Von Jerusalem nach Rom

von antimodernist2014

„Was wird aus dem Papst?“

Die Möglichkeit einer feindlichen Übernahme der Ämter in der Kirche schien den Autoren des 17. Jahrhunderts noch unmöglich. Aufgrund dieser Voraussetzung geben sie auch ihre Interpretation der apokalyptischen Texte. Unser Jesuitengelehrter stellt am Ende seiner Darlegungen über die Hure Babylon die Frage: „Was wird aus dem Papst?“ Wenn fast alle Katholiken vom Glauben abfallen, wenn der Antichrist die ganze Welt beherrscht und zur Anbetung seiner selbst zwingt, was wird dann zu jener Zeit aus dem Papst? Die Antwort lautet:

„Des weiteren ist es fraglich, ob der Papst nach der Besetzung und Verheerung Roms durch den Antichristen seinen Sitz in eine andere Stadt und Provinz verlegen wird bzw. überhaupt verlegen kann. Viele leiten nämlich daraus, daß der hl. Petrus seinen Lehrstuhl und sein Pontifikat von Antiochien nach Rom verlegte, obwohl diesbezüglich keine Anordnung Christi besteht, ab, daß der hl. Petrus das Papsttum in Rom angesiedelt habe, sei menschlichen, nicht göttlichen Rechts (… [während viele andere das Gegenteil verfechten] …). Doch wie es auch immer um das Recht und die Möglichkeit stehen mag, ich glaube, daß niemals tatsächlich geschehen wird – wie es auch bislang nie geschehen ist –, daß das Papsttum von Rom anderswohin verlegt wird (denn auch als die Päpste 70 Jahre hindurch in Avignon ihren Sitz hatten, waren und hießen sie Römische Päpste, und nicht solche von Avignon).
Erstens deshalb, weil zur Zeit des Antichristen in allen Städten und Provinzen eine allgemeine Verfolgung des Papstes und der Gläubigen herrschen wird und es somit nutzlos wäre, den Sitz von Rom anderswohin zu verlegen, da ja der Papst auch dort der Verfolgung nicht entginge, sondern ihr noch stärker ausgesetzt wäre.
Zweitens deshalb, weil der hl. Petrus sogar während der überaus scharfen Verfolgung durch Nero in Rom saß und dasselbe beharrlich alle seine Nachfolger drei Jahrhunderte hindurch in zehn sehr schweren Verfolgungen bis zur Zeit Konstantins taten.
Drittens deshalb, weil die Verfolgung des Antichristen nur kurz, nämlich dreieinhalb Jahre, währen und der Tag des Gerichts bevorstehen wird; für eine so kurze Spanne wird es sich aber nicht lohnen, den Sitz zu verlegen. (…)
Trotzdem könnte der Papst, von der Verfolgung und dem Untergang der Stadt dazu gedrängt, aus Rom fliehen und sich an anderen Orten bzw. in anderen Städten verbergen, wie es der hl. Silvester auf dem Berg Soracte, und noch etliche andere nach ihm, taten.“
Der Übersetzer dieser Texte, Johannes Rothkranz, erklärt dazu in einer Fußnote:
„Es ist für uns, die wir den Großen Abfall als im wesentlichen bereits geschehen erkennen, sonnenklar, daß vieles von dem, was Cornelius a Lapide hier nach damals bestem Wissen und Gewissen aus dem hl. Text folgerte, so unmöglich kommen kann – der beste Beweis für die Wahrheit des Wortes, daß eine Prophetie vor ihrer Erfüllung weder sicher noch vollständig erkannt werden kann! Wir werden daher später versuchen, eine Korrektur aus der aktuellen, den prophezeiten Geschehnissen unvergleichlich näheren Perspektive vorzunehmen. Dabei werden wir sehen, daß die vorstehende Auslegung des 17. Kapitels trotzdem insgesamt von großem Wert ist, weshalb sie hier auch fast ungekürzt übersetzt wurde.“

Was übersieht also Cornelius a Lapide, weil es ihm noch nicht denkbar erscheint? Einmal denkt er, Rom würde wieder ins Heidentum zurückfallen und zugleich seine alte politische Macht wiedererlangen. Nun wissen wir aber, daß Rom keine machtpolitische Rolle mehr in der Welt spielt. Es sind ganz andere Weltmächte an die Stelle des römischen Reiches getreten, zunächst England, heute die USA. Wirtschaftlich sieht es ebenfalls ganz anders aus, als der Jesuit erwartet hat, das Weltfinanzzentrum ist immer noch London – und nicht New York, wie wohl die meisten meinen. Das ist das eine, Rom ist nicht wieder zur Weltmacht aufgestiegen wie erwartet. Dennoch blieb Rom in gewissem Sinne eine Weltmacht, aber allein aufgrund des Papsttums, also eine geistige Weltmacht. Auch wenn der Papst den Kirchenstaat verloren hatte, war er immer noch das Oberhaupt der katholischen Kirche, welchem alle Katholiken in den Sachen des Glaubens und der Sitte gehorchten.

Das andere ist, wie wir schon gelesen haben: die Hure Babylon sitzt auf dem Tier. Johannes Rothkranz erklärt nun, daß es zwei Deutungsmöglichkeiten dieser Stelle im 17. Kapitel der Gemeinen Offenbarung gibt. Einmal können die sieben Berge nur sie selber bedeuten, woraus folgen würde, daß die Stadt Rom auf diesen sieben Bergen „sitzen“ würde. Rothkranz weist darauf hin: „In diesem Falle, aber nur dann, wäre also die Stadt Rom selber die Hure Babylon.“ Aber wie schon dargelegt, entspricht das nicht mehr der Wirklichkeit, denn Rom hat seinen weltpolitischen Einfluß verloren und der Reichtum Roms reicht durchaus nicht aus, um diese Stadt als die Hure der Apokalypse zu identifizieren. Es gibt inzwischen andere Mächte, die einen Reichtum besitzen, den man gar nicht mehr fassen kann. Dementsprechend heißt es in Vers 18: „Die Frau, die du gesehen hast, ist die große Stadt, die über die Könige der Erde herrscht.“

Die Hure Babylon – die Regentin des antichristlichen Rom

Ist aber Rom nicht gleichzusetzen mit der Hure Babylon, dann heißt das, die „sieben Berge“ bedeuten schon voll gültig die Siebenhügelstadt, also die Stadt Rom. Weshalb sodann „Rom“ nicht mehr die Stadt bezeichnen kann, sondern die Römische Kirche, bzw. das, wozu diese nach ihrem Abfall geworden ist, die Menschenmachwerkskirche. Das heißt aber wiederum, die Hure Babylon sitzt auf dieser Menschenmachwerkskirche und kommandiert, lenkt, beherrscht diese wie eine Reiterin ihr Reittier.

Während die wahre Kirche Jesu Christi verfolgt wird, ahmt die Menschenmachwerkskirche diese in der Öffentlichkeit nach und hilft der Hure Babylon, die Menschen von Jesus Christus weg, hin zum Antichristen zu führen. Mit anderen Worten: Die sog. „Päpste“ dieser Menschenmachwerkskirche haben die Aufgabe des Lügenpropheten in der Geheimen Offenbarung, von dem es heißt daß er „vor ihm (dem Tier) die Zeichen vollbracht und damit jene verführt hatte, die das Zeichen des Tieres trugen und sein Bild anbeteten“. Sie sind dessen Vorläufer, die fast alle Katholiken zum Glaubensabfall und Götzendienst verführt haben.

Die Heilige Schrift berichtet aber unzweifelhaft, daß dieses abgefallene Rom zerstört werden wird. Cornelius a Lapide kommentiert: „Der Antichrist wird sodann, sein ganzes Gift gegen Christus und die Christen loslassend und seine Herrschaft befestigend und ausdehnend, dafür sorgen, daß Rom – einmal, weil es eine Rivalin seiner Herrschaft war und [immer noch] sein wird, sodann, weil es der Sitz der christlichen Päpste war – belagert und zerstört wird, und diese Angelegenheit den zehn Königen übertragen, das heißt, einigen von ihnen, die mächtiger und Rom näher sind, während aber die übrigen ihnen beistimmen und sie durch Geld, Proviant und mit anderen Mitteln unterstützen werden. Es wird nämlich weder erforderlich sein, zur Überwältigung einer einzigen Stadt die Heere der zehn Könige, d.h. der ganzen Welt zusammenzubringen, noch wird die Zeitspanne der Herrschaft des Antichristen (die dreieinhalb Jahre betragen wird) derart große Verzögerungen dulden, daß die Könige aus dem entferntesten Osten, wie es in Kap. 16, Vers 14 heißt, zu ihm nach Armagedon kommen, von dort aus weiterziehen, um Rom zu vernichten, und anschließend nach Armagedon zurückkehren. Das erfordert nämlich mehrere Jahre.“

Diese Zeilen zeigen uns wieder einmal, wie sehr sich die Zeiten ändern können und damit auch eine Interpretation einer Prophetie. Es ist anzunehmen, daß „Rom“ aus zwei Gründen zerstört werden wird. Einmal, weil die Pseudopäpste als Gehilfen des Lügenpropheten eine unbeschreibliche Schuld auf diese Stadt geladen haben, aber auch aufgrund des konkreten Abfalls der Römer selbst.

Dabei ist zu fragen, wieso der Antichrist eine solche Macht braucht, um diese Stadt zu zerstören. Heute braucht man für solche Manöver keine Jahre mehr, letztlich braucht nur jemand auf einen Knopf drücken – und Rom existiert nicht mehr, wie Hiroshima und Nagasaki. Was bleibt, ist ein Ruinenfeld. Das läßt vermuten, daß mit dieser Beschreibung der konkreten Zerstörung der Stadt Roms, zugleich auch Bilder verwendet werden, die einen Hinweis auf die geistige Zerstörung geben, die wir z.T. schon erlebt haben und noch erleben. Denn die geistige Verwüstung schreitet immer noch weiter voran. Das eine muß das andere durchaus nicht ausschließen.

Die Prophezeiung Mariens über das antichristliche Rom

Es sei noch besonders darauf hingewiesen, daß unsere Interpretation des Textes der Geheimen Offenbarung auch durch die Große Botschaft von La Salette nahegelegt wird. Wie wir schon erwähnt haben, macht die weinende Gottesmutter ganz eindringlich darauf aufmerksam, daß Satan versuchen wird, seine Leute in die Klöster, Ordensinstitute und Seminarien einzuschleusen, „weshalb die Oberen der Ordensgemeinschaften … auf der Hut sein“ sollen, „wenn sie jemand in das Kloster aufzunehmen haben; denn der Teufel wird alle seine Bosheit aufwenden, um in den religiösen Orden Leute unterzubringen, die der Sünde ergeben sind“.

Damit wird der Generalplan des im Jahre 1864 losgelassenen Luzifers ersichtlich, nämlich die Unterwanderung der Kirche, mit dem Ziel, mithilfe des Marsches durch die Institutionen die eigenen Leute an die Spitzenpositionen zu bringen. Luzifer erkannte in einem Jahrhunderte dauernden geistigen Krieg, daß er die Kirche nicht direkt vernichten konnte. Er mußte sie deswegen indirekt zerstören, d.h. in seinem Sinne umfunktionieren – und zwar möglichst so unauffällig, daß die wenigsten Katholiken diese Unterwanderung wahrnehmen konnten. Im Laufe von Jahrhunderten, so kann man menschlich gesprochen sagen, reifte sein Plan, die Spitze der Kirche zu erobern – d.h. letztlich, einen „Papst“ bzw. Anti-Papst nach seinem Geschmack einzusetzen. Daß dieser Plan ans Ziel gelangen wird, offenbart uns die weinende Gottesmutter von La Salette, wenn sie kurz und klar und ohne Einschränkung erklärt: „Rom wird den Glauben verlieren und der Sitz des Antichrists werden.“ Natürlich ist hier mit „Rom“ nicht das römische Reich oder die Stadt Rom gemeint, sondern das Zentrum der katholischen Kirche. Es ist bezeichnend, daß gerade diesen Schlüsselsatz der Botschaft viele konservative und halbkonservative Pseudokatholiken nicht wahr haben wollen, weil sie die Tatsachen nicht sehen wollen.

Der Teufel weiß jedoch sehr gut, wenn er einen seiner Leute auf den Stuhl Petri bringen kann, dann kann er den Glauben aller Anhänger dieses „Papstes“ beliebig manipulieren. Die einen werden ihren katholischen Glauben verlieren, weil sie die vielen Irrlehren ihres Oberhauptes übernehmen, die anderen werden ihren übernatürlichen Glauben verlieren, weil sie meinen, sich selbst das Charisma der Unfehlbarkeit anmaßen zu können. So gesehen ist dieser Plan genial böse, er ist das Meisterstück Satans. Wir müssen heute nüchtern eingestehen: Geistig gesehen hat Luzifer Rom schon erobert, er hat die Spitze der Institution Kirche mit seinen Leuten besetzt und Rom hat den Glauben verloren. Es ist darum nur noch eine Frage der Zeit, wann es zum Sitz des Antichristen werden wird.

Die offene Verfolgung der Wahrheit

In dem Büchlein „Der Antichrist“ von John Henry Newman wird im Postscriptum eine Stelle aus einem Brief des Bischofs Horsley vom Juni 1838 wiedergegeben, die wir abschließend zur Betrachtung geben wollen:

„Die Kirche Gottes auf Erden wird der Zahl ihrer Anhänger nach stark reduziert werden in den Zeiten des Antichrist, wie wir uns wohl vorstellen können, durch die offene Desertion der Mächte der Welt. Diese Desertion wird beginnen mit einer erklärten Gleichgültigkeit gegenüber irgendeiner besonderen Form des Christentums unter dem Vorgeben allgemeiner Toleranz; diese Toleranz wird nicht der Ausfluß eines wahren Geistes der Liebe und der Geduld sein, sondern einer Absicht, das Christentum zu unterminieren durch Vervielfältigung und Ermutigung der Sektierer. Die vorgegebene Toleranz wird weit hinausgehen über eine gerechte Toleranz, selbst was die verschiedenen christlichen Sekten anlangt. Denn die Regierungen werden gegenüber allen Gleichgültigkeit vorgeben und keinen im Vorzug beschützen. Aller staatliche Schutz wird beiseitegetan werden. Von der Toleranz der verruchtesten Häresien werden sie weiterschreiten zur Toleranz des Mohammedanismus, des Atheismus, und schließlich zu einer positiven Verfolgung der Wahrheit des Christentums. In jenen Zeiten wird der Tempel Gottes reduziert werden fast auf die Heilige Stätte, das heißt, auf die kleine Zahl wirklicher Christen, welche den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit und ihre Lehre und ihre Verehrung und ihr ganzes Verhalten strikt nach dem Worte Gottes regeln. Die bloßen Namenschristen werden alle das Bekenntnis der Wahrheit im Stiche lassen, wenn die Mächte der Welt es im Stiche lassen. Und ich halte dafür, daß dieses tragische Ereignis vorgebildet wird durch den Befehl an den heiligen Johannes, den Tempel und den Altar zu ,messen‘ und den äußeren Hof [die nationalen Kirchen] den Heiden zu überlassen, daß sie ihn mit ihren Füßen zertrampeln [Off. 11, 1—2]. Das Eigentum des Klerus wird geplündert werden, der öffentliche Gottesdienst beschimpft und erniedrigt von diesen Deserteuren des Glaubens, die ihn einst bekannten, die aber doch nicht Apostaten genannt werden können, weil sie niemals ernstliche Bekenner waren. Ihr Bekennen war nichts weiter als ein Mitmachen mit Mode und öffentlicher Autorität. Im Prinzip waren sie immer, was sie nun offenbar sind, Heiden. Wenn dieses allgemeine Desertieren vom Glauben stattfindet, dann wird der Dienst der Zeugen beginnen in Sack und Asche… Da wird nichts mehr von Glanz sein in der äußern Erscheinung ihrer Kirchen; sie werden keine Unterstützung finden von den Regierungen, keine Ehren, keine Gehälter, keine Privilegien, keine Autorität, sondern das, was keine irdische Macht wegnehmen kann, was sie von Ihm bekamen, der ihnen den Auftrag gab, Seine Zeugen zu sein“
(John Henry Newman, Der Antichrist, Kösel-Verlag, München 1951, S. 92ff).

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