Nachruf – Zum Tod von Herrn Anton Holzer

Ganz typisch für den Verstorbenen war es, nicht einfach bei der Feststellung der Tatsache zu bleiben, sondern auch deren fundamentale Bedeutung hervorzuheben, daß nämlich dieser Kult des Menschen schon eine entscheidende „Wegbereitung des Antichrist“ ist: „Dieser neuentdeckte Kult des Menschen, dieses allen Religionen gemeinsame anthropozentrische Grundprinzip eines sozialen Humanitätsideales, für das der Christusname bloßes Symbol, reine Chiffre des seine Isolierung und Selbstsucht (gruppendynamisch) überwindenden Menschen wird, bereitet den Weg für die begeisterte Aufnahme der Verkörperung dieses Ideals in einem neuen fleischgewordenen Humanitätsidol, dem man als dem Repräsentanten der Menschheit wie Gottes selbst kultische Verehrung erweisen wird. Der Kult des Menschen wird zum Wegbereiter des Antichrist, da er im Prinzip das Antichristentum ist“ (S. 314).

Das zusammenfassende Urteil über das 2. Vatikanum formuliert der Verstorbene im Jahr 1977 so: „Das Vaticanum II war die Konstituante dieser ’neuen Kirche’, dieser ‘lebendigen Kirche’, dieser ‘konziliaren Kirche’ (Mgr. Benelli), formell und materiell; formell durch die Errichtung einer neuen Cathedra wider die Cathedra der vorkonziliaren Kirche: der Cathedra der menschlichen Selbstherrlichkeit, die sich zum Richter über das Wort Gottes in Schrift und Tradition, zu seinem Meister aufgeworfen hat; materiell durch die Verkündigung eines neuen Evangeliums: des Evangeliums der menschlichen Herrlichkeit und Würde und des entsprechenden ganzheitlichen Heils auf Erden, sowie durch die Errichtung eines neuen Altares, einer neuen Liturgie, eines neuen Kultes gegen den Gottesdienst der traditionellen theozentrischen Kirche: des Menschenkultes.“

Es würde natürlich hier viel zu weit führen, im einzelnen auszuführen, wie sich diese Erkenntnisse in den folgenden Jahrzehnten immer deutlicher und für jeden erkennbar verwirklichten. Diesen Aufweis kann man sich aber auch im Grunde deshalb ersparen, weil die Tatsächlichkeit dieser 1977 gemachten Aussagen angesichts der skandalösen Taten des Herrn Begoglio in Rom, der sich doch nun wirklich jede nur erdenkliche Mühe gibt, sich über das Papsttum und die hl. Kirche lustig zu machen, jedem täglich vor Augen steht. Wer diese ins Auge springenden Evidenzen heute, im Jahre 2016, immer noch nicht zu sehen bereit ist, für den ist sicher Hopfen und Malz verloren.

Für Anton Holzer wurde schon vor beinahe 40 Jahren die Einsicht immer erdrückender: man kann als Katholik mit dem modernen Rom nichts mehr zu tun haben, wenn man den wahren Glauben bewahren und richtig leben will. In seinem Buch: „Novus ordo missae oder Die Zerstörung der heiligen Messe“, herausgegeben von der „Liga katholischer Traditionalisten e.V.“, Bensberg-Immekeppel, 1975, schrieb der Verstorbene:

Die von Maritain vor Jahren diagnostizierte „immanente Apostasie“ ist inzwischen zum offenkundigen Daseinsprinzip der postkonziliaren „neuen Kirche“ geworden. Wie Pater Werenfried van Straaten richtig erkennt:
„Die Hure von Babylon ist in die Kirche eingedrungen.“
Und was noch schlimmer ist: sie gibt sich mit erstaunlich wachsendem Erfolg in weiten Kreisen des Kirchenvolkes ohne Hemmung und Scham als die endlich nach „manchen Irrwegen“ nunmehr wieder von pfingstlichem Geist erfüllte, wahre Kirche der Liebe aus. Unwillkürlich drängt sich da der Gedanke an den „großen Abfall“ auf, den der hl. Paulus für das Ende der Zeiten vor dem Kommen des Antichristen ankündigt (2 „Thesse 2,3).
Wahrhaftig, der Teufel und seine Komplizen verstehen es meisterhaft, sich als „Engel des Lichts“ (2 Kor 11,14) zu verkleiden und – adulterantes verbum Dei (2 Kor 2,17) – im Namen der unergründlichen „Menschenliebe“ Gottes (Tit 2,4; vgl. Eph 3,18 f) und seiner unerschöpflichen Barmherzigkeit, eines tieferen und besseren Verständnisses des Christentums, eines von aller Kleinlichkeit geläuterten Gottesbegriffs usw. den Menschen, den Mittel- und Höhepunkt aller irdischen Dinge, dessen Dünkel allenthalben geschmeichelt wird durch den unaufhörlichen Hinweis auf seine (quasi-) göttliche Würde, diesen Menschen also aus dem Ebenbild zum Maß Gottes zu machen, den unbedingten Ernst der göttlichen Heiligkeitsforderung (Mt 5,48) zu unterlaufen und das durch Gottes Wort angekündigte furchtbare Strafgericht zu einer Farce zu machen, den Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Gott und seinem Widersacher als letztlich vergnügliches Spiel Gottes zu begreifen, in dem der Böse eine reine Schachbrettfigur Gottes darstellt und das Böse in der Welt auf Gott selbst zurückfällt, so daß der unendlich gute Gott der Christen zum gnostischen Gott jenseits von Gut und Böse wird, der alle Gegensätze umschließt, in dem darum auch das „mysterium iniquitatis“ (2 Thess 2,7) seinen Ursprung und Grund hat, so daß das gnostische Motto Goethes für den vierten Teil von „Dichtung und Wahrheit“ Recht behielte:
„Nemo contra Deum nisi Deus ipse“
(Niemand steht gegen Gott außer Gott selbst).
Nach alledem ist die unbedingte Notwendigkeit der Treue zur Tradition evident, die allezeit ein Bollwerk gegen die Gnosis war, bis man in unseren Tagen auf den satanischen Einfall kam, die Bastionen zu schleifen, und die daher durch die derzeitige gnostische Kirchenbesatzung der Modernisten und Progressisten allenthalben zugunsten eines tiefer verstandenen „wissenschaftlichen Christentums“ der Freimaurerei unterdrückt wird.
Auf diesem Hintergrund ist das „für alle“ der neuen Kelchformel ein schreiendes Zeichen dafür,
– daß der Glaube der Kirche in höchster Gefahr ist, da er im Namen der Kirche verfälscht wird,
– daß die traditionsfeindliche Liturgiereform kein Werk der Kirche und des Heiligen Geistes, sondern ein Werk Satans und der Gegenkirche ist und darum zu bekämpfen ist,
– wie hinterlistig und heimtückisch Satan in seinem derzeitigen Großangriff auf die Kirche Christi vorgeht und von welcher Dringlichkeit die Wachsamkeit der Christen sowie die Unterscheidung der Geister heute ist,
– wie aktuell die Warnung des hl. Petrus ist, die in der kirchlichen Komplet täglich wiederholt wird:
„Brüder, seid nüchtern und wachsam, denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen könne. Widersteht ihm, standhaft im Glauben!“ (1 Petr 5, 8-9)
– wie nötig das leoninische Gebet zum Hl. Michael um Schutz „contra nequitiam et insidias diaboli“ heute ist und wie schlecht beraten Papst Johannes XXIII. war, – suadente diabolo? – es abzuschaffen. (S. 93f)

Nun wurde nach dem 2. Vatikanum nicht nur Glaubenslehre angetastet, es wurden auch sämtliche Sakramentsriten verändert. Auch hierzu wollen wir nochmals Herrn Holzer in seinem Buch „Novus ordo missae oder Die Zerstörung der heiligen Messe“ zitieren, wo er zu bedenken gibt: „Wenn man die Ruinen der alten römischen Liturgie überblickt, die der Reformwahn der Neuerer, gestützt auf das Reform-Programm der konziliaren Liturgie-Konstitution, noch gelassen hat, dann wird der Schluß unabweisbar, daß hier jemand am Werk war, der die Kirche bestens gekannt hat. In der hl. Messe ist der Lebensnerv der Kirche getroffen worden. Über die Tatsache, daß die hl. Messe gezielt zerstört wurde, kann objektiv nichts hinwegtäuschen. Alle Ausflüchte, Änderungen beträfen nur die Rubriken, textliche Einzelheiten, nur die Form, nicht den Inhalt, nicht das Wesen usw., all dies soll nur den Widerstand gegen eine Pseudo-Messe lähmen und einschläfern. Die hl. Messe ist nach der Intention der Reformer, die sich in ihren Taten realisiert hat, in ihrem tridentinischen Wesen vernichtet. Da der Opfer- und Sakramentscharakter der hl. Messe beide an der Konsekration von Brot und Wein bzw. an der Transsubstantiation hängen, galt der Angriff der Reform genau dieser: man vernichtet die hl. Messe, indem man die hl. Wandlung eliminiert. Das war taktisches Nahziel; strategisches Fernziel – damit bereits in die Nähe gerückt – bleibt die Vernichtung der gesamten römisch-katholischen Kirche; oder in Martin Luthers Worten: ‚Wenn die Messe fällt, so liegt auch das Papsttum (= röm.-kath. Kirche, d. Verf.) am Boden.‘ Mit der Einführung des Novus Ordo Missae also hat man das Nahziel bereits weithin erreicht, selbst wenn man von den blasphemischen Extravaganzen der im Gehorsam ja nur vorauseilenden Revolutionäre absieht. Man hat also die hl. Messe vernichtet, indem man die hl. Wandlung eliminiert hat!“ (S. 31f).

Zunächst hat der Verstorbene sich zwar noch kirchlich, wie viele andere Katholiken auch, an Mgr. Lefebvre orientiert, wobei er jedoch dessen Position niemals voll teilte und sich im Laufe der Zeit aufgrund seiner theologischen Studien immer mehr von diesem und seinem Werk distanzierte.

Ein Spezialgebiet im theologischen Studium von Herrn Holzer war das unfehlbare Lehramt der Kirche und darin besonders die Stellung des päpstlichen Primats. Seine Kenntnis der theologischen Literatur und der kirchlichen Verlautbarungen speziell zu diesem Thema war beeindruckend. Er hat mehrere nicht veröffentlichte Arbeiten zu diesem Thema geschrieben, aus denen wir wenigstens eine prägnante Stelle anführen wollen. In Jahre 2001 beschäftigte sich Anton Holzer mit dem Thema: „Die katholische Glaubensregel und der Kanon des hl. Vinzenz von Lérins, Über eine unter Traditionalisten verbreitete Irrlehre“ (Wie weit ist es in der Nacht?). Wir geben hierzu „Zusammenfassung und Schlußergebnis – zum Sinn des Lerinenser Kanons“ mit den original Fußnoten und Hervorhebungen wieder:

Aus den obigen Ausführungen und Zitaten geht in aller Deutlichkeit offensichtlich und unzweifelhaft hervor,
a) daß die Übereinstimmung der jeweils gegenwärtigen Allgemeinheit d.h. die zu irgendeinem bestimmten Zeitpunkt in der Kirche gegebene Einmütigkeit in der Lehrverkündigung des allgemeinen Lehramtes von Papst und Bischöfen zusammen bezüglich der Offenbarungs- bzw. Glaubenszugehörigkeit einer Wahrheit oder bezüglich der Nichtvereinbarkeit einer Behauptung mit der göttlichen Offenbarung, wie sie in Schrift und Tradition überliefert ist, für sich allein schon ein hinreichendes und unfehlbar zuverlässiges Kriterium ist, sei es für das absolute Altertum d.h. für die von Anfang an explizite Apostolizität der gelehrten Wahrheit oder für die Irrigkeit und Offenbarungswidrigkeit der verworfenen Meinung sei es für ein relatives Altertum d.h. für die schon vor dem Eintreten einer Streitigkeit erfolgte explizite Verkündigung und deswegen auch wenigstens eine gewisse Zeit lang schon bestehende Einmütigkeit der lehrenden Kirche bezüglich einer Wahrheit.
b) daß also beim tatsächlichen Vorliegen einer gegenwärtigen Übereinstimmung von Papst und Bischöfen bezüglich einer Lehre zur Gewißheit über deren Katholizität das ‘immer‘ des Kanons vom Wesen der Sache her weder im Sinn des absoluten noch auch nur eines relativen Altertums notwendig dazutreten muß, weil ja im Gegenteil die Kriterien des Kanons tatsächlich distributiv zu verstehen sind.
c) daß der Kanon des hl. Vinzenz überhaupt kein Kriterium für die Unfehlbarkeit des ordentlichen Lehramtes an die Hand geben will – das Vaticanum I gibt dafür ein einziges an, und zwar dasselbe wie für die feierlichen Urteile eines Konzils (DS 3011) – , sondern nur für die Katholizität und Apostolizität einer Lehre.
Und dieses positive und sichere Kriterium darf überdies keineswegs exklusiv verstanden werden, als ob nur das wahrhaft und wirklich katholische Tradition wäre, was immer schon als solche explizit gelehrt und geglaubt worden ist; es gäbe dann ja auch keinen Fortschritt in der Erkenntnis der Offenbarung Gottes in der Kirche
Man sieht also, daß die Behauptung von P. Gérard Mura gegenüber Rothkranz unhaltbar ist, wenn er sagt: „Das allgemeine ordentliche Lehramt muß eine Wahrheit beständig lehren, damit sie unfehlbaren Charakter annimmt…Es wird auf dem I. Vatikanum und von Pius IX. tatsächlich nur gelehrt, daß das universale und konstante Lehramt unfehlbar sei. So lehrt etwa auch Vinzenz von Lerin.“ Abgesehen davon, daß weder das Vaticanum I noch Pius IX. eine solche Bedingung lehren, steht Mura mit seiner Meinung allein gegen die übrigen Theologen, die zum Kanon des hl. Vinzenz Stellung nehmen.
Ebenso falsch liegt offensichtlich Michel Martin mit seiner Behauptung, die Sedisvakantisten hätten den Kanon des hl. Vinzenz verstümmelt, wenn sie das Wort ,,immer‘‘ weglassen. Nein, hierin haben die Sedisvakantisten – sowohl historisch wie auch dogmatisch gesehen – völlig unwiderlegt und unwiderlegbar recht. Wenn man ihre These widerlegen will, dann ist der Hinweis auf den Kanon von Lérins jedenfalls kein taugliches Mittel.