Vom Kostbaren Blut Christi

von antimodernist2014

Sein „Gewand“, das ist des Heilandes heiligste Menschheit, ist mit den Trophäen des Sieges, dem Purpur und den Malen der Wunden bezeichnet für ewig, so wie es der Seher von Patmos, der hl. Johannes beschreibt: „Und ich sah den Himmel eröffnet, und siehe, ein weißes Roß; und der da saß auf ihm, war genannt ‚Getreuer und Wahrhaftiger‘, und in Gerechtigkeit richtet und streitet er. Seine Augen aber sind wie Feuerflammen und auf seinem Haupte viele Diademe; er hat einen Namen geschrieben, welchen niemand weiß außer er selbst. Und angetan war er mit einem Kleide, das gefärbt war in Blut; und sein Name wird genannt: das Wort Gottes. Und die Heere, welche im Himmel sind, folgen ihm auf weißen Rossen, gekleidet in weißen und reinen Byssus. Und aus seinem Munde gehet aus ein zweischneidig scharfes Schwert, daß er damit die Völker schlage. Und er wird sie weiden mit eisernem Stabe und selber tritt er die Kelter des Zornweines des Grimmes Gottes, des Allmächtigen…“ (Off 19, 11-15).

Neues Lamm im Neuen Bunde

Lassen wir uns nun vom hl. Paulus erklären, wie Gott die Vorbilder abgelöst und zur Vollendung gebracht hat, wie es der hl. Thomas in der Sequenz des Fronleichnamsfestes so ergreifend schön zum Ausdruck bringt:

Neuen Königs Tafelrunde,
Neues Lamm im Neuen Bunde,
Hat des Alten End‘ gebracht.
Neues treibt das Alte fort,
Schatten scheucht der Wahrheit Wort,
Und das Licht verbannt die Nacht.

„Der frühere Bund hatte zwar auch Vorschriften für den Gottesdienst und für das irdische Heiligtum. Es wurde ja ein Zelt errichtet, in dessen vorderem Teil der Leuchter sich befand sowie der Tisch mit den Schaubroten; der Teil heißt ‚Heiligtum‘. Und hinter dem zweiten Vorhang war das Zelt, das man das ,Allerheiligste‘ nennt. Darin stand der goldene Rauchopferaltar und die mit Gold überzogene Bundeslade. In dieser war ein goldenes Gefäß mit Manna und Aarons Stab, der grünte, und die Gesetzestafeln. Und über ihr beschatteten die Cherubim der Glorie den Sühnedeckel. Jedoch hierüber ist jetzt nicht im einzelnen zu reden. Entsprechend dieser Einrichtung betreten die Priester stets nur den vorderen Raum des Zeltes, um ihrem heiligen Dienste zu obliegen; doch in den hintern Raum tritt nur der Hohepriester ein, und zwar nur ein einziges Mal im Jahre und dann nicht ohne Blut, das er für sich und die unwissentlichen Verfehlungen des Volkes darbringt. Es offenbart dadurch der Heilige Geist, der Zugang zu dem Heiligtum sei noch nicht offen, solange das erste Zelt noch Bestand hat. Das ist aber nur ein Gleichnis für die gegenwärtige Zeit, wonach Opfer und Gaben dargebracht werden, die nicht die Kraft besitzen, den Opfernden im Gewissen zu vollenden. Sie stehen vielmehr in gleicher Linie mit den Vorschriften für Speis und Trank und für verschiedene Waschungen, nur äußerliche Heiligungsmittel bis zur Zeit der Neugestaltung. Christus dagegen kam als Hoherpriester für die zukünftigen Güter; er trat durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht mit Händen gemacht ist, das heißt, das nicht dieser Erde angehört, auch nicht mit Blut von Böcken und von Rindern, vielmehr mit seinem eigenen Blute ein für allemal hinein in das Allerheiligste, wodurch er ewige Erlösung bewirkt hat. Wenn schon das Blut von Böcken und von Stieren sowie die Asche einer Kuh durch die Besprengung Unreine heiligen kann, so daß sie äußerlich gereinigt werden, um wieviel mehr wird das Blut Christi, der durch den ewigen Geist sich selbst untadelig Gott dargebracht hat, eure Gewissen von den toten Werken reinigen, damit ihr dem lebendigen Gott dient! Deshalb ist er auch Mittler eines neuen Bundes, daß die Berufenen das verheißene ewige Erbe zum Besitz erhalten“ (Hebr 9, 1-15).
„Wir haben einen Altar, von dem die nicht essen dürfen, die dem Zelte dienen. Denn die Leiber jener Tiere, von deren Blut vom Hohenpriester zur Sühne für die Sünden etwas in das Allerheiligste getragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt. Darum hat auch Jesus, um durch sein Blut sein Volk zu heiligen, außerhalb des Stadttores gelitten. So laßt uns denn zu ihm vor das Lager hinausgehen und laßt uns seine Schmach mit ihm tragen“ (ebd. 13, 10-13).

Nur einmal im Jahr und nur allein der dazu bestimmte Hohepriester durfte im Tempel des Alten Bundes ins Allerheiligste eintreten, worin „der goldene Rauchopferaltar und die mit Gold überzogene Bundeslade stand“. Dazu erklärt nun der hl. Paulus: „Es offenbart dadurch der Heilige Geist, der Zugang zu dem Heiligtum sei noch nicht offen, solange das erste Zelt noch Bestand hat“. Die Opfer des Alten Bundes hatten in sich keinen sühnenden Wert, sie waren nur Vorbilder für das eigentliche, einzige, einzigartige Opfer des Priesters nach der Ordnung des Melchisedech. „Christus dagegen kam als Hoherpriester für die zukünftigen Güter; er trat durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht mit Händen gemacht ist, das heißt, das nicht dieser Erde angehört, auch nicht mit Blut von Böcken und von Rindern, vielmehr mit seinem eigenen Blute ein für allemal hinein in das Allerheiligste, wodurch er ewige Erlösung bewirkt hat.“ Sein zur Sühne vergossenes Blut hat wahren, vor Gott der Gerechtigkeit genügenden Wert, weil ER nämlich „durch den ewigen Geist sich selbst untadelig Gott dargebracht hat“. Er ist der „Mittler eines neuen Bundes“, eines ewigen Bundes in Seinem Blut, wie es in den Wandlungsworten über den Wein heißt: „Das ist der Kelch Meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes – Geheimnis des Glaubens –, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“

Die heilige Katharina von Siena sinnt über dieses Geheimnis mit glühendem Herzen nach: „Mit seinem Blut hat er ja das Antlitz unserer Seele gewaschen. Im Blut, das mit soviel Feuer der Liebe und mit soviel Geduld vergossen wurde, schuf er uns neu zur Gnade. Das Blut beschönigte unsere Nacktheit, da es uns mit Gnade bekleidete. Die Wärme des Blutes ließ die Lauheit des Menschen auftauen. Im Blut wurde die Finsternis zerstört und das Licht geschenkt. Im Blut wird die Eigenliebe verzehrt, d.h. die Seele, die nur auf sich schaut, wird vom Blut geliebt und bekommt dadurch eine Stütze, an der sie sich erheben kann aus der elenden Eigenliebe. Nun kann sie ihren Erlöser lieben, der ihr mit soviel Liebesfeuer das Leben gab und wie ein Verliebter den schmachvollen Tod auf sich nahm.“

Das Blut des Neuen und Ewigen Bundes

Dieses Blut Christi ist nun auf unseren Altären, das Blut des neuen und ewigen Bundes wird im heiligen Meßkelch, „dem geheiligten Kelch Melchisedechs“ aufgefangen, wie es der Jesuitenpater Johannes Baptist Reus, der 1947 im Ruf Heiligkeit in Brasilien gestorben ist, in seinem Tagebuch aufzeichnet („Das Größte ist die Liebe“, Pfr. A. M. Weigl, Verlag St. Grignionhaus, Altötting): „Bei Beginn der heiligen Wandlung merkte ich plötzlich, daß der liebe Heiland vom Kreuz unmittelbar vor mir war. Sobald ich die Worte sprach: ‚Hic est…‘, fielen Tropfen des heiligen Blutes aus der heiligen Seitenwunde in meinen Kelch. Als ich fortfuhr mit: ‚calix sanguinis mei‘, floß das heilige Blut strömend hernieder in den Kelch hinein.“ (Heilige, tröstliche Wahrheit! – 17.1.1940).

Dieser „Kelch meines Blutes“ mahnt uns an das Herz Jesu, das die Wohnstätte war, in dem das Blut unserer Erlösung bereitet wurde. Das Herz Jesu ist auch die Quelle, aus der sich das heilkräftige Blut so verschwenderisch vergoß und immer noch jeden Tag den Opferkelch auf unseren Altären füllt. Der hl. Kaspar del Bufalo, dieser große Verehrer des Kostbaren Blutes, erinnert uns daran: „Aus Liebe hat Jesus all sein Blut für uns vergossen. Darum sind wir in seinem Herzen zu Hause.“

Dieses Kostbare Blut möchte unser Leben verwandeln, wie der hl. Isaak von Antiochien es so wunderschön beschreibt:

„Der Glaube lud mich ein, mich an seinen Vorräten zu erquicken. Er ließ mich an seinem Tische Platz nehmen und trug die Früchte des Geistes auf, er ebnete den Weg zu seiner Pforte, auf daß ich sicher mit ihm wandeln möchte. Er geleitete mich auf den rechten Pfad, damit ich nicht im schmählichen Irrtum umherirre. Ich trat mit ihm ein in seine Wohnung und gelangte zur Stätte der Ruhe; da sah ich alle die Vorräte, welche er den von ihm Geladenen bereitet hatte. Ich sah sein Haus mit Friede, Liebe und Eintracht geschmückt und prophetische Aussprüche gleich Ruhelagern darin ausgebreitet. Ich sah seinen gemischten Krug, welcher mit Blut statt mit Wein gefüllt war; und statt des Brotes war der geschlachtete Leib auf den Tisch gelegt. Ich sah das Blut und schauderte, ich sah den geopferten Leib, und Beben ergriff mich. Da winkte er mir zu: ‘Iß und schweige! Trinke, Kind, und rede nicht!’ Er setzte mich obenan bei seinem Mahle und gab mir einen hohen Platz und sagte zu mir: ‘Bleibe bei mir und arbeite mit mir für hohen Lohn!’ Er mischte mir den Becher seiner Liebe, und mein vertrockneter Gaumen ward erquickt. Aus seinen Händen empfing ich und nahm statt des Weines das heilige Blut entgegen. Mich umfangend, legte er den Arm unter mein Haupt und stützte mich wie ein Kind. Er reichte mir den Leib und das Blut, indem er zu mir sagte: ‘Nimm und erquicke dich!’ über Tische flüsterte er mir geheimnisvolle und erhabene Dinge zu und sang mir liebliche Lieder, auf daß ich mich an ihrer Weise erfreute. Er munterte mich auf wie einen Knaben und trieb mich an wie ein Kindlein. Dann lehrte er mich die Kostbarkeiten, die er mir vorgelegt hatte, lobsingend preisen. Er zeigte mir den getöteten Leib, legte davon auf meine Lippen und rief mir liebevoll zu: ‘Siehe, was du da issest!’ Alsdann reichte er mir das Schreibrohr des Geistes und verlangte, daß ich es zur Hand nähme; ich aber ergriff es, schrieb und bekannte: ‘Dies ist der Leib Gottes.’ Ebenso ergriff ich auch den Kelch und trank ihn bei seinem Gastmahle; da traf mich aus dem Kelche der Duft jenes Leibes, von welchem ich genossen hatte. Und dasselbe, was ich vom Leibe gesagt hatte, daß er der Leib Gottes sei, eben dasselbe bezeugte ich nun auch vom Kelche, nämlich: ‘Dies ist das Blut unseres Erlösers.’
Alles dies zeigte mir der Glaube bei seinem Gastmahle und sandte mich dann hinaus, auf daß ich draußen in der Welt die gewisse Wahrheit verkünden sollte.“

Ehe der Priester beim hl. Meßopfer das Kostbare Blut trinkt, macht er mit dem Kelch ein Kreuz über sich und spricht dazu die Segensworte: „Das Blut unseres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen.“ Nikolaus Gihr erläutert dazu in seinem Buch über „Das heilige Meßopfer“: „Dann trinkt er mit Sehnsucht, Innigkeit und Wonne das kostbare Opferblut. In diesem Augenblick jubelt sein Herz: ‚Mein Kelch, der berauschende – wie herrlich ist er!‘ (Ps. 22,5) Der mystische Opferkelch erfüllt die Seele mit himmlischer Trunkenheit, welche alles Irdische vergessen macht. ‚Höre, wie die Kirche mahnt, wie sie singt, nicht nur in ihren Liedern, nein, auch im Hohenliede: Esset, meine Freunde, trinket und berauschet euch, meine Väter. Aber diese Trunkenheit macht nüchtern: dies ist die Trunkenheit der Gnade, nicht des Rausches, die Freude zeugt, nicht Taumel.‘ (Hl. Ambrosius) Wahrlich! Überaus herrlich, hochedel, königlich ist der berauschende Opferkelch: leuchtender als die Glut des Morgen- und Abendrots funkelt darin jenes heilige Blut, das einstens die sterblichen Glieder des Heilandes durchströmte und belebte; jenes göttliche Blut, das im bitteren Leiden und Tod aus seinem zerrissenen Leib und seinem durchbohrten Herzen auf die Erde sich ergoß; jenes anbetungswürdige Blut, das droben im Himmel und hier im Tabernakel wogt und wallt im leiblichen Herzen Jesu; jenes kostbare Blut, das als Preis unserer Erlösung im ewigen frischen Quell des Opfers und im siebenfachen Strom der Sakramente über die Erde hinflutet und deren Angesicht erneuert!“ (Dr. Nikolaus Gihr, Das heilige Meßopfer, Freiburg im Breisgau, Herdersche Verlagsbuchhandlung 1912, S. 658).

Betrachten wir im Monat Juli dieses Geheimnis unserer Erlösung und erwägen wir in unserem Herzen, wie teuer wir erkauft wurden von unserem göttlichen Herrn. Je mehr wir aber das Kostbare Blut Jesu verehren, es anbeten und dafür danken, desto wirksamer wird die Gnade unsere Seele verwandeln, wie es der hl. Peter Julian Eymard, dieser große „Apostel der Eucharistie“ zu Ausdruck bringt: „Betet Jesus an und leistet ihm Sühne für eure Vergehen und für die aller Menschen. Bietet ihm eure Leiden an und die der Menschen, legt euch einige Werke der Buße auf. – Weil eure Genugtuungen und Bußübungen zu schwach und armselig sind, um die großen Vergehen zu sühnen, vereinigt sie mit jenen von Jesus Christus, eurem Erlöser am Kreuz. Sammelt das göttliche Blut, das seinen Wunden entquoll, und opfert es der göttlichen Gerechtigkeit zur Sühne auf; opfert die Leiden Jesu und seinen Tod am Kreuz auf. Bedient euch seiner Schmerzen und seines Gebetes am Kreuz, um vom himmlischen Vater Gnade und Barmherzigkeit für euch und für alle Sünder zu erflehen. Vereinigt eure Sühne mit jener der allerseligsten Jungfrau Maria zu Füßen des Kreuzes“ (Aus den Schriften des hl. Peter Julian Eymard [1811-1868], La Sainte Eucharistie I, Montréal 1950 [zit. Eucharistie – Licht und Leben], 1995, S. 190).

Erinnern wir uns öfters an den unermeßlichen Schatz der Erlösung, der uns im Kostbaren Blut sinnbildlich gezeigt wird und beten wir das Kostbare Blut an, wie etwa mit diesen Stoßgebeten: „Gnade und Erbarmen, o mein Jesus, in der gegenwärtigen Gefahr; bedecke uns mit Deinem kostbaren Blute. – Gelobt und gepriesen sei das heiligste Herz Jesu und das kostbare Blut im heiligsten Sakrament! – Jesus sei gelobt, gebenedeit, der uns in seinem Blute hat befreit!“

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