Vom Kostbaren Blut Christi

von antimodernist2014

Das Kirchenjahr gibt dem Katholiken immer wieder neue Anregungen für sein geistliches Leben, also sein Leben aus dem Gebet, aus der Gottverbundenheit. Unsere heilige Mutter, die Kirche, weiß sehr gut, daß die Gewöhnung nur allzu leicht unser Gebetsleben lau werden läßt. Darum hat jeder Monat ein eigenes Thema, wie man es nennen könnte, ein Thema, das uns zu tieferem Nachsinnen und Beten verhelfen soll.

Der Monat Juli ist der Monat des Kostbaren Blutes Jesu Christi. Den modernen Menschen mag es wohl eher befremden, wenn wir Katholiken Blut verehren, wie ihm ebenso das mit diesem Blut notwendig verbundene Opfer vollkommen unverständlich geworden ist. Wer nicht mehr wahrnimmt, daß wir Menschen erlöst werden müssen, der versteht auch nicht mehr das Opfer am Kreuz und das Blut, das unser göttlicher Erlöser daran zur Sühne für unsere Sünden vergossen hat. Sobald man jedoch die Sünde als Ungehorsam gegen Gottes Gebot erkennt und die Folgen eines solchen Ungehorsams bedenkt, wird einem auch die unermeßlich große Bedeutung des Blutes Christi aufleuchten. Bei der Verehrung des Kostbaren Blutes Jesu Christi erinnern wir uns daran, dieses einst am Kreuze mit so großer Liebe vergossene Blut ist das Wertvollste, was es vor Gott gibt, weil es der gottmenschliche Lösepreis unserer Erlösung ist. Darum hat es die Macht, den Vater im Himmel wieder mit Seinen Geschöpfen zu versöhnen und Seine Strafgerichte von diesen abzuwenden.

Die Verehrung des Kostbaren Blutes Jesu Christi

Wie kommt die heilige Kirche auf die besondere Verehrung des Blutes Jesu Christi? Im 1. Petrusbrief (1, 18. 19) lesen wir: „Ihr wißt ja, daß ihr nicht um vergängliches Gold oder Silber erkauft worden seid… sondern mit dem kostbaren Blute Christi als eines unbefleckten und makellosen Lammes.“ Nach dem hl. Petrus ist somit das Kostbare Blut Christi der Kaufpreis für uns Menschen, den der göttliche Erlöser für uns gezahlt hat. Das makellose Lamm Gottes hat stellvertretend Sein Blut für uns vergossen. In der Geheimen Offenbarung wird dieses Blut ebenfalls als Preis unserer Erlösung und seine Vergießung als Sühne für die Sünden der Welt gedeutet: „…Jesus Christus, welcher ist der getreue Zeuge, der Erstgeborene aus den Toten und der Fürst der Könige der Erde, welcher uns geliebt und uns abgewaschen hat von unseren Sünden in seinem Blute“ (1, 5). „Und sie sangen ein neues Lied, sprechend: Würdig bist Du, o Herr, zu nehmen das Buch und zu öffnen dessen Siegel, weil Du geschlachtet wurdest und uns erkauft hast für Gott in Deinem Blute“ (5, 9).

Im Anschluß an die Heilige Schrift haben auch die hl. Väter und Kirchenlehrer dieses kostbare Blut verherrlicht und gefeiert. Schon der hl. Clemens von Rom, der dritte Papst, ruft den Christen in seinen „Brief an die Korinther“ zu: „Lasst uns unser Augenmerk richten auf das, was liebenswürdig, was gefällig ist in den Augen dessen, der uns geschaffen hat, was uns IHM ganz nahe bringen kann. Richten wir unseren Blick auf das Blut Christi und begreifen wir, wie wertvoll es für Gott, seinen Vater, ist. Denn es wurde zu unserem Heil vergossen und hat der ganzen Welt das Gnadenangebot der Bekehrung gebracht.“ Der hl. Ambrosius schreibt in seinem Psalmenkommentar (Ps. 118, 17,20): „Das Blut Christi ist der Purpur, der die Seelen der Heiligen durchtränkt, nicht nur als Farbe hell erstrahlend, sondern auch als ‚Macht‘.“

In seiner dritten Taufkatechese erklärt der hl. Johannes Chrysostomus etwas ausführlicher:

„Willst du erfahren, welche Kraft das Blut Christi besitzt? Dann laß uns zurückgehen bis zu dem Vorausbild. Auf das frühe Vorausbild wollen wir uns besinnen und die Niederschrift aus der Vergangenheit erzählen.
Mose sagt: ‚Tötet ein einjähriges Lamm und bestreicht mit seinem Blut die Tür.‘ (Vgl. Ex 12, 6.7) Was sagst du da, Moses? Kann denn das Blut eines Lammes den vernunftbegabten Menschen befreien? Gewiß, sagt er, weil es auf das Blut des Herrn verweist. Wenn der Feind nicht das Blut des Vorbildes am Pfosten, sondern auf den Lippen der Glaubenden das kostbare Blut der Wahrheit leuchten sieht, mit dem der Tempel Christi geweiht ist, dann weicht er viel weiter zurück.
Willst du der Kraft dieses Blutes noch weiter nachforschen? Dann schau bitte, woher es kommt und aus welcher Quelle es entspringt. Vom Kreuz Christi kam es zuerst, aus der Seite Christi nahm es den Anfang. Denn das Evangelium (Joh 19, 33 ff.) berichtet: Als Jesus tot war und noch am Kreuz hing, kam ein Soldat vorbei und stieß die Seite auf. Da floß Wasser und Blut heraus: Symbol der Taufe das eine, Symbol des Mysteriums (des hl. Meßopfers) das andere. Der Soldat hat die Seite geöffnet und die Wand des Tempels aufgetan. Ich habe den herrlichen Schatz gefunden und bin glücklich, den glanzvollen Reichtum entdeckt zu haben. So war es auch mit dem Lamm: Die Juden haben es geschlachtet, und ich erfahre die Frucht des Opfers.
Blut und Wasser aus der Seite. Lieber Hörer, bitte geh nicht eilig an dem verborgenen Mysterium vorbei. Denn ich muß noch mystische und geheime Dinge aussprechen: Ich sagte, dieses Wasser und Blut seien Sinnzeichen für die Taufe und das Mysterium. Daraus ist die heilige Kirche aufgebaut, durch die Wiedergeburt aus dem Wasser und die Erneuerung des Heiligen Geistes, ich sage euch: durch die Taufe und das Mysterium, das aus seiner Seite hervorging. Aus seiner Seite nämlich baute Christus die Kirche, wie aus der Seite Adams Eva, die Gattin, kam.
Dafür ist auch Paulus Zeuge, wenn er sagt: ‚Wir sind Glieder eines Leibes‘, von seinem Gebein genommen (Vgl. Eph 5, 30; Gen 2, 23.), womit er die Seite meint. Denn wie Gott aus der Seite des Adam die Frau schuf, so gab uns Christus aus seiner Seite Wasser und Blut, wodurch die Kirche erbaut werden sollte. Wie Gott die Seite öffnete, während Adam im Schlafe ruhte, so schenkte er uns jetzt nach dem Tode Christi aus seiner Seite das Wasser und das Blut.“

Der hl. Johannes Chrysostomus verweist in seiner Katechese auf das Blut und das Wasser, das am Kreuz aus der Seite Jesu geflossen ist und gibt die Deutung, daß aus der durchbohrten Seite des Welterlösers das Sakrament der Taufe und das Mysterium des hl. Meßopfers hervorgingen. Das Wasser verweist auf die hl. Taufe, das Blut auf das hl. Meßopfer. Das Kreuzesopfer unseres göttlichen Erlösers bildet den Mittelpunkt unseres katholischen Glaubens. Das Kostbare Blut Jesu wurde am Kreuz für uns vergossen, und es wird immer noch auf unseren Altären gegenwärtig. Zwar geschieht das Opfer bei der hl. Messe auf unblutige Weise, aber dennoch ist das Blut Christi auf dem Altar wahrhaft und wirklich gegenwärtig. Einmal schmerzhaft im Tode auf Golgotha vergossen, wird es nunmehr vielmals als verklärtes Blut des auferstandenen und erhöhten Herrn Leben spendend in der hl. Messe dargebracht zum Zeichen der sich bis zum Ende der Zeiten verströmenden Erlöserliebe für die Menschen.

Wie überreich die Erlösungsgnade ist, ahnen wir, wenn wir bedenken, was der hl. Thomas von Aquin in der 6. Strophe seines Hymnus „Adoro te devote“ besingt:

O guter Pelikan, Herr Jesus,
mich Unreinen mach rein mit deinem Blut.
Von diesem kann ein einz´ger Tropfen heil machen,
die ganze Erde und von allen Sünden waschen rein.

Pie pellicáne, Iesu Dómine,
Me immúndum munda tuo sánguine.
Cuius una stilla salvum fácere
Totum mundum quit ab omni scélere.

Ganz dieser Einsicht entsprechend rief die heilige Magdalena von Pazzis während einer Vision aus: „Jedesmal, wenn eine Seele dieses Blut, durch das sie erkauft wurde, aufopfert, bringt sie eine Gabe von unendlichem Wert dar, den niemand ersetzen kann.“

Das Kostbare Blut Jesu hat als Kaufpreis für unsere Sünden einen unendlichen Wert – Gnadenwert muß man präzisieren. Und wer von uns kann den Wert der Gnade ermessen? Wer kann auch nur ahnen, was Gnade wirklich wert ist? Die Theologen und auch unsere Heiligen sagen uns: Eine Seele in der Gnade ist mehr wert als die ganze materielle Welt. Wenn es so ist, wie muß es dann mit dem Unwert der Sünde sein? Was zerstört die Sünde alles in der Seele? Das Kostbare Blut Christi aber ist der gottmenschliche Einsatz zum Loskauf der Seele aus der Sünde. Dieses muß den Unwert ausgleichen. Der hl. Franz Xaver betet: „Jesus, du Gott meines Herzens, deine Liebe zu uns hat Dir am Kreuz die fünf Wunden geschlagen. Darum bitte ich dich, komm deinen Dienern zu Hilfe, die du um den Preis deines Blutes erlöst hast.“

Alttestamentliche Vorbilder des Blutes Christi

Schauen wir, um dieses Geheimnis etwas aufzuhellen, zurück in den Alten Bund. Papst Pius IX. erklärt in seinem Dekret zur Einsetzung des Festes vom Kostbaren Blut: „So wie Gott jene Häuser in Ägypten, die mit dem Blut des Lammes bestrichen waren, vor seinem Zorn bewahrte, so werden noch mehr jene dem göttlichen Zorn entgehen, die mit besonderer Andacht das heilige Kostbare Blut des Erlösers verehren.“

Das Blut des Paschalammes

Eines der ersichtlichsten Vorbilder für das Kostbare Blut Jesu Christi ist das Blut des Paschalammes. Im Buch Exodus steht geschrieben: „Und der Herr sprach zu Moses und Aaron im Lande Ägypten: Dieser Monat sei euch der Anfang der Monate; der erste sei er von den Monaten des Jahres“ (es war der Monat Abib, Monat der neuen Früchte, Ährenmonat, welcher fortan Nisan heißt und den Schluß des März und Anfang des April bildet; er war der Anfang des heiligen Jahres, wogegen das bürgerliche mit Tisri beginnt, welcher die zweite Hälfte September und die erste des Oktober umfaßt).

„Sprechet zu der ganzen Gemeinde der Söhne Israel und saget ihnen: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder ein Lamm, je nach seinen Familien und Häusern. Wäre aber die Anzahl geringer, als daß sie hinreichen könnte, das Lamm aufzuzehren, so nehme er dazu seinen Nachbarn, welcher dem Hause am nächsten ist, bis auf die Seelenzahl, welche hinreichen kann zum Aufessen des Lammes. Das Lamm aber muß sein fehlerfrei, männlich, einjährig; ihr dürft dafür ein Schaf- oder Ziegenlamm nehmen. Und dasselbe bewahret auf bis zum vierzehnten Tage dieses Monats, dann soll es am Abend die ganze Gemeinde der Söhne Israels schlachten. Und von seinem Blute sollen sie nehmen und es bringen oben an die beiden Türpfosten und an die obere Schwelle der Häuser, in welchen sie es essen werden. Und sie sollen essen das Fleisch in jener Nacht, welches sie am Feuer gebraten, und dazu ungesäuerte Brote mit Feldlattich (Bitterkräuter). Weder roh noch in Wasser gekocht sollt ihr etwas davon essen, sondern nur, was am Feuer gebraten ist, Kopf mit Beinen und Rumpf sollt ihr aufessen. Nicht das Geringste davon soll bis zum Morgen übrig bleiben, was aber übrig ist, verbrennet im Feuer. So nun werdet ihr es essen: eure Lenden umgürtet, die Schuhe an den Füßen, den Stab in der Hand, esset es ohne Zaudern, denn es ist Pascha, das ist ‚Vorübergang des Herrn‘. Denn ich werde in jener Nacht das Land Ägypten umgehen und töten alles Erstgeborene im Lande Ägypten, vom Menschen an bis herab zum Vieh: und an allen Göttern Ägyptens werde ich Gericht halten, ich, der Herr. Das Blut aber wird zum Zeichen sein für euch an den Häusern, in welchen ihr wohnet; und wo ich das Blut sehe, gehe ich an euch vorüber; so wird euch kein verderblicher Streich treffen, wenn ich das Land Ägypten schlage. Dieser Tag soll ein Gedenktag für euch sein. Und ihr sollt ihn als Fest dem Herrn feiern eure Geschlechter hindurch mit immerwährendem Dienste. Sieben Tage esset ungesäuerte Brote; vom ersten Tage an sei kein Sauerteig mehr in euren Häusern; wer vom ersten Tage an bis zum siebenten Gesäuertes ißt, diese Seele werde ausgerottet aus Israel. Der erste Tag sei heilig und festlich; und der siebente werde mit gleicher Festlichkeit heilig gehalten: keinerlei Arbeit verrichtet an diesen, jene ausgenommen, die für das Essen gehören. Haltet strenge auf die ungesäuerten Brote: an demselben Tage nämlich will ich eure Heerschar aus dem Lande Ägypten führen, wofür ihr diesen Tag eure Geschlechter hindurch in ewiger Feier begehen sollt“ (Exod 12, 1-17).

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