Nachtrag zum Sankt Michaelsgebet Leos XIII.

von antimodernist2014

Sogleich nach dem heiligen Meßopfer, welches der grundlegende, dauernde, notwendige, alle Gnaden erst ermöglichende Exorzismus der Kirche Jesu Christi ist, wendet sich der Priester nochmals Gott zu und fleht dabei ganz besonders um den Schutz und die Hilfe der Gottesmutter. Dementsprechend stellt Dom Prosper Guéranger in seiner Meßerklärung fest: „Die heilige Kirche beruft alle ihre Glieder zur Teilnahme an dem großen Opfer; und wenn es möglich wäre, daß das Meßopfer einmal zu Ende ginge, daß es der Flamme gleich, die keine Nahrung mehr findet, erlösche, dann würden wir sofort aufs Neue in jenen unwürdigen Zustand zurücksinken, in welchem sich die mit dem Götzendienst befleckten Völker befanden. Darauf wird auch das Streben des Antichrist gerichtet sein. Er wird alle Mittel anwenden, um die Darbringung des heiligen Meßopfers zu verhindern, damit dies mächtige Gegengewicht gegen seine Herrschaft in Wegfall komme, und Gott die Schöpfung vernichte; denn es ist dann kein Grund mehr vorhanden, dieselbe bestehen zu lassen“ (Dom Prosper Guéranger, Die Heilige Messe, Sarto-Verlag 2004, S. 79).

Nimmt man diese Einsicht zu den schon gewonnen Erkenntnissen hinzu, so hat man den Eindruck, Leo XIII. wollte mit seinen Gebeten nach der Hl. Messe das heilige Meßopfer nochmals exorzistisch in Schutz nehmen, es sozusagen mit einer weiteren Wehrmauer umgeben und es so vor der Zerstörung durch Satan bewahren. Um diesen exorzistischen Schutz nochmals auszuweiten und zu verstärken, hat derselbe Papst auch noch den sogenannten „kleinen Exorzismus“ verfaßt, in dem ebenfalls jenes Michaelsgebet gebetet wird, in dem er, wie wir schon gehört haben, in größter oberhirtlicher Sorge zu Ausdruck bringt: „Die überaus durchtriebenen Feinde erfüllen die Kirche, die Braut des unbe?eckten Lammes, mit Galle und Bitterkeit und berauschen sie mit Wermut. Ihre frevlerischen Hände haben sie an die heiligsten Schätze gelegt. Selbst am heiligen Ort, wo der Sitz des heiligen Petrus und der Lehrstuhl der Wahrheit zur Erleuchtung der Völker errichtet ist, haben sie den Thron ihrer abscheulichen Gottlosigkeit aufgestellt, voller Heimtücke, damit, nachdem der Hirt geschlagen ist, sie auch die Herde zerstreuen können.“

Nach seiner Vision vom 13. Oktober 1884 sah also der Papst ohne Zweifel einen großen und äußerst drängenden Handlungsbedarf. Die Gebete nach der Hl. Messe allein schienen ihm noch nicht auszureichen, den Angriffen des höllischen Feindes entgegenzutreten, zusätzlich sollte von den Pfarrern täglich der „kleine Exorzismus“ gebetet werden, damit der Pfarrer als vom Bischof und damit von Gott legitimierte Autorität alle, die zu seiner Pfarrei gehörten, besonders vor den Angriffen der Dämonen schütze. Leider ist diesem Wunsch des Papstes kaum entsprochen worden, im Gegenteil. Der immer mehr um sich greifende Rationalismus führte selbst bei vielen „Katholiken“ dazu, die Existenz des Teufels zu leugnen.

Durch den Hinweis eines unserer Leser wurden wir, wie schon kurz erwähnt, darauf aufmerksam gemacht, daß das ursprüngliche Michaelsgebet (der „kleine Exorzismus“) nicht erst 1934 (Papst Pius XI. widmete damals allerdings die leoninischen Gebete dahingehend um, „dass das leidende Volk Russlands wieder Ruhe und Frieden finde, um den Glauben zu verkünden“; das war wohl seine Art, auf Fatima zu reagieren, statt die Weihe Rußlands durchzuführen, wie es von ihm gefordert war), sondern schon viel früher gekürzt wurde. Bereits 1902, also noch vor dem Tod Leos XIII., wurde es durch eine gekürzte Version ersetzt! Der Grund dafür war offenbar folgender: 1902 kam es zu einer Annäherung des Vatikans mit dem italienischen König. Da man aber die Stelle des Michaelsgebetes von den „gerissenen Feinden“, die den „Thron des grauenvollen Frevels aufgestellt“ haben, auch (bzw. irrtümlich muß man wohl sagen) auf den italienischen König, der im Quirinal seinen Thron aufgestellt hatte, bezogen hat, stand dieser Passus der Diplomatie sozusagen im Wege, weshalb man ihn gestrichen und das Michaelsgebet gekürzt hat.

Hierzu noch eine interessante Kurzbeschreibung Kardinal Rampollas aus dem universal-lexikon.deacademic.com, die die Beteiligung Rampollas an dieser Kürzung untermauern: „Mariano, Marchese del Tindaro, italienisch katholischer Theologe, * Polizzi (Provinz Palermo) 17. 8. 1843, + Rom 16. 12. 1913; wurde 1887 Kardinalstaatssekretär. Rampolla war maßgeblich an der Außenpolitik Leos XIII., insbesondere an seiner Hinwendung zu Italien und Frankreich (Ralliement) beteiligt. Er war zunächst Favorit für die Nachfolge Leos XIII.; seine distanzierte Haltung gegenüber den Dreibundmächten führte jedoch 1903 zum österreichischen Veto gegen ihn und zur Wahl Pius‘ X.“

Da Rampolla offensichtlich an der „Außenpolitik Leos XIII., insbesondere an seiner Hinwendung zu Italien und Frankreich (Ralliement) beteiligt“ war, ist es auch naheliegend, daß er das „diplomatische Hindernis“ im Michaelsgebet beseitigen ließ, bzw. Leo XIII. davon überzeugte, daß dies notwendig sei. Übrigens stand zu dieser Zeit Rampolla auf dem Zenit seiner Macht in Vatikan, was sich, wie wir schon gezeigt haben, ein Jahr später beim Konklave nach dem Tod des Papstes zeigte.

Jedenfalls findet sich in der „Collectio Rituum in usum cleri dioecesis basileensis ex venia approbatione Apostilicae sedis ad instar Appendicis Ritualis Romani jussu et auctoritate illustrissimi et reverendissimi D.D. Leonardi, episcopi Basileensis et Luganensis edita Solodori in cancelleria episcopali. MDCCCXCVI. Ratisbonae. Ex officina Fr. Pustet“ mit der Approbation der Ritenkongregation vom 12.8.1895 sowie der Authentifizierung seitens derselben Kongregation vom 28.9.1896 das unverkürzte Michaelsgebet auf Seite 371, wohingegen es im Rituale Romanum (editio octava), Regensburg 1906, appendix 193* schon gekürzt ist. Leider war es uns noch nicht möglich, Rituale aus der Zeit dazwischen ausfindig zu machen, so daß wir nicht bestätigen können, wann genau die Änderung stattfand. Das Jahr 1902 scheint aber eher bestätigt.

Jedenfalls muß man in der heute gegebenen geschichtlichen Distanz des ganzen Geschehens und dem daraus möglichen Hintergrundwissen, wohl sagen, daß der Freimaurer Rampolla, schon 18 Jahre nach der Einführung der leoninischen Gebete versuchte, diesen die geistige Speerspitze zu rauben – und damit seinen Weg zum Stuhl Petri frei zu machen! Denn anders als die modernen Pseudokatholiken glauben die Feinde der Kirche noch an die Macht des Gebetes und wissen, worauf es ankommt.

Sobald man nur einigermaßen ernsthaft den weiteren Verlauf der Geschichte erwägt, befällt einen ein starkes Gefühl der Beklemmung darüber, wie souverän es inzwischen dem Teufel gelingt, seine Pläne zu verwirklichen! Natürlich bleibt es nicht allein beim Angriff auf den kleinen Exorzismus, schon ab Mitte der 1940er Jahre sitzt ein Freimaurer im Vatikan, um endlich auch die liturgischen Angelegenheiten im Sinne des Teufels in Angriff zu nehmen. Es beginnt der Sturm gegen das heilige Meßopfer, der ebenfalls mit einem Sieg enden wird, denn mit der Instruktion „Inter Oecumenici“ vom 26. September 1964 werden nicht nur die leoninischen Gebete beseitigt, es wird mit dem Inkrafttreten der Instruktion am 7. März 1965 der Weg zur sog. Neuen Messe Pauls VI. freigemacht, in der schließlich das makellose Opfer des Gotteslammes, das im Opfer Abels vorgebildet wurde, durch das Kainsopfer ersetzt wurde, in dem anstatt des makellosen Lammes Gottes „die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit“, sowie „die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit“ (welchem Gott wohl?) dargebracht werden.

All das ist beinahe unbemerkt von der großen Mehrheit der „Katholiken“ geschehen – und auch der Hirten, die alles mitgemacht haben. Womit sich bewahrheitet hat, was die weinende Gottesmutter von La Salette prophezeite: „Die Häupter, die Führer des Gottesvolkes, haben das Gebet und die Buße vernachlässigt, und der Dämon hat ihren Verstand verdunkelt; sie sind irrende Sterne geworden, die der alte Teufel mit seinem Schweife nach sich zieht, um sie zu verderben.“ Darum fällt es auch inzwischen dem Teufel so leicht, die große Masse zu täuschen, denn: „Er hat sich in einen Engel des Lichtes verwandelt und schweift mit der ganzen Schar der bösen Geister umher, um des ganzen Erdkreises sich zu bemächtigen und den Namen Gottes und seines Gesalbten daraus zu vertilgen; um zu rauben, zu morden, in das ewige Verderben zu stürzen die Seelen, welche zur Krone der ewigen Herrlichkeit bestimmt sind.“

Ist es nicht genial, der Teufel braucht nur eine weiße Soutane anzuziehen – und fast alle halten ihn für den Papst der römisch katholischen Kirche? Selbst wenn, wie zur Zeit in Rom, zwei Männer mit einer weißen Soutane herumlaufen, denken die meisten Leute, jetzt haben wir zwei Päpste, einen mit dem Amt des Betens und einen mit dem Amt der Verwirrens. Dazu nochmals die weinende Gottesmutter von La Salette: „Sie werden sie in einer Weise blind machen, daß diese Menschen, falls sie nicht eine besondere Gnade empfangen, den Geist dieser bösen Engel annehmen werden.“ Mit „Sie“ sind die „Menschen, die Gott geweiht sind“, gemeint, in denen der aus der Hölle losgelassene Luzifer den Glauben allmählich auslöschen wird, wie wir schon gehört haben. Also sind sicherlich damit auch die zwei Herren in Weiß gemeint, die zur Zeit in Rom residieren und sich „Päpste“ nennen, der eine „papa emeritus“, der andere meist scheinbar bescheiden „Bischof von Rom“, obwohl sie es natürlich nicht sind.

Wie wir gehört haben, hat Gott dem Teufel geantwortet: „Du bekommst diese Zeit, und diese Macht.“ Und was ist in diesem Jahrhundert, das inzwischen vorüber ist, nicht alles geschehen! Die großen Geister haben es erahnt, was geschehen würde, wenn auch noch das heilige Meßopfer verschwinden würde. Dazu nochmals Dom Prosper Guéranger: „Wir erfahren diese Tatsache seit dem Bestehen des Protestantismus, der die Messe abgeschafft hat. Seit dieser Zeit hat die Kraft im Schoß der Gesellschaften eine bedeutende Abnahme erlitten. Ein gesellschaftlicher Kampf hat sich erhoben, der trostlose Zustände im Gefolge hat, und dessen letzte Wurzel darin zu suchen ist, daß das heilige Meßopfer nicht mehr in der gleichen Ausdehnung dargebracht wird. Das ist der Anfang dessen, was geschehen wird, wenn der über die Erde entfesselte Teufel und seine Anhänger Verwirrung und Trostlosigkeit verbreiten; wie dies Daniel vorherverkündigt hat. Er wird die Weihen verhindern, die Priester aussterben lassen, und so der Darbringung des großen Opfers immer engere Grenzen ziehen. Dann aber kommen die Tage des Unglücks“ (Ebd.).

Nachdem der tägliche Exorzismus durch die List des Teufels in sich zusammengebrochen ist – das heilige Meßopfer wurde zerstört und die Weihen durch die neuen Riten ungültig gemacht – brachen für alle Katholiken „die Tage des Unglücks“ an. Der Teufel triumphiert in der Welt, die nun fast ganz seine Welt ist. Nunmehr ist es eine erschreckende Tatsache, was Ernst Jünger so treffend formulierte: „Die verwaisten Altäre sind von Dämonen bewohnt.“ Damit offenbart sich immer deutlicher, daß die Verantwortlichen „den Geist dieser bösen Engel“ angenommen haben, sind sie doch inzwischen selbst bereit, Dämonen zu verehren, wenn sie etwa einen Roncalli oder Wojtyla als Heiligen in ihrer „Kirche“ auf den Sockel stellen. Das verwundert einen natürlich nicht, nachdem 1986 – also 102 Jahre nach der Vision des Papstes Leo XIII. – sich die Dämonen aller Religionen der Welt („Denn alle Götzen der Heiden sind Dämonen“, Ps. 95,5) auf Einladung Karol Wojtylas, alias „Johannes Paul II.“ in den Kirchen von Assisi ein Stelldichein geben durften. Seitdem ist es ein unübersehbares Faktum: Die Dämonen sind zurückgekehrt!

Dabei denkt man unwillkürlich an die ernste Mahnung unseres göttlichen Lehrmeisters im heiligen Evangelium: „Wenn ein unreiner Geist aus einem Menschen ausgefahren ist, schweift er durch die Wüste und sucht eine Ruhestätte, findet aber keine. Da denkt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich ausgezogen bin. Und wenn er kommt und es leer, ausgefegt und geschmückt vorfindet, geht er hin und holt noch sieben andere Geister, die schlimmer sind als er selbst. Sie ziehen ein und lassen sich darin nieder. Und die letzten Dinge jenes Menschen werden schlimmer sein als die ersten. So wird es auch diesem bösen Geschlecht ergehen“ (Mt. 12,43-45).

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