Bergoglios Videobotschaft

von antimodernist2014

Jorge Mario Bergoglio, alias Franziskus, hat zu Beginn des Jahres seine „Gebetsmeinung“ in der Form eines Videos der Öffentlichkeit kundgemacht. Wir haben extra diese etwas veraltete Formulierung gewählt, um den Kontrast seiner Idee zum Althergebrachten besser herauszuarbeiten. Bergoglio genügt nicht mehr das Medium der Schrift, um seine neuesten Einfälle öffentlich wirksam weiterzugeben, sondern er wählt dazu das Medium des Films, genauer noch, des Kurzfilms, und zwar in der extremsten Form des Videoclips.

Das ist sicherlich kein Zufall, sondern „ist es auch Wahnsinn, so hat es doch System“, wie das Sprichwort sagt. Dieses Kurzvideo hat nun in konservativen oder traditionellen Kreise ein klein wenig für Verwirrung gesorgt, wobei man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß der eigentliche Grund der Verwirrung in keiner Weise mehr ins Blickfeld gerät – was andererseits bei dieser Art von „Katholiken“ auch gar nicht so verwunderlich ist.

Bevor wir jedoch auf die Frage eingehen, was Bergoglio mit seinem Kurzvideo eigentlich bezweckt, gilt es erst noch einige Vorarbeit zu leisten, ohne die wir nämlich in unserem Urteil viel zu kurz schließen würden, womit wir uns von obig genannten Leuten nicht unterscheiden würden, was doch sehr schade wäre.

Learning by doing

Der Engländer sagt: „Learning by doing – Man lernt durch die Tat.“ Das ist zunächst einfach eine Erfahrungstatsache – aber nicht nur, wie wir später noch zeigen werden.

Die Alltagserfahrung lehrt uns: Jeder, der lernt, muß üben. Er muß eine bestimmte Fähigkeit trainieren und die entsprechende Handlung immer und immer wiederholen, damit sie ihm eingängig wird, wie unsere Sprache so treffend zu formulieren weiß. Durch die beharrliche Übung geht nämlich die Handlung gleichsam in den Übenden ein, sie wird ihm zur zweiten Natur, so daß er sie schließlich wie im Schlaf beherrscht. Das gilt etwa fürs Handwerk genauso wie für die bildende Kunst. Ein Schreiner z.B. muß durch ausdauernde Übung lernen, seine Werkzeuge zu beherrschen, um damit meisterliche Arbeit leisten zu können. Jeder Schnitt, jede Kerbe, jede Oberfläche muß haargenau und gleichmäßig sein, was nur durch viel Übung gelingen kann. Oder nehmen wir einen Pianisten. Dieser muß wieder und wieder Tonleitern üben, damit seine Fertigkeit zu spielen immer fehlerfreier, immer souveräner und somit immer nuancierter und ausdrucksstärker wird. Dasselbe gilt für viele andere Bereiche unseres menschlichen Lebens: „Learning by doing.“

Unsere obige Art der Darstellung der Aneignung einer Fertigkeit ist jedoch genaugenommen etwas zu kurz gegriffen und zu einseitig. Denn ein Handwerker oder ein Künstler wird nicht allein dadurch zum Meister, daß er viel übt, sondern er wird es nur, wenn er zum vielen Üben sich auch noch ein entsprechendes Fach-Wissen erwirbt. Und meistens ist es so, daß die Fertigkeit immer nur bis zu einem gewissen Grade sich vervollkommnet, wenn das notwendige Wissen fehlt – der eine bleibt Geselle, der andere reift zum Meister.

Nimmt man diese Einsicht zum oben Gesagten hinzu, so wird die Sentenz – learning by doing – zu einer zweifelhaften Aussage, die nur eine Halbwahrheit formuliert. Blendet man nämlich die Theorie, das theoretische Wissen, einfach aus und verselbständigt man das Tun, dann wird der Mensch zum Roboter, und der Manipulation werden Tür und Tor geöffnet.

Schauen wir hierzu nun auf den Bereich des Geistes. In einer Gesellschaft gibt es gewisse Konventionen, die auf gemeinsame Einsichten gründen und bestimmten moralischen Grundsätzen entsprechen. Fällt die theoretische Begründung für eine Konvention weg, so wird sie in relativ kurzer Zeit in sich zusammenbrechen, was wir in den letzten Jahrzehnten vielfach erlebt haben.

Nehmen wir einmal die Politik. Diese orientiert sich an den gesellschaftlichen Konventionen, denn die Politiker wollen schließlich vom Volk gewählt werden und müssen deswegen mehr oder weniger das sagen, was die Leute hören wollen – wenigstens unmittelbar vor der Wahl. Wobei man heutzutage erhebliche Zweifel anmelden kann, ob denn überhaupt noch das Volk die Konventionen vorgibt, hat doch ein Volk ohne eine Tradition keinen eigentlichen Selbststand mehr – es ist vielmehr zu beobachten, diese werden den Leuten geschickt von der Politik durch die Medien vorgegeben, wobei man den Bürger in der irrigen Meinung läßt, er selbst würde so und so denken und urteilen. Wenn man also genau hinschaut, wählen die Politiker im Grunde sich selber, weil der Bürger genau das denkt, was ihm die Politik als gegenwärtigen gesellschaftlichen Konsens vorgibt.

Es wäre sicherlich ein interessantes Experiment, etwa einen CDU-Minister eine Rede halten zu lassen, die dem Wortlaut nach genau mit einer Rede eines seiner Vorgänger vor etwa 70 Jahren übereinstimmt – es wäre zu befürchten, daß dieser sodann als rechtsradikal an den Pranger gestellt würde. Denn offensichtlich haben sich die gesellschaftlichen Konventionen in diesen wenigen Jahrzehnten sehr weit verändert, ohne freilich eine echte theoretische Begründung für diese Veränderungen gegeben zu haben – außer die: Heute ist das nun einmal anders, heute sind wir modern.

Wer beginnt, genauer hinzusehen, der wird schnell erkennen: Die moderne Politik arbeitet inzwischen weitgehend mit der Macht des Faktischen, weil sie weiß: „Learning by doing“! Man muß etwas nur oft genug sagen und tun, dann werden die meisten Menschen es nachmachen, weil es heute nun einmal so ist, weil es nämlich modern ist. Dem gewöhnlichen Bürger fehlt gewöhnlich das theoretische Rüstzeug, die eigentliche Absicht der Politik zu durchschauen und das Richtige vom Falschen zu unterscheiden. Da der moderne Mensch sowieso keine festen Standpunkte mehr hat, ist er doch völlig im Sumpf des Relativismus untergegangen, so wird er sich letztlich immer an dem orientieren, was die Medien ihm als öffentliche Meinung präsentieren.

Hierzu ein Beispiel. Das gesellschaftliche Urteil über die Tötung eines Kindes im Mutterleib hat sich in den letzten Jahrzehnten ins Gegenteil verkehrt. Während man noch vor etwa 70 Jahren allgemein der Ansicht war, daß die Tötung eines Kindes im Mutterleib moralisch verwerflich ist, da es gegen das Gebot „Du sollst nicht töten“ verstößt und deswegen auch vom Staat als Straftat geahndet werden muß, ist man heute der Überzeugung, daß die Tötung eines Kindes im Mutterleib nicht nur straffrei bleiben muß, sondern daß die Gesellschaft diese Tat auch noch über die Krankenkassen zu bezahlen hat. Also diese Gesellschaft denkt nicht mehr, sei sie verpflichtet, die wehrlosesten, unschuldigsten, am meisten unseres Schutzes bedürftigen Menschen entsprechend Schutz schützen zu sollen.

Auf einem Aufkleber der sog. Abtreibungsgegner wird diese neu entstandene Situation äußerst treffend ins Bild gesetzt: Auf dem Aufkleber sind Robbenbabys zu sehen, welche die daneben abgebildeten Menschenbabys bedauern, weil sie niemanden haben, der sich für ihre Rechte einsetzt. Und man hat wirklich den Eindruck, die Robbenbabys haben mehr Verteidiger ihrer Rechte als die Menschenbabys und können sicherlich mit mehr öffentlichem Mitleid rechnen. Wobei zudem das seltsame Phänomen zu beobachten ist, daß gerade die Leute, die sich für den Schutz der Robbenbabys einsetzen, auch wiederum diejenigen sind, die vehement für die Tötung der Kinder im Mutterleib eintreten.

Man sollte bei solchen Veränderungen der gesellschaftlichen Konventionen nicht den Einfluß der Filmindustrie unterschätzen. So ging etwa der Debatte um die Frage der Straffreiheit der sog. Abtreibung die Propagierung der sog. freien Liebe voraus, welche durch eine immer mehr wachsende Anzahl von Filmen den Zuschauern als erstrebenswert und schließlich als ganz normal flimmernd vors Auge gestellt wurde. Die Filmemacher wußten durchaus: „Learning by doing!“ Wir müssen den Leuten nur oft genug zeigen, daß „freie Liebe“ etwas Befreiendes, Schönes und auch Erstrebenswertes ist – sind doch die Menschen in den Filmen dabei so glücklich – dann werden es die meisten schließlich auch glauben und sie werden es mit der Zeit auch selber ausprobieren wollen. Was bedeutet da noch ein Ehebruch und eine zerrüttete Familie mit ein paar Scheidungswaisen, wenn doch die freie Liebe so schön ist?

Überblickt man die in den letzten Jahrzehnten erreichten Veränderungen des Urteilsvermögens der breiten Masse, dann beängstigt einen die Einsicht, wie viel man in welch kurzer Zeit erreichen kann, wenn man den Grundsatz „Learning by doing“ ohne die entsprechende theoretische Grundlage anwendet, also werbewirksam in Szene setzt. Am Ende, so kann man nur nüchtern feststellen, ist dann alles möglich – was aber auch heißt, daß allen alles passieren kann.

Aber kommen wir nun zu unserem eigentlichen Thema zurück, zum Videoclip Bergoglios. Auch in der Religion gilt „Learning by doing“, wobei jedoch dieser „Grundsatz“ selbstverständlich kein allgemeingültiger Grundsatz ist, sondern eine bloße Erfahrungstatsache.

Im Bereich des göttlichen Glaubens ist es so: Die letzte Grundlage der Praxis unseres religiösen Lebens ist immer die Theorie, nämlich die von Gott geoffenbarte Wahrheit über Sinn und Ziel unseres Menschenlebens, also unser hl. Glaube. Der Katholik besitzt ein gottgeschenktes Wissen. Dieses durch Offenbarung empfangene Wissen zeigt uns die wahre, d.h. objektiv gültige Situation unseres Lebens, sie zeigt uns Gott als den Dreifaltigen und den Sohn Gottes als menschgewordenen Erlöser. Selbstverständlich weiß sich jeder Katholik dieser Offenbarungswahrheit gegenüber verpflichtet – und zwar durch eine göttliche Verpflichtung verpflichtet. Der Katholik kann nach der Menschwerdung Gottes nicht mehr so tun, als kennte er Gott nicht oder als wüßte er nicht, was zum ewigen Heil unbedingt notwendig ist. Durch die hl. Kirche wird er Tag für Tag auf den Wegen des gottgeschenkten Heils geleitet, damit er auch das Ziel, die ewige Glückseligkeit erreicht. Dieses Glaubenswissen bildet die Grundlage für ein wahres, gottgemäßes Glaubensleben. Die Glaubenspraxis ist nicht willkürlich, nicht unabhängig vom Glaubenswissen. So lehrt uns der Glaube etwa die Notwendigkeit der hl. Sakramente zur Erlangung des ewigen Heils, woraus sich das tägliche Glaubensleben wesentlich als ein sakramentales Leben formt, in dem jedes Sakrament seinen besonderen Platz hat.

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