Nachtrag zum Sonntag vom Guten Hirten

Mit anderen Worten: Wir haben in der katholischen Kirche einen von Gott verbürgten Guten Hirten, den unfehlbaren Papst. Der Heilige Geist leitet den Papst in seinem Hirten- und Lehramt und bewahrt ihn davor, die hl. Kirche in Glaubens- und Sittenfragen und in Fragen der Disziplin und des Kultes in den Irrtum zu führen. Nur wenn das so ist, ist er auch wirklich Stellvertreter Jesu Christi und der Gute Hirt. Am unfehlbaren Papst hängt unsere ganze Glaubenssicherheit, wie am Guten Hirten, der uns mit göttlicher Autorität leitet. Alle anderen Hirten der hl. Kirche hängen ihrerseits vom unfehlbaren Papst, vom Lehramt der Kirche ab, das allein vom Heiligen Geist erleuchtet, immer die göttliche Wahrheit verkündet und verteidigt. Nur in Übereinstimmung mit diesem Lehramt sind alle andern Hirten ebenfalls Gute Hirten. Es gibt somit keinen katholischen Glauben ohne oder gegen das unfehlbare Lehramt der Kirche, ohne oder gegen einen legitimen Papst. Wir dürfen an die Definition aus dem Katechismus erinnern: „Der christliche Glaube ist die durch Gottes Gnade erlangte feste Überzeugung, daß alles wahr ist, was Jesus gelehrt hat, und was in seinem Auftrage die katholische Kirche lehrt“ (Spirago S. 25).

Nach diesen grundsätzlichen Überlegungen kommen wir zurück zu unserer eingangs gestellten Frage: Haben wir eine Mietling-Kirche, denn das könnte man doch bei oberflächiger Betrachtung unserer Situation durchaus meinen? Sind die Bischöfe, die Kardinäle und der Papst der jetzigen römischen Konzilskirche nur Mietlinge?

Die Antwort ist ein klares Nein! Vielmehr ist die Situation des Katholiken seit Roncalli alias Johannes XXIII. eine ganz und gar außerordentliche. Die Mietlinge sind nämlich nicht einfach vor dem Wolf davongelaufen, sie sind vielmehr zum Wolf übergelaufen und dadurch selber zu Wölfen geworden. Die derzeit in Rom residierende „Kirche“ ist eine Pseudokirche, in der die Wölfe regieren und die Hirten dieser „Kirche“ sind Wölfe mit Hirtenstäben! Die Mietling-Kirche existierte nur noch bis Pius XII. Seit seinem Tod sind die Wölfe eingefallen und haben den Schafstall verwüstet – wie im alten Bund Gott vom verwüsteten Weinberg sprach.

Das Meisterstück Satans aber bestand und besteht darin, daß es die allermeisten Katholiken gar nicht wahrgenommen haben, daß sie plötzlich Wölfe als Hirten hatten. Das gelang nur deswegen, weil die Feinde den Stuhl Petri erobern konnten, wie es schon Leo XIII. so klar in seinem Michaelsgebet formuliert hat: „Die überaus durchtriebenen Feinde erfüllen die Kirche, die Braut des unbefleckten Lammes mit Bitterkeit und berauschen sie mit Wermut. Zu jeder gewünschten Gottlosigkeit stellen sie sich zur Verfügung. Dort, wo der Sitz des heiligen Petrus und das Lehramt der Wahrheit zur Erleuchtung der Völker errichtet ist, dort stellen sie den Thron ihrer abscheulichen Gottlosigkeit auf, damit, nachdem der Hirt geschlagen ist, sie auch die Herde zerstreuen können“ (Vergl. Zach.13,7).

Wer das nicht wahrhaben will, der wird dazu gezwungen, den Wolf für den Guten Hirten zu halten. Der heilige Kardinal Robert Bellarmin sagt dazu: „Ein notorisch häretischer Papst hört automatisch auf, Papst und Oberhaupt der Kirche zu sein, so wie er automatisch aufhört, Christ und Mitglied des Leibes der Kirche zu sein. Aus diesem Grund kann er von der Kirche verurteilt und bestraft werden. Fügen wir hinzu, daß die Lage der Kirche sehr unglücklich wäre, würde sie gezwungen, als Hirten einen Wolf anzuerkennen, der sich offen gegen sie wendet“ (De Romano Pontifice, Kap. XXX). Das ist nun sicher für jeden leicht einsehbar: Wer den Wolf – „Der Wolf aber ist der Teufel, und die ihm folgen“, schreibt der hl. Thomas – für den Guten Hirten hält, der kommt damit sicherlich unmittelbar in Teufels Küche, wie man umgangssprachlich es ausdrückt, und es läßt sich leicht ausmalen, was mit diesem Katholiken sodann in Teufels Küche geschieht…

Bei einem Gespräch mit einem Traditions-Priester – der mit Hartnäckigkeit an der Meinung festhielt, solange jemand nicht durch einen öffentlichen Akt einer kirchlichen Autorität abgesetzt worden sei, müsse man ihn als Papst ansehen und als solchen anerkennen – wurde dieser im Laufe der Diskussion immer mehr in die Enge getrieben, und schließlich gefragt, ob er selbst den Antichristen, wenn dieser einmal auf dem Stuhl Petri sitzen würde, als seinen Papst anerkennen würde? Der Priester antwortete auf die Frage konsequenterweise mit: Ja!

Aber selbst dieses Eingeständnis konnte den Priester in seiner doch recht seltsamen Ansicht in keiner Weise erschüttern. Dies war wohl nur deswegen möglich, weil er schon allzu lange selbst Papst gespielt hat, indem er nämlich ständig das unfehlbare Lehramt der Kirche seinem eigenen privaten Urteil unterworfen und damit die Tradition, deren „Zeugnis allein tot ist, höchstens dazu fähig, in uns eine rein menschliche, historische oder philosophische Gewißheit zu erzeugen“, und nicht mehr das lebendige Lehramt für die „regula fidei proxima et immediata [nächste und unmittelbare Glaubensregel]“ hielt.

In unseren Tagen hat diese Ansicht eine ganz eigene Note erhalten, denn Herr Jorge Mario Bergolio alias Franziskus hat nun wirklich schon sehr viel Ähnlichkeit mit dem Antichristen, was die meisten Traditionalisten natürlich immer noch nicht daran hindert, ihn für den rechtmäßigen Papst zu halten, scheint es ihnen doch offensichtlich sowieso inzwischen schon viel besser, selber Papst zu spielen, nach dem Motto: Der Papst kann machen, was er will, ich bleib katholisch!

Erst kürzlich hat Bergoglio sein Leerschreiben (das „Leer“ ist kein Schreibfehler!) „Amoris Laetitia“ (wohl am Treffendsten zu übersetzen mit: „Spaß an der Liebe“ oder mit typisch bayrischem Einschlag: „Liebesgaudi“) – „über die Liebe in der Familie“ vorgestellt. Lassen wir einen kurzen Pressespiegel mit jeweiligem Kommentar folgen:

„Aus Sicht der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) ergeben sich aus dem Schreiben weitreichende Konsequenzen: Seelsorger müssten nun ‚in jedem einzelnen Fall die besondere Lebenssituation‘ wiederverheirateter Geschiedener betrachten und könnten dann über eine Zulassung zur Kommunion entscheiden. ‚Nur im Blick auf die jeweilige Lebensgeschichte und Realität lässt sich gemeinsam mit den betroffenen Personen klären, ob und wie in ihrer Situation Schuld vorliegt, die einem Empfang der Eucharistie entgegensteht‘, teilte die DBK mit. Unterschrieben wurde die Erklärung vom DBK-Vorsitzenden Reinhard Marx aus München, vom Berliner Erzbischof Heiner Koch und vom Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Sie hatten im vergangenen Herbst in Rom an der vorbereitenden Synode zum Thema Ehe und Familie teilgenommen.“

Mit einem Fachwort nennt man diese Vorgehensweise: Situationsethik. Diese ist die ethische Spielart des Modernismus. Sie besagt: Es gibt keine festen, unumstößlichen Gebote mehr, diese sind vielmehr immer situationsabhängig und müssen darum auch in Abhängigkeit von der Situation jeweils neu interpretiert und angewendet werden. Im konkreten Fall geht es darum, daß der Ehebruch als Sünde de facto relativiert und je nach Situation als gerechtfertigt und entschuldbar hingestellt wird.

„Er ändert nichts und macht doch alles anders“, erklärt der Theologie-Professor Wolfgang Beinert und spricht von einem „wirklichen Reformschreiben“. Die Stoßrichtung bestehe darin, „dass der Papst von innen heraus das Ganze aushöhlt und damit eigentlich zum Einsturz bringt bei Wahrung der Fassade des Kirchenrechts“. Wolfgang Beinert trifft damit den Nagel auf den Kopf. Kürzer und prägnanter kann man das Leerschreiben sicher nicht mehr beschreiben: Die Fassade des Kirchenrechts bleibt, das göttliche Gebot aber wird de facto aufgehoben.

Kardinal Schönborn gesteht: „Meine große Freude an diesem Dokument ist, dass es konsequent die künstliche, äußerliche, fein säuberliche Trennung von ‚regulär‘ und ‚irregulär‘ überwindet und alle unter den gemeinsamen Anspruch des Evangeliums stellt, gemäß dem Wort des Hl. Paulus: ‚Er hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen (Röm 11,32).“ In diesen Worten klingt die Allerlösungslehre an, die seit einigen Jahrzehnten von den römischen Autoritäten in ihren Dokumenten vertreten wird und die letztlich lehrmäßig hinter der modernen Art von Barmherzigkeit steht, weil sie allein diese Art von Barmherzigkeit ermöglicht, die alles umfaßt. Warum sollte aber dieses „sich aller erbarmen“, so muß gefragt werden, nicht auch den Teufel und seinen Anhang einschließen?

Der Freiburger Theologe Magnus Striet bewertet das Schreiben als Plädoyer für die freie Gewissensentscheidung der Gläubigen: „Die Konsequenz ist ein anderes Verständnis von Kirche. Das Ideal einer lebenslangen Ehe bleibt, aber Ambivalenzen und Brüche werden nicht einfach verurteilt.“ – Also, Ehe ja! Ehebruch? Warum nicht! Mit Blick auf die Teilnahme an der Kommunion setzt der Papst auf die Gewissensentscheidung Wiederverheirateter und auf die pastorale Kompetenz der Priester. Bisher sind Geschiedene nach einer neuen Heirat vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen. Franziskus fordert nun eine „verantwortungsvolle persönliche und pastorale Unterscheidung der je spezifischen Fälle“, Barmherzigkeit und Integration: „Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums.“ Nochmals sei es gesagt: Dieses „Niemand“ muß dann natürlich nicht nur für die Ehebrecher, sondern auch für den Teufel gelten!

Abschließend noch ein Beitrag mit einem Zitat aus dem Johannesevangelium, das zu erwarten war. Er stammt aus „kath.net“, wo es einleitend heißt: „kath.net dokumentiert die Rede von Kardinal Christoph Schönborn bei der heutigen Pressekonferenz im Wortlaut“: „Papst Franziskus hat sein Schreiben unter das Leitwort gestellt: ‚Es geht darum, alle zu integrieren‘ (AL 297). Denn es geht um eine Grundeinsicht des Evangeliums: Wir bedürfen alle der Barmherzigkeit! ‚Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein‘ (Joh 8,7). Alle, in welcher Ehe- und Familiensituation wir uns befinden, sind unterwegs. Auch eine Ehe, bei der alles ’stimmt‘, ist unterwegs. Sie muss wachsen,lernen, neue Etappen schaffen. Sie kennt Sünde und Versagen, braucht Versöhnung und Neubeginn, und das bis ins hohe Alter (vgl. AL 134).“

Jeder, der die zitierte Stelle aus dem Johannesevangelium kennt, weiß, was auf diese Aufforderung unseres göttlichen Herrn folgte, nämlich: „Und er bückte sich abermals nieder und schrieb auf den Boden. Als sie die Antwort hörten, gingen sie davon, einer nach dem andern, die Ältesten voran. So blieb Jesus allein mit der Frau zurück, die in der Mitte stand. Jesus richtete sich auf und fragte sie: ‚Frau, wo sind sie? Hat keiner dich verurteilt?‘ Sie sagte: ‚Keiner, Herr.‘ Da sagte Jesus zu ihr: ‚Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige fortan nicht mehr!’“ (Joh. 8,8-11). Der alles entscheidende Satz ist der letzte: „Geh hin und sündige fortan nicht mehr!“ Wir sehen also: Die wahre göttliche Barmherzigkeit setzt Reue, Umkehr und den Vorsatz voraus, nicht mehr zu sündigen. Der Ehebrecher muß sich also von seiner Konkubine trennen und sich entweder mit seiner Frau versöhnen und zu ihr zurückkehren oder alleine leben, bis daß der Tod ihn scheidet. Dasselbe gilt natürlich auch für die Ehebrecherin. Ist es aber Barmherzigkeit, wenn man einem Sünder sagt, er könne ruhig weiter in der Sünde leben, seine Situation sei so schwierig, daß man doch Verständnis dafür aufbringen müsse und man könne doch niemand von der Gemeinschaft und der hl. Kommunion ausschließen, nur weil er Ehebruch begangen hat? Nein, das ist keine Barmherzigkeit, sondern höchste Grausamkeit, weil sie dem Sünder den Weg zu Reue und Umkehr und damit zur wahren Barmherzigkeit versperrt, ja schließlich zu vollkommener Unbußfertigkeit führen wird, was die schlimmste aller Sünden ist, verhindert sie doch jede echte Rückkehr zu Gott.