und uns von unseren Sünden zu befreien.“ Die alte deutsche Übersetzung für den Namen Jesus ist der Name „Heiland“.

Der heilige Thomas erläutert in seiner „Summa“ (III q. 37 a. 2): „Die von Gott jemandem verliehenen Namen bezeichnen stets eine diesem umsonst geschenkte göttliche Gabe, wie etwa bei Abraham, zu dem gesagt wird: ‚Du sollt Abraham heißen, denn ich habe dich zum Vater vieler Völker gemacht‘; oder bei Petrus: ‚Du bist Petrus der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.‘ Da nun dem Menschen Christus jene Gnadengabe verliehen war, daß durch Ihn alle gerettet werden sollten, daher wurde Er passend Jesus genannt, das ist der Retter. Diesen Namen hatte der Engel nicht nur Seiner Mutter voraus verkündet, sondern auch dem Joseph, der Sein künftiger Nährvater sein sollte.“

Auch in den anderen Namen, welche die Heilige Schrift und namentlich der Prophet Isaias dem Heiland beilegt, ist der Name Jesus umschrieben, insofern stets das Heil darin anklingt, so der Doctor angelicus weiter in seinem Artikel. „Der Name Emmanuel, das heißt ‚Gott mit uns‘, bezeichnet die Ursache des Heils, welche die Einigung der göttlichen und menschlichen Natur in der Person des Sohnes Gottes ist, durch welche bewirkt wurde, daß Gott mit uns ist. Der Name Raubebald bezeichnet, wovon Er uns erlöst hat, nämlich vom Teufel, dem Er die Beute weggenommen hat, gemäß Kol. 2,15: ‚und da Er die Mächte und Gewalten entwaffnet, stellte Er sie kühnlich zur Schau.‘ Die Namen ‚Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Vater der Zukunft, Friedensfürst‘ bezeichnen den Weg und das Ziel unseres Heiles, insofern wir nämlich durch wunderbaren göttlichen Ratschluß und Macht zum Erbe des künftigen Zeitalters geführt werden, in welchem der vollkommene Friede der Kinder Gottes herrscht unter Gott selbst als Herrscher. Daß es aber heißt ‚Siehe ein Mann, Sproß ist Sein Name‘, ist auf dasselbe zu beziehen wie beim ersten, nämlich das Geheimnis der Menschwerdung, wie es heißt im Psalm: ‚Den Frommen geht ein Licht auf in der Finsternis, der Gnädige und Barmherzige und Gerechte‘ (Ps 111,4).“

„Vor dem Namen Jesus muß man die größte Ehrfurcht haben, weil er uns unseren göttlichen Erlöser vor Augen führt, der uns mit Gott versöhnt und uns das ewige Leben verdient hat“, belehrt uns der Katechismus. Darum schreibt die Liturgie bei der Nennung des Namens Jesu jedesmal eine tiefe Kopfverneigung vor.

Was nun „müssen wir tun, um das Fest der Beschneidung im Geiste der Kirche zu feiern“? Dazu sollen wir vier Dinge tun: „1. Jesus Christus anbeten, ihm danken und ihn lieben“. Wie dankbar müßten wir bloß einem Menschen sein, der uns vor dem Tod errettet hat, wie sehr müßten wir ihn lieben, wenn er gar sein Leben für das unsere aufs Spiel gesetzt hätte. Wie also müssen wir erst recht den Heiland lieben, der uns vor der ewigen Verdammnis gerettet und dafür Sein so unendlich kostbares Leben gegeben hat! Und – Er ist Gott! Kommt, lasset uns anbeten!

Wir müssen „2. mit lebendigem Glauben und mit Ehrfurcht seinen heiligsten Namen anrufen und auf ihn unser ganzes Vertrauen setzen“. „Der Name Jesus ist ein mächtiger Name, durch den man alles erreichen kann“, schreibt Spirago in seinem „Volkskatechismus“. „Wer in diesem Namen Gott bittet, erlangt die Erhörung des Gebetes (Joh 16,23). Durch den Namen Jesus wirkten die Apostel und die Heiligen Wunder; man denke an die Worte des hl. Petrus zum Lahmgeborenen beim Tempeltore: ‚Im Namen Jesu stehe auf und gehe‘ (Apg 3). Durch Anrufung des Namens Jesu können die Gläubigen die Teufel vertreiben; so versprach es Christus (Mark 16,17). Die Teufel erzittern, wenn dieser Name genannt wird. Der Name Jesus hat eine besondere Kraft, das Gemüt zu erfreuen, er gleicht dem Öle; wie dieses leuchtet, nährt und die Schmerzen lindert, so auch der Name Jesus, wenn er angerufen wird (hl. Bernhard). Der Name Jesus ist ein Hilfsmittel wider alle Gefahren, gegen die geistigen, körperlichen und zeitlichen Übel.“ Für jede Anrufung des Namens Jesu bewilligt die Kirche einen Ablaß von 25 Tagen, „und wer im Leben die Gewohnheit hatte, diesen Namen anzurufen, erlangt einen vollkommenen Ablaß in der Todesstunde“. „Wer die drei Namen ‚Jesus, Maria, Josef‘ zusammen anruft, gewinnt jedesmal einen Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen (Pius X. 16.6.1906).“

Wir sollen „3. die geistige Beschneidung vollbringen, die darin besteht, die Sünde und jede ungeordnete Neigung aus dem Herzen zu entfernen“, was am besten durch eine reumütige Beichte geschieht, und „4. Gott das ganze beginnende Jahr weihen und ihn bitten, uns die Gnade zu verleihen, es in seinem göttlichen Dienst zu verbringen“. Das wäre wahrhaft der schönste Wunsch, damit es kein verlorenes Jahr wird, sondern wirklich ein „Jahr des Herrn“, das reiche Frucht bringt für die ganze Ewigkeit.