Glaube und Unglaube

von antimodernist2014

Aufstand gegen Gott

Gleich zu Beginn der Weltgeschichte findet sich der Aufstand gegen Gott. Gott hat Seiner Schöpfung eine Krone aufgesetzt. Diese Krone ist das geistbegabte Geschöpf, das mit einem geistigen Selbststand ausgestattet, also mit geistiger Erkenntnis und freiem Willen begabt zur freien Anerkennung der göttlichen Schöpferrechte befähigt ist. Gott nimmt diese Freiheit Seines Geschöpfes ganz ernst, weshalb ER sowohl die Engel als auch die Menschen durch ein besonderes Gebot prüft, um ihre Herzensgesinnung zu erfahren. Anhand ihres Gehorsams dem göttlichen Gebot gegenüber können sie zeigen, ob ihnen Gott wirklich etwas bedeutet und sie bereit sind, Seine absolute Souveränität über sich anzuerkennen. Bei der Prüfung versagt zunächst ein Teil der Engel – und sodann die ersten Menschen im Paradies. Es offenbart sich dadurch eine unheimliche, abgründige Möglichkeit, die gottgeschenkte Würde und Schönheit ins eigene Nichts zu kehren und zur Lüge zu entarten. Luzifer wird zum Teufel und zur Strafe für seinen Aufstand mitsamt seinem Anhang in die Hölle gestürzt, Adam und Eva werden aus dem Paradies vertrieben. Durch die Sünde hat sich die ursprünglich paradiesische Menschenwelt ins Gegenteil verkehrt, überall lauert die Versuchung und der Versucher, denn „gestürzt wurde der große Drache – die alte Schlange, genannt Teufel und Satan -, der die ganze Welt verführt. Er wurde auf die Erde geworfen und mit ihm seine Engel“ (Offb 12,9). So ist nun die Welt verflucht um der Sünde willen, d.h. ohne göttlichen Segen und somit gnadenlos.

Prometheus und sein Bruder Typhon

Der Ätna ist Europas mächtigster Vulkan. Mit einer beeindruckenden Höhe von 3352 Metern dominiert er weithin sichtbar die Ostküste Siziliens. Während die Insel in der Sonne glüht, ist der Gipfel des Ätna mit Schnee bedeckt. Sieht man seinem Hauptkrater, der von zweihundert Nebenkratern umgeben ist, Rauchwolken entsteigen, gedenkt man mit Schaudern, daß dieser Vulkan seit der Antike mehr als achtzigmal Feuer und Lava ausgespien und die ganze Gegend in Angst und Schrecken versetzt hat. Sobald der Vulkan aktiv wird, erschüttern Erdbeben die Region, Aschewolken verdunkeln den Himmel, und Lavaströme wälzen sich zu Tal und vernichten alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Seit Jahrtausenden bestimmt der Ätna das Geschick der Menschen in seinem Umkreis. So wundert es einen nicht, daß der Vulkan in der Antike als Wohnsitz verschiedener Götter galt und einen festen Platz in der Mythologie Siziliens hat.

Dem altgriechischen Tragiker Aischylos, der selbst eine Reise nach dem griechischen Westen unternahm und das Bergmassiv des Ätna sah, lebte der Berg in mythischer Weise. Der antike Mensch glaubte nämlich, daß des Empörers Prometheus Bruder, der hunderthändige Titan Typhon, unter dem Ätna hingestreckt von Zeit zu Zeit seiner hilflosen Wut Luft mache. Vom „Gefesselten Prometheus“ des Aischylos erfahren wir, daß auch Typhon wider alle Götter aufgestanden war, „Grauen blasend aus dem Schreckensmund, lähmenden Glast aus seinen Augen sprühend“, um alle Macht des Zeus grimmig niederzureißen. Doch des höchsten Gottes Blitz habe ihn niedergestreckt, nun liege sein Riesenleib unter der Wucht des Bergmassivs gepreßt, nahe der Küste, wo sich das Meer zur Straße von Messina verengt. Selbst in dem durch des Zeus Blitz versengten Titanen koche noch der Groll in Siedehitze; schon komme er in Feuerströmen hervor. Einmal aber werde er ausbrechen und die gesegnete Au des ganzen Landes vernichten.

Die alten Mythen erscheinen uns modernen Menschen lediglich als Spiel einer ungebunden schaffenden Phantasie, nicht aber als der verdichtete Niederschlag uralter Erfahrungen des Menschen. Wir können sie nur dann verstehen, wenn wir die Geschichte oder uns selbst nach ähnlichen Erfahrungen befragen. Nur wer in irgendeiner Weise das Leid unerträglich werdender innerer Spannungen kennt, auch ihre Entladung in wilder Empörung erwägt, die wie eine Naturmacht alles, was sich ihr in den Weg stellt, niederbricht, begreift, wie solche Erfahrungen ins naturhaft Gigantische übertragen zu einem Mythos werden können. Der antike Mensch kannte von sich selbst her die elementar sprengende Kraft wilder Empörung und die Gefährdung, welche diese mit sich bringt, sobald sich diese zum Fluch gegen die Götter verleiten läßt.

Die Gestalt des Prometheus gehört zum ursprünglichen Bestand der griechischen Mythologie. Anfänglich war er den Griechen ein Gott. Dennoch gehört er nicht in den Kreis der Olympier, jener Götter also, die in paradiesisch müheloser Welt leben. Seine Taten sind wie die der anderen Titanen Leistungen eines bis zum Äußersten angespannten Wollens, aus Anstrengung geboren, wohingegen dem „Zeus willig die Welt gehorcht… gefügig dem mächtigen Willen“ (Kleanthes).

Trotz ihrer Abstammung von Gaia, der Urmutter, und Uranos, ihrem erstgeborenen Sohn – jedenfalls nach der Götterlehre des Hesiod – treten die Titanen auf die Seite der Menschen, ja begründen vorbildlich die menschliche Existenzweise. Von Prometheus werden zwei Ur-Taten berichtet, mit denen er den Himmlischen entgegentritt, die Begründung des Opfermahles und der Raub des Feuers. Damit hat er das Los der Menschen, der „Elenden“ auf sich genommen, es angesichts der Götter, der „leicht lebenden“, zu vertreten. Dabei freilich — wiederum typisch für die menschliche Lebensweise — meint er ohne krumme Wege nicht zum Ziel kommen zu können. Durch List und Schlauheit sucht Prometheus den Seins-Mangel der menschlichen Daseinsweise auszugleichen. Um sich als Mensch zu behaupten, scheint Unrechttun unvermeidlich, auch wenn darauf schreckliche Strafe steht — das scheint die Tragik des gefallenen Menschen zu sein. Immer wieder läßt er sich anstacheln zum Aufstand gegen Gott, selbst auf die Gefahr der ewigen Verdammnis hin.

Göttliche Verheißung

Über aller menschlichen Tragik steht eine göttliche Verheißung, die seit der Uroffenbarung ahnend die Menschen umtrieb. Über allem Elend, allem Versagen, aller Sünde stand die Hoffnung, Gott selbst werde dem Menschen einen Erlöser senden. Einen, der nicht in titanenhaftem Stolz sich erhebt, sondern bereit ist, in Demut den göttlichen Willen zu erfüllen, um dadurch Versöhnung zu stiften zwischen Gott und Mensch, dem Schöpfer und Seinem Geschöpf.

Der hl. Clemens von Alexandrien stellt in seiner „Mahnrede“ an die Heiden wirkungsvoll den neuen Glauben dem Alten gegenüber. „Sieh, was das neue Lied vollbrachte: Menschen hat es aus Steinen, Menschen aus Tieren gemacht. Und die sonst wie tot waren und keinen Anteil am wahren Leben hatten, sie wurden wieder lebendig, sobald sie nur Hörer des Gesanges geworden waren. Jetzt redet das göttliche Wort selbst zu dir in eigener Person und beschämt deinen Unglauben, ja fürwahr, sage ich, das göttliche Wort, das Mensch wurde, damit du in der Tat auch durch einen Menschen erfahrest, wie denn ein Mensch Gott werden kann.“ Angesichts dieser wunderbaren Offenbarung des Heilswillens Gottes in Jesus Christus müssen alle alten Sagen, Orakel und Mysterien als hilfloser Selbstbetrug weichen.

Aber wie schwer fällt es den Menschen, den alten Heidenglauben zu überwinden und Vertrauen zum menschgewordenen Gottessohn zu fassen. Es ist deswegen ein zutiefst besorgtes „Mahnen“ des Heiligen, das tödliche Gift des alten Götterwahnes auszuspeien und das Heilmittel der wahren Unsterblichkeit zu sich zu nehmen: „Laßt uns abtun das Vergessen der Wahrheit! Die Unwissenheit und die hemmende Finsternis wollen wir gleich einem dichten Nebel von unseren Augen entfernen und den wahrhaft seienden Gott anschauen und zuerst dieses Wort ihm zum Preise entgegenrufen: ‚Sei gegrüßt, o Licht!‘ Uns, die wir in Finsternis begraben lagen und im Schatten des Todes verschlossen waren, leuchtete vom Himmel ein Licht auf, reiner als das der Sonne und süßer als das Leben hienieden. Jenes Licht ist ewiges Leben; und alles, was an ihm teilhat, lebt; die Nacht aber scheut das Licht, und aus Furcht dahinschwindend, weicht sie dem Tage des Herrn; alles ist ein Licht geworden, das sich nimmermehr zum Schlummer neigt, und der Untergang hat sich in Aufgang verwandelt. Dies hat die ‚neue Schöpfung‘ bedeutet; denn ‚die Sonne der Gerechtigkeit‘, die das Weltall durcheilt, durchwandelt in gleicher Weise auch die Menschheit, indem sie ihren Vater nachahmt, ‚der über alle Menschen seine Sonne aufgehen läßt‘, und auf die Menschen die Tautropfen der Wahrheit niederfallen läßt.“

Aufstand Luzifers gegen Christus

Im Laufe der Karwoche durchbeten wir das abgrundtiefe Geheimnis unserer Erlösung und schließlich besingen wir das österliche Licht, das uns den auferstandenen Herrn versinnbildet. Wer nur einigermaßen wachen Herzens den vielen Zeremonien der hl. Liturgie folgt, erkennt die göttliche Erlöserliebe auf der einen Seite und den teuflischen Haß auf der anderen. Satan wird rasend vor Wut, denn ihm ist die Wesensart Jesu, des unschuldig leidenden Gottesknechtes vollkommen fremd. Einen solch demütigen und sanftmütigen Gott kann sich der stolze Luzifer nicht vorstellen. Dennoch ahnt Luzifer das Geheimnis Jesu und ist infolgedessen hin- und hergerissen in seinem Urteil. Schließlich stachelt er die Menschen zum Gottesmord an, er will die Sache zu Ende bringen, er will eine Entscheidung herbeizwingen.

Dieses Drama des Gottesmordes ist nur dem Gläubigen zugänglich, für einen Ungläubigen ist die Kreuzigung Jesu bloß ein tragisches Mißgeschick, eine bedauerliche politische Fehlleistung, eine jener unerklärlichen Launen der Weltgeschichte. Für den Glaubenden jedoch wird das Kreuz zum Zeichen unserer einzigen Hoffnung – O Crux, ave, spes unica!

O Kreuz, du einzige Hoffnung, sei gegrüßt!
In dieser heil’gen Leidensfrist
mehr allen Frommen Gottes Huld
und tilge aller Sünder Schuld.

und zur Offenbarung des göttlichen Erlöserherzens, das sich im unsagbaren Leiden und dem Tod am Kreuz vor die Augen der ganzen Welt malt – und wie viele beginnen zu sehen und zu glauben: „Ich aber werde, wenn ich von der Erde erhöht bin, alle an mich ziehen.“ (Joh 12,32) –

Dich Quell des Heiles, billig preist,
dreiein’ger Gott, ein jeder Geist;
hast uns des Kreuzes Sieg gewährt,
nun sei uns auch der Lohn beschert. Amen.

Am Ostermorgen zeigt sich der auferstandene Herr als Sieger über Sünde und Tod und erstrahlt im Glanz Seines göttlichen Lebens. Aber nicht vor allen Menschen erscheint ER, sondern nur vor denen, die von Gott als Zeugen Seiner Auferstehung vorherbestimmt waren. Gott fordert von den andern den Glauben, denn wie der hl. Paulus erklärt: „Ohne Glauben aber ist es unmöglich, Gott zu gefallen, denn wer Gott nahen will, muß glauben, daß er ist und daß er die, die ihn suchen, belohnt“ (Hebr 11,6).

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