Garibaldi und die Eroberung Roms

von antimodernist2014

Nach dem Scheitern eines Aufstands in Piemont war Garibaldi nach Südamerika geflohen, wo er in zahlreiche Kämpfe für Freiheit und Unabhängigkeit verwickelt wurde. Während dieser Zeit machte er nützliche Erfahrungen in Kriegsführung und Guerillataktik. Während seines Exils in Südamerika lernte er auch seine erste Frau kennen, die als Anita Garibaldi auch heute noch in Italien die heldenhafte Frau schlechthin verkörpert. Als er 1848 nach Italien zurückkehrte, nahm er unter anderem 1848/49 mit seinen Verbänden von Freiwilligen, den sogenannten „camicie rosse“ (Rothemden) am Krieg Piemonts gegen Österreich teil, was ihn in den Augen seiner Landsleute bald zum Nationalhelden machte.

Am Abend des 5. Mai 1860 segelte Garibaldi mit 1162 seiner Rothemden auf zwei von der piemonteser Regierung gecharterten Schiffen, die „Piemonte“ und die „Lombardo“, von Genua in Richtung Süden, um das „Königreich beider Sizilien“ (Sizilien und Neapel) zu erobern. Die tausend Kämpfer stammten zwar vorwiegend aus Nord- und Mittelitalien, aber nicht nur. Die Armee Garibaldis war vielmehr international, was doch eigentlich jedem aufmerksamen Beobachter auffallen sollte. Es stellt sich sodann aber die Frage: Woher kamen die anderen und welchen Grund hatten sie, für die „Freiheit“ Italiens zu kämpfen? Welche internationale Gruppe kann länderübergreifend Revolutionäre rekrutieren und in den Krieg schicken?

Die Soldaten Garibaldis waren zunächst nur schlecht bewaffnet, hatten sie doch nur alte Gewehre und zudem kaum Munition, weshalb Garibaldi beschloß, am 7. Mai zunächst in Talamone (Toskana) Halt zu machen, um bei der dortigen Garnison des Piemont-Sardinien-Heeres Proviant, Munition und drei alte Kanonen einzutreiben. Es heißt in dem übernommenen Text einzutreiben. Kann man denn so einfach Waffen eintreiben? Muß diese und auch die Guerillakämpfer nicht jemand bezahlen?

Garibaldi wird mit Unterstützung Englands „Diktator Siziliens“

Bereits Ende 1859 und im April 1860 war es auf Sizilien zu Volksaufständen gegen die Bourbonen gekommen, die von Giuseppe Mazzinis Anhängern gesteuert worden waren. Die sizilianischen „Patrioten“ hatten eine Intervention des Königreichs Piemont-Sardinien verlangt, was aber sowohl König Vittorio Emanuele II. als auch Ministerpräsident Camillo Benso di Cavour offiziell ablehnten. In Wahrheit unterstützten sie jedoch heimlich, und zwar zusammen mit England (!), die Expedition. Am 11. Mai landeten sie unter dem Schutz zweier Kriegsschiffe der Royal Navy (!), die sich dort zum Schutz britischer Unternehmen aufhielten, nahe der westsizilianischen Stadt Marsala. Glücklicherweise (oder etwa ebenfalls geplant?) hatten einen Tag zuvor die Befehlshaber der Bourbonen ihre Truppen zurück nach Palermo beordert, um sich gegen einen erwarteten Aufstand in der Hauptstadt zu wappnen.

So konnten die „Garibaldini“ Marsala verlassen und versuchten, das Landesinnere zu erreichen. Zu ihnen gesellte sich bereits am 12. Juni eine Gruppe 500 sizilianischer „picciotti“ (junger Kämpfer) unter den Brüdern Sant’Anna. Am 14. Mai 1860 eroberte Garibaldi mit seinen Rothemden das Städtchen Salemi und rief dort eine „Diktatur der Befreiung“ aus im Namen des Königs Viktor Emanuel II. In der Schlacht von Calatafimi schlugen seine Rothemden am 15. Mai 1860 die Truppen des dreifach überlegenen neapolitanischen Generals Landi. Ein darauf ausbrechender Volksaufstand kam ihm bei der Besetzung von Palermo entgegen. Er führte einen schnellen Vormarsch auf Messina durch und brachte schließlich nach seinem Sieg am 20. Juli bei Milazzo ganz Sizilien unter seine Kontrolle. Garibaldi ernannte sich im Namen von Viktor Emanuel II. zum Diktator Siziliens. Der neapolitanische General Carlo Filangieri wollte noch 40.000 Soldaten in einem sizilianischen Brückenkopf bei Messina gegen die Eindringlinge zusammenziehen, doch der schwache König Franz II. konnte sich infolge der Unzuverlässigkeit seiner Truppen nicht zu energischen Operationen durchringen. Am 8. August setzte Garibaldi aufs Festland über. Die kampflose Besetzung Neapels erfolgte am 7. September; es waren bereits 23.000 Mann zu ihm übergelaufen. Am 19. September stand seine Vorhut unter seinem Stabschef Wilhelm Rüstow vor Capua.

Endgültige Kapitulation der Bourbonen in Sizilien

Im Oktober fand schließlich die entscheidende Schlacht statt. Ein Heer von 50.000 Soldaten des Königs von Neapel versuchte, Garibaldis Truppen (etwa die Hälfte der Zahl nach) in Kampanien zu schlagen, unterlag jedoch in der Schlacht am Volturno. Nach der Sprengung der Festung von Gaeta mußten die Bourbonen endgültig kapitulieren.

Nun fingen die militärischen Erfolge Garibaldis an, den König Vittorio Emanuele II. in Turin zu beunruhigen. Er fürchtete, daß Garibaldi die Schaffung einer Republik im Auge haben könnte. Sein revolutionärer Elan wollte auch vor Rom und dem Papst nicht haltmachen. Um dies zu verhindern, schickte die piemonteser Regierung Truppen nach Süden, die am 18. September 1860 die päpstlichen Truppen bei Castelfidardo schlugen und sich anschließend mit denen Garibaldis vereinigten. Am 26. Oktober 1860 fand in Teano bei Neapel das berühmte Treffen zwischen Vittorio Emanuele II. und Garibaldi statt, in dem Garibaldi unmißverständlich Viktor Emanuel als „König von Italien“ begrüßte und damit das deutliche Signal abgab, daß er auf eigene politische Ambitionen verzichten wolle, um dem Haus Savoyen die Krone Italiens zu sichern – was doch zunächst wenigstens für einen Revolutionär vom Format eines Garibaldi ein wenig seltsam anmutet. Wir werden den Grund noch erfahren, der dieses Verhalten erklärt.

Es stellt sich nämlich allmählich die Frage: Ging es den Revolutionären allein um einen wiedergeeinten Staat Italien oder ging es ihnen vielleicht um mehr, viel mehr? Mazzini und Garibaldi waren keine Einzelgänger und die Revolution, wie schon erwähnt, zunächst natürlich keine Volksbewegung. Beide Revolutionäre waren Freimaurer und das wiedervereinte Italien sollte dementsprechend ein Staat sein, welcher der Freimaurerdoktrin entsprach – also durch und durch antikatholisch sein sollte! In einem Brief von 1861 schrieb Garibaldi: „Im Zentrum Italiens, in seinem Herzen wuchert ein Krebs, genannt Papsttum, ein Betrüger namens Papsttum. Ja wir haben noch einen furchtbaren Feind unter uns, und was noch furchtbarer ist, er herrscht in den unwissenden Klassen, welche seine Satzungen befolgen.“

Bei den Freimaurern sind immer alle, die nicht ihren Ideen anhängen, unwissende Bauern, wohingegen ihre Leute, die freilich gar nicht wissen, wer sie letztlich dirigiert, Wissende sind. In Wirklichkeit sind sie freilich nur nützliche Idioten. Da sich die katholische Kirche von dem frommen Getue Garibaldis nicht täuschen ließ und ihn öffentlich einen Atheisten nannte, sah er sich in einer Rede vor 20 000 Menschen in Padua gezwungen, sich gegen diesen Vorwurf zu verteidigen: „Es ist Einbildung, wenn mich meine Feinde als Atheisten anschuldigen. Ich glaube an Gott. Ich glaube an die christliche Religion und nicht an die päpstliche Religion. Ich spiele mich nicht als Vermittler auf zwischen Gott und den Menschen. Die Priester tun dies mehrheitlich, sie betreiben einen Ausverkauf der Religion. Sie sind die Feinde der wahren Religion. Freiheit und Fortschritt sind für sie der Grund für eure Sklaverei und Erniedrigung, und nach der Unterjochung der Italienischen Seelen haben sie die Ausländer gerufen, um auch eure Körper zu besitzen. Die Ausländer haben wir nun besiegt, nun müssen wir noch diese Bischofsmützen und geschorenen Häupter ausstoßen, die solches verkünden. Das Volk muß wissen, daß es nicht genug ist, ein freies Land zu haben, es hat zu lernen das Recht zu halten, und die Pflichten eines freien Menschen zu erfüllen. Pflicht! Pflicht! Das ist das Wort! Unser Volk muss seine Pflichten lernen, seinen Familien, seinem Land und der Humanität gegenüber.“

Eine in der Tat merkwürdige Verteidigung, denn der „Gott“ des Freimaurers Garibaldi ist offensichtlich die Humanität. Demgemäß ist es die Pflicht jedes „freien“ Menschen, die Kirche Jesu Christi zu verfolgen und Bischofsmützen und geschorene Häupter auszustoßen . Und wehe demjenigen, der sich dieser Meinung des revolutionären Diktators nicht anschließt, da ist es dann schnell wieder vorbei mit der neuen Freiheit. Daß Garibaldi es wagt, sich dennoch einen Christen zu nennen, beweist eindeutig, daß er seine freien Italiener alle für Dummköpfe hält. Ganz im Sinne dieses „Gottes“ Humanität sagte Garibaldi zwei Jahre vor seinem Tod: „Liebe Freunde, der Mensch erschafft sich seinen Gott, nicht Gott den Menschen!“ Von welcher Art die Humanität dieses „Gottes“ ist, den sich der Mensch selbst schafft, das kann heutzutage jeder sehen, der noch Augen im Kopf hat.

Vita des Freimaurers Mazzini…

Es wird zuweilen in Abrede gestellt, daß Mazzini der Loge angehört haben soll, was freilich lächerlich ist. Für die Freimaurer ist es vollständig sicher, daß er einer der ihren war. Er wird in ihren Listen als „Bruder“ geführt und schon das System der Carbonari, dem er in seinen frühen Jahren angehörte, war mit Freimaurern durchsetzt, logenartig strukturiert und die Mitglieder waren an strenge mystische Eide gebunden. Im Onlinelexikon „Wikipedia“ ist über ihn u.a. zu lesen: „Mazzini war Freimaurer und Altgroßmeister des Grande Oriente d’Italia. Als er 1872 starb, wurden bei seiner Beerdigung in Rom zum ersten Mal Freimaurerfahnen durch die Straßen getragen. Im Juli 1949 lud die italienische Regierung die Mitglieder des Grande Oriente d’Italia dazu ein, an der Parade und an der Widmung einer Statue für Mazzini in Rom teilzunehmen. Etwa dreitausend italienische Freimaurer waren anwesend. Die Aufstellung der Statue hatte sich durch die Regierungszeit Mussolinis bis nach dem Tod Ettore Ferraris verzögert, der sie entworfen hatte und der ehemaliger Großmeister des Großorients von Italien war.“

… und seines Logenbruders Garibaldi

Garibaldi wurde 1861 in Montevideo in eine Freimaurerloge aufgenommen und wechselte im selben Jahr in die Loge Sebezia in Neapel, die sich daraufhin in Grande Oriente di Napoli umbenannte. 1864 wurde in Florenz ein Kongreß einberufen, der die Vereinigung der Großlogen von Italien zum Ziel hatte. Sie bildeten daraufhin einen Dachverband von Großlogen, den Vorläufer des Grande Oriente d’Italia, zu dessen Großmeister Garibaldi gewählt wurde. 1877 nahmen die Freimaurer von Italien mit Freimaurerbannern in einer Großveranstaltung an der Enthüllung des Garibaldi-Denkmals auf der Piazza Mentana in Florenz teil. Innerhalb der Entwicklung der Freimaurerei ist er auch bekannt für das Zusammenlegen der Memphis- und Misraïm-Riten, die bis 1881 getrennt waren. Ihre Vereinigung ist auf sein Bestreben zurückzuführen.

So ist es nicht verwunderlich, daß auch fast alle Freunde und wichtigsten Helfer Mazzinis und Garibaldis, wie etwa Graf Camillo Benso di Cavour und natürlich auch König Viktor Emanuel II. ebenfalls Freimaurer waren. Bedenkt man dies, so wird einem plötzlich verständlich, warum der Revolutionär und Diktator von Sizilien Garibaldi großzügigerweise die Herrschaft König Viktor Emanuel II. überließ.

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