Schildbürgertheologen

von antimodernist2014

Trotz dieses bedauerlichen Deliriums lassen wir uns den Satz noch etwas genauer erläutern: „Das bedeutet, daß er das höchste Amt in einer Einrichtung innehat, die von unserem Herrn Jesus Christus gegründet wurde. Als solcher hat er nie und kann er auch nicht das Ziel und die Bestimmung dieser Einrichtung festlegen. Die Kirche ist die Kirche, ohne Rücksicht auf seine persönliche Meinung über sie. Das ist vielleicht gerade der seltene Fall, wo es für ihn angemessen wäre, um zu fragen, ‚Wer bin ich, um zu urteilen?‘“

Herr Bergoglio wird sich sicher nicht viel aus der Mahnung des Herrn Piusideologen machen, sondern munter seinen Haß gegen alles, was katholisch ist, austoben. Es ist direkt schon beängstigend, sehen zu müssen, der Piusphilosoph, Fachmann für Metaphysik (!), also die anspruchsvollste philosophische Disziplin, kommt aus seinen Tautolgoien gar nicht mehr heraus. Schon wieder weiß er uns äußerst luzid zu belehren: „Die Kirche ist die Kirche.“ Man muß schon sagen, für einen Katholiken in dieser apokalyptischen Zeit ist es schon sehr beruhigend und dazu noch äußerst hilfreich zu wissen, daß die Kirche die Kirche ist – und der Baum ein Baum, ein Hund ein Hund und die Katze eine Katze. Nur wüßte man als Katholik doch allzu gerne, welche „Kirche“ Herr P. Robinson von der gar nicht einmal so kleinen und einsamen Insel Australien genau meint? Ach ja, wir haben den ebenso luziden Nachsatz vergessen: „ohne Rücksicht auf seine persönliche Meinung über sie“. Mit „seine“ meint der Dozent immerhin seinen Papst!

Nun wissen freilich auch wir, daß „die Kirche die Kirche“ ist – als vernünftiger Satz lautet diese Aussage übrigens etwa so: Die katholische Kirche bleibt immer in ihrem Wesen nach gleich, weil sie von Gott gegründet wurde und von IHM die Verheißung Seines ständigen Beistandes bis ans Ende der Zeit hat. Deswegen wird die Kirche Jesu Christi niemals zugrunde gehen – aber das gilt doch nicht gleichbedeutend für die „Kirche“ des Herrn Bergoglio. Es müßte darum erst bewiesen werden, daß die „Kirche“, welcher Bergoglio vorsteht, die katholische Kirche ist. Daß die „Kirche“ des Herrn Robinson von der einsamen Insel nicht die katholische Kirche ist, kann man dagegen sofort mit Sicherheit sagen, wenn man den Nachsatz so nimmt, wie er dasteht: „ohne Rücksicht auf seine persönliche Meinung über sie“. Denn es ist durchaus nicht gleichgültig, was der Herr Bergoglio für eine Vorstellung von seiner „Kirche“ hat, also von der religiösen Gemeinschaft, deren oberster Chef und Lehrer er nach P. Robinson immerhin ist.

Denn letztlich formt seine Vorstellungen von „Kirche“ den Glauben dieser „Kirche“ und somit auch das Ziel dieser religiösen Gemeinschaft. Ein Dozent der Dogmatik eines Priesterseminars sollte doch eigentlich fähig sein zu erkennen, durch einen mit einer Tautologie verbundenen Satz kann man alles beweisen. Etwa: Eine Kuh ist eine Kuh, und zwar ganz ohne Rücksicht auf die persönliche Meinung von Herrn Bergoglio, aber auch ohne Rücksicht darauf, ob sie auf der Weide friedlich grast oder im Stall steht oder ob mit Nordkorea gerade ein Krieg droht oder nicht. Genauso wie ein Pferd ein Pferd ist und ein Ochse ein Ochse, egal ob die Welt sich noch dreht oder der jüngste Tag angebrochen ist.

Wie schon gesagt, ist das aber bei der Aussage unseres Herrn Paters aus der Piusbruderschaft wesentlich anders, denn die „Kirche“ des Herrn Bergoglio ist nicht einfach die Kirche Jesu Christi, nur weil irgendjemand meint, Herr Bergoglio, also ein öffentlicher Apostat, sei der Papst dieser Kirche. Daß unser Dogmatiker und Metaphysiker auf seiner Insel das meinen kann – gleich mit drei Tautologien hintereinander als Argumentationsbasis! –, zeigt nur umso drastischer, daß er offensichtlich in keiner Weise mehr, also mitnichten mehr weiß, was ein Papst der katholischen Kirche ist und immer wesentlich sein muß. Da er diesen hochgradigen Unsinn noch dazu mit Wissen und Willen seiner Oberen veröffentlicht hat, ist zu befürchten, daß dasselbe auch für diese gilt.

Hierbei soll noch besonders angemerkt werden: Jeder Chef irgendeiner Firma hat mehr zu sagen als der „Papst“ der Piusbrüder in ihrer „Kirche“, der „Papst“, der auch bei den Piusideologen noch der Stellvertreter Christi sein soll, was doch eher einer Beleidigung Christi gleichkommt. Also ist jede natürliche Gemeinschaft fester und besser geordnet als die „Kirche“ der Piusbrüder.

Nach so viel Erleuchtung durch die Piustaschenlampe ist man doch recht gespannt, was dem Dozenten des Piusseminars noch alles einfällt, bzw. welche tiefen Einsichten er noch aus seinem Eimer herauszaubert. Streng nach der Logik Wilhelm Buschs – „Er sagt‘s so schön und angenehm, was erstens, zweitens, drittens käm“ – fügt Hochwürden noch ein drittens hinzu: „Schließlich sind drittens die Mitglieder der Priesterbruderschaft genauso wie ihre Gläubigen bereits Mitglieder der wirklichen Gemeinschaft der katholischen Kirche, über die Papst Franziskus das sichtbare Haupt ist. Mit anderen Worten, sie haben bereits eine wirkliche Einheit mit Papst Franziskus – nicht mit Papst Franziskus in seinem ‚persönlichen Lehramt‘, sondern mit Papst Franziskus als Papst. Sie erkennen ihn als das leitende Haupt der Kirche an, sie haben sein Bild in den Sakristeien ihrer Kapellen, sie nennen seinen Namen bei der hl. Messe und bei der Sakramentsandacht. Diese Akte sind keine heuchlerischen Handlungen oder leere Symbole; sie zeigen die wirkliche Einheit an, die zwischen der Priesterbruderschaft und dem Papst besteht. Sie zeigen an, dass die Priesterbruderschaft mit Papst Franziskus bis zu einem gewissen Grad zusammenarbeitet, für die Interessen der heiligen Mutter Kirche.“

Nochmals eine überaus luzide Darlegung des Herrn Dogmatikers und Metaphysikers aus dem Piusseminar. Rekapitulieren wir kurz: Weil die Kirche die Kirche ist und der Papst der Papst und Papst Franziskus der Papst ist, deswegen gehören die Piusgläubigen immer schon zur Kirche, weil nämlich die Kirche die Kirche ist und der Papst der Papst und Papst Franziskus der Papst – und deswegen auch ganz selbstverständlich der Papst der Piusgläubigen ist. Freilich ist er das nicht in dem Sinne, daß wir, die Piusgläubigen, sein „persönliches Lehramt“ anerkennen, sondern einfach deswegen weil wir nämlich „sein Bild in den Sakristeien“ unserer Kapellen haben, „seinen Namen bei der hl. Messe“ nennen „und bei der Sakramentsandacht“.

Ein richtiger Katholik wird aufgrund dieser Kuriosa aus Australien denken: Ein Känguruh ist ein Känguruh, ein Wallaby ist ein Wallaby und ein Koala ist ein Koala – und das obwohl man ihm, gemeinerweise muß man schon sagen, ein T-Shirt mit dem Aufdruck eines Bildes des Bergoglio alias Franziskus angezogen hat. Bei den Piusbrüdern würde das Känguruh, der Wallaby oder Koala dadurch sicherlich zum Katholiken – und zwar zum besseren Katholiken, denn immerhin ist ein Bild Bergoglios auf dem T-Shirt noch besser als irgendwo in der Sakristei.

Es kann nicht anders sein, solche lehrmäßigen Kuriosa sind ziemlich teuer erkauft. Wie alle Irrlehrer versteckt auch unser Pius-Ideologe seine Irrlehre hinter einem neuen, schnell einmal erfundenen Begriff: „persönliches Lehramt“ heißt es da: „…Einheit mit Papst Franziskus – nicht mit Papst Franziskus in seinem ‚persönlichen Lehramt‘, sondern mit Papst Franziskus als Papst“. Wie wir schon eingesehen haben, ist diese Einheit mit dem Papst als Papst ein reines Gedankending. Mit diesem „Papst als Papst“ kann jeder in Einheit sein, solange er die angeführten Tautologien als Beweismittel akzeptiert, nämlich die Kirche ist Kirche und Papst Franziskus ist der Papst. Darum bildet sich unser Dogmatiker auch allen Ernstes ein, er könnte mit dem Papst als Papst in Einheit sein und zugleich dessen „persönliches Lehramt“ zurückweisen.

Nun könnte jemand einwenden, daß der australische Piusdogmatiker damit die rein privaten, persönlichen Meinungen des Herrn Bergoglio meint, wie ja auch dessen Vorgänger sein Jesusbuch als Privattheologe geschrieben hat. Das dürfte jedoch den hier gemeinten Sachverhalt nicht treffen. Der Pater fügt schließlich dem „persönlich“ nicht „Meinung“ an, sondern „Lehramt“ bei. Nun ist aber ein „Lehramt“, wenn es wahrlich Lehramt im kirchlichen Sinne ist gerade nicht „persönlich“, sondern „allgemein“ oder „feierlich“ oder „lebendig“ oder auch „kirchlich“, niemals aber „persönlich“ bzw. privat. Aber genau ein solches „persönliches Leeramt“ (d.h. allzeit irrtumsfähiges und auch allzeit irrendes Leeramt, darum auch mit zwei „ee“ und nicht mit „h“ geschrieben) braucht unser Dogmatiker für seine Irrlehre. Er braucht ein Leeramt, das er jederzeit zurückweisen, ignorieren oder auch als irrig bezeichnen kann, um es jederzeit korrigieren zu dürfen. Sodann bildet er sich ganz fest ein – sein Blick ist starr auf das Bild des „Papstes Franziskus“ in seiner Sakristei gerichtet – daß solcherlei Bekenntnisse zu seinem „Papst“ durchaus „keine heuchlerischen Handlungen oder leere Symbole“ sind, wie womöglich manche Römer und natürlich auch Sedisvakantisten und diese natürlich böswilligerweise und aus bitterem Eifer behaupten.

Deswegen betont P. Robinson auf seiner einsamen Insel abschließend ausdrücklich: „Dieser Punkt ist sehr wichtig angesichts derer, die daran festhalten, daß eine kirchenrechtliche Anerkennung unter allen Umständen falsch sei, solange der Papst nicht denselben Glauben an die katholische Kirche hat wie die Traditionalisten, denn dann würden die Traditionalisten versuchen, ihre Anstrengungen mit jemandem zu vereinigen, der nicht dasselbe Ziel teilt. Die Tatsache ist, daß die Traditionalisten notwendigerweise ihre Anstrengung bis zu einem gewissen Grad mit Papst Franziskus vereinigen müssen, einfach dadurch, daß sie ihn als Papst anerkennen und versuchen, die Interessen der Institution, von der er das sichtbare Haupt ist, zu fördern. Der modernistische Glaube von Papst Franziskus kann dann kein totales Hindernis für eine Zusammenarbeit sein.“

Nach diesen abgrundtiefen Erkenntnissen des Piusdogmatikers geht er nochmals zur Türe, holt seinen Eimer und seine Taschenlampe, die inzwischen ganz ausgefunzelt hat und gießt diesen sinnbildlich aus – denn nun ist es wirklich stockdunkle Nacht, hat doch die ganze Anstrengung mit den eimerweisen Erleuchtungen überhaupt nichts gebracht – es ist nämlich immer noch finster im Haus ohne Fenster. So ein Schildbürgertheologe hat es nun einmal ganz schön schwer.

Eines ist bei allem Unsinn dennoch wahr, es ist nun wirklich ganz und gar egal, welchen Glauben der „Papst“ der Piusbrüder hat. Bei diesem „Papst“ reicht es vollkommen aus, wenn man „bis zu einem gewissen Grad“ mit ihm im Glauben übereinstimmt. Ob freilich Herr Bergoglio wirklich damit zufrieden ist, wenn ihn die Piusbrüder zwar „als Papst anerkennen“, aber dann hartnäckig „versuchen, die Interessen der Institution“ zu fördern, wobei sie aber eine ganz andere Vorstellung von Institution haben als er, das darf man mit guten Gründen bezweifeln. Man hört schließlich aus dem Gästehaus des Vatikans, Herr Bergoglio wäre recht eigen, wenn es darum geht, seine Meinung durchzusetzen und er könne es durchaus nicht leiden, wenn manche Leute anderer Meinung seien als er und womöglich sogar noch hartnäckig darauf bestehen.

Solche Nebensächlichkeiten können jedoch einen Piusdogmatiker nicht so leicht aus der Bahn werfen. In seinem felsenfesten Glauben an die Piusbruderschaft ist er der Überzeugung: „Der modernistische Glaube von Papst Franziskus kann dann kein totales Hindernis für eine Zusammenarbeit sein.“ Wenn das kein mutiges Bekenntnis zur eigenen Unfehlbarkeit und Unzerstörbarkeit ist! Ein Katholik wird sich freilich angesichts solcher Lehren besorgt fragen: Und was bleibt da noch von der Kirche Jesu Christi?

Nach so viel Satire verlangt es dem katholischen Leser womöglich noch nach echt katholischer Kost. Als Kontrast zu dieser Satire eines Piuspriesters bietet sich ein Text des Patrons seiner Gemeinschaft an. Papst Pius X. sagte in seiner Ansprache an die Priester der Vereinigung der Apostolischen Union am 18. November 1912:

„Um den Papst zu lieben, braucht man nur darüber nachzudenken, was der Papst ist. — Der Papst ist der Wächter des Dogmas und der Moral; er ist der Depositar der Grundsätze, welche die Familie ehrbar, die Nationen groß, die Seelen heilig machen; er ist der Berater der Fürsten und der Völker; er ist das Haupt, unter dem sich niemand tyrannisiert fühlt, weil er Gott selber repräsentiert ; er ist im höchsten Sinne der Vater, der in sich alles das vereinigt, was liebevoll, zart, göttlich ist… Und wie muß man den Papst lieben? ,Non verbo neque lingua, sed opere et veritate‘ (Nicht mit Worten oder der Zunge, sondern in der Tat und Wahrheit). Wenn man eine Person liebt, sucht man sich in allem ihren Gedanken gleichförmig zu machen, ihre Willensmeinungen auszuführen, ihre Wünsche zu erraten. Und wenn unser Herr Jesus Christus von sich sagte: ,si quis diligit me, sermonem meum servabit‘ (wenn jemand mich liebt, wird er meine Gebote halten), so ist es, um unsere Liebe zum Papste zu beweisen, notwendig, ihm zu gehorchen. Wenn man also den Papst liebt, so macht man keine Diskussion über das, was er anordnet oder verlangt, oder bis wohin der Gehorsam gehen muß und in welchen Dingen man gehorchen soll; wenn man den Papst liebt, sagt man nicht: er hat nicht klar genug gesprochen, als ob er verpflichtet wäre, seinen Willen jedem einzelnen ins Ohr zu wiederholen, den er so oft nicht nur mit Worten, sondern durch Schreiben und andere öffentliche Dokumente klar ausgedrückt hat; man setzt seine Anordnungen nicht in Zweifel unter dem leichten Vorwand eines, der nicht gehorchen will, als sei es nicht der Papst, der befiehlt, sondern seine Umgebung; man zieht nicht der Autorität des Papstes diejenige anderer noch so gelehrter Personen vor, die, wenn sie gelehrt sind, doch nicht heilig sind, denn wer heilig ist, kann nicht vom Papste abweichen“ (Alloc. ad sacerdotes Consociationis „l’Unione Apostolica“; 18. Nov. 1912. A. Ap. S. IV, 693.).

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