Luther und die Heiligkeit

von antimodernist2014

Paradise Lost – Das verlorene Paradies

Der moderne Mensch möchte jede Anstrengung soweit möglich vermeiden. Durch die Hilfe der Maschinen und der Technik hofft er, sich das verlorene Paradies zurückerobern zu können und dem Fluch, den Gott nach dem Sündenfall über ihn verhängt hat, zu entkommen: „Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört hast und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir geboten habe: Du darfst nicht von ihm essen!: soll um deinetwillen der Ackerboden verflucht sein. Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren alle Tage deines Lebens! Dornen und Disteln wird er dir tragen, und doch mußt du das Gewächs des Feldes essen. Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zur Erde zurückkehrst, von der du genommen bist. Denn Staub bist du, und zum Staub kehrst du zurück“ (Gen. 3,17ff).

Aber nicht nur dies, er möchte nun auch noch jeglicher sittlichen Anstrengung entkommen, was aber unmöglich ist. Denn diese Folgen der Erbsünde können nicht aufgehoben werden – außer durch Hilfe der Gnade, welche aber immer auch den beharrlichen Einsatz des Menschen fordert. Das wollen aber die Modernisten nicht mehr wahr haben, wie ebenfalls August Doerner zeigt:

„Die moderne Aszese bzw. der modernistische Zug der aszetischen Neuerer will mit der traditionellen Aszese brechen, will das Ziel der Aszese (Liebe Gottes) ohne die Mittel der Aszese (Selbstverleugnung). Man müsse auch im geistlichen Leben die alten Pfade verlassen und neue, selbständige und selbstgewählte Wege gehen. Sie will unter allen Umständen Neues und Modernes bieten. Das charakteristische Merkmal bzw. das spezifisch ‚Neue‘ dieser aszetischen Richtung besteht letzten Endes in einer Hinneigung zum Quietismus. Die eigne Tätigkeit soll auf ein Mindestmaß beschränkt werden. Demzufolge erstrebt man unter nichtigen Vorwänden die Abschaffung der bisherigen Formen und religiösen Übungen in der Aszese, die die Kirche seit Jahrhunderten für die Pflege des geistlichen Lebens und für das Streben nach der christlichen Vollkommenheit empfohlen und vorgeschrieben hat.
So wollen die modernen Aszeten nichts mehr wissen von der Übung des Partikularexamens (Gewissenserforschung über einen bestimmten Fehler). Einen besonderen Fehler durch diese ständige und beharrliche Übung zu bekämpfen, eine besondere Tugend durch das Partikularexamen in zielbewußter und konsequenter Arbeit zu üben und zu erwerben, verwerfen sie als kleinlich und lächerlich. Den Rosenkranz lehnen sie als ‚unliturgisch‘ ab; den Kreuzweg lehnen sie als einen ‚Torso‘ ab, weil ihm die Auferstehung fehle (wer denkt da nicht sofort an die modernen Kreuzwege mit der 15. Station: Der von den Toten auferstanden ist!). Die methodische Betrachtung sei veraltet und zu kompliziert für das geistliche Leben. Ja sogar die ernste Selbstprüfung in der Gewissenserforschung und die öftere Andachtsbeichte wird von dieser neuen Richtung in der Aszese theoretisch und praktisch vielfach abgelehnt (auch hierin zeigte sich schon die Abneigung der Modernisten gegen die hl. Beichte). Daß man nicht zuletzt auch das Fasten- und Abstinenzgebot als für die nordischen Länder zu strenge und die Erfüllung desselben in unserer ‚nervenschwachen und magenkranken Zeit‘ als unmöglich hinstellt, liegt auf der Hand“ (S. 149f).

Das „freie Christentum“

Hier kommt schon das freie Christentum zum Vorschein mit seiner freien Gottesverehrung, seiner freien Moral usw. Die Ursache für diese verkehrten Ansichten ist die Verkennung der menschlichen Natur und ihrer Erbsündlichkeit. Die Modernisten können die erbsündlichen Folgen nicht mehr ernst nehmen, weil sie letztlich nicht mehr an die Erbsünde glauben. Darum wird die Notwendigkeit des eigenen persönlichen Einsatzes nicht mehr gesehen und ein eher schon magisch zu nennendes Vertrauen auf die Wirksamkeit der Sakramente vorgeschoben. So ist das modernistische Geistesleben ohne jeglichen sittlichen Ernst und damit ohne Wirkung. Auf dieser Basis kann es natürlich keine Heiligen mehr geben. Dieses religiöse Leben reicht höchstens noch dazu hin, einen modernen Gutmenschen hervorzubringen.

P. Mesch1er S.J. hat diese moderne Richtung der Aszese in seinem Buch, „Zum Charakterbild Jesu“, mit den trefflichen Worten charakterisiert: „Ganz bedauerlich und mitleidswürdig, aber doch ganz im Geiste unserer Zeit ist eine gewisse entnervte Aszese. Unsere nervenschwache Zeit nämlich will die starken, aber gedeihlichen Mittel der alten Aszese nicht mehr vertragen. Kräftige Betrachtungen über die Todsünde, über den Tod und die Hölle, feste, klare Grundsätze und nennenswerte Proben in der Armut und Demut sind zu starke Zumutungen. Alles muß leicht, angenehm, spielend und von selbst gehen. Nicht Mittel, sondern Mittelchen, nicht Kuren, sondern Beruhigungsmittel will man; kleine, süße Andachten und anderer geistlicher Firlefanz sollen es tun. Es ist in der geistlichen Mode vielfach wie in der heutigen Kleidermode viel Schein und wenig Sein. Wir müssen durchaus, wie in der kirchlichen Wissenschaft und in der kirchlichen Kunst, so auch in der Aszese zu den Alten zurückkehren, wenn etwas Gedeihliches gefördert werden soll.“

Damit stimmt überein, was Stockums in „Priestertum und Aszese“ schreibt: „Es ist nicht ohne Grund zu befürchten, daß sich hinter dieser Richtung zuletzt eine gewisse Scheu vor ernster und herber religiöser Kost und eine gewisse Angst vor Bußen und Selbstverleugnung verbirgt… Man scheut, mit einem Wort, den Angriff gegen die eigene Natur, man hat nicht den Mut und die Kraft, sich selber auch einmal wehe zu tun.“

Es fällt dem modernen Menschen unglaublich schwer, Gott ernst zu nehmen, weil er selber keinen sittlichen Ernst mehr erlernt hat. Wenn schon die Kinder fast immer nur das machen müssen und dürfen, was ihnen beliebt, wie sollten sie dann noch einsehen, daß dies im religiösen Leben nicht auch so ist? Wie sollten sie fähig werden, die sittliche Forderung des hl. Evangeliums zu erfüllen, von der unser göttlicher Lehrmeister unmißverständlich sagt: „Tretet ein durch die enge Pforte! Denn weit ist die Pforte und breit ist der Weg, der ins Verderben führt, und viele gehen auf ihm. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und nur wenige finden ihn“ (Mt 7,13f).

Von den Aposteln angefangen über allen Heiligen war es ein immer bewahrtes Wissen in der Kirche Jesu Christi: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, er nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Lk. 9,23). Der Weg zum Himmel ist zuweilen steil und schwierig und oft voller Gefahren, warum es heißt: „Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet“ (Mt. 26,41). In allem aber sollen wir auf unseren göttlichen Herrn schauen, der uns einlädt: „Nehmet mein Joch auf euch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen“ (Mt. 11,29).

Die wahre Frömmigkeit

Ganz von diesem Geist des hl. Evangeliums waren die wahren Päpste der hl. Kirche erfüllt, wenn sie zu den Gläubigen und besonders den Bischöfen und Priestern gesprochen haben. Diese sollen schließlich das Vorbild sein für ihre Herde. Der hl. Pius X. sagt in seiner „Ermahnung an den katholischen Klerus“: „Möchten diese Tugenden (Sanftmut, Demut, Gehorsam, Abtötung) auch in der Gegenwart von viel mehr Christen so gepflegt werden, wie sie die Heiligen der vergangenen Jahrhunderte geübt haben. Diese sind gerade durch herzliche Demut, durch Gehorsam und Enthaltsamkeit Männer geworden, mächtig in Tat und Wort (Lk. 24, 19), zum größten Nutzen nicht nur der Religion, sondern auch der staatlichen und bürgerlichen Gesellschaft. Man beachte, daß der kluge Papst (Leo XIII.) mit vollem Recht besonders auf die Enthaltsamkeit aufmerksam gemacht hat, die wir mit einem dem Evangelium entlehnten Ausdruck gewöhnlich „Selbstverleugnung“ nennen. Gerade in diesem Punkt, geliebte Söhne, liegt die ganze Kraft und Wirksamkeit der priesterlichen Arbeit. Aus der Vernachlässigung der Selbstverleugnung aber kommt schließlich all das, was das Volk am Priester stößt und ärgert.“

Genauso wie Pius X. fordert auch Papst Pius XI. zu derselben strengen Aszese auf. Auch er verlangt Losschälung von irdischen Gütern, strengen Gehorsam und strenge Disziplin, eine gediegene Frömmigkeit, die gegen die Versuchungen stark macht; er lehnt ausdrücklich die leichte und oberflächliche Frömmigkeit der modernen Aszese ab: „Die Frömmigkeit jedoch, ehrwürdige Brüder, von der wir hier sprechen, ist nicht jene leichtfertige und oberflächliche Frömmigkeit, die gefällt, aber nicht stark macht, die angenehme Gefühle weckt, aber nicht heiligt; wir meinen jene gediegene Frömmigkeit, die nicht den unbeständigen Schwankungen des Gefühls unterworfen ist, sondern sich stützt auf die Grundsätze ganz sicherer Doktrin; die Frömmigkeit, die somit entstanden ist aus festen Überzeugungen heraus, die auch den Angriffen und Schmeicheleien der Versuchung Widerstand leistet.“

Darum geht es in diesen gefährlichen papstlosen Zeiten ganz besonders, wir brauchen „jene gediegene Frömmigkeit, die nicht den unbeständigen Schwankungen des Gefühls unterworfen ist, sondern sich stützt auf die Grundsätze ganz sicherer Doktrin; die Frömmigkeit, die somit entstanden ist aus festen Überzeugungen heraus, die auch den Angriffen und Schmeicheleien der Versuchung Widerstand leistet.“ Die wahre Frömmigkeit setzt die Grundsätze einer sicheren Lehre voraus. Nur wenn der Glaube im Herzen gefestigt ist, ist auch das Glaubensleben gegen die Angriffe und Schmeicheleien der Versuchung gesichert.

Die 11 guten Vorsätze des heiligen Bruder Konrad

Abschließend wollen wir die 11 guten Vorsätze des hl. Bruder Konrad anführen, in denen wohl am greifbarsten zum Ausdruck kommt, was christliche Askese letztlich meint:

„Vorsätze, gefaßt mit Überlegung und voll Vertrauen auf den Beistand Jesu und Marias, es zu vollziehen:
1. Will ich es mir recht angewöhnen, mich allezeit in die Gegenwart Gottes zu stellen und mich öfters zu fragen, würde ich dieses oder jenes tun, wenn mich mein Beichtvater oder mein Oberer sähe, um wieviel mehr in der Gegenwart Gottes und meines Schutzengels.
2. Will ich mich recht oft fragen, wenn Kreuz und Leid kommen, Konrad, wozu bist du da?
3. Will ich das Ausgehen aus dem Kloster meiden, soviel ich kann, wenn nicht die Liebe des Nächsten oder der Gehorsam oder Gesundheit wegen oder auf Wallfahrten oder so in guter Absicht.
4. Will ich mich recht bestreben, die Bruderliebe in mir und in anderen zu bewahren. Da will ich mich recht hüten, daß ich nie ein Wort rede, das wider die Liebe wäre. Die Fehler, Mängel und Schwachheiten will ich recht geduldig ertragen und will es, soviel es sein kann, mit dem Mantel der Liebe zudecken, wenn es anders nicht Pflicht ist, demjenigen es zu entdecken, der dies abstellen kann.
5. Will ich das Stillschweigen genau beobachten, soviel es nur immer sein kann. Im Reden will ich immer sehr sparsam sein und mich hierin vor vielen Fehlern bewahren, um mit Gott desto besser reden zu können.
6. Bei Tisch will ich mich immer, soviel es sein kann, in die Gegenwart Gottes stellen und mich immer recht eingezogen verhalten und diejenigen Speisen mir versagen, wo ich am meisten Lust hätte, und mich besonders in jenen Abtötungen üben, die am wenigsten gemerkt werden. Und das Essen außer der Tischzeit will ich immer meiden, ausgenommen es befiehlt der heilige Gehorsam.
7. In den Chor will ich immer gleich gehen, sobald mich das Glöcklein ruft, wenn ich anders nicht gehindert bin.
8. Will ich den Umgang mit dem anderen Geschlechte, soviel ich kann, vermeiden, ausgenommen, wenn der Gehorsam ein Amt auferlegt, wo ich mit ihnen umgehen muß. Da will ich aber recht ernst sein und meine Augen recht im Zaume halten.
9. Dem Gehorsam will ich immer genau und pünktlich nachkommen und besonders will ich mir alle mögliche Mühe geben, in allen Sachen meinen eigenen Willen zu bekämpfen.
10. Will ich mich recht bestreben, auch die Kleinigkeiten recht zu beobachten, auch jede freiwillige Unvollkommenheit so viel (als möglich) zu verabscheuen. An die heilige Regel will ich mich immer festhalten und niemals auch (nur) fingerbreit davon abweichen, mag kommen, was da will.
11. Ich will immer mich bestreben, eine innige Andacht zu Maria, der seligen Jungfrau (zu haben) und mich recht bestreben, ihren Tugenden nachzufolgen.“

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