Vom Kostbaren Blut Christi

von antimodernist2014

Dieses zeremonielle Gleichnis sollte für uns leicht zu lesen sein: So wie das Osterfest im Alten Testament die Erinnerung daran war, daß die Israeliten durch das Blut des geschlachteten Lammes von dem leiblichen Tode bewahrt und aus der Knechtschaft befreit wurden, ebenso ist es im Neuen Testament das Erlösungsfest aus der Herrschaft des Satans und das Hochfest der Verschonung vom ewigen Tod im Zeichen des Blutes unseres Osterlammes Jesus Christus. Jesus Christus ist das makellose Lamm, das mit dem Osterlamm angedeutet wird. ER ist das sündenlose Opfer, das Gott wohlgefällig ist. In diesem Sinne wird es von der Kirche als „ewige Feier mit immerwährendem Dienste“ fort bis ans Ende der Zeiten begangen.

Die Symbolik des Paschamahles

Das Brot gilt als die wichtigste Nahrung unseres Lebens. Die neuen ungesäuerten Brote dieser Paschanacht sollten das neue Leben Israels für Gott und die Absonderung von der heidnischen Durchsäuerung Ägyptens symbolisieren. Wer darum vom gesäuerten Brot ißt, der gibt damit kund, daß er an dem neuen Leben mit Gott keinen Anteil haben will. Darum soll er dem Tod verfallen. Ungesäuerte Brote waren dünne, nur aus Mehl und Wasser gebackene Kuchen, die als Bild der Unverdorbenheit und Aufrichtigkeit galten. Die bitteren, scharfen Kräuter aber, die man essen sollte, sollten das Volk an seine harten Tage der Knechtschaft in Ägypten erinnern.

„Moses berief hierauf alle Ältesten der Söhne Israels und sprach zu ihnen: Gehet hin und wählet aus ein Opfertier je für eure Familien und schlachtet es als Pascha. Auch tauchet Ysopbüschel in das Blut, das an der Türe bereitstehe, und sprenget davon an die Oberschwelle und die beiden Pfosten, dann trete niemand von euch mehr aus der Türe seines Hauses bis zum Morgen. Denn der Herr wird vorübergehen, zu schlagen die Ägypter; wo er aber das Blut an der Oberschwelle und an den beiden Pfosten sehen wird, da wird er die Türe dieses Hauses übergehen und den Verderber in eure Häuser nicht eindringen und nicht verletzen lassen. Diese Vorschrift halte als Gesetz, du und deine Söhne für alle Zeit. Auch wenn ihr angelangt sein werdet in dem Lande, welches der Herr euch geben wird nach seinem Versprechen, sollt ihr beobachten diese Zeremonien. Und wenn euch eure Söhne fragen: Was ist das für ein Gottesdienst?, so antwortet ihnen: Das Opfer für das Vorübergehen des Herrn ist es, als er an den Häusern der Söhne Israel in Ägypten vorüberging, die Ägypter schlug, aber unsere Häuser schonte. Da warf sich das Volk nieder und betete an“ (Exod 12, 21 -27).

Das Blut des Lammes, das an die Türpfosten gestrichen wurde, errettete die Israeliten vor dem Zorngericht Gottes und hatte nur Geltung für diese eine Nacht. Das Schlachten des Osterlammes jedoch und das Essen der ungesäuerten Brote galt für alle Zeit, denn es sollte seine Erfüllung finden im blutigen Opfer Jesu Christi am Kreuz.

Um diese Symbolik verstehen zu können, muß man sich in den Sinn hineindenken, der sich darin verbirgt. Was bedeutet „Blut“ eigentlich? Im Alten Bund wurde das Blut in Einheit mit dem Leben gesehen und als göttliche Gabe, als einzigartiges Geschenk des Schöpfers verstanden, darum durfte man im alten Israel „Blut nicht vergießen“, was einem Mord gleichkam (vgl. Gen 9,6; Dtn 21,7). Aus dem gleichen Grund sollte man damals Blut auch nicht genießen (vgl. Lev 3,17; 19,26). Deshalb waren in Israel, anders als bei manchen heidnischen Völkern, Menschenopfer verboten (Lev 18,22; Dtn 12,31). Tieropfer waren dagegen in Israel die eigentliche Gabe an Gott. Das Blut der geopferten Tiere aber gewann im Zusammenhang mit dem Opferritus eine besondere Bedeutung. Mit dem Opferblut wurden der Altar und die Menschen vom Hohenpriester besprengt. Der Grund dieser tiefsinnigen Zeremonie lag darin, daß auf diese Weise der Bund Gottes mit dem opfernden Volk bekräftigt wurde. Das von Gott angenommene Blut galt als das Bundeszeichen, welches das Volk mit Gott vereinte. Deshalb wurde das Volk Israel nach dem Bund auf dem Sinai auch mit dem Blut des Paschalamms besprengt (Ex 12,13 – 27). Dieses Blut hatte reinigende Kraft und stellte die Gemeinschaft der Sünder mit Gott wieder her.

Der Keltertreter

Es gibt noch weitere Vorbilder im Alten Bund, die das Opfer des Neuen Bundes andeuten: Das Opfer Abels und Melchisedechs oder auch das Blut des Opfertieres zum Abschluß des Alten Bundes, das in den vielen Opfern im Tempel immer wieder erneuert wurde. Ein besonders eindringliches Vorbild aber ist der Keltertreter, den der Prophet Isaias beschreibt:

„Wer ist der, so da kommt von Edom, in geröteten Kleidern von Bosra? Er, prangend in seinem Gewande, einherschreitend in der Fülle seiner Kraft?
Ich, der ich Gerechtigkeit rede und heldenkräftig bin, um zu helfen.
Warum nun ist rot dein Gewand und deine Kleider wie das des Keltertreters?
Die Kelter trat ich allein, und von den Völkern war niemand mit mir; ich zertrat sie in meinem Zorne und zerstampfte sie in meinem Grimme, und es spritzte ihr Blut über meine Kleider, und alle meine Gewänder befleckte ich. Denn ein Tag der Vergeltung ist in meinem Herzen, meiner Erlösung Jahr ist gekommen. Und ich blickte ringsum, und da war kein Helfer; ich suchte, und niemand war, der unterstützte: und mein Arm half mir und mein Eifer, er ward meine Stütze. Und ich trat Völker nieder in meinem Zorne und machte sie hintaumeln in meinem Grimme und warf zu Boden ihre Lebenskraft“ (Is 63, 1-6).

Der göttliche Heiland und Welterlöser erscheint hier, nach vollendetem Kampf, als Sieger und Triumphator. Der auferstandene Christus, der in Seinen heiligen Wundmalen die Zeichen seines Kampfes, durch welchen uns Gerechtigkeit und Gnade zuteil geworden ist, bewahrt, Christus, der König der Herrlichkeit: das ist der Inhalt dieser Weissagung.

Das beeindruckende Bild vom Keltern des Weines als Sinnbild für die göttlichen Strafgerichte ist allein der Heiligen Schrift eigentümlich. Auf altägyptischen Darstellungen sieht man, wie die Keltertreter bis weit herauf über die Fußknöchel in der mit Trauben gefüllten Kufe stehen und sich mit den Händen an Seilen halten, die an Deckbalken des Kelterraumes befestigt sind. Der Saft der gekelterten Trauben läuft durch Öffnungen im unteren Rand der Kufe in Nebentröge ab – „Warum nun ist rot dein Gewand und deine Kleider wie das des Keltertreters?“

Was für ein ergreifendes Bild für den leidenden Welterlöser, Christus am Kreuz, der als „Keltertreter“ vom Blut seiner Wunden überströmt – „ich zertrat sie in meinem Zorne und zerstampfte sie in meinem Grimme, und es spritzte ihr Blut über meine Kleider, und alle meine Gewänder befleckte ich“. Man möchte ausrufen: Was für ein Geheimnis göttlicher Liebe, in dem der ewige Hohepriester Sein eigenes Blut für uns vergießt, „spritzte ihr Blut über meine Kleider“. Schon bei den Vätern wie etwa Cyprian, Augustinus und Gregor dem Großen ist aufgrund dieser prophetischen Stelle der Keltertreter das Vorbild für unseren mit unzähligen Wunden bedeckten und vom Blut überströmten göttlichen Erlöser. Es ist ein schon von Origenes und Tertullian und später in der christlichen Kunst oft angewandtes tiefsinniges Bild.

Was wir nämlich am leidenden Heiland als Unterpfand seiner Liebe zu uns erblicken und verehren – seine Wunden und sein kostbares Blut –, ist genausogut die Folge und das Zeichen des göttlichen Zornes und Seiner Gerechtigkeit. Denn genauso wie Gott das Gute liebt, haßt er auch das Böse, was der moderne Mensch nicht mehr wahr haben möchte – und noch etwas: Gott zürnt der Sünde. Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, hat allein alle Sünden der Welt auf sich genommen und an „seinem Leibe (seiner heiligsten Menschheit) auf das Holz (des Kreuzes) getragen“ (1 Petr 2, 24). In Ihm und durch Ihn wurde der geheimnisvolle Kampf zwischen dem göttlichen Zorne und dem göttlichen Erbarmen ausgetragen. Indem ER siegte, unterlag die Sünde und der Satan als „Fürst dieser Welt“.

Noch etwas bringt das Bild des Keltertreters ergreifend zum Ausdruck: Allein steht der große Gottesheld in seinem unermeßlichen Kampf. Verlassen hängt Jesus am Kreuz und als gekreuzigter Mittler schwebt ER einsam zwischen Himmel und Erde. Sein Auge erblickt nur höhnende Feinde und von den Freunden nur die wenigen, die er selbst trösten, selbst erlösen muß. Da hilft ihm „sein Arm“, die göttliche Macht, in welcher er mit ausgespannten Armen und durchbohrten Händen die Welt zu sich hinanhebt, und sein „Eifer“, sein starker Opfermut besteht den Kampf bis zum Vollbrachtsein.

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