Leben in der Gegenwart Gottes

von antimodernist2014

Der Katholik ist seinem Wesen nach Realist, also jemand, der nüchtern und klar auf die Wirklichkeit achtet und jederzeit bereit ist, sich nach dieser auszurichten. Während der moderne Mensch sich immer mehr in einer Traumwelt, einer virtuellen, künstlichen Medienwelt, einer Spielewelt verliert, lebt der Katholik in der wahren Welt mit ihrem unendlichen natürlichen und übernatürlichen Reichtum. Der katholische Glaube ist keine Träumerei, keine Schwärmerei, keine Einbildung, sondern göttlich verbürgte Wahrheit, also Erkenntnis der ganzen sichtbaren und unsichtbaren Wirklichkeit. Kardinal Mercier schreibt in seiner kleinen Schrift über die christliche Abtötung: „Wenn Sie das Bedürfnis zu träumen verspüren, dann töten Sie es erbarmungslos ab.“ Ein Katholik kann es sich nicht leisten zu träumen oder in eine Traumwelt zu flüchten, das gilt in der heutigen Zeit doppelt oder dreifach. Denn je mehr die christliche Gesellschaft zerbricht, desto mehr ist der Katholik zum ganzen Einsatz aufgefordert, um die Welt der Gnade wenigstens in sich zu bewahren.

Der französische Schriftsteller De Camille schildert im Jahr 1872 die Situation des Katholiken in der Gesellschaft so: „Niemand kann sich Rechenschaft geben von dem schauerlichen Geheimnisse, welches im Schoße dieser modernen Welt eingeschlossen ruht; aber alle sehen, daß dasselbe einen Strom gefälschter Bildung, falscher Öffentlicher Meinung, falscher Wissenschaft, falscher Grundsätze, falscher Ideen, falscher Wünsche, falschen Gewissens und falscher Sitte hervorgebracht hat. Es hat alle Dinge angesteckt, vom Königspalast an bis zur Hütte, vom Staatsmann bis zum letzten Gassenjungen, der bei einer öffentlichen Demonstration hinter einer Fahne herläuft. Es hat in den Regierungen den Kultus der Wahrheit, Gerechtigkeit und Sittlichkeit verdreht, erschüttert, vielleicht gar vernichtet, oder wenigstens diese modernen Regierungen derart in Schrecken betäubt, daß der allerschärfste Instinkt, welchem die Einzelwesen ebenso unterworfen sind wie die Nationen, der Trieb der Selbsterhaltung, in ihnen nichts mehr vermag.“ Pater G. M. Pachtler S.J., der diese Stelle in seinem Buch „Der stille Krieg gegen Thron und Altar“ zitiert, ergänzt sie mit der Bemerkung: „Und im Angesichte dieser drohenden Gefahr können es noch liberale Christen über ihr vermeintlich gläubiges Gewissen bringen, dem internalen (verinnerlichten) Geiste unter dem Aushängeschild der modernen Ideen Zugeständnisse zu machen, mit ihm sich vertragen und auf Beelzebubs Mühle Wasser tragen, unter der Bedingung, daß er ihnen ihr Hauskapellchen nicht umstürze.“ Kommt einem das nicht sehr bekannt vor? Wie viele sog. Traditionalisten gibt es, die schon damit zufrieden sind, wenn sie von den Modernisten das Zugeständnis erhalten, in ihren Hauskapellchen mehr oder weniger unbehelligt den außerordentlichen Ritus feiern zu dürfen? Solch ein Fehlverhalten kann nur durch eine weit vorangeschrittene Verblendung erklärt werden. Während der allgemeine Glaubensabfall die Massen in die Hölle hinabreißt, verschanzen sich diese Traditionalisten in ihrer Scheinwelt und sind zufrieden, wenn man sie ein wenig alte Messe spielen läßt.

Angesichts solcher Seltsamkeiten ist es immer wieder überraschend festzustellen, daß wahre Denker die Wirklichkeit schon vor vielen Jahrzehnten klarer gesehen haben als die scheinkonservativen Halblinge unserer Zeit. So beschreibt etwa Hilaire Belloc den Unterschied zwischen dem alten Heidentum und dem modernen Neuheidentum vor etwa hundert Jahren folgendermaßen: „Das alte Heidentum hatte einen feinen, ausgeprägten Sinn für das Übernatürliche. Dieser Sinn wandte sich oft falschen und immer unzulänglichen Objekten zu, aber er war scharf und beständig wach. Die Poesie der Antike verrät diesen Sinn und erweist ihn sogar in Stimmungen der Verzweiflung. Selbst bei Dichtern, die, wie zum Beispiel Lukretius, die Religion bekämpfen, findet sich ein tief religiöser Sinn für Würde und Ordnung. Das Neuheidentum genießt triumphierend seine eigene Flachheit und glaubt, das Böse wie das Gute als abergläubische Illusion der Vergangenheit über Bord geworfen zu haben. Die Menschen können auf die Dauer nicht leben ohne Götter. Wenn aber einmal die Götter des Neuheidentums erscheinen werden, so werden sie nicht bloß falsche, mit Schwächen behaftete Götter sein, wie die der alten Mythologie, sondern sie werden böse Götter sein. Man könnte den Satz aufstellen: Das Neuheidentum, das sich törichterweise die vollste Zufriedenheit und das Glück der Menschen verspricht, wird, bevor es noch recht weiß, was vor sich geht, einem Satanskult anheimfallen“ (Aus: Gespräch mit einem Engel, Verlag Herold, Wien München, 1954).

Heute müssen wir nüchtern und erschrocken feststellen, die Voraussage Bellocs hat sich erfüllt: „Wenn aber einmal die Götter des Neuheidentums erscheinen werden, so werden sie nicht bloß falsche, mit Schwächen behaftete Götter sein, wie die der alten Mythologie, sondern sie werden böse Götter sein.“ In der Tat, die Dämonen sind zurückgekehrt! Wobei man niemals vergessen darf zu erwähnen: Sie sind unter Duldung, nein sogar mit offizieller Einladung der neu errichteten Menschenmachwerkskirche in die alten christlichen Heiligtümer eingezogen und nunmehr tanzen sie auf den „Altären“ dieser „Kirche“, oder besser und genauer gesagt: Auf den Tischen ihrer Kultstätten.

Martin Mosebach beschreibt in seinem Buch „Häresie der Formlosigkeit“, was er während seines Aufenthaltes in Capri mit einem englischen Priester erlebt hat, der „allen Ernstes gedachte, jeden Tag allein eine Heilige Messe zu zelebrieren“. Die zuständige Autorität war darüber sehr verwundert und bot diesem an, doch einfach „in der Kathedrale an der Konzelebration teilzunehmen“. Aber der englische Priester lehnte das ab und erreichte es schließlich, daß man ihm „den Schlüssel zu dem Kapellchen in der Villa Jovis, ein ferngelegener, ungefährlicher Ort“ überließ, denn da „würde er niemanden irritieren“. „An einem späten Nachmittag stiegen wir zuerst dort hinauf, einen langen, beständig leicht ansteigenden Weg über die Höhen mit einem weiten Blick über den Golf. Oben wollte sich das Schloß nicht drehen lassen, es war in der hohen Luftfeuchtigkeit der Insel seit dem letzten Jahr eingerostet. Moderluft kam uns entgegen, als die Tür sich dann öffnete. Die Blechtüre des Tabernakels stand offen. Ein paar schmutzige Blumenvasen standen auf der Altarplatte, eine Plastikdecke schützte ein unter ihr verfaulendes Altartuch. Die Kerzen waren heruntergebrannt. Die Stühle standen unordentlich herum. Die Sakristei sah aus, als sei sie fluchtartig verlassen worden. Leere Flaschen, ein kitschiger Kelch aus irgendeiner kupfrigen Legierung, Mausefallen, elektrische Drähte für die alljährliche Illumination, verkrustete Blumenvasen, ein Stuhl mit drei Beinen – daraus bestand das Stilleben, worauf wir blickten. Der Priester öffnete die Schubladen. Von der Feuchtigkeit zusammengebacken lag da die Altarwäsche und die Alben, ein schimmelbedecktes zerfallendes Meßbuch kam zum Vorschein. Meine Eltern hatten mir gerade ein altes Meßbuch geschenkt, ich wollte gern eines aus der Zeit des Heiligen Römischen Reiches haben, es war von 1805, also gerade noch richtig, in Regensburg herausgegeben, und dies hier war dieselbe Ausgabe, mit denselben blassen naiven Kupferstichen. Die Verwahrlosung der Kapelle hatte keinen Charme, dies war kein Pompeji, sondern ein Müllhaufen, der noch nicht Kompost geworden ist. Üble Gerüche hingen in der Luft, dies war ein toter Ort“ (Martin Mosebach, Häresie der Formlosigkeit, Carl Hanser Verlag München 2007, S. 53f).

Diese Beschreibung ist ein lebendiges Bild dafür, was passiert, wenn das hl. Opfer auf den Altären nicht mehr dargebracht wird. Die Gnadenwelt vermodert gleichsam, die übernatürliche Welt der Erlösung stirbt – „dies war ein toter Ort“.

Martin Mosebach beschreibt sodann ebenso anschaulich, ja wortmalerisch, wie dieses Kapellchen notdürftig zur Feier der hl. Messe hergerichtet und durch die Darbringung des hl. Meßopfers wieder zum Leben erweckt wird. Doch wollen wir diesen Bericht übergehen und uns ein wenig später wieder in den Gedankengang des Autors einklinken. Da heißt es: „Das Grab von Jerusalem ist das Bild der alten Liturgie. Sie hatte den Auferstandenen im Blick und wandte sich deshalb nach Osten. Die aufgehende Sonne war für sie Zeichen der Welterschaffung, der Auferstehung und der Wiederkunft Christi. In ihrer Erwartung beteten Priester und Gemeinde in derselben Richtung. Nach der Liturgiereform hat sich der Priester umgedreht, sieht die Gemeinde an, während er vorgibt, mit Gott zu reden. Das Modell der neuen Liturgie ist der Vorstandstisch bei einer Partei- oder Vereinsversammlung mit Mikrophon und Papieren, links steht eine Ikebana-Schale mit alter Wurzel und bizarrer orangefarbener exotischer Pflanze, rechts befinden sich zwei Fernsehkerzen in hand-getöpfertem Leuchter. Würdig und gesammelt blicken die Vorstandsmitglieder ins Publikum, wie die Kleriker während einer Konzelebration. Eine solche Vereinssitzung mit demokratischer Geschäftsordnung ist der Phänotyp der neuen Liturgie, und das ist auch nur konsequent, denn wer das überzeitliche Mysterium nicht will, der wird unvermeidlich in der politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit landen. Einen dritten Weg gibt es nicht“ (Ebd. S. 85f).

Wahrlich eine meisterhafte phänomenologische Beschreibung der postkonziliaren Pseudoliturgie! Es ist jedoch für einen Katholiken meist notwendig, hinter die Phänomene zu schauen, denn die eigentliche Welt der Gnade ist eine verborgene Wirklichkeit. Von hier aus gesehen, von der Wirklichkeit der Gnadenwelt aus, greift die Analyse von Martin Mosebach ein wenig zu kurz. In der Welt der Gnade stimmt es zwar ebenfalls, daß es einen dritten Weg nicht gibt, aber die Alternative schaut um Vieles grauenvoller aus: Denn „wer das überzeitliche Mysterium nicht will“, wer die Gnade zurückweist und den göttlichen Ritus zerstört, der landet nicht bloß in einer „politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit“, sondern er landet ganz im wörtlichen Sinne in „Teufels Küche“. Wer könnte auch angesichts der ungenierten öffentlichen Umtriebe Bergoglios noch vernünftigerweise leugnen, daß die postmoderne Konzilssekte einen Strom gefälschter Bildung, falscher Öffentlicher Meinung, falscher Wissenschaft, falscher Grundsätze, falscher Ideen, falscher Wünsche, falschen Gewissens und falscher Sitte hervorgebracht hat? Wer könnte leugnen, daß diese dem Gott dieser Welt die allerbesten Dienste leistet und maßgeblich dazu beigetragen hat, daß die Mehrheit der Katholiken ihren übernatürlichen Glauben verloren und einen Menschenmachwerksglauben angenommen hat, weshalb Millionen von ihnen eine leichte Beute von Sekten aller Art geworden sind? Ebenso ungeniert,wie gegenwärtig Bergoglio alle Reste christlicher Werte zerstört, hat darum auch das „Time“-Magazin am 24. Juli 2013 und gleich noch einmal am 23. Dezember 2013 auf seiner Titelseite das Portraitphoto von Bergoglio genau so positioniert, daß dieser jeweils durch den bis auf die beiden Spitzen verdeckten Buchstaben „M“ von „TIME“ gewissermaßen mit Teufelshörnern abgebildet wurde. Einmal war der „Dämon“ Bergoglio „Der Volkspapst“, einmal der „Mann des Jahres“. Die liberale Presse weiß also sehr wohl, die Taten Bergoglios recht zu deuten, ganz im Gegensatz zu den meisten sog. Traditionalisten und Konservativen aus der Konzilssekte.

Ja, die Dämonen sind zurückgekehrt, das Neuheidentum hat das christliche Abendland zurückerobert. Was heißt das aber für den heiligen Rest, der noch übrig ist? Wie kann sich ein Katholik in dieser neuheidnischen Umwelt behaupten? Wie seine Seele vor den unzähligen schädlichen Einflüssen bewahren, die ihn ständig in den höllischen Abgrund zu ziehen drohen? Wie kann er den fehlenden öffentlichen Halt durch die Gesellschaft und Kirche ausgleichen?

Je intensiver und ernster man sich mit diesen Fragen beschäftigt, desto klarer wird die Antwort: Entscheidend ist der Wandel in der Gegenwart Gottes!Das ganze Gnadenleben ist in dieser einen Übung konzentriert. Selbst die durch die hl. Sakramente vermittelten Gnaden sollen uns letztlich immer mehr dazu verhelfen, vollkommen gefestigt in der Gegenwart Gottes zu leben. Wir müssen darum in die Schule der Heiligen gehen, denn im Grunde war das das Geheimnis aller Heiligen: sie lebten beständig in der Gegenwart Gottes. Schon in einem vorigen Beitrag haben wir über die „Ewigkeit im Augenblick“ gesprochen. Wir wollen diesen Gedanken, weil er so außerordentlich wichtig ist,noch einmal aufgreifen, um ihn weiter zu vertiefen.

Wandel in der Gegenwart Gottes

Zwei Glaubenswahrheiten tragen die Übung des Wandels in der Gegenwart Gottes. Diese ist nämlich nur dann sinnvoll und wirklichkeitsentsprechend, wenn erstens Gott überall gegenwärtig ist und zweitens Gott Augenblick für Augenblick sich um mich sorgt. Wir müssen keine weite Reise machen, um Gott finden und IHM begegnen zu können. Gott ist überall, und ER ist nochmals ganz besonders in der Seele desjenigen, der in der heiligmachenden Gnade lebt. Gott ist außerdem nicht gleichgültig gegenüber Seinem Geschöpf. ER begleitet es vielmehr das ganze Leben hindurch in väterlicher Sorge, um es sicher zum ewigen Ziel zu führen – sofern es sich führen läßt, denn Gott respektiert jederzeit die Freiheit Seines Geschöpfes.

Der große Exerzitienmeister P. Considine S.J. erklärt seinen Schülern, worauf es ankommt:

„Mein Los ist in Deinen Händen.“ Nehmen wir an, Gott würde uns, die wir den Wert unserer Seele erkennen, die Wahl der Mittel überlassen, durch welche wir deren Heil wirken sollen. Er würde uns Reichtum und Armut, Gesundheit und Krankheit, Erfolg und Mißerfolg, ein langes und ein kurzes Leben vorlegen; und wir sollten das nehmen, was uns das beste schiene. Würden wir dann zufrieden sein? Würden wir nicht, wenn wir weise wären, sagen: „Lieber Gott, erspare mir solche Entscheidung! Ich soll wählen? Ich weiß, daß ich nicht das wählen werde, was das beste für mich ist, sondern das, was mir am meisten zusagt.“
Nehmen wir weiter an, daß Gott einer Reihe von Seelen diese Entscheidung nicht überließe, entweder weil sie zu schwach wären, oder weil Gott aus Besorgtheit, sie zu retten, die Wahl der Mittel andern anvertraute, die sie mehr liebten, als jene sich selbst lieben, und die auch mit mehr Weisheit wählten: ihrem Schutzengel oder ihrem Namenspatron oder Maria, dem „Sitz der Weisheit“ selbst. Oder nehmen wir an, wir wären selbst so ausgezeichnet und begnadet wie diese. Würden wir wählen wollen? Würden wir nicht vielmehr sagen: „Mein Gott, verzeih meine Verlegenheit! Ich weiß, daß mein Schutzengel, meine heiligen Patrone und namentlich meine himmlische Mutter Maria mich zärtlich lieben und ihr Bestes für mich tun würden. Aber ihre Weisheit ist doch endlich, begrenzt. Sie könnten einen Mißgriff tun, und dieser Mißgriff könnte für mich den Verlust von allem bedeuten. Das kann ich nicht riskieren. Ich habe nur eine einzige Seele. Diese muß ganz sicher gerettet werden. Ich darf sie nicht in meinen Händen halten, ich darf sie aber auch selbst den höchsten, heiligsten und weisesten Wesen um Deinen Thron nicht anvertrauen.“
Nehmen wir einen dritten Fall an: Gott würde sagen: „Die Rettung einiger weniger Seelen ist mir so teuer, daß ich die Wahl der Mittel keinem anvertrauen will. Ich will selber alles planen und ordnen. Nichts soll ihnen begegnen, was nicht meine unendliche Weisheit und Güte von aller Ewigkeit her vorausgesehen und vorbereitet hat. Gar nichts soll sie auf ihrem Wege treffen, weder Freud noch Leid, ja kein Haar soll ihnen vom Kopfe fallen ohne mein Wissen und ohne meine Erlaubnis.“ Würden wir nicht ausrufen: „O mein Gott, ich wage kühn Dich zu bitten, doch eine von diesen wenigen glücklichen, auserwählten Seelen sein zu dürfen; denn diese werden sicher gerettet werden!“
Daraufhin aber würde Gott uns durch die Warnung abschrecken wollen: „Diese Seelen werden im Leben nicht ihren eigenen Weg gehen dürfen. Ihre Lebensbahn wird hart und rauh sein. Sie werden sehen müssen, wie andern alles vonstatten geht, während ihnen alles mißglückt. Sie werden von ihrer nächsten Umgebung hart behandelt, falsch beurteilt, beiseite geschoben, ungerecht gerichtet werden, und das Leben der meisten wird ein mühseliges Werk sein.“ — Werde ich dann zurückweichen oder nicht vielmehr ausrufen: „Einerlei! Warum mich sorgen, wenn Deine Hand mich führt beim Aufwärtssteigen? Deine Hand sendet Kreuz, Mißgeschick, Schmerz.Von Dir, mein Gott, schreckt es mich nicht. Laß mich nur eine von jenen Seelen sein, deren Los gänzlich in Deinen Händen liegt, und ich werde nichts fürchten. Ich will sogar dankbar sein für alles, was mich trifft. Ich will Deine Hand küssen, selbst wenn Du mich schlägst. Friedvoll und glücklich werde ich sein in dem steten Gedanken, daß die Weisheit Gottes alles für mich anordnet, und daß die Liebe meines himmlischen Vaters mir in allem hilfreich zur Seite steht. Laß mich zu Deinen Erwählten gehören, und Du wirst sehen, wie ich diesen Vorzug würdigen und alles schätzen werde, was Du mir schickst.“
„Nehmen wir an“ — so sagte ich oben. Aber es ist ja nicht bloß eine Annahme. Ich bin in der glücklichen Lage, daß mein Leben bis in die kleinsten Einzelheiten von Gott geordnet und umsorgt ist. Wie sollte ich mich beklagen, mein Gott? Warum sollte ich mißtrauisch oder auch nur im geringsten ängstlich sein? „Mein Los ist in Deinen Händen.“
(P. Considine, Gott liebt uns, Verlag Ars Sacra Joseph Müller, München 1962, S. 85ff)

Niemand kann besser für uns sorgen als der allweise und allmächtige Gott. Das sagt uns unser hl. Glaube. Dabei ist dies keine bloße, trockene Theorie, sondern konkret erfahrbare Wirklichkeit. Wie aber kommt man dazu, immer öfter, immer lebendiger, immer wirklichkeitsgemäßer daran zu denken, daß Gott immer bei mir ist? Wie lernt man diese Wahrheit so zu fassen, daß sie einem Augenblick für Augenblick trägt und innerlich erfreut?

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