Bergoglios Videobotschaft

Wenn wir aber alle schon immer Kinder Gottes sind, dann gilt es nur noch, dies allen zurück ins Bewußtsein zu rufen – und wie? Nun, so:

Schritt fünf: Im gemeinsamen Dialog finden alle Religionen sich zusammen in der gemeinsamen Einsicht: „Ich glaube an die Liebe.“

Man möchte fast ausrufen: Die arme Liebe! Denn wozu muß diese heutzutage alles herhalten!

Doch auch dieser Mißbrauch der Liebe ist nichts Neues, auch auf diesen irrigen Gedankengang geht schon Pius XI. ein: „Ist es nicht – so sagt man immer wieder – ist es nicht recht und geradezu pflichtmäßig, daß sich alle, die sich Christen nennen, jeglicher Verunglimpfung enthalten und sich endlich einmal in gegenseitiger Liebe zusammenschließen? Wer dürfte denn wohl zu behaupten wagen, er liebe Christus, wenn er nicht nach Kräften Christi Wunsch zur Erfüllung bringt, der seinen himmlischen Vater bat, seine Jünger möchten Eines sein (Joh 17, 21)? Und sollte nicht nach Christi Willen die gegenseitige Liebe das Kennzeichen und unterscheidende Merkmal seiner Jünger sein? Daran sollen alle es erkennen, daß ihr meine Jünger seid, daß ihr einander liebet (Joh 13, 35). Ja, wären doch, so fährt man fort, alle Christen insgesamt Eines, sie hätten dann ja eine viel mächtigere Stoßkraft gegen die Seuche der Gottlosigkeit, die von Tag zu Tag in breitere Schichten schleicht und fortwuchert und sich schon anschickt, das Evangelium zu entnerven und lahmzulegen. So ähnlich machen sich diese sogenannten ‚Panchristen‘ groß und wichtig. Man glaube nicht, es handle sich da um ganz kleine und wenige Kreise. Im Gegenteil … Inzwischen wird jenes Vorhaben mit solcher Energie weitergeführt, daß es sich an vielen Orten den Beifall der Bürger verschafft und sogar eine Reihe von Katholiken mit der Hoffnung an sich zieht und gewinnt, es lasse sich wirklich eine derartige Einigung zustande bringen, die mit den Wünschen unserer heiligen Mutter Kirche in Einklang zu stehen scheine; dieser liege ja nichts mehr am Herzen, als irregegangene Söhne in den Schoß der Kirche zurückzurufen und heimzuführen. Aber unter den Lockungen dieser Schmeichelworte liegt ein sehr schwerwiegender Irrtum verborgen, der die Grundlagen des katholischen Glaubens vollständig auseinandersprengt.“

Die sog. Panchristen waren nun wirklich keine „ganz kleine und wenige Kreise“ mehr, sie wurden allmählich zur Mehrheit, welche auch schleichend in die katholische Kirche einsickerte und ihren Einfluß mehrte. Mit dem Tod Pius‘ XII. übernahmen sie sodann zunächst die römische Führungsebene und mit der vatikanischen Räubersynode das ganze Schiff, das damit – dieser Gedanke ist wirklich unheimlich und läßt uns sprachlos die Zulassungen Gottes bestaunen – zu einen Gespensterschiff mutierte, die Menschenmachwerkskirche der Freimaurer und Freigeister. Mit der weltweit werbewirksamen Veranstaltung in Assisi wurde die Freimaurerdoktrin, „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“, zum allgemeinen Gedankengut auch unter den Anhängern dieser Afterkirche. Von nun an meint jeder: In Sachen der Religion gibt es keine objektive Norm, jeder kann glauben, was er will, was er für gut hält, was er für richtig hält – also letztlich auch ein Satanist, das sei nochmals extra betont, weil diese Konsequenz immer verschwiegen wird.

Das Urteil Pius‘ XI. über diese Geisteshaltung ist vernichtend: „Aber unter den Lockungen dieser Schmeichelworte liegt ein sehr schwerwiegender Irrtum verborgen, der die Grundlagen des katholischen Glaubens vollständig auseinandersprengt.“

Papst Pius XI. war natürlich noch fähig einzusehen, durch diese Theorie des Glaubens wird der übernatürliche Glaube vernichtet, denn dieser hat notwendigerweise einen Anspruch auf alleinige Gültigkeit – sobald er diesen Anspruch aufgibt, hat er aufgehört das zu sein, was er seinem Wesen nach als göttliche Tugend sein muß: Bürge göttlicher Wahrheit. Der freimaurische „Glaube an die Liebe“ hat mit dem Gott der Liebe des Neuen Bundes nichts, gar nichts zu tun. Beides sind im Gegenteil kontradiktorische Gegensätze. Wer sich durch solche Schmeichelworte täuschen läßt, der hat sein übernatürliches Fundament schon verloren, er ist dem Bewußtseinswandel der Nachkonzilszeit von Assisi erlegen.

Schritt sechs: Durch das gemeinsame Gebet und unsere Liebe wird eine Welt voller Friede und Gerechtigkeit erbaut.

Auch dieser Gedanke bringt nichts Neues gegenüber den Anschauungen der sog. Panchristen zur Zeit Pius‘ XI. Hören wir also nochmals, was der Papst diesen Pseudochristen entgegenzuhalten hat: „Die Liebe allein kann die getrennten Christen nicht zusammenführen, wenn nicht der unverfälschte Glaube das Band der Einheit bildet: der katholische Glaube ohne Einschränkungen und Abstriche. Gewiß, es mag den Anschein haben, daß jene Panchristen, die die Vereinigung der Kirchen anstreben, die sehr edle Absicht verfolgen, die Liebe unter allen Christen zu fördern. Wie sollte es aber möglich sein, daß die Liebe je dem Glauben zum Schaden gereiche? Johannes selbst, der Apostel der Liebe, der in seinem Evangelium die Geheimnisse des heiligsten Herzens Jesu kundgetan hat, und der ständig dem Gedächtnis der Seinen das neue Gebot einzuschärfen pflegte: Liebet einander — Johannes selbst hat, wie alle wissen, durchaus verboten, mit denen Verkehr zu haben, die sich nicht zur ganzen und unverfälschten Lehre Christi bekennen: Wenn einer zu euch kommen sollte, ohne diese Lehre mitzubringen, nehmet den in euer Haus nicht auf und bietet ihm auch nicht den Gruß! Die Liebe ruht auf lauterem und echtem Glauben wie auf ihrer Grundlage. Daher ist es auch nötig, daß die Jünger Christi vorzüglich durch das Band der Einheit des Glaubens zusammengeschlossen sind. Wie sollte man sich einen christlichen Bund denken können, bei dem jedes einzelne Mitglied, zumal wo es sich um den Gegenstand des Glaubens handelt, an seinem subjektiven Denken und Empfinden festhält, wenn es auch mit den Anschauungen der Übrigen im Widerspruch steht? Und auf welche Weise, fragen Wir, sollten an einem und demselben Bunde Leute teilnehmen, die ganz entgegengesetzte Glaubensauffassungen haben? … Bei einem solchen Widerstreit der Meinungen wissen Wir nicht, wie sich da ein Weg freimachen lasse zu einer Einheit der Kirche, die doch nur von einem Lehramt, von einem Glaubensgesetz und einem Glauben der Gläubigen ihren Ursprung nehmen kann. Ganz bestimmt aber wissen Wir, daß man dabei leicht Schritt für Schritt zur Vernachlässigung der Religion oder zum Indifferentismus kommt und zum sogenannten Modernismus.“

Der wahre Glaube ist im Gegensatz zum Glauben der Modernisten kein Gefühl, und die wahre Liebe ist es auch nicht. Deswegen kann die wahre Liebe nur zusammen mit dem wahren Glauben existieren: „Die Liebe ruht auf lauterem und echtem Glauben wie auf ihrer Grundlage. Daher ist es auch nötig, daß die Jünger Christi vorzüglich durch das Band der Einheit des Glaubens zusammengeschlossen sind.“ Konkret geht es darum, ob ich den wahren Gott, der sich uns in Jesus Christus als der Dreifaltige offenbart hat, anbete, oder einen „Gott“, den sich Menschen gemacht haben – oder auch Dämonen! „Wie sollte man sich einen christlichen Bund denken können, bei dem jedes einzelne Mitglied, zumal wo es sich um den Gegenstand des Glaubens handelt, an seinem subjektiven Denken und Empfinden festhält, wenn es auch mit den Anschauungen der Übrigen im Widerspruch steht?“ Wenn man die Einheit nicht mehr im wahren Glauben sucht, dann sucht man die Einheit in der Gleichgültigkeit des Indifferentismus, der nichts anderes ist als Modernismus. Aber wie schon gezeigt, setzen Bergoglio und seine Vorgänger diesen immer schon voraus. Nur deswegen kann er auch so selbstverständlich und locker zum siebten Schritt übergehen:

Schritt sieben: Ich vertraue auf Dein Gebet, ganz gleichgültig welcher Religion Du angehörst.

Was in dem Video Bergoglios so plakativ und praktisch klingt, hat einen theoretischen Untergrund, der seinem Wesen nach antichristlich ist. Dieses Vertrauen Bergoglios auf das Gebet der Irrgläubigen setzt voraus, daß er Jesus Christus als den wahren Sohn Gottes leugnet. Damit ist Bergoglio nicht einmal mehr ein Christ. Was ihn freilich nicht daran hindert, viel über Jesus Christus zu reden. Auch in diesem letzten Punkt lohnt es sich, auf den „großen“ Vorgänger Bergoglios zu schauen.

Johannes Paul II. schrieb in seiner „Enzyklika“ genannten Abhandlung über den Heiligen Geist, „Dominum et Vivificantem“ (61,1): „Auch unter den gewöhnlichen Bedingungen der Gesellschaft tragen die Christen als Zeugen der wahren Würde des Menschen durch ihren Gehorsam dem Heiligen Geist gegenüber zur vielfältigen ‘Erneuerung des Antlitzes der Erde’ bei, indem sie mit ihren Brüdern zusammenarbeiten, um all das zu verwirklichen und zu vervollkommnen, was im heutigen Fortschritt der Zivilisation und Kultur, der Wissenschaft und Technik und der anderen Bereiche des menschlichen Denkens und Wirkens gut, edel und schön ist (GS 22 u. 24). Dies tun sie als Jünger Christi, der – wie das Konzil schreibt – ‘durch seine Auferstehung zum Herrn bestellt, … schon durch die Kraft seines Geistes in den Herzen der Menschen dadurch wirkt, daß er nicht nur das Verlangen nach der zukünftigen Welt in ihnen weckt, sondern eben dadurch auch jene selbstlosen Bestrebungen belebt, reinigt und stärkt, durch die die Menschheitsfamilie sich bemüht, ihr eigenes Leben humaner zu gestalten und die ganze Erde diesem Ziel dienstbar zu machen’ (ebda. 38). So bekräftigen sie noch mehr die Größe des Menschen, der nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen worden ist, eine Größe, die im Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes voll aufleuchtet, der ‘in der Fülle der Zeit’ durch das Wirken des Heiligen Geistes in die Geschichte eingetreten ist und sich als wahrer Mensch offenbart hat, er, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung; ‘von ihm stammt alles, und wir leben auf ihn hin’ (1 Kor 8,6).“

Für Karol Wojtyla hat somit die Zusammenarbeit der Christen mit allen Menschen bei der Gestaltung des kulturellen Fortschritts eine gemeinsame spirituelle Basis, nämlich das Wirken des Heiligen Geistes in den Herzen aller Menschen. Nach ihm wirkt der Heilige Geist nicht nur in den Christen, sondern ganz allgemein in der Menschheitsfamilie. Der Heilige Geist erzeugt nicht nur das Verlangen nach der zukünftigen Welt, sondern Er belebt, reinigt und stärkt auch die guten und edlen Kräfte, die sich bemühen, das Leben der Menschheit humaner zu gestalten. Somit bekräftigen die Christen in ihrer Zusammenarbeit mit allen Menschen die Größe des nach dem Bild und Gleichnis Gottes erschaffenen Menschen, die in Christus geoffenbart ist.

Johannes Dörmann faßt die Botschaft der „Enzyklika“ folgendermaßen zusammen: „Alle Menschen sind Kinder Gottes und deshalb sind auch alle Menschen Brüder und Schwestern. Die Botschaft der Gotteskindschaft enthält die Botschaft von der wahren Freiheit und Würde des Menschen. Diese Botschaft ist an die ganze Menschheitsfamilie gerichtet, aber die Christen haben sie zu leben und zu verkünden, weil nur ihnen die befreiende Botschaft durch die Offenbarung in Christus zuteil geworden ist. Das Wissen um die wahre Freiheit und Würde der Kinder Gottes führt durch das Wirken des Heiligen Geistes in den Herzen der Menschen zur Befreiung aus allen Fesseln des Materialismus und seiner gesellschaftlichen Strukturen. Die Entdeckung der Freiheit der Kinder Gottes ist zugleich eine Entdeckung der Würde und Größe des Menschen. Sie wird verwirklicht auch durch die Zusammenarbeit der Christen mit allen Menschen zur Schaffung einer humanen Welt“ (Johannes Dörmann, Der theologische Weg Johannes Paul II. zum Weltgebetstag der Religionen in Assisi, Band II/3, Sitta Verlag 1998, S. 266).

Nochmals wird es somit bestätigt, Bergoglio fußt auf Wojtyla. Schon dieser behauptet, alle Menschen seien Kinder Gottes und deswegen Brüder und Schwestern, die aufgerufen sind, an einer besseren künftigen Welt in Friede und Gerechtigkeit zusammenzuarbeiten. Man fragt sich angesichts dieser Sachlage doch zu Recht, weshalb sich die konservativen Anhänger der Menschenmachwerkskirche über Bergoglios Video so ereifern – wo er doch zweifelsohne auf den „heiligen“ Johannes Paul II. als sein großes Vorbild verweisen kann?

Im Anschluß an obige Zusammenfassung fügt Johannes Dörmann noch eine Bemerkung an: „In der Jubiläumsbotschaft fehlt nicht zufällig der Aufruf an die nichtchristliche Menschheit zur Bekehrung und zur Annahme des christlichen Glaubens.“ Im Denkrahmen des Apostaten Wojtyla oder auch Bergoglios wäre ein solcher Aufruf zu Bekehrung nun auch wirklich fehl am Platze – was hingegen in der Enzyklika Pius XI. natürlich noch ganz anders war: „Die Einigung aller, die sich Christen nennen, kann nur durch die Rückkehr der Andersgläubigen zu der einen wahren römisch-katholischen Kirche erreicht werden, durch die Unterwerfung unter Lehramt und Leitung des Nachfolgers Petri. Daher ist es, ehrwürdige Mitbrüder, klar ersichtlich, weshalb der Apostolische Stuhl niemals zugegeben hat, daß die Seinen an Tagungen der Nicht-katholiken teilnehmen. Die Einigung der Christen läßt sich nämlich nicht anders fördern als dadurch, daß man die Rückkehr der Andersgläubigen zu der einen wahren Kirche Christi fördert, von der sie eben früher unglückseligerweise abgefallen sind. Zu der einen wahren Kirche Christi, sagen Wir, die wahrlich allen erkennbar ist und nach dem Willen ihres Stifters ständig so bleiben wird, wie Er sie zum Wohle der Gesamtheit eingesetzt hat. Denn die mystische Braut Christi ist im Verlaufe der Jahrhunderte niemals befleckt worden und kann auch nie befleckt werden. So bezeugt es Cyprian: Zum Ehebruch läßt sich die Braut Christi nicht verführen: sie ist unbefleckt und züchtig. Nur ein Haus kennt sie, die Heiligkeit eines Schlafgemaches bewahrt sie in keuscher Scham. Und derselbe heilige Märtyrer wunderte sich gar sehr, daß jemand glauben könnte, diese der göttlichen Festigkeit entstammende und mit himmlischen Geheimnissen eng verbundene Einheit könne bei der Kirche zerrissen und durch den Widerstreit einander widerstrebender Meinungen aufgelöst werden. Denn da der mystische Leib Christi, die Kirche, nur einer ist, zusammengefügt und zusammengeschlossen nach Art eines physischen Leibes, so wäre es unklug und töricht, zu meinen, der mystische Leib könne aus unzusammenhängenden und zerstreuten Gliedern bestehen: wer also nicht mit ihm verbunden ist, ist kein Glied an ihm und hängt mit seinem Haupte, Christus, nicht zusammen.“

Nach diesen Worten könnte man fast in Versuchung fallen, sich in nostalgischen Erinnerungen zu vergraben. Das waren noch Zeiten, als die römischen Päpste solch klare Worte sprachen. Leider sind die Zeiten solcher Worte vorbei – wir müssen uns mit Bergoglios Videobotschaft herumschlagen und zudem noch dabei zusehen, wie die meisten seiner Botschaft Glauben schenken, weil nämlich so ein Video eine erstaunlich suggestive Kraft besitzt – denn wie sagt der Engländer so treffend: „Learning by doing.“