Bergoglios Videobotschaft

Wir werden nun jeden dieser Gedankenschritte anhand unseres göttlichen Glaubens überprüfen, ob er mit diesem im Einklang steht oder nicht. Dabei werden wir auf die Enzyklika „Mortalium Animos“ Pius‘ XI. vom 6. Januar 1928 zurückgreifen, der darin genau unser Thema abhandelt, schreibt er doch „Über die Förderung der wahren Einheit der Religion.“ Dabei geht es zur Zeit Pius‘ XI. durchaus noch nicht um interreligiöse Gebetstreffen – daß so etwas unter der Leitung eines seiner vermeintlichen Nachfolger geschehen würde, konnte sich der Papst sicher noch gar nicht vorstellen – sondern nur um Religionskongresse, also Tagungen. Man lädt „zur Diskussion unterschiedslos heidnische Teilnehmer aller Art ein, ferner Christusgläubige, endlich auch solche Persönlichkeiten, die von Christus leider abgefallen sind oder die seine göttliche Natur und Sendung schroff und beharrlich ablehnen“, um einen gemeinsamen Weg zum Frieden zu finden.

Schritt eins: Der größte Teil der Erdbevölkerung bezeichnet sich als gläubig.

Dieser Satz ist angesichts des heute herrschenden Atheismus besonders suggestiv, denn er zielt auf ein Gefühl der Erleichterung bei dieser Feststellung: Immerhin, es glauben noch viele Menschen an Gott. Dabei vergißt man schnell, daß mit dieser pauschalen Aussage „Glaube“ völlig im naturalistischen Sinne gebraucht wird, was man sofort erkennen könnte, würde man den Satz entsprechend umformulieren, womit er, obwohl er das Gegenteil aussagt, seine Gültigkeit dennoch nicht verliert, nämlich: Der größte Teil der Erdbevölkerung ist irrgläubig, hängt also einem falschen Glauben an. Diese Erwägung gibt es bei Bergoglio – und schon bei seinen Vorgängern – nicht mehr, sein Glaube hat schon kein übernatürliches Fundament mehr, er ist ganz im Sinne des Modernismus allein Gefühl, subjektive Erfahrung und als solche nicht mehr inhaltlich gebunden. Es kommt nicht mehr darauf an, was man glaubt, sondern nur noch, daß man überhaupt glaubt.

Papst Pius XI. weist in seiner Enzyklika darauf hin, daß die Modernisten in ihrem Bemühen um Einheit der Religionen notwendigerweise in den Indifferentismus abgleiten. Er fährt dann fort: „Die darin unglücklicherweise verstrickt sind, halten daran fest, die dogmatische Wahrheit sei nicht absolut, sondern relativ, das heißt: sie passe sich den Bedürfnissen der verschiedenen Zeiten und Orte und den verschiedenen Neigungen der Menschen an, da sie nicht in einer unveränderlichen Offenbarung enthalten, sondern solcher Art sei, daß sie sich dem Leben der Menschen anbequeme. — Was dann ferner die zu glaubenden Wahrheiten anbelangt, so darf man sich keinesfalls des Unterschiedes bedienen, den man zwischen ‚grundlegenden‘ und ’nicht grundlegenden‘ Glaubensstücken machen wollte: als wenn die einen von allen angenommen werden müßten, die anderen aber frei der Zustimmung der Gläubigen anheimgegeben werden könnten. Denn die übernatürliche Tugend des Glaubens hat zum Formalobjekt die Autorität des offenbarenden Gottes, die keine solche Unterscheidung zuläßt. Alle also, die wahrhaft zu Christus halten, schenken beispielsweise genau denselben Glauben dem Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariae wie dem Geheimnis der allerheiligsten Dreifaltigkeit, und ebenso dem unfehlbaren Lehramt des Papstes in dem Sinne, wie es vom allgemeinen Vatikanischen Konzil definiert worden ist, genau den gleichen Glauben wie der Menschwerdung Christi. Denn ob solche Wahrheiten bald zu dieser, bald zu jener Zeit oder erst in der jüngsten Vergangenheit von der Kirche durch feierliches Glaubensdekret festgelegt und definiert worden sind, verschlägt nichts: sie sind deshalb ebenso sicher, ebenso pflichtmäßig zu glauben. Hat nicht Gott der Herr sie alle geoffenbart? Denn das Lehramt der Kirche ist durch göttlichen Ratschluß zu dem Zwecke auf Erden eingerichtet worden, daß die geoffenbarten Wahrheiten unversehrt auf ewige Zeiten feststehen und leicht und sicher den Menschen zur Kenntnis gebracht werden können.“

Es ist sicher besonders notwendig, sich diese grundlegende Wahrheit in Erinnerung zu rufen, ehe man dem Gedankengang des Videos weiter folgt, in dem Bergoglio ganz anders als Pius XI. feststellt: Diese Tatsache sollte zu einem Dialog zwischen den Religionen ermuntern!

Schritt zwei: Es gibt verschiedenen Arten des Glaubens an Gott: Rinchen Kandro (Lama):„Ich setze mein Vertrauen in Buddha.“ – Daniel Goldmann (Rabbiner): „Ich glaube an Gott.“ – Guillermo Marcó (kath. Priester): „Ich glaube an Jesus Christus.“ – Omar Abboud (islamische Führungsperson): „Ich glaube an Gott, Allah.“

Der zweite Schritt geht von der theoretischen (vom katholischen Glauben aus gesehen falschen) Feststellung, der größte Teil der Erdbevölkerung bezeichne sich als gläubig, zur Darstellung von vier Vertretern verschiedener Religionen über. Dreimal heißt es gleichlautend „Ich glaube“, wodurch der Eindruck erweckt wird, daß im Grunde alle drei Religionsvertreter denselben Glauben und denselben Gott haben. Eine Ausnahme macht die Buddhistin, die nur ihr Vertrauen in Buddha setzt, der bekanntlich kein Gott ist und auch niemals göttliche Ehren beanspruchte. Im Lexikon des Weltnetzes, Wikipedia, ist dazu zu lesen: „Von den monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) unterscheidet der Buddhismus sich grundlegend. So kennt die buddhistische Lehre weder einen allmächtigen Gott noch eine ewige Seele.“ So gesehen gibt die Hinzunahme der buddhistischen „Gläubigen“ dem viermaligen Bekenntnis nochmals eine besondere Nuance: Mit Glauben ist offensichtlich bei Bergoglio nicht einmal mehr im strengen Sinne ein Glaube an einen persönlichen Gott gemeint, sondern nur noch an das Göttliche oder „Spirituelle“ im Allgemeinen.

Schon Pius XI. hat in seiner Enzyklika darauf verwiesen, da Menschen ohne jegliches religiöse Gefühl sehr selten seien, glaube man, „zu der Hoffnung berechtigt zu sein, es werde sich eine Einigung in gewissen religiösen Dingen ziemlich leicht erreichen lassen. Wenn auch bei den einzelnen Völkern die religiösen Auffassungen sehr verschieden seien, so wäre immerhin eine brüderliche Übereinstimmung im Bekenntnis einiger Lehrsätze, das als gemeinsame Grundlage des religiösen Lebens dienen könnte, keineswegs ausgeschlossen“. Er betont weiter, die Teilnehmer an solchen interreligiösen Kongressen stützten sich auf die irrige Meinung, „alle beliebigen Religionen seien mehr oder weniger gut und empfehlenswert; sie seien eben alle eine, wenn auch nicht einzigartige, so doch gleichmäßig berechtigte Äußerung des den Menschen von der Natur mitgegebenen und angeborenen Sinnes, der uns auf Gott hinordnet und zur gehorsamen Anerkennung seiner Oberherrschaft führt“.

Genau das von Pius XI. Zurückgewiesene folgert Bergoglio in seinem dritten Schritt:

Schritt drei: Viele denken anders, fühlen anders, sie suchen und finden Gott auf unterschiedliche Weise, also sind alle Religionen Wege zu Gott.

Es wird nochmals verdeutlicht und betont, daß alle Religionen in dem Sinne wahre Religionen sind, da sie jeweils, wenn auch auf verschiedene Weise, zu Gott führen. Damit wird es ganz klar, daß es sich hier niemals um den wahren, übernatürlichen Glauben handeln kann, denn sonst müßte Bergoglio wie Papst Pius XI. von den Andersgläubigen fordern: „Zum Apostolischen Stuhle also in dieser Stadt, die die Apostelfürsten Petrus und Paulus mit ihrem Blute weihten, zu dem Apostolischen Stuhle, der Wurzel und Mutter der katholischen Kirche, mögen sich die getrennten Söhne wenden. Nicht zwar in der Gesinnung, daß die Kirche des lebendigen Gottes, eine Säule und Grundfeste der Wahrheit, auf die Reinheit des Glaubens verzichte und die Irrtümer der getrennten Söhne dulde, sondern im Gegenteil: diese mögen sich ihrerseits dem Lehramte und der Leitung der Kirche anvertrauen.“

Ein solches Ansinnen würde Bergoglio jedoch weit von sich weisen und somit gilt von ihm, was Pius XI. sagt: „Diejenigen, die eine solche Ansicht haben, sind nicht nur in Irrtum und Selbsttäuschung befangen. Indem sie den Begriff der wahren Religion entstellen und dadurch die wahre Religion selbst zurückweisen, gleiten sie auch, wie man es ausdrückt, Schritt für Schritt zum Naturalismus und Atheismus ab; und daraus ergibt sich weiterhin als deutliche Folgerung, daß jeder, der solchen Gedankengängen und Bestrebungen rückhaltlos beipflichtet, sich von der göttlich geoffenbarten Religion ganz lossagt.“

Auch dieses Urteil muß man im Gedächtnis behalten, will man sich von den weiteren Schritten des Videos nicht doch wieder in die Irre führen lassen.

Schritt vier: Trotz der Verschiedenheit der Religionen gibt es eine alle verbindende Klammer, wir sind alle Kinder Gottes.

Jeder wahre Katholik weiß, daß diese Behauptung Bergoglios mehr als gewagt ist. Denn Kinder Gottes sind nur diejenigen, die in der heiligmachenden Gnade leben. Wenn alle Kinder Gottes wären, dann würde das heißen, alle Menschen lebten in der heiligmachenden Gnade – oder alle Menschen sind apriori gerettet, womit man bei der Irrlehre Karol Wojtylas wäre, der letztlich allein mit seinem Irrtum der Allerlösungslehre das Religionstreffen in Assisi rechtfertigen konnte, welchen Bergoglio seinerseits übernimmt.

Bei Karol Wojtyla hört sich das so an: „Es gibt in der Geschichte einen Punkt, an dem alle Menschen gleichsam neu entworfen werden und eine neue Bahn einschlagen, dem Plan gemäß, den der Vater in der Wahrheit des Wortes und im Geschenk der Liebe vorbereitet hat. Es gibt einen Punkt, an dem die Geschichte des Menschen neu beginnt, unabhängig, wenn man so sagen darf, von menschlichen Vorgegebenheiten. Dieser Punkt gehört der göttlichen Ordnung, der göttlichen Sicht des Menschen und der Welt an. Die menschlichen Kategorien der Zeit und des Raumes sind fast ganz nebensächlich. Alle Menschen seit dem Beginn und bis zum Ende der Welt sind von Christus durch sein Kreuz erlöst und gerechtfertigt worden“ (Zeichen des Widerspruchs – Besinnung auf Christus“, Herder-Verlag 1979, S. 103).

Demnach ist Wojtyla der Überzeugung, daß jeder Mensch „in Christus existiert“ oder das „Sein in Christus“ besitzt, „und zwar nach dem ewigen Heilsplan Gottes von Anfang an“, weshalb „alle Menschen seit dem Beginn und bis zum Ende der Welt von Christus durch sein Kreuz erlöst und gerechtfertigt worden sind“. Oder nochmals Bergoglio, etwas kürzer, einprägsamer und eingängiger: Wir sind alle Kinder Gottes.