Von Jerusalem nach Rom

von antimodernist2014

Die Große Botschaft von La Salette ist zweifelsohne eine Hilfe zum Verständnis der Apokalypse des heiligen Apostels Johannes und ihrer Anwendung auf unsere konkrete Zeit. Nachdem wir uns die Hirtin Melanie, die Seherin von La Salette, angesehen und die Botschaft von La Salette als ein Zeichen des Widerspruchs kennengelernt haben, haben wir uns in einem dritten Teil unserer Arbeit bemüht, wahre Prophetie verstehen und lesen zu lernen. Der vierte Teil wandert von der heiligen Stadt des Alten Bundes, Jerusalem, nach der heiligen Stadt des Neuen Bundes, Rom.

In unserem letzten Beitrag über die Große Botschaft von La Salette haben wir gezeigt, daß christliche Prophetie nicht einfach nur die Vorhersage von zukünftigen Tatsachen ist, sondern mit der Vorhersage der Zukunft immer auch eine heilsgeschichtliche Interpretation gibt. Am Beispiel der Endzeitprophetie unseres göttlichen Lehrmeisters haben wir gesehen, wie Zeitnahes mit Zeitfernem verbunden wird, um das Zeitferne von diesem her besser verstehen zu können. Die Voraussage des Untergangs Jerusalems hat sich erfüllt, weshalb eine Deutung einfacher geworden ist. Das Bild, der Typus, ist schon Wirklichkeit geworden. Was aber sagt uns dieser? Welche tatsächlichen Geschehnisse werden uns von den Geschichtsschreibern berichtet? Stellen wir nochmals die wichtigsten Ereignisse zusammen:

Zunächst war der Unglaube. Die meisten Juden verwarfen ihren Messias, sie glaubten nicht an Jesus Christus, vielmehr forderten sie Seinen Tod.
In ihrer Verblendung verfolgten die Juden die Christen in Jerusalem und sodann überall dort auf der Welt, wo sie Einfluß hatten. In ihrer Verstocktheit bildeten sie sich schließlich ein, sogar die Römer besiegen und aus dem Land jagen zu können.
Hierauf folgte der Aufstand und der Krieg mit Rom. Die Römer aber umringten Jerusalem mit einem Wall, hungerten die Stadt aus und zerstörten sie bis auf den Grund. Jerusalem mit seinem Tempel ging zugrunde.
Dieses Ende kam mit Feuer und Wasser, so könnte man sagen. Denn die Stadt und der Tempel brannten, sodaß jeder Versuch, den Brand zu löschen, scheiterte.

Ähnlich wird es auch am Ende der Zeiten sein. Wie Jerusalem zugrunde ging, ebenso wird die Welt zugrunde gehen, wie der hl. Petrus in seinem zweiten Brief schreibt:

„Der jetzige Himmel und die jetzige Erde dagegen sind kraft des nämlichen Wortes für das Feuer aufgespart. Sie werden aufbewahrt für den Tag des Gerichtes und des Verderbens der gottlosen Menschen.
Das eine aber sollt ihr, Geliebte, nicht übersehen: Ein Tag ist beim Herrn wie tausend Jahre – und tausend Jahre sind wie ein Tag. Der Herr säumt nicht mit der Erfüllung seiner Verheißung – einige halten es ja für ein Säumen. Vielmehr ist er langmütig gegen euch. Er will nicht, daß jemand verlorengeht, sondern daß alle zur Sinnesänderung gelangen.
Kommen wird aber der Tag des Herrn wie ein Dieb. Da werden die Himmel zischend vergehen, die Elemente sich in Gluthitze auflösen, und die Erde und die Werke auf ihr werden im Gericht erfunden werden. Da sich alles in dieser Weise auflöst, wie sehr muß man sich dann eines heiligen Wandels und der Frömmigkeit befleißigen; man erwartet und ersehnt ja die Ankunft des Tages Gottes, an dem die Himmel sich im Feuer auflösen, und die Elemente brennend zerschmelzen. Wir erwarten aber gemäß seiner Verheißung einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt“ (2. Petr. 3,7-13).

Die Bewohner von Jerusalem glaubten sich sicher in ihrer gut befestigten Stadt, selbst als das römische Heer schon heranrückte. Nur die Christen, die sich noch an die Vorhersagen Jesu erinnerten, verließen die Stadt und flohen rechtzeitig in die Berge. Sie wußten die Zeichen der Zeit mit Hilfe der Worte Jesu recht zu deuten. Auch wir wissen: „Kommen wird aber der Tag des Herrn wie ein Dieb.“ Obwohl der Feind schon lange herangerückt ist und die Stadt nicht nur mehr belagert, meinen die meisten immer noch, es sei alles noch in Ordnung und in Frieden.

Dabei ist schon so viel geschehen! In La Salette gibt die weinende Gottesmutter Pius IX. die Weisung: „Der Stellvertreter meines Sohnes, der Hohepriester Pius IX., verlasse Rom nach dem Jahre 1859 nicht mehr. Er sei vielmehr standhaft und großmütig und kämpfe mit den Waffen des Glaubens und der Liebe. Ich werde mit ihm sein.“

Babylon und Rom

Ehe wir auf den konkreten geschichtlichen Hintergrund dieser Anweisung kommen, – und somit den Typus herausarbeiten können, auf den die Endzeitprophetie von La Salette sich bezieht, wie der Weltuntergang auf die Zerstörung Jerusalems – ist noch notwendig, eine Frage zu klären. Maria spricht hier von „Rom“, das der Papst wegen der Revolution in Italien nicht mehr verlassen soll. Die Stadt Rom wird den Päpsten vollkommen entrissen werden, so daß allmählich das Drama sichtbar wird, das uns die Geheime Offenbarung beschreibt. In der Geheimen Offenbarung hat nämlich das Gericht über Jerusalem eine Parallele: Das Gericht über die Buhlerin. So wie über Jerusalem das Gericht Gottes wegen des Unglaubens und Abfalls erging, ebenso wird es mit der Buhlerin am Ende der Zeiten sein, die Buhlerin, die auch Babylon genannt wird und womit letztlich „Rom“ gemeint ist, wie noch zu zeigen und zu deuten sein wird.

Im 17. Kapitel berichtet der hl. Johannes, wie ihm dieses Babylon gezeigt wird:

„Da kam einer von den sieben Engeln mit den sieben Schalen und sprach zu mir: ‚Komm, ich will dir das Gericht über die große Hure zeigen, die an vielen Wassern sitzt. Die Könige der Erde haben mit ihr Unzucht getrieben, und die Bewohner der Erde haben sich am Wein ihrer Unzucht berauscht.‘
Dann entrückte er mich im Geist in die Wüste. Da sah ich eine Frau – sie saß auf einem scharlachroten Tier voll gotteslästerlicher Namen, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern. Die Frau war in Purpur und Scharlach gekleidet und mit Gold, Edelsteinen und Perlen reich geschmückt. In ihrer Hand hielt sie einen goldenen Becher, angefüllt mit Greuel und Unrat ihrer Unzucht. Auf ihrer Stirn trug sie einen geheimnisvollen Namen: ‚Das große Babylon, die Mutter der Huren und der Greuel der Erde.‘ Ich sah die Frau trunken vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu. Staunen erfaßte mich, als ich sie sah, – großes Staunen“ (Apk. 17, 1-6).

Ein schaudererregendes Bild, eine Stadt, „angefüllt mit Greuel und Unrat ihrer Unzucht“. Sie ist geschmückt mit dem Reichtum dieser Welt und voller Gottlosigkeit, sitzt sie doch „auf einem scharlachroten Tier voll gotteslästerlicher Namen, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern“.

Je länger man dieses Bild und das folgende Gericht erwägt, desto klarer erkennt man darin, daß die Geheime Offenbarung des hl. Apostels Johannes das geheimnisvollste Buch des Neuen Testamentes ist. Darum wollen wir uns bei unserer Interpretation der großen Hure Babylon nicht auf eigene Überlegungen stützen, sondern einen der bewährtesten Lehrer unserer hl. Kirche hinzuziehen, nämlich Cornelius a Lapide S.J. Dieser war einer der bedeutendsten und belesensten Exegeten des Jesuitenordens, der einen vielbändigen Kommentar zu allen Büchern der Heiligen Schrift verfaßt hat, der die folgenden Jahrhunderte ein außerordentliches Ansehen unter den katholischen Gelehrten gewann. Seine Schriften geben die Meinungen der Kirchenväter, Kirchenlehrer und großen Theologen der Kirche treu wieder und beachten den Zusammenhang der verschiedenen Auslegungen, um die jeweils treffendsten zu benennen. Durch dieses Werk ist es möglich, ein sicheres Fundament im Verständnis dieser schwierigen Texte der Heiligen Schrift zu gewinnen. Wir zitieren im Folgenden aus Cornelius a Lapide SJ: „Das «Tier aus dem Meer» (Offb. 13,1). Die Sichere Lehre der Hl. Schrift über den Antichristen“, welches Johannes Rothkranz im Verlag Pro Fide Catholica (2014) herausgegeben, übersetzt und erläutert hat.

In seinem Kommentar zum 17. Kapitel der Geheimen Offenbarung stellt Cornelius a Lapide die Frage: Wer oder was ist Babylon? Zunächst erwähnt er eine recht allgemeine Antwort auf die Frage, die lautet: „Erstens verstehen viele darunter die Versammlung aller Bösen oder die Welt und ihre Herrlichkeit, ihren Reichtum, ihre Ergötzungen, ihren Prunk, sofern dadurch die Stadt oder die Versammlung der Bösen auf sieben Berge gegründet ist, das heißt auf die Menge aller hochmütigen Könige, in welcher das Oberhaupt der Teufel ist, und daher ist sie die Stadt des Teufels, die der Stadt Gottes feindlich gegenübersteht, wie ja Babylon Sion oder Jerusalem entgegensteht, und die durch die Selbstliebe bis hin zur Mißachtung Gottes auferbaut wird; darüber hat der hl. Augustinus seine Bücher Vom Gottesstaat geschrieben.“

Diese Antwort befriedigt jedoch nicht, wie der gelehrte Jesuit selbst zu bedenken gibt: „Doch das erscheint mystisch und zu allgemein. Johannes spricht nämlich von einer bestimmten Stadt, die Gewalt über die Könige der Erde besitzt, wie er im letzten Vers sagt, und die zur Zeit des Antichristen von zehn Königen zerstört und verbrannt werden wird, wie er in Vers 16 sagt. Und wie soll auf die Versammlung der Bösen passen, was in Kapitel 18, Vers 9 über das untergegangene Babylon gesagt wird: «Und es werden über sie weinen und wehklagen die Könige der Erde, die mit ihr gehurt und in Freuden gelebt haben, wenn sie, in weiter Entfernung stehend aus Angst vor ihren Qualen, den Rauch ihres Brandes sehen»? Diese Könige werden nämlich zur Versammlung der Bösen gehören; wie werden sie aber dann von weitem dem Brand Babylons zusehen und ihn beklagen, wenn Babylon die Versammlung der Bösen ist und folglich diese Könige mitumfaßt?“

Eine große Versuchung beim Lesen der Geheimen Offenbarung besteht darin, aufgrund der vielen Bilder, Symbole, Typen das wirkliche Geschehen aus den Augen zu verlieren, so daß man sich im Allgemeinen, Mystischen verliert. Babylon ist nicht nur ein Symbol der Versammlung der Bösen, die es zu allen Zeiten der Geschichte gegeben hat. Babylon ist eine konkrete Stadt und das Gericht über Babylon beschreibt ein wirkliches Geschehen; wie Jerusalem wird Babylon gerichtet werden. Anderseits ist aber der Name Babylon symbolisch zu deuten, denn die Stadt Babylon gibt es nicht mehr, sie war schon lange zugrunde gegangen, als Johannes seine Geheime Offenbarung schrieb. Welche Stadt ist aber dann gemeint?

Das neuheidnische Rom …

„Ich sage also: Babylon ist hier und im folgenden Kapitel Rom, nicht das christliche, wie es jetzt besteht, sondern das ungläubige und heidnische, wie es zur Zeit des hl. Johannes war und zur Zeit des Antichristen wieder sein wird“, so erklärt Cornelius a Lapide, der ab 1616 in Rom lehrte.

Die Stadt, von der der hl. Johannes spricht, ist Rom – nicht das christliche, wie es jetzt besteht, sondern das ungläubige und heidnische, wie es zur Zeit des hl. Johannes war und zur Zeit des Antichristen wieder sein wird. Rom wird also wieder den Glauben verlieren und heidnisch werden. Wenn man das bedenkt und entsprechend ernst nimmt, muß man sofort nochmals genau nachfragen, was denn nun mit „Rom“ konkret gemeint ist. Zur Zeit als Cornelius a Lapide seinen Kommentar schrieb, folgten viele Protestanten der antipäpstlichen Propaganda Luthers und vertraten die Meinung, mit „Rom“ seien der Papst und die katholische Kirche gemeint.

Hierauf antwortet a Lapide: „Es ist also ein offenbarer Irrtum der Häretiker und ein gewaltiger Betrug und Schwindel, das, was der hl. Johannes und der hl. Petrus über das vormalige, heidnische Rom sagen, auf die römische Kirche oder auf Rom, so wie es jetzt ist, nämlich gläubig und der Sitz und Herrschaftsbereich des Papstes, des Stellvertreters Christi, zu verdrehen. Das heidnische Rom unter Nero und den nachfolgenden Kaisern bis zu Konstantin war also Babylon; unter Konstantin christlich und fromm geworden, hat es aufgehört, Babylon zu sein, und angefangen, die heilige Stadt, die gläubige Stadt, das von Gott geliebte Sion, die Säule des Glaubens, die Mutter der Frömmigkeit, die Lehrmeisterin der Heiligkeit zu sein; gegen Ende der Welt wird es, indem es den Glauben, die Frömmigkeit, Christus und den Papst fahrenläßt, wieder zu Babylon werden. Und Gott wird das zulassen, damit wir die Stadt von der Kirche, Rom vom Lehrstuhl Petri unterscheiden und damit die Römer nicht etwa der Erhabenheit ihrer Stadt oder ihren eigenen Verdiensten, sondern der Gnade Christi und Petri zuschreiben, daß ihnen der Sitz des Papstes und die Hauptstadt der Kirche zufällt.“

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