Der Lotse verläßt das gesunkene Schiff

von antimodernist2014

Die Unfehlbarkeit bedeutet „nur“, beachten wir die Wortwahl, sie „bedeutet nur“, daß „er bei der Verkündigung eines Dogmas keinen Irrtum verkündet und daß dort, wo der Papst ist, die Katholische Kirche ist“. Eine etwas seltsame gedankliche Verknüpfung, die ebenfalls lefebvristischen Ursprungs sein dürfte. Im Klartext heißt das aber: Der Papst ist „nur“ dann ein Garant des wahren Glaubens, wenn er ein Dogma verkündet (wir erinnern nochmals daran, nach „Kardinal“ Müller, seinerseits der Garant für den wahren Glauben, gibt es deren insgesamt nicht mehr als drei!) – also, wenn auch der Papst bisher nur dreimal unfehlbar war und somit in allen anderen Entscheidungen uns lehrmäßig in die Pfanne hauen kann, so weiß ich dennoch: dort, wo der Papst ist, ist auch die Kirche. Sehr beruhigend, möchte man in einem nicht mehr zu unterdrückenden Sarkasmus sagen: Da ist es ja ganz einfach, katholisch zu sein. Es kommt überhaupt nicht darauf an, was ich glaube, ich muß nur einer weißen Soutane hinterherrennen – aber nein, o Schreck, selbst das ist inzwischen nicht mehr so einfach, denn zur Zeit laufen ja zwei Männer in Rom in weißen Soutanen herum. Was für eine verwirrende Gemeinheit! Kann denn nicht wenigstens der „Papa emeritus“ seine weiße Soutane ausziehen, damit man sich wenigstens hierbei wieder auskennt?

Trotz alledem meint der Schreiber, uns mit dem hl. Matthäus beruhigen zu können, denn es steht ja geschrieben‚ „die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“. Wobei man doch auch hierbei wieder nicht ganz vergessen darf, daß der Teufel der Kirche durchaus schweren Schaden zufügen kann. Dennoch dürfen wir uns wenigstens mit dem Gedanken trösten: Er wird sie aber nicht zerstören, nein, das wird er dann doch nicht. Solche Erwägungen mögen nun zwar für unseren Schreiber recht beruhigend sein – aber durchaus nicht für einen Katholiken. Der wird sich spätestens jetzt fragen müssen, woran er sich denn dann überhaupt mit seinem Glauben noch orientieren kann und soll? Jetzt, wo der „Papst“ auch noch den letzten Garanten des wahren Glaubens aus dem Amt entfernt hat? Eine echt dumme Situation, oder etwa nicht?

Aber nicht verzagen, ihr armen Katholiken, wir haben ja noch unseren genialen Denker, der immerhin bei den Petrusbrüdern Theologie studiert hat. Er befürchtet zunächst einmal: „Muß man davon ausgehen daß er die Lehre der Katholischen Kirche, die in der Enzyklika ‚Veritatis Splendor‘ dargelegt ist, nicht vertreten will?“ Mit „er“ meint der Schreiber tatsächlich seinen Papst! Er, der Schreiber, muß sich also ernsthaft fragen, ob er, sein Papst nämlich, sich noch an die überlieferte Glaubens- und Sittenlehre gebunden weiß, weil er nämlich dem „Kardinal“ Müller keine Antwort auf seine Fragen bezüglich der rechten Sittenlehre in dem Schreiben über Familie und Liebe, „Amoris laetitia“, gegeben hat. Was ja nun wirklich eine bodenlose Gemeinheit ist, wo doch der Herr Kardinal und nicht der Herr Papst der Garant der Wahrheit ist – oder war das doch etwas anders? Mag es sein, wie immer: „Die Schroffheit, mit der Papst Franziskus Kardinal Müller abgesetzt hat, verletzt nicht nur die lehramtstreuen Katholiken…“ Was für eine Lieblosigkeit des Herrn in der weißen Soutane, durch diese hinterhältige Art der Absetzung von „Kardinal“ Müller werden die „lehramtstreuen Katholiken“ zutiefst verletzt. Haben wir richtig gelesen: Lehramtstreue Katholiken? Gibt es denn auch Katholiken, die nicht lehramtstreu sind? Etwa weil sie dem Herrn Müller mehr trauen als ihrem Papst, der doch allein das oberste Lehramt der Kirche innehat?

Wie wir sehen, hat es unser Schreiber nicht besonders mit der Stringenz der Gedanken, er springt gerne von einem zum andern. Dazu nochmals eine Kostprobe: „Die ‚katholischen‘ Ansprachen des Papstes könnte man für eine typisch jesuitische Doppelbödigkeit halten. Die Absetzung von Kardinal Müller hat viel weitreichendere Konsequenzen für die Glaubenslehre als einzelne Ansprachen des Papstes. Und wenn der Papst wollte, daß die katholische Glaubenslehre klar nach außen vertreten würde, dann hätte er ihn nicht abgesetzt.“

Das ist schon eine äußerst überzeugende Beweisführung, das ist nun wahrhaft katholisches Gedankengut: Vom doppelbödigen Papst über einen Kardinal, dessen Absetzung mehr Konsequenzen hat für Glaubenslehre als die Ansprachen des Papstes, weil nämlich Bergoglio den Müller nicht einfach absetzen darf, diesen Müller, den letzten Halt für die „lehramtstreuen Katholiken“. Eine bodenlose Frechheit ist das, jawohl! Das lassen wir „lehramtstreuen Katholiken“ uns nicht gefallen! „Wenn Gottes Gebote, wenn das Glaubensgut der Katholischen Kirche oder das Heil der Seelen auf dem Spiel stehen, dann muß ich mich irgendwann von diesem distanzieren und in Opposition zu ihm gehen.“

Jetzt sind wir bei dem richtigen Tradi-Stichwort: „Opposition“ der Katholiken – dem eigenen Papst gegenüber! Kaum ausgesprochen, wird es selbst unserem Müllersympathisanten etwas mulmig zumute, so möchte man wenigstens meinen. Aber nein, das ficht einen richtigen Traditionalisten mit Ausbildung im Petrusseminar in Wigratzbad nicht an, wie zu vermuten ist. Man ist direkt schon gespannt auf die möglichst geniale Lösung, oder nicht?

Die Lösung hört sich so an: „Wie soll man sich als Gläubiger in einer solchen Situation der ‚Verwirrung‘, wie die Autoren der ‚Dubia‘ (dt. Zweifel; Eingabe von Fragen an die zuständige Stelle im Vatikan) zurecht festhalten, verhalten? Es gilt an Zeiten zu erinnern, in denen große Teile der Kirche Irrlehren angehangen sind. Während der Wirren des Arianismus, der die Gottheit Jesu Christi leugnete, war der größere Teil des Klerus dem Irrtum verfallen. Papst Liberius erklärte den heiligen Athanasius als nicht mehr der Gemeinschaft der Kirche zugehörig, weil dieser die Gottheit Christi verteidigte.“

Es scheint kaum zu fassen! Der Wahnsinn stirbt einfach nicht aus, und einmal in die Welt gesetzte „Fake News“ sprossen der Hydra gleich stets doppelt so viele neue Häupter hervor, wenn man meint, eines abgeschlagen zu haben. Ob Petrus oder Pius oder sonst irgendwelche Tradis, immer wieder Papst Liberius – oder auch Honorius oder Vigilius… Wir möchten hier nicht eigens auf dieses Thema zurückkommen, wen es interessiert, der kann in unseren früheren Beiträgen dazu nachlesen ….

Solche gedankliche Entgleisungen geschehen jeweils dann, wenn der Wunsch Vater des Gedanken wird. All diese Tradis brauchen einen häretischen Papst, damit sie ihre Irrlehren verteidigen können. Diesen häretischen Papst hat es zwar in der Kirchengeschichte niemals gegeben. Aber in den gefälschten kirchengeschichtlichen Darstellungen der Protestanten, Jansenisten, Gallikaner und Altkatholiken findet man einen solchen. Jawohl, bei den Irrlehrern gibt es genügend Päpste, die Häretiker oder auch Antichristen gewesen sein sollen und die nun für die fadenscheinige „Beweisführung“ irrgläubiger Traditionalisten herhalten müssen. Man muß nur noch diese Irrlehren der Irrlehrer heranziehen, um die eigenen Irrlehren weiter vertreten zu können – mit bestem Wissen und Gewissen, so scheint es jedenfalls. Wenn es um die eigene Ideologie geht, ist diesen Leuten jeder Irrsinn recht.

Wobei diese Zusammenfassung sich wohl kaum noch übertreffen läßt: „Papst Liberius erklärte den heiligen Athanasius als nicht mehr der Gemeinschaft der Kirche zugehörig, weil dieser die Gottheit Christi verteidigte.“ Der arme Mann bildet sich tatsächlich ein, Papst Liberius habe den heiligen Athanasius exkommuniziert, und zwar weil „dieser die Gottheit Christi verteidigte“! So pointiert falsch liest man diesen Unsinn selten. Die „Gläubigen“, an die das Schreiben gerichtet ist, können einem wahrlich leid tun, denn, wenn sie den Glauben nicht schon lange aufgrund der Modernismuswirren verloren haben, ist zu befürchten, daß sie nach der Lektüre dieses Blättchens nicht nur den Glauben, sondern auch noch den letzten Rest ihres gesundem Menschenverstandes verlieren.

Der ehemalige Petrusmann meint sodann abschließend allen Ernstes: „Der Glaube hat nur überlebt, weil die einfachen Gläubigen ihm treu geblieben sind. Geduldiges treues Festhalten am Glauben und an der Gemeinschaft mit der Katholischen Kirche sind zwei entscheidende Pfeiler, mit denen man das Heil erreichen wird. Unterscheiden von Amt und Person sind ein weiterer wichtiger Punkt. Nur wenn die Amtsträger ihre Aufgabe gut erfüllen, darf man tun, was sie verlangen. Der Amtsträger verliert sein Amt nicht, wenn er es schlecht verwaltet.“

Wir fragen uns, warum hat Christus überhaupt Seine Kirche auf Petrus gegründet, warum hat Er ihm und seinen Nachfolgern überhaupt das Charisma der Unfehlbarkeit verliehen, wenn doch sowieso der „Glaube nur überlebt“ hat, „weil die einfachen Gläubigen ihm treu geblieben sind“. Und nochmals, wenn auch die Amtsträger noch so schlecht und verkehrt sind und alle möglichen oder auch unmöglichen Irrlehren verbreiten, sie verlieren dennoch niemals ihr Amt. Der arme Katholik muß sich also auch ganz geduldig von Wölfen leiten lassen und sich sodann genauso geduldig ständig einbilden, das würde seinem Glauben gar nicht schaden, weil er doch selbst viel besser weiß als die Herren Amtsträger zusammen mit ihrem „Papst“, was katholisch ist. Nur der Herr Müller würde da eine Ausnahme machen, denn der ist von den Guten. Aber leider hat „Papst“ Franziskus ihn unfairerweise, gemeinerweise oder auch einfach nur dummerweise in die Wüste geschickt, wobei er noch nicht einmal weiß, der Arme, wo seine Wüste nun sein wird. Aber das wird er schon überleben, bei der Pension, die ihm sicherlich nach seinen treuen Diensten (v.a. als Professor) gebührt bzw. seinem Ruhestandsgehalt als Alt-Bischof von Regensburg.

Da nun „Papst“ Franziskus offensichtlich beschlossen hat, die Herren im Vatikan turnusgemäß nach fünf Jahren auszutauschen, muß er sich wohl auch überlegen, welche Pensionsansprüche nach diesen fünf Jahren entstehen, denn sonst wird diese Regelung ganz schön teuer werden. Da könnte er sicherlich, würde er die Amtsperiode nochmals verlängern, ohne Probleme mit der Zeit jedes Jahr einen nagelneuen Rolls-Royce anschaffen. Der würde dann auch zu dieser so ganz besonderen Art von Armut des Herrn Bergolio, die in der Tat recht teuer kommt, ausgezeichnet passen.

Kehren wir abschließend nochmal zu Herrn „Kardinal“ Müller zurück. Am Juli 2017 war in ZEIT ONLINE zu lesen: „Der Theologe Wolfgang Beinert sagte, das Verhältnis zwischen Papst Franziskus und Müller sei von Anfang an nie sehr innig gewesen. ‚Das sind von der Chemie her zwei verschiedene Leute, die von Natur aus nicht zusammenpassen.‘ Eine Ablösung Müllers als Chef der Glaubenskongregation im Vatikan sei eine ‚Strafe‘. ‚Das ist eine Entlassung ins Nichts‘, sagte der ehemalige Hochschulprofessor der Deutschen Presse-Agentur. ‚Wo wollen Sie so einen Mann hintun?‘ Es gebe keine adäquate Lösung.“

Das ist nun wirklich ein Dilemma: „Wo wollen Sie so einen Mann hintun?“ Einen Mann, der besser weiß als sein peinlich fehlbarer Papst, was katholisch ist. Ein Mann, der zudem offensichtlich keinen Rückwärtsgang hat, wenn es darauf ankommt – übrigens genauso wie sein Kontrahent Bergoglio. Da ist es nicht verwunderlich, daß die Chemie zwischen den beiden nicht stimmte und Bergoglio es vorzog, den Fünfjahresvertrag seines obersten Glaubenshüters nicht zu verlängern.

Uns scheint das Ganze aber gar nicht so schwierig zu sein. Wir machen den Neurömern folgenden Vorschlag: Sie sollen ihn, den Kardinal Müller, einfach ebenfalls zum „Papst“ machen und ihr Papstkollegium zum Triumvirat erweitern. Mal sehen, wer sich dann durchsetzt – und ob „Papst“ Müller seine drei Dogmen vor „Papst“ Franziskus retten kann. Das würde sicher ganz schön spannend werden. Der emeritierte „Papst“ Benedikt kann derweilen sein „Amt des Betens“ ausüben, damit sich die beiden sodann nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen. Damit hat jeder der drei eine sinnvolle Beschäftigung.

Bei all diesen Erwägungen beginnt man sich aber doch allmählich zu fragen, warum unser ehemaliger Petrusmann sich gar so ereifert hat wegen des Schreibens des Herrn Bergoglio. Denn unfehlbare Lehre kann sie doch niemals enthalten haben, jedenfalls nach Kardinal Müllers Ansicht. Da muß man doch etwas großzügiger sein mit der Frage nach der Tradition, oder etwa nicht? Hat nicht jeder seine eigene Tradition und ist die Tradition in der Menschenmachwerkskirche nicht ganz schön lebendig und gerade deswegen auch ziemlich kurzlebig? Und damit natürlich auch die Ansichten des Herrn Bergoglio genauso wie des Herrn Müller. Da braucht es einfach nur Geduld, denn man muß nur auf den Nachfolger warten. Wobei aber, wenn man ganz nüchtern und ehrlich ist, dann wiederum keiner weiß, was der dann für eine Tradition hat. Aber das gehört doch eigentlich zum Wesen des Modernismus.

Eines kann man jedenfalls aus unserer Satire ganz sicher lernen: Wer die Menschenmachwerkskirche allzu ernst nimmt, weil er sie irrtümlicherweise mit der Kirche Jesu Christi verwechselt, der landet irgendwann im Wahnsinn – und jammert darüber, weil nun der Lotse das gesunkene Schiff verlassen hat. Was für ein Unheil für das gesunkene Schiff, die Besatzung und den Lotsen!

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