Das heiligste Herz Jesu

von antimodernist2014

Die meisten Menschen haben heutzutage ihre großen Schwierigkeiten, den katholischen Glauben zu verstehen, können sie doch seine Einmaligkeit nicht mehr in ihr welt- und gottverlorenes Leben einordnen. Wie fremd muß auf sie der katholische Glaube wirken, der seinem Wesen nach sowohl gottverbürgte Wahrheit, als auch gottgeschenktes, übernatürliches Leben ist. Dabei hängt beides unlösbar aneinander und bedingt sich wechselseitig: Einerseits ist ohne die Wahrheit des Glaubens kein Leben aus der gottgeschenkten Gnade möglich, wie der hl. Johannes in seinem ersten Brief schreibt: „Wir wissen aber, daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns Einsicht verliehen hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen; und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Er ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ (1 Joh. 5,20). Anderseits ist ohne Gnade keine Glaube möglich, ohne gelebte Gnade, ohne dem Glauben entsprechende Werke ist der Glaube tot, wie der hl. Jakobus feststellt: „Wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot“ (Jak. 2,26).

Nur der katholische Glaube allein kennt den von Gott vorgegebenen Weg zum Ziel des Himmels, und nur die katholische Kirche besitzt die gottgeschenkten Mittel, die uns erst ermöglichen, auf diesen Weg zu gehen und darauf das Ziel zu erreichen. Darum verpflichtet der katholische Glaube auch alle Katholiken. Denn mit einer von Gott geschenkten Sicherheit darf normalerweise der Katholik glauben und den gewiesenen Weg gehen. Und ist der Katholik einmal in der Gnade genügend gefestigt, so darf er zuversichtlich hoffen – mit der göttlichen Tugend der Hoffnung! – auch glücklich ans Ziel zu kommen.

Diese übernatürliche Wirklichkeit unseres Glaubens wird uns in außerordentlicher Weise greifbar und soweit in diesem Leben möglich, tiefer verstehbar und lebbar in der Herz-Jesu Verehrung. Diese ist dem modernen Menschen an sich eine wunderbare Hilfe, wieder zum übernatürlichen Glauben zurückzufinden. Im römischen Brevier, in der 4. Lesung der Matutin des Herz-Jesu-Festes, heißt es:

„Innerhalb der wunderbaren Entfaltung der christlichen Lehre und Frömmigkeit, durch die die Pläne der göttlichen Weisheit der Kirche Tag zu Tag immer klarer erkenntlich werden, ist kaum etwas anderes mehr hervorstechend als die triumphale Entwicklung der Verehrung des heiligsten Herzens Jesu. Wohl haben schon in früheren Zeiten Väter, Lehrer und Heilige des öfteren die Liebe unseres Erlösers gefeiert; sie nannten die Wunde, die an der Seite Christi aufgerissen wurde, die geheimnisvolle Quelle aller Gnaden. Doch vom Mittelalter an, als die Gläubigen allmählich eine zartere Verehrung zur heiligsten Menschheit des Heilands empfanden, drangen beschauliche Seelen vielfach durch diese Wunde zum Herzen selbst vor, das aus Liebe zu den Menschen verwundet wurde. Von dieser Zeit an wurde diese Betrachtungsweise allen Heiligen so vertraut, daß es keinen Landstrich und keinen religiösen Orden gibt, in dem sich in dieser Zeit nicht hervorragende Beispiele dafür ?nden. In den letzten Jahrhunderten schließlich, gerade zu der Zeit, da die Häretiker unter dem Vorwand einer falschen Ehrfurcht die Christen von der heiligsten Eucharistie fernzuhalten suchten, setzte auch die öffentliche Verehrung des heiligsten Herzens ein, vor allem durch die Bemühungen des heiligen Johannes Eudes, der nicht mit Unrecht als der Urheber des liturgischen Kultes der heiligen Herzen Jesu und Mariä bezeichnet wird.“

Die Nachfahren der erwähnten Häretiker, die heutigen Modernisten, halten die Christen nicht nur vom würdigen Empfang der heiligsten Eucharistie ab, sondern vom ganzen übernatürlichen Glauben und Gnadenleben. Wie damals die Herz-Jesu-Verehrung dieser Irrlehre entgegenwirkte, so könnte sie auch heute der Irrlehre des Modernismus entgegenwirken, gäbe es noch entsprechende Förderer dieser Verehrung, die den dazu notwendigen übernatürlichen Glauben haben. Doch leider ist nach dem weltweiten Abfall nur noch eine kleine Herde übrig, denn der Hirte ist geschlagen und die Herde hat sich zerstreut. Für diese kleine Herde aber, ist die Herz-Jesu Verehrung ein gottgewiesener Weg, den wahren Glauben zu bewahren. Was aber ist das Wesentliche dieser Verehrung?

In der Herz-Jesu Litanei beten wir: „Herz Jesu, in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt.“ Im göttlichen Herzen Jesu ist uns die unendliche Fülle der göttlichen Wesenheit ansichtig geworden – und nicht nur dies: Das göttliche Herz Jesu ist das Tor zu dieser Fülle! Es wurde deswegen am Kreuz von der Lanze durchbohrt, damit uns die Gnadenschätze offen stehen und die Gnadenmittel, nämlich die hl. Sakramente, daraus hervor- und uns zuströmen. Wir dürfen niemals vergessen, diesen bildlichen Aussagen entspricht eine übernatürliche, unsichtbare Wirklichkeit. Sobald man diese Wirklichkeit gewahrt, beginnt man zu staunen und mit dem hl. Paulus zu hoffen und aus ganzem Herzen zu wünschen: „Möge er euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit verleihen, daß ihr durch seinen Geist mit Kraft innerlich erstarkt, daß Christus durch den Glauben in eurem Herzen wohne und daß ihr in der Liebe festgewurzelt und festgegründet seid, damit ihr mit allen Heiligen zu erfassen vermögt die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe und zu erkennen die Liebe Christi, die jede Erkenntnis übersteigt, damit ihr erfüllt werdet zur ganzen Fülle Gottes“ (Eph. 3,16-19).

Wie wir sehen, beginnt die Fülle Gottes mit einem Mal aus dem göttlichen Herzen Jesu auszuströmen, um unsere Menschenherzen zu erfüllen. Aber damit eilen wir schon etwas voraus. Es zeigt sich uns in dieser Gedankenreihe eines: Um überhaupt auf den Gedanken kommen zu können, das Herz Jesu besonders zu verehren, ja es anzubeten, ist der übernatürliche Glaube notwendig. Dieser offenbart uns: Jesus Christus ist nicht nur der Sohn Mariens, sondern ER ist der ewige Sohn des Vaters und darum wahrhaft und wirklich der Sohn Gottes. Seine menschliche Natur ist in der zweiten göttlichen Person des ewigen Wortes mit der göttlichen Natur so sehr verbunden, daß sie nunmehr ewig zusammengehören. Alles, was wir darum dem „Menschen“ Jesus Christus an Verehrung schenken, gilt zugleich Gott. In der Herz-Jesu Litanei werden deswegen diese Anrufungen nacheinander gebetet: „Herz Jesu, des Sohnes des ewigen Vaters – Herz Jesu, im Schoße der jungfräulichen Mutter vom Heiligen Geiste gebildet – Herz Jesu, mit dem Worte Gottes wesenhaft vereinigt – Herz Jesu, von unendlicher Majestät.“ Eine atemberaubende Reihe von Anrufungen, sobald man sie ernst und wörtlich nimmt und aus dem hl. Glauben zu verstehen versucht. Mit einem Mal ist das göttliche Herz des Sohnes des ewigen Vaters eins mit dem Herzen, das im jungfräulichem Schoße der Mutter vom Heiligen Geiste gebildet wurde – und man steht unvermittelt vor der unendlichen Majestät des dreifaltigen Gottes. Mit anderen Worten: Die Herz-Jesu Litanei ist gebeteter Glaube.

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