Bergoglios Crash-Tests

Bergoglio wechselt in seiner Darlegung der kirchlichen Unfehlbarkeit einfach die Perspektive, indem er auf die „Gesamtheit der Gläubigen“ sein Augenmerk richtet und diese Gesamtheit der Gläubigen in den Mittelpunkt seiner folgenden Erwägungen stellt. Von dieser Gesamtheit der Gläubigen sagt er nun, daß diese im Glauben nicht irren kann. Und der Grund für diese Irrtumslosigkeit ist der „übernatürliche Glaubenssinn des ganzen Volkes“. Wenn also das Volk sich, „von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien‘ in allgemeiner Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten äußert“, dann ist das Volk „‚in credendo‘ unfehlbar“. So die zusammenfassende Darlegung und Interpretation der Texte des 2. Vatikanums aus der „Konzilskonstitution“ Lumen Gentium (LG Nr. 10 bzw. Nr. 12.) durch Bergoglio.

Wenn das kein genialer Crash-Test war! Der „Papst“ der neurömischen „Kirche“ sagt seinen durchaus nicht mehr erstaunten Anhängern, daß nicht er, ihr „Papst“, unfehlbar sei, sondern sie, das Volk. Also die durch statistische Erfassung aufzudeckende Mehrheitsmeinung des Kirchenvolks ist das unfehlbare Fundament des Glaubens seiner Kirche. Weil es nämlich einen „übernatürlichen Glaubenssinn des ganzen Volkes“ gibt, womit dieses die göttliche Wahrheit erspürt. Oder haben wir Bergoglio vielleicht falsch verstanden?

Lassen wir ihn seine Ansicht noch etwas ausführlicher erklären: „In dem Apostolischen Schreiben ‚Evangelii gaudium‘ habe ich hervorgehoben: ‚Das Volk Gottes ist heilig in Entsprechung zu dieser Salbung, die es ,in credendo‘ unfehlbar macht‘ und hinzugefügt: ‚Jeder Getaufte ist, unabhängig von seiner Funktion in der Kirche und dem Bildungsniveau seines Glaubens, aktiver Träger der Evangelisierung, und es wäre unangemessen, an einen Evangelisierungsplan zu denken, der von qualifizierten Mitarbeitern umgesetzt würde, wobei der Rest des gläubigen Volkes nur Empfänger ihres Handelns wäre‘. Der Sensus fidei (der Glaubenssinn!) verbietet die strenge Unterteilung in ‚Ecclesia docens‘ und ‚Ecclesia discens‘, da auch die Herde einen eigenen ‚Spürsinn‘ hat, um die neuen Wege zu erkennen, die der Herr der Kirche offenbart.“

Das ist nun wirklich reinster Modernismus, Modernismus pur! Nach Bergoglio gibt es keine Unterteilung in ‚Ecclesia docens‘ und ‚Ecclesia discens‘ mehr, also eine Unterscheidung zwischen der lehrenden Kirche (= unfehlbares Lehramt) und der hörenden Kirche (= das gläubige Volk), sondern beides zusammen ist die hörende Kirche. Denn auch die Herde hat einen ihr eigenen unfehlbaren Spürsinn im Glauben, weshalb die Hirten auf sie hören müssen.

Wie aber ist es mit diesem Spürsinn heutzutage tatsächlich bestellt? Alle wirklich gläubigen Katholiken müßten bei diesen Worten aufspringen und laut protestierend einwenden: So ein Unsinn! Hat denn nicht unser Herr Jesus Christus zu den Aposteln gesprochen: „Wer euch hört, der hört mich?“ Dementsprechend fragt der hl. Pius X. in seinem Katechismus: „Sind wir verpflichtet, die lehrende Kirche zu hören?“ Und antwortet darauf: „Ja, ohne Zweifel sind wir unter der Sünde der ewigen Verdammnis verpflichtet, die lehrende Kirche zu hören, weil Jesus Christus zu den Hirten der Kirche in der Person der Apostel sagte: ‚Wer euch hört, der hört mich, wer euch verachtet, der verachtet mich‘ (Luk. 10,16).“

Soweit wir wissen, ist bei der Ansprache Bergogios niemand laut protestierend aufgestanden oder demonstrativ hinausgegangen – er hat den Wagen wieder einmal gekonnt an die Wand gefahren und alle Insassen waren tot, denn alle sind „unter der Sünde der ewigen Verdammnis verpflichtet, die lehrende Kirche zu hören“, die es nach Bergoglio gar nicht (mehr) gibt. Dabei gibt sich Bergoglio jegliche Mühe, den Crash-Test wirklich tödlich enden zu lassen: „Am Vorabend der Synode des vergangenen Jahres habe ich gesagt: ‚Vom Heiligen Geist erbitten wir für die Synodenväter vor allem die Gabe des Hörens: des Hörens auf Gott, so dass wir mit Ihm den Schrei des Volkes hören; des Hörens auf das Volk, sodass wir dort den Willen wahrnehmen, zu dem Gott uns ruft‘.“

Also nochmals mit Betonung: Die „Kirche“ Bergoglios ist eine allseits hörende Kirche, jeder hört auf jeden, und der „Papst“ hört auf alle: „Jesus hat die Kirche eingesetzt und an ihre Spitze das Apostelkolleg gestellt, in dem der Apostel Petrus der ‚Felsen‘ (Mt 16,18) ist, derjenige, der die Brüder im Glauben ’stärken‘ soll (vgl. Lk 22, 32). Doch in dieser Kirche findet sich die Spitze wie bei einer auf den Kopf gestellten Pyramide unter der Basis. Daher heißen diejenigen, die die Autorität ausüben, ‚Diener‘: denn nach der ursprünglichen Bedeutung des Wortes sind sie die kleinsten unter allen. Dadurch, dass er dem Volk Gottes dient, wird jeder Bischof für den ihm anvertrauten Teil der Herde ‚vicarius Christi‘, Stellvertreter jenes Jesus, der sich beim Letzten Abendmahl herabgebeugt hat, um den Aposteln die Füße zu waschen (vgl. Joh 13, 1–15). Und in einem ähnlichen Horizont ist der Nachfolger Petri nichts anderes als der ’servus servorum Dei‘, der ‚Diener der Diener Gottes‘.“

Das ist somit die Kirchenvision Bergoglios: „Doch in dieser Kirche findet sich die Spitze wie bei einer auf den Kopf gestellten Pyramide unter der Basis.“ Er stellt einfach die ganze, von Gott selbst eingesetzte und gewollte Hierarchie der Kirche auf den Kopf! Verkehrter kann man gar nicht mehr von der Kirche Jesu Christi denken und widersinniger kann man die hierarchische Kirche gar nicht mehr interpretieren. Was ist nun die Reaktion der Neukatholiken auf diesen bergoglioschen Widersinn? Großteils gar keine, von konservativer Seite höchstens noch zaghafte, unsichere oder unsinnige Ausflüchte, wie gesagt: Crash-Test, und tot sind sie, die Katholiken! Das Gemeine dabei ist aber, daß man das gar nicht sieht, denn die Gnade ist ja leider unsichtbar und Dummheit tut bekanntlich nicht weh.

Test Nummer 4: Leeramt durch Videobotschaften

Eines muß man Bergoglio lassen, es fehlt ihm so schnell nicht an neuen Ideen. Bergoglio hat diesen Unsinn der Hörenden Kirche in seinen Videobotschaften institutionalisiert. Er zeigt mit diesen der Weltöffentlichkeit, daß er auf das Volk hört und die Sehnsüchte des Volkes Gottes, ja sogar aller Völker dieser Erde wiedergibt – oder projiziert er womöglich einfach nur seine Sehnsüchte ins Volk hinein? Wenn man ehrlich ist, ist beides gar nicht so leicht voneinander zu unterscheiden und letzteres viel wahrscheinlicher als ersteres.

In seiner ersten Videobotschaft über die „Gebetsmeinung des Papstes“ griff Bergoglio die große Sehnsucht seines Vorgängers Karol Wojtyla alias Johannes Paul II. auf, den interreligiösen Dialog. Er wußte natürlich im voraus, der Crash-Test Karol Wojtylas hatte schon damals, also vor nunmehr 30 Jahren, ganze Arbeit geleistet. Dessen interkonfessionelles Gebetstreffen in Assisi zerstörte im pilgernden Gottesvolk der Menschenmachwerkskirche jegliche Unterscheidungsfähigkeit, wenn es um Religionen geht. Seither sind im Bewußtsein der Anhänger der Konzilssekte alle Religionen gleich – und alle Menschen sind ausnahmslos Kinder Gottes. Bergoglio gelingt es in seinem Video, diese Irrlehre in 1 Minute und 31 Sekunden überzeugend an den Mann, bzw. an die Frau zu bringen.

Der Zuschauer weiß nach dieser kurzen Zeit: Alle Religionen sind gleich, denn alle glauben an denselben Gott; alle sind Kinder Gottes und werden von Gott geliebt; so werden schließlich alle durch ihre Liebe zu Gott vereint. Wer so denkt, wie es die Videobotschaft Bergoglios suggeriert, der hat seinen übernatürlichen Glauben verloren, weil es dann keine Offenbarungsreligion mehr gibt; und wenn es keine Offenbarungsreligion mehr gibt, gibt es auch keine übernatürlichen Gnadenmittel mehr, denn es gibt und braucht dann gar keine übernatürliche Gnade mehr, um zu Gott und in den Himmel zu kommen. Vielmehr sind alle Religionen legitime Heilswege, Heilswege, die in den Himmel führen, wenn es einen solchen geben sollte.

Hierzu eine wahre Begebenheit, welche die verheerenden Folgen des sog. Geistes von Assisi anschaulich macht: Eine praktizierende katholische Frau im Alter von etwa 75 Jahren wurde schwer krank und mußte operiert werden. Da es nach der Operation Komplikationen gab, sagte ihre etwa gleichaltrige Freundin, ebenfalls eine praktizierende Katholikin: Ihre Enkelin würde nach Thailand fahren, ob sie diese nicht bitten soll, daß sie vor Buddha eine Kerze anzündet, damit sie wieder gesund wird.

Wir sehen hiermit wiederum deutlich: Der Crash-Test war erfolgreich, der wahre, übernatürliche Glaube ist vollkommen ruiniert. Nur wenn man diese Tatsache erkannt hat, ist man auch fähig, das ganze Ausmaß der Zerstörung zu erfassen.

Test Nummer 5: Familiensynode im Vatikan

Damit das Ausmaß dieser Zerstörung, nämlich der Verlust des übernatürlichen Glaubens, noch einsichtiger wird, wollen wir einige Kommentare zur sog. Familiensynode der Konzilssekte anfügen, in denen das neue Verständnis von Kirche und Lehramt zutage tritt.

Zu Beginn ein Kommentar aus dem Onlineportal der FAZ, faz.net:

Familiensynode im Vatikan
Die bleierne Zeit ist zu Ende
Trotz großer Widerstände ist Papst Franziskus nach der Bischofssynode zu Ehe und Familie einen großen Schritt weiter: Den status quo ante wird es nicht mehr geben. Ein Kommentar.
19.10.2014, von Daniel Deckers:

Wenn einer Zusammenkunft im Vatikan seit den Tagen des II. Vatikanischen Konzils die Auszeichnung „außerordentlich“ gebührt, dann jener Bischofssynode, die am Sonntag zu Ende gegangen ist. Außerordentlich war sie vor allem, weil das gläubige Volk nicht länger als Gegenstand klerikaler Deutungshoheit diente, sondern als Subjekt der Aneignung oder auch Ablehnung lehramtlicher Weisungen ernst genommen wurde.
Denn die Kluft zwischen Lehre der Kirche und den Auffassungen der Katholiken über Ehe, Familie und Sexualität dürfte kaum jemals so groß geworden, aber auch so disparat gewesen sein. Außerordentlich war es aber auch, dass Papst Franziskus zu diesem Thema, der „Herausforderung der Familie“, gleich zwei Zusammenkünfte der Bischofssynode anberaumte: eine „außerordentliche“ für diesen Oktober und eine „ordentliche“ mit Entscheidungskompetenz für den Oktober kommenden Jahres. Keine Entscheidung ohne Beratung, keine Beratung ohne Debatte, keine Debatte ohne Diagnose.

Stil des Papstes ist manchem Kurienkardinal ein Greuel
Ganz und gar nicht außerordentlich aber war, dass wieder einmal jene Kurienkardinäle in den vergangenen Tagen die Fäden zogen, denen der allem Klerikalismus abholde Stil des Papstes ein Greuel ist. Sie wollten Franziskus mit einigen angeblich in Stein gemeißelten Aussagen aus dem Arsenal der Kirchendisziplin den Weg versperren. Die Tonlage des Abschlussberichts der Synode ist deshalb schon weit weniger emphatisch als der Zwischenbericht. Vor allem belegen die – ebenfalls außerordentlich – veröffentlichten Voten über die einzelnen Abschnitte des Synodenberichts, dass eine qualifizierte Minderheit jedem Versuch hartnäckig Widerstand leistet, der Logik der Exklusion eine Haltung der Wertschätzung und der Anerkennung entgegenzusetzen, ohne dabei die eigenen Ideale zu verraten.
Allen Verhinderungsbestrebungen zum Trotz lässt der Synodenbericht aber manches offen, was nach fundamentalistischer Lesart nicht offen sein kann – und das als Ergebnis der Beratungen einer Generation von Geistlichen, die fast ohne Ausnahme in der Ära der Päpste Johannes Paul II und Benedikt XVI in hohe und höchste Ämter kamen. Damals aber war es unabdingbar, dass ein Bischof dem päpstlichen Lehramt bis in Schlafzimmer-Details wie dem Verbot jeder Form künstlicher Empfängnisverhütung bedingungslos gehorsam war. Dasselbe galt für jeden angehenden Theologieprofessor, ob Geistlicher oder Laie.

Völlig neues Romgefühl
Wenn diese bleierne Zeit mittlerweile zu Ende ist, dann ist das niemand anderem zu verdanken als Franziskus. Der erste Papst aus dem Jesuitenorden ist der Urheber jenes völlig neuen Romgefühls namens „Freimut“ (parrhesia – ein theologischer Schlüsselbegriff des Papstes). Erstmals stellte es sich im vergangenen Februar ein, freilich nur unter den Kardinälen. Damals erörterten sie erstmals in Anwesenheit eines Papstes das Für und Wider einzelner Aspekte der katholischen Sexualmoral und der Sakramentenlehre.
Jetzt werden auch die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen weltweit von diesem Romgefühl berichten können – die einen außerordentlich ängstlich und verunsichert, die anderen ordentlich in der Ahnung bestärkt, dass die Kirche nichts zu verlieren hat, wenn sie „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art“ endlich Raum gibt. So wollte es vor fast fünfzig Jahren das II. Vatikanische Konzil. Dessen Verwirklichung hat erst begonnen. (Kursive sind von uns)

Es war natürlich nicht zufällig, daß Bergoglio während der Familiensynode seine Rede über die neue Art der Unfehlbarkeit des pilgernden Gottesvolkes hielt, denn die Familiensynode sollte diese neue Sicht gleich in die Tat umsetzen. Der Kommentator der FAZ erkennt durchaus diese Neuorientierung der Synode durch Bergoglio an: „Außerordentlich war sie vor allem, weil das gläubige Volk nicht länger als Gegenstand klerikaler Deutungshoheit diente, sondern als Subjekt der Aneignung oder auch Ablehnung lehramtlicher Weisungen ernst genommen wurde.“