Kunst – Kitsch – Krempel? II

von antimodernist2014

II. Moderne Kirchenkunst

Echte Kunst steht im Dienst des Wahren und Guten und ist darum allein schön, weil sie beides zur Anschauung bringt, so haben wir im ersten Teil unserer Arbeit gezeigt. Die moderne Kunst löst diesen Zusammenhang auf und möchte eine Kunst um der Kunst willen schaffen – oder man könnte auch sagen, um des Künstlers willen – es entwickelt sich im Geist der Moderne die sog. autonome Kunst. Diese hat keinen ontologischen Bezug mehr, keinen Bezug zur Seinswirklichkeit und steht deswegen unter der Diktatur der Beliebigkeit. Darum ist sie auch jederzeit lenk- und manipulierbar. Letztlich ist es nur eine verschwindend kleine Kunstlobby, die aktuell bestimmt, was gerade „Kunst“ ist, so wie bei der Mode auch. Da sich fast niemand mehr getraut, aus den durch die Medien verbreiteten Meinungs-Vorgaben auszuscheren und ganz einfach nicht modern, sondern wahr zu sein, funktioniert das Diktat meist fast lückenlos.

Selbstverständlich mußte diese Entwicklung im Laufe der Zeit auch einen Einfluß auf die kirchliche Kunst gewinnen und zwar umso mehr, als die Würdenträger von der Seuche des Modernismus angesteckt worden sind. Hier wäre es übrigens ein Leichtes gewesen, anhand des prophetischen Charakters der Kunst das Eindringen des modernen Denkens in die Köpfe der kirchlichen Hierarchen anhand ihrer Kirchbauten oder auch Kirchenumgestaltungen einfach anzuschauen und sodann festzustellen, ein Großteil der Hierarchen ist inzwischen vom modernen Geist infiziert. Die sog. modernen „Kirchen“ haben so offensichtlich mit einem katholischen Gotteshaus nichts mehr zu tun, daß es gar nicht mehr zu verstehen ist, wie man einen solchen Mehrzweckraum, Konzertsaal, Tiefgarage, Betonklotz als eine solche bezeichnen kann. Die Verantwortlichen für diese Bauten demonstrieren damit vor aller Augen ihren völlig abwegigen Glauben, bzw. Irrglauben. Und hätte es nach dem Konzil nicht noch die Denkmalpflegeämter gegeben, die soweit wie möglich den erneuerungswütigen Pfarrern und Bischöfen entgegenwirkten, wäre der Bildersturm, bei dem eine ungeheure Anzahl von Kunstschätzen vernichtet worden ist, noch viel verheerender ausgefallen.

Man muß es sich angesichts einer solchen nachkonziliären Beton-„Kirche“ schon ausdrücklich in Erinnerung rufen: Eine katholische Kirche ist ihrem Wesen nach das Haus Gottes und die Pforte des Himmels, und als solche muß sie selbstverständlich in eminenter Weise schön sein, weil doch der Gott, der dieses Haus wirklich bewohnt, die Schönheit schlechthin ist und sein Haus ein Abglanz dieser himmlischen Schönheit sein soll. Lassen wir uns durch den hl. Dionysius nochmals an diesen alles durchwaltenden Grund der Schöpfung erinnern, ehe wir auf die unglaublich häßlichen postkonziliaren „Kirchenkunst“-Werke zu sprechen kommen: „Das Schöne-und-Gute, das über alles Stehen und Bewegen erhaben ist, verursacht, erhält und vollendet alle Formen der Bewegung und noch weit mehr alle Formen der Beharrlichkeit, Stetigkeit und Festigkeit der Dinge. Aus ihm und dank ihm und in ihm und zu ihm hin und um seinetwillen ist alles Stehen und Bewegen, alles Sein und Leben sowohl des Geistes als auch der Seele als auch des Körpers, alle Kleinheit, Gleichheit und Größe, sind alle Maße, Fähigkeiten und Entsprechungen der Dinge, die Harmonien und Verbindungen, Ganzheit und Teiligkeit, jedes Einssein und jedes Vielsein, die Verbindungen der Teiligkeiten, die Einungen der Mengen, die Vollkommenheiten der Gesamtschaften, das Wie-beschaffen, das Wie-viel, das Wie-groß, das Unendliche, das Vergleichbare, die Geschiedenheiten, jede Unbestimmtheit, jedes Ziel, alle Grenzen, Ordnungen und Überordnungen, die Elemente, Gestalten, Seinserscheinungen, Kräfte, Energien und Zustände, alle Sinneswahrnehmungen, alle Vernunft, alles Denken, alles Erfassen, alle Einsicht und alle Einung. Kurz, alles was ist, entstammt dem Schönen und Guten und wendet sich wieder zurück zum Schönen und Guten. Alles, was besteht und entsteht, besteht und entsteht um des Schönen und Guten willen, blickt zu ihm hin, wird von ihm bewegt und zusammengehalten. (…) Alles Seiende kommt aus dem Schönen und Guten und ebenso befindet sich alles Nicht-Seiende überwesentlich in ihm. Das Schöne und Gute ist über-ursprünglicher und über-zielhafter Urgrund und Zielgrund von allem. Aus ihm und durch es und in ihm und zu ihm hin ist die ganze Schöpfung, wie die heiligen Sprüche besagen“ (Gerd-Klaus Kaltenbrunner, Dionysius vom Areopag, Die Graue Edition 1996, S. 426).

Wenn schon die ganze Schöpfung um ihres Schöpfers willens schön ist und alles Seiende aus dem Schönen und Guten kommt, so muß umso mehr eine katholische Kirche, in der das Allerheiligste aufbewahrt wird – das Sanctissimum! – durch ihre Schönheit von der Herrlichkeit Gottes künden. Eine häßliche Kirche ist ihrem Wesen nach eine Blasphemie, eine Gotteslästerung. Darum war in früheren Zeiten auch jede noch so einfache Dorfkirche dennoch immer auch schön, ja selbst die so sehr um Armut und Einfachheit bemühten Zisterzienser bauten Kirchen, die durch die Erhabenheit ihrer Räume geradezu bezaubernd schön sind. Denn für das Allerheiligste kann nichts schön genug sein, das war nicht nur die Überzeugung aller Heiligen, sondern stets auch des katholischen Volkes. Schließlich wurde jede katholische Kirche durch die göttliche Liturgie und das hl. Meßopfer zum Himmelssaal. Wie also kann man so häßliche „Kirchen“ bauen, wie es seit den 50er Jahren immer mehr geschah?

Gerd-Klaus Kaltenbrunner erinnert an den Schönheitssinn der Griechen und ihre damit verbundene Anhänglichkeit und Ehrfurcht vor dem Schein und den Gestalten. Diese ist als Erbe auch in Christentum übernommen worden:

„Was der Christ vor den Griechen voraushat, sollte diesem in Demut selbstverständlich sein; aber es ist ihm leider schon seit langem nicht mehr selbstverständlich, was er von ihnen lernen kann und soll. Immer noch gilt es, sich der Frage zu stellen: Was sagt uns Gott durch die größten Dichter, Künstler und Denker der Griechen? Gehören nicht auf eigentümliche Weise auch Homer und Aischylos, Pindar und Sophokles, Sappho und Hesiod, Sokrates und Platon, Heraklit und die Stoiker, die Meister der Tempel von Athen, Korfu, Olympia und Pergamon zum Alten Testament, auf dem das Christentum aufruht? Wir wissen von dem in die Welt gekommenen Licht, das allen leuchtet (Johannes 1,9), ohne uns angemessen darüber im klaren zu sein, daß es auch jene erleuchtet, die es nicht ausdrücklich als Offenbarung begreifen. Insbesondere war den Griechen eine Gabe des Gestaltens zu eigen, mit der sie Werke hervorbrachten, deren Adel und Schönheit uns heute noch entzückt. Sie haben die Schönheit des Kosmos, den die Christen als Schöpfung sehen, in einem Licht aufstrahlen lassen, das uns seit mindestens zwei Jahrhunderten verlorengegangen ist. Auch Theologen und kirchliche Auftraggeber haben kaum mehr eine Ahnung von dem religiösen Schönheitssinn, der einst Tempel und Kathedralen erstehen ließ. ‚Wenn der Mensch das Antlitz der Schöpfung wie noch nie geschändet hat mit Wohn- und Nutzbauten von unerhörter Häßlichkeit; wenn er von Erfindung zu Erfindung rast und nach dem äußeren Glück statt nach dem Heil fragt, so ist dies ein Abfall von Gott, der ohnegleichen ist‘, stellt Karl Schefold treffend fest, um dann seine Diagnose näher auszuführen: ‚Man nimmt die Zerstörung der Schöpfung, das formlose Wuchern der Siedlungen, die Überbevölkerung, die Verflachung der Bildung, die geistige Not der Massen, die Entseelung der Arbeit als unvermeidliche Übel hin, ohne an das Schicksal des Turms zu Babel zu denken. Man fragt nicht, warum wir es in den häßlichen Kirchen aushalten, die uns die letzten Generationen hinterlassen haben; warum sich die sogenannte christliche Kunst dieser Zeit durch keine Spur von Gnade vor der profanen auszeichnet… Das alte Christentum gründete Orden gegen die äußeren und inneren Verführungen; das heutige ist wie eine Mutter, die sich auf das Abendgebet mit ihren Kindern beschränkt und sie sonst allen Reizungen des Alltages preisgibt, statt sie zu inneren Werten zu lenken. Seit zwei Jahrhunderten verkleidet sich die Vergötzung der materiellen Werte so geschickt ins Gewand des Fortschritts, daß selbst die Kirchen diesen ungeheuerlichen Abfall von Gott zu Götzen kaum bemerkt haben‘“ (Ebd. S. 395f).

Die Umgestaltung unserer Welt durch die Moderne ist unübersehbar. Man redet zwar den Massen ein, es sei in den letzten Jahrhunderten alles besser geworden – aber ist das wahr, ist das wirklich der Fall? Dies kann nur derjenige bejahen, der alles auf den materiellen Wohlstand reduziert und zudem allein die sog. erste Welt in den Blick nimmt. Noch fragwürdiger wird die Aussage, sobald man in den kirchlichen Bereich blickt: „Man fragt nicht, warum wir es in den häßlichen Kirchen aushalten, die uns die letzten Generationen hinterlassen haben; warum sich die sogenannte christliche Kunst dieser Zeit durch keine Spur von Gnade vor der profanen auszeichnet…“ Es ist wirklich so, man fragt nicht danach – und das ist allein schon für einen Katholiken gar nicht mehr zu fassen und darum im Grunde so auffallend, daß die Antwort ganz einfach wird: In der auf dem Konzil neu geschaffenen religiösen Institution ist die Gnade nicht mehr wirksam, weil diese Institution vollkommen glaubenslos geworden ist, Glauben natürlich im katholischen, übernatürlichen Sinne genommen. Man hat gleichsam über Nacht die Kirche Jesu Christi zurück in die Katakomben gedrängt und an ihre Stelle eine Menschenmachwerkskirche gesetzt, welche die meisten irrtümlich für die katholische Kirche halten. Dabei ist diese Menschenmachwerkskirche vollkommen glaubenslos und darum auch gnadenlos – wie furchtbar ist dies und wie unheimlich doppeldeutig ist dieses Wort in unserer Sprache – sie kann die Welt nicht mehr erlösen. Schon seit „zwei Jahrhunderten verkleidet sich die Vergötzung der materiellen Werte so geschickt ins Gewand des Fortschritts“, weshalb auch die diesem Zeitgeist angepaßte antichristliche Gegenkirche „diesen ungeheuerlichen Abfall von Gott zu Götzen“ nicht einfach nur nicht mehr bemerkt, sondern ganz bewußt voran- und auf die Spitze getrieben hat.

Gerd-Klaus Kaltenbrunner stellt dementsprechend fest: „Die Götzen, welche die fortschreitende Verhäßlichung der Erde vorantreiben, haben nichts mit den Gestalten der griechischen Götter und Heroen zu tun. Sie gleichen dem gräßlichen Moloch und verwandten dämonischen Wesen zerstörerischer Art. Sie verwandeln die entheiligte Erde in einen Teil der Hölle, und eben darin besteht die Diabolik des kataraktgleichen Vorgangs. Für den Griechen hingegen war die Erde, ungeachtet des Loses der Sterblichen und ihrer Tragik, eine Provinz des Himmels, Aufenthalt der Götter, Stätte strahlender Theophanien und wunderbarer Kundgebungen, ein kosmischer Wohnort und vor allem ein ästhetisches Phänomen. Griechischer Sinn erlebte die Erde wie die gesamte Welt als schön. Im ersten Kapitel der Bibel heißt es: ‚Gott sah alles an, was er geschaffen hatte: Es war sehr gut‘ (Genesis 1,31). Nicht von ungefähr gibt jedoch bereits die älteste und bedeutsamste griechische Übersetzung des Alten Testaments das hebräische Wort für ‚gut‘ mit dem griechischen Ausdruck kalós wieder; kalós aber heißt schön“ (Ebd. S. 396f).

Es ist eine der grundlegenden und ganz wichtigen Einsichten: Die Dämonen kehren wieder ins ehemals christliche Abendland zurück! Und die Dämonen „gleichen dem gräßlichen Moloch und verwandten dämonischen Wesen zerstörerischer Art. Sie verwandeln die entheiligte Erde in einen Teil der Hölle, und eben darin besteht die Diabolik des kataraktgleichen Vorgangs.“ Das ist durchaus keine Übertreibung, denn in der Tat fühlt man sich in den modernen „Kirchen“-Bauten nicht mehr wie im Himmel, sondern ganz im Gegenteil wie im Vorhof der Hölle! Aber letztlich passen diese dämonischen Kulträume ganz gut zu dem Kainsritus, den Bugnini geschaffen und Montini alias Paul VI. seiner Gegenkirche rigoros aufgezwungen hat.

In seinem Werk Sentire cum Ecclesia geht August Doerner ebenfalls auf unser Thema ein. Im 3. Kapitel schreibt er über „Die Stellung der Kirche zur ‚modernen Kunst‘“. Zunächst betont Doerner: „Die Kirche hat sich immer als eine große Freundin und Förderin der Kunst erwiesen. Sie hat die Kunstwerke des Altertums zum großen Teil bis auf unsere Tage hinübergerettet. Sie ist im Mittelalter fast die alleinige Trägerin der Kunst gewesen und hat das ganze Kunstschaffen inspiriert und befruchtet. Der Kirche verdankt die Menschheit die größten und herrlichsten Kunstwerke. Sie hat in den Bestimmungen des kirchl. Gesetzbuches über die kirchl. Kunst und in den Verordnungen und Äußerungen der Päpste und Bischöfe ihre Stellung zur kirchlichen Kunst wiederholt klar und eindeutig zum Ausdruck gebracht. Vor allem verlangt die Kirche, daß die kirchliche Kunst ihrem Zwecke entspricht, daß sie zur Verherrlichung Gottes und zur Erbauung der Gläubigen dient und darum die kirchliche Tradition beachte und den sakralen Charakter wahre. Diese Forderungen stellt die Kirche auch an die moderne kirchliche Kunst. Wenn ein modernes Kunstwerk diesen Anforderungen entspricht, dann gewährt die Kirche, die jeden wahren Fortschritt anerkennt, auch der modernen Kunst Einlaß ins Heiligtum. Papst Pius XI. sagt dazu, ‚daß alle Türen offen stehen und jeder guten und fortschrittlichen Entwicklung der guten und verehrungswürdigen Traditionen der herzliche Willkomm entboten werde‘ (Ansprache bei der Eröffnung der Pinakothek in Rom am 27. Okt. 1932)“ (August Doerner, Sentire cum Ecclesia!, Druck und Verlag: B. Kühlen, M. Gladbach, 1941, S. 359f).

Es ist selbstverständlich für die Kirche Jesu Christi, durch welche der Heilige Geist über die Seelen und die Welt ausgegossen wurde, um das Angesicht der Welt zu erneuern, kulturschaffend zu wirken und somit die wahre Kunst allezeit zu fördern. Ohne jegliche Übertreibung muß man deswegen sagen: „Der Kirche verdankt die Menschheit die größten und herrlichsten Kunstwerke.“ Genausogut gilt aber auch: „Ebenso entschieden … hat die Kirche die Verzerrungen der modernen Kunst abgelehnt und allen den kirchlichen Vorschriften widersprechenden ‚Kunstwerken‘ die Tore des Heiligtums verschlossen.“ Die Kirche war selbstverständlich als Hüterin der göttlichen Wahrheit auch immer die Hüterin der wahren Kunst gewesen. Ja, sie hat erst durch ihr heilbringendes Wirken die Grundlagen für diese heilige Kunst geschaffen, die Jahrhunderte lang das christliche Abendland prägte.

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