Der wahre Glaubensbegriff

von antimodernist2014

und worauf es dabei heute besonders ankommt

Spricht man heute mit jemandem über den Glauben, so muß man feststellen, die allermeisten Zeitgenossen haben keinen klaren Begriff mehr davon, was Glaube eigentlich, seinem Wesen nach ist. Der Grund für diese Unwissenheit ist wohl großteils in einer falschen Auffassung von Wissenschaft oder genauer gesagt, den sog. exakten Wissenschaften zu finden. Exakt, sicher, zuverlässig sind für den modernen Menschen ausschließlich jene Wissenschaften, welche es mit meßbaren, wägbaren, durch wissenschaftliche Experimente nachvollziehbaren Sachverhalten zu tun haben, also die sog. Naturwissenschaften. Alle anderen Wissenschaften könnten dagegen nur „Meinungen“ wiedergeben. Hinter dieser Ansicht steckt die irrige Philosophie des Agnostizismus, nach der wir Menschen das eigentliche Wesen der Dinge nicht erkennen können, weshalb uns die Wahrheit der Dinge für immer verschlossen bleibt. Die Folge davon ist wiederum: Jede unserer Einsichten ist immer nur augenblickshaft, alle Erkenntnis ist und bleibt immer vorläufig, ist eine bloße Hypothese. Damit wird „Erkenntnis“ unbemerkt von den meisten zu einem Evolutionsprozeß umgeformt, weshalb sich der Zeitgenosse auch einbildet, er wüßte selbstverständlich heute weit mehr als jemand in der Vergangenheit – ganz besonders als im finsteren Mittelalter.

Daß man angesichts der Geistesriesen der Vergangenheit einem denkfähigen Menschen überhaupt so etwas einreden kann, setzt voraus, daß der Blick der Masse schon lange allein auf das Gebiet der Technik eingeengt ist. Denn nur in diesem Bereich gab und gibt es die letzten zwei Jahrhunderte Fortschritte. Wobei man sich aber selbst auch hier die Frage stellen kann, ob es einen wirklichen oder doch nur vermeintlichen Fortschritt darstellt, wenn die Menschheit nunmehr fähig ist, sich nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals per Knopfdruck vollkommen auszulöschen.

Jedenfalls hat sich das Denken der Mehrheit gemäß dem philosophischen Agnostizismus in den letzten zwei Jahrhunderten radikal verkehrt, und die Einbildung, mehr zu wissen als die früheren Menschen, hat die meisten blind gemacht für den wahren Sachverhalt, daß das meiste Wissen der Zeitgenossen letztlich nur eingebildetes Wissen ist. Denn wer hat schon selbst sein vermeintliches Wissen überprüft? Wer hat selber die notwendigen Experimente gemacht – außer den wenigen im Physik- oder Chemieunterricht während seiner Schulzeit? So ist also der Großteil des Wissens des modernen Menschen ein allein durch andere vermitteltes Wissen – was nichts anderes ist als Glaube! Dabei beruht dieser Glaube – was fast irrsinnig ist – auf dem Vertrauen auf die modernen Wissenschaften und Medien! Fast keiner hinterfragt die Berechtigung dieses Vertrauens, keiner bekommt Zweifel, ob das Gesagte wirklich zuverlässig ist, geschweige denn, ob es wahr ist. Dabei könnte jeder leicht einsehen, daß der moderne Wissenschaftsbetrieb alles andere als vorurteilsfrei ist. In vielen Bereichen dieser Wissenschaften werden etwa allgemein anerkannte Ausschlußverfahren verwendet, mit denen unpassende oder auch ungewollte Ergebnisse spielend eliminiert werden können. Dieses Verfahren ist also nicht auf die Wahrheit ausgerichtet, sondern auf die durch die Ideologie vorgegebenen Vor-urteile.

Mit dieser im Telegrammstil gemachten Erwägung sind wir nun schon einen Schritt weiter gekommen: Es ist sicher, der Großteil unseres „Wissens“ ist nicht durch eigene Einsicht, sondern aufgrund von Glauben erworben. Jeder Glaube hat nun einen doppelten Aspekt: Im Akt des Glaubens wird etwas geglaubt aufgrund des Zeugnisses von jemandem. Dabei befindet sich dieses Etwas notwendigerweise außerhalb unseres eigenen Erfahrungswissens. Wenn mir etwa jemand von einem Unglück erzählt, dann werde ich, insofern ich selbst dieses Unglück miterlebt habe, diesem sagen: „Das glaube ich Dir nicht nur, das habe ich sogar selbst gesehen, denn ich war dabei.“ Wir können somit präzisieren: Beim Glauben handelt es sich um einen von jemand anderem bezeugten Sachverhalt, der einem selbst nicht bekannt ist.

Die Schlüsselstelle jedes Glaubens ist der Zeuge. Wer jedem alles glaubt, der ist leichtgläubig. Leichtgläubigkeit kann sehr gefährlich werden, wenn man etwa einem Betrüger begegnet. Der moderne Mensch ist viel leichtgläubiger als er sich einbildet. Der heutige Durchschnittsbürger etwa glaubt blauäugig alles, was ihm die Medien vor Augen stellen, ohne je zu bedenken, daß hinter all diesen Informationen, all diesen Berichten, ja selbst hinter der Unterhaltung ein Jemand steckt, der natürlich mit seinem Programm, seinen ausgewählten Informationen und Berichten bestimmte Absichten und Ziele verfolgt.

Man muß nicht besonders intelligent sein, um herauszufinden, daß es in den Medien zunächst einmal um sehr viel Geld geht und damit verbunden natürlich um viel Macht, bzw. ganz konkrete Machtinteressen. Kann man aber jemandem, dem es um sehr viel Geld geht und der ein diesem entsprechendes Machtinteresse hat, blindlings einfach Vertrauen schenken? In Deutschland kommt seit einigen Jahren noch ein Kuriosum hinzu: Der Bürger muß – ob er es will oder nicht, ob er einen Radio oder Fernseher hat oder nicht – seine Desinformation selber bezahlen. Das ist offensichtlich die neue Meinungsfreiheit der modernen Demokratie oder vielmehr die Diskriminierung einer Minderheit von Menschen, die im mehr und mehr um sich greifenden Wahnsinn sich die Fähigkeit bewahrt haben, sich selbst zu beschäftigen und selber zu denken.

In der alten Zeit – besonders im „finsteren Mittelalter“ – sprach man nicht nur von der Freiheit der Wissenschaften, man bemühte sich, diese zu verwirklichen. Damit war natürlich nicht der moderne Unsinn gemeint, daß jeder denken und sagen und schreiben kann und darf, was ihm beliebt – das wäre ja die Freiheit der Dummköpfe! – sondern, daß die Wissenschaften frei sein müssen von äußerem Zwang, von all den die Wahrheit hindernden Fremdinteressen. Dem wahren Wissenschaftler soll es allein um die Wahrheit gehen, deswegen soll er allzeit ungehindert die Wahrheit sagen können, denn allein Wahrheit verbürgt Wirklichkeit. Allein die klar erkannte Wahrheit schützt vor Illusion und vor Täuschung durch sich selbst oder andere!

Sobald man sich dies in Erinnerung ruft, leuchtet einem die umfassende Möglichkeit der Manipulation durch die modernen Medien schlagartig ein. Denn Information in Wort und Bild suggeriert dem Medienkonsumenten einen Sachverhalt, der jedoch in keiner Weise abgesichert ist: Ich selbst war dabei! Ich habe es ja im Fernsehen gesehen und gehört! Wenn der Fernsehzuschauer nüchtern und vernünftig denken würde, so müßte er sich ständig vor Augen halten: Im Grunde weiß ich doch gar nicht, was wirklich geschehen ist. Alle Berichte könnten genausogut in Studios gedreht oder mit Computern nach Belieben verändert worden sein. Bei den modernen technischen Möglichkeiten kann letztlich keiner mehr sicher unterscheiden, was echt ist und was gefälscht, also kann ich auch aufgrund der Fernsehbilder gar nicht sagen, was wirklich geschehen ist – außer ich glaube, was ich gesehen habe und dieser Glaube ist ziemlich blind.

Hiermit wird greifbar, wie sensibel „Glaube“ ist. Wir sagten schon: Die Nahtstelle des Glaubens ist der „Jemand“, dem man Glauben schenkt. Dieser „Jemand“ hat beim menschlichen Glauben zwei Schwachstellen: Ein Mensch kann sich jederzeit irren oder er kann auch den Glaubenden bewußt täuschen, er kann lügen. Darum darf man einem Menschen niemals einen absoluten Glauben schenken. In diesem Sinne ist und bleibt der Glaube immer bedingt.

Anderseits setzt der echte Glaube immer schon ein Vertrauensverhältnis voraus, sobald man jemandem wirklich glaubt, gibt es keinen Zweifel mehr. Aus diesem Grund ist ein Vertrauensmißbrauch bezüglich des Glaubens auch so schwerwiegend. Dieser kann mit einem Schlag eine ganze Seelenwelt zerstören! Darum würde ein wahrhaftiger Zeuge, sobald er einen Irrtum seinerseits erkennen würde, diesen auch sofort korrigieren. Dagegen wird ein Ideologe alles tun, um seine Ideologie auch dann noch zu verteidigen, wenn sie als solche durchschaut wurde, weil die Widersprüche offenbar geworden sind. Ein Ideologe ist jederzeit bereit zu manipulieren, zu verschweigen, zu entstellen, wenn es nur der eigenen Ideologe nützt, denn dem Ideologen geht es niemals um die Wahrheit.

Grundsätzlich muß man darum als Folge des Gesagten festhalten: Es ist vollkommen naiv, jemanden zu glauben, den man nicht gut kennt. Das gilt heutzutage noch viel mehr als in früheren Zeiten. Denn früher war doch wenigstens die Auskunft der öffentlichen Meinung einigermaßen zuverlässig, wenn es darum ging, einen Fachmann auszuweisen. Heutzutage kann man sich auf die öffentliche Meinung kaum mehr stützen.

Nachdem wir den natürlichen Glauben dargelegt haben, können wir uns dem religiösen Glauben zuwenden. Hier ist die Verwirrung noch größer als beim natürlichen Glauben. Die meisten Zeitgenossen denken, der religiöse Glaube habe mit der Vernunft nichts zu tun. Auf der einen Seite stehe die Wissenschaft, auf der anderen der religiöse Glaube. Wenn beide sich an ihre je eigenen Sachgebiete und Methoden halten, so gebe es auch keinen Konflikt zwischen Wissen und Glauben, so die gängige Meinung. Diese Ansicht ist jedoch eine bloße Halbwahrheit und als solche besonders gefährlich. Denn es gibt durchaus Fragen, in denen sowohl der Glaube als auch die Wissenschaft Antworten geben – und zwar verschiedene oder auch vollkommen widersprechende Antworten. Wem soll ich aber dann glauben? Dem Wissenschaftler oder dem Prediger? Heute ziehen selbstverständlich die allermeisten den Wissenschaftler vor, was bei den heutigen Predigern auch gar nicht so verwunderlich ist.

Wie ist es nun wirklich? Hat der religiöse Glaube mit Wissen wirklich nichts zu tun? Wenn wir im vorherigen Abschnitt den Akt des Glaubens recht verstanden haben, werden wir zumindest eine Antwort ahnen. Glaube heißt immer jemandem etwas glauben, so haben wir allgemein festgestellt. Damit ich aber im religiösen Glauben etwas glauben kann, muß zuvor feststehen, muß im Voraus erkannt sein, daß es einen Jemand – nämlich Gott – gibt, dem ich Glauben schenken soll. Der Glaube setzt somit die Erkenntnis der Existenz eines Gottes voraus. Nur wenn es wirklichen einen Gott gibt, kann dieser auch mit mir reden und als Folge davon von mir Glauben fordern.

Nun hat die hl. Kirche immer daran festgehalten und gelehrt, daß es möglich ist, Gottes Existenz aus den geschaffenen Dingen zu erkennen. Gerade die Leugnung dieser Möglichkeit ist ein Kennzeichen der modernen irrigen Philosophien, die zur Grundlage des Modernismus wurden. Das Vatikanische Konzil lehrte: „Dieselbe heilige Mutter Kirche hält fest und lehrt, daß Gott, der Ursprung und das Ziel aller Dinge, mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen gewiß erkannt werden kann; ‚das Unsichtbare an ihm wird nämlich seit der Erschaffung der Welt durch das, was gemacht ist, mit der Vernunft geschaut‘ [Röm1,20]: jedoch hat es seiner Weisheit und Güte gefallen, auf einem anderen, und zwar übernatürlichen Wege sich selbst und die ewigen Ratschlüsse seines Willens dem Menschengeschlecht zu offenbaren, wie der Apostel sagt: ‚Oftmals und auf vielfache Weise hat Gott einst zu den Vätern in den Propheten gesprochen: zuletzt hat er in diesen Tagen zu uns gesprochen in seinem Sohn‘ [Hebr 1,1f; Kan. 1]“ (DH 3004).

Seiten: 1 2 3 4