Nachruf – Zum Tod von Herrn Anton Holzer

von antimodernist2014

In der Nacht vom Gründonnerstag auf Karfreitag, am 25. März 2016, ist nach schwerer Krankheit Herr Anton Maria Holzer von uns gegangen. Er hatte in den letzten Monaten die großen Schmerzen der Krankheit in Geduld und im Vertrauen auf die Gnadenhilfe Gottes ertragen und dem Tod ruhig aus der Kraft des Glaubens entgegengesehen.

Der Verstorbene hat sich als Antimodernist im Kampf gegen die Menschenmachwerkskirche durchaus einen Namen gemacht. Darum wollen wir einen kurzen Blick auf das Leben und das Werk des Verstorbenen werfen.

Anton Holzer ist am 11. November 1942 in Weingarten geboren worden, sozusagen im Schatten eines Benediktinerklosters mit einer jahrhundertealten Tradition. Als in den Nachkriegsjahren die Not der Bevölkerung noch sehr groß war, hat ein Pater des Klosters dem offensichtlich durch seine Begabung auffallenden Schüler das Angebot gemacht, im Kloster zu studieren, weil es dort wenigstens warm war. Die Familie hatte nämlich nicht genug Geld, sich das notwendige Heizmaterial zu kaufen. Der Verstorbene war sein ganzes Leben lang für diesen Liebesdienst dankbar und blieb auch mit den Benediktinern verbunden. Er selbst wurde später Benediktineroblate, also Mitglied des 3. Ordens des hl. Benedikt. Bei den Benediktinern lernte er schon früh die Schönheit unserer hl. Liturgie kennen und schätzen. Der gregorianische Choral war ihm sein ganzes Leben lang eine Freude und ein Anliegen. Eine Zeit lang hatte er engen Kontakt mit den Benediktinern von Le Barroux, bei denen er gewöhnlich, wenn irgend möglich, während der Sommerferien mehrere Wochen verbrachte.

Herr Holzer war nicht nur ein besorgter Vater und Großvater, er war zudem ein Mann des Geistes, ein echter Denker. Er hat in Freiburg und Innsbruck Philosophie, Theologie und Latein studiert. Zwar hat er schließlich nicht eine akademische Laufbahn eingeschlagen, sondern wurde Gymnasiallehrer, wobei er aber einer jener überqualifizierten Lehrkräfte war, die es auf Gymnasien immer wieder gibt. Wer Herrn Holzer näher kennenlernen konnte, dem erschien er eher als ein Professor, war er doch ein sehr begabter, umsichtiger und klar denkender Philosoph und Theologe, der noch ganz im Geist des hl. Thomas von Aquin dachte und arbeitete. Diesem Zug seines Wesens wollen wir ein wenig nachspüren.

Die geistige Größe eines Menschen erkennt man vor allem daran, wie er Schwierigkeiten bewältigen kann. Und Schwierigkeiten gab es für einen Katholiken in den letzten Jahrzehnten genug.

Herr Anton Holzer gehörte schon Mitte der 70er Jahre einem Kreis von Katholiken an, die sich bemühten, in dem allgemeinen Chaos der nachkonziliaren Zeit eine Orientierung zu finden. Früh erkannte er, daß das sog. 2. Vatikanum kein gewöhnliches Konzil der Kirche war. Dieses wich vielmehr in vielen Punkten von der kirchlichen Norm ab. In seinem Buch „Vatikanum II. Reformkonzil oder Konstituante einer neuen Kirche“, CH-SAKA Basel, hat er schon 1977 in einer klaren Analyse und Aufarbeitung der neuen Lehren dieses sog. Konzils seine Erkenntnisse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und betont, daß mit dieser Versammlung im Vatikan keine Reform der Kirche eingeleitet, sondern vielmehr eine neue Kirche gegründet wurde.

Wenn man das Buch heute liest, dann kann man nur feststellen: Die Darlegungen des Verstorbenen sind bei weitem klarer und einleuchtender als das allermeiste, was heute zu dem Thema geschrieben wird. Mit anderen Worten, sie hatten einen prophetischen Charakter – womit sich ein wahrer Denker und Philosoph ja gewöhnlich ausweist, erkennt er doch die Gedanken, die über der Zeit stehen, und weiß diese deswegen auch schon zu deuten und zu verstehen, während andere noch lange im Dunklen tappen.

Unter der Überschrift „Zeugen der Revolution“ schreibt Anton Holzer: „Dass das Vaticanum II eine innerkirchliche Revolution darstellt, ist für jeden, der nicht freiwillig die Augen verschliesst oder ihr Parteigänger ist, evident. Aussenstehende und Kirchenfeinde haben davon schon längst gesprochen, auch ihre Komplizen im Schoss der Kirche, d.h. die Enthusiasten des Vaticanum II, für die es freilich nur einen Ausgangspunkt, einen neuen Anfang darstellt, der Anfang der permanenten Revolution, nachdem diese aus dem Stadium der Subversion und offenen Kontestation durch das Konzil in das Stadium ihrer Manifestation getreten ist. So erklärte im Jahre 1965 der belgische Kirchenhistoriker Roger Aubert: ‚Dieses Konzil war bezogen auf die Vergangenheit ein Wunder, im Blick auf die Zukunft ist es ein Gestammel.‘ Und das enfant terrible der modernen Theologie, Hans Küng, spricht anerkennend von einer ‚Wende um 180 Grad‘; Galli-Moosbrugger schreiben ein Buch über das Konzil mit dem Titel ‚Reformation aus Rom‘; Xavier Rynne redet von einer ‚Zweiten Reformation‘; Yves Congar vergleicht das Vaticanum II (speziell im Hinblick auf die Kollegialität der Bischöfe) mit der russischen ‚Oktoberrevolution‘ von 1917; Kardinal Suenens nennt das Vaticanum II ‚das 89 der Kirche‘ (1789 ist das Jahr der Französischen Revolution)“ (S. 78).

Das sog. 2. Vatikanum war eine Revolution. Und wie jede Revolution brauchte auch das 2. Vatikanum einen Kopf, denn Revolutionen werden nicht von der Masse gemacht, wie die Revolutionäre den Dummköpfen weismachen wollen, sondern von Eliten. In seinem Buch geht Herr Holzer auch auf diese Frage ein, da er auf die verborgenen Kräfte der Revolution verweist, die letztlich in der Freimaurerei zu finden sind:

„Geheimdokumente des ersteren fielen in die Hände der bayerischen Regierung. Aus ihnen ging hervor, dass ein Komplott gegen die christlichen monarchistisch regierten Staaten («Tyrannei») im Gange war, um die katholische Religion und Kirche («Fanatismus») leichter zerstören zu können. Das Zerstörungswerk der Freimaurerei stellte im 19. Jahrhundert für den deutschsprachigen Bereich der Jesuit Pachtler dar in seinen beiden Werken «Der Götze der Humanität oder das Positive der Freimaurerei» (Freiburg/Br. 1875) und «Der stille Krieg gegen Thron und Altar oder das Negative der Freimaurerei» (Amberg 1875). Und wieder fielen Geheimdokumente in die Hände diesmal des Apostolischen Stuhles (Leo XII.), aus der Zeit von 1820—1846, die ihren Ursprung in der italienischen Freimaurerei haben. Sie wurden von dem Franzosen Cretineau-Joly in seinem Werk «L’Eglise Romaine en face de la Revolution» veröffentlicht auf Wunsch Gregors XV. und Pius‘ IX. Das in diesen Dokumenten zutagegetretene Komplott gegen die Kirche umfasst drei Etappen:
1. Zunächst sollen weltweit die liberalen, freimaurerischen Ideen und Praktiken erzeugt und verbreitet werden, die eine Vereinigung der ganzen Menschheit zu einer universalen Menschheitskirche der Humanität nahelegen (Liberalismus und Libertinismus);
2. Diese liberalen Auffassungen sollen vor allem in den Klerus eingeschleust werden; es soll nicht nur eine liberale Gesellschaft, sondern noch mehr ein liberaler Klerus geschaffen werden;
3. Schliesslich soll von diesem Klerus ein Papst gleicher liberaler Denkweise gewählt werden, der den Einflüssen von aussen, von der Welt her zugänglich ist und die Überführung der römisch-katholischen Kirche zur universalen Humanitätskirche vollzieht mit Hilfe einer liberalen Hierarchie“ (S. 85f).

Die Sachlage war somit von Anfang an klar und für jeden auch leicht erkennbar, der Augen hatte zu sehen – und Anton Holzer hatte, anders als die meisten seiner Zeitgenossen, Augen zu sehen und zudem einen durchdringenden Geist zum Verstehen.

Wir selber haben schon in einer eigenen Artikelreihe darauf verwiesen, wie sich in der Folge des sog. Konzils das Lehramt der Kirche zum Leeramt gewandelt hat. Auch Anton Holzer hat diese Wandlung in den Dokumenten des 2. Vatikanums angedacht gesehen. Das 2. Vatikanum verkündet nach ihm die „Cathedra der menschlichen Selbstherrlichkeit“: „Wir haben gesehen, was das von Johannes XXIII. und Paul VI. proklamierte «neue Pfingsten» zwischen den Zeilen sozusagen mitankündigt: einen Traditionsbruch, die Gründung einer «neuen Kirche» in Schisma und Häresie. Es konnte darum auch nicht ausbleiben (was Paul VI. später öffentlich beklagen wird), dass der «Rauch Satans» in die Kirche eindrang. Nicht nur durch bisher unbekannte «Ritzen», sondern durch das Programm selbst und die programmatisch weit geöffneten Fenster zur Welt. Frische Luft konnte niemals aus der Welt in die Kirche eindringen. Weiss sich doch die Welt selbst nicht mehr zu helfen in ihren Problemen der Luftverschmutzung und -vergiftung. Die Welt ist verseucht mit den Ideen und Institutionen des Liberalismus, den Wirkungen der menschlichen Selbstherrlichkeit. Die Unglückspropheten mussten so recht behalten.“

Weiter: „Der Geist dieser Welt, der Geist des Widersachers Gottes, des Gottes und Fürsten dieser Welt, hatte schon längst auf diesen Augenblick gewartet und darauf hingearbeitet, die «Kirche» zur «Welt» zu machen, in der «alles Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens» ist, in der die menschliche Selbstherrlichkeit Gott den Gehorsam aufkündigt. Freilich konnte Satan mit seinen Komplizen dies nicht mit offenem Visier schaffen, sondern nur maskiert, er selbst als Lichtengel verkleidet und seine Komplizen als Apostel Christi verstellt (2. Kor. 11, 13f), so dass sich viele täuschen lassen. Das Prinzip, die Mitte und das Ziel der Zerstörung der Kirche Gottes: die menschliche Selbstherrlichkeit oder der Liberalismus, mussten mit Hilfe entsprechender Schlagwörter, typischer Rede- und Handlungsweisen verschleiert werden. Diese wurden ansatzweise, andeutungsweise bereits in den beiden Eröffnungsansprachen Johannes‘ XXIII. und Pauls VI. proklamiert; sie wurden nicht nur für die Praxis der Konzilsabwicklung bestimmend, sondern fanden auch in den offiziellen Dokumenten des Konzils ihren Niederschlag“ (S. 107).

Der Kult des Menschen ist ein wesentliches Anliegen des 2. Vatikanums und nach Karol Wojtyla alias Johannes Paul II. der Schlüssel zum Verständnis des ganzen Konzils. Auch diese Einsicht hatte Herr Holzer schon in seinem Buch thematisiert: „Den hoministischen Grundzug der vatikanischen Revolution bestätigt Paul VI. in seiner Rede zum Konzilsschluss am 7.12.1965; er erklärte damals: «Die Kirche des Konzils hat sich sehr mit dem Menschen befasst… wie er leibt und lebt; mit dem Menschen, der sich nicht nur für wert erachtet, dass alle Bemühung auf ihn allein sozusagen als Mittelpunkt gerichtet wird, sondern der sich auch nicht scheut zu behaupten, er sei Prinzip und Grund aller Wirklichkeit… der laizistische und profane Humanismus… hat das Konzil herausgefordert. Die Religion, d.h. der Kult Gottes, der Mensch werden wollte, und die Religion — als solche muss sie nämlich angesehen werden — d.h. der Kult des Menschen, der Gott werden will, sind zusammengetroffen. Und was ist geschehen? Gab es einen Streit, einen Kampf, einen Bannfluch? Gewiss, das hätte geschehen können, aber es geschah durchaus nicht. Vorbild und Norm des Konzilsgeistes war jene alte Erzählung vom barmherzigen Samaritan. Denn eine grenzenlose Sympathie mit den Menschen hat das Konzil völlig durchdrungen. Die ganze Aufmerksamkeit des Konzils hat sich den Nöten der Menschen zugewandt, die umso beschwerlicher sind, je mehr der Sohn dieser Erde wächst. Zumindest dieses Lob sollt ihr dem Konzil zuerkennen, ihr Humanisten dieses unseres Zeitalters, die ihr die Wahrheiten leugnet, welche die Natur der Dinge übersteigen, und ebenso unsere neue Humanitätsbemühung anerkennen: denn auch wir, ja wir mehr als alle anderen, haben einen Kult des Menschen…» (AAS 58,1966, p. 55f: …hominis cultores sumus; hier vom Verfasser etwas akzentuiert übersetzt)“ (S. 313f).

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