Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl – einst und heute

von antimodernist2014

Wenn wir die Gleichnisse Jesu hören, denken wir viel zu selten daran, wie sehr gerade in diesen die göttliche Weisheit des Erzählers zum Ausdruck kommt. Unser Herr Jesus Christus kleidet die zeitlose Wahrheit in zeitliche Bilder. Dadurch geschieht es, daß diese Bilder aus unserer Welt, die uns auch heute noch, also nach immerhin bald 2000 Jahren, ganz vertraut vorkommen und es auch tatsächlich sind, eine Verständnisbrücke bilden zur unsichtbaren Welt Gottes. Besonders an den Gleichnissen Jesu erkennt man spontan, die Wahrheit wird niemals alt und sie ändert sich durchaus nicht im Laufe der Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte, wie man heute allenthalben meint. Auch heute noch sind die Gleichnisse Jesu so lebendig wie damals, als sie unser Herr den Aposteln und dem Volk erzählte und auch heute noch sind sie uns eine unentbehrliche Hilfe, das verborgene Himmelreich zu fassen.

Wir wollen zunächst einmal ganz ausdrücklich anhand von einigen Kommentaren zu dem Gleichnis vom König und vom Hochzeitsmahl zeigen, wie zeitlos gültig das Wort Gottes ist – ehe wir auf eine Predigt eines Modernisten zu sprechen kommen, die uns zeigt, was geschieht, wenn dieses System des Irrglaubens den Geist verwirrt. Man könnte nämlich irrigerweise meinen, wie es die Modernisten auch tun, wenn man dieses hl. Evangelium erklärt, müsse man es möglichst modern erklären und es der heutigen Zeit und Sprache anpassen. Man müsse alles vermeiden, was dem modernen Menschen nicht in den Kram paßt und man dürfe nur das sagen, was ihm gefällt und es auch so sagen, daß es ihm gefällt und infolgedessen müsse man alles meiden, was ihm mißfällt.

Das ist freilich ein großer Unsinn, denn wie sollte man die göttliche Wahrheit auf dem Verständnishintergrund der modernen Gottlosigkeit erklären können? Gerade das kommt schließlich auch in dem Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl zum Ausdruck, das ganz ausdrücklich auf den auf dem ersten Blick recht merkwürdig erscheinenden Kontrast zwischen dem König und Seiner Einladung und den Gästen hinweist. Jeder Hörer des Gleichnisses muß doch unwillkürlich denken: Wie kann man nur eine solche Einladung ausschlagen? Wie kann man sich so leichtfertig entschuldigen und vorgeben, man habe keine Zeit, wenn man zu einer königlichen Hochzeit geladen worden ist? Je mehr man sich in diese Seltsamkeit hineindenkt, desto deutlicher wird die innere Spannung dieses Gleichnisses.

In einem Kommentar aus dem Jahr 1841 – also in einem 176 Jahre alten Kommentar! – wird versucht, den Gedankenreichtum dieses Gleichnisses in Worte zu fassen. Hören wir diese Ausführungen aus „Sebastian Winkelhofer´s zusammenhängende Predigten über das ganze apostolische Glaubensbekenntnis auf alle Sonn- und Festtage des katholischen Kirchenjahrs“, Regensburg 1841, Verlag von G. Josef Manz:

„Das Himmelreich ist einem Könige gleich,
der seinem Sohne Hochzeit hielt.“
(Matth. 22,2)

Viel und mannigfach sind die Gleichnisse, in welchen uns die hl. Schrift öfter das ewige Leben beschreibt, und gleichsam im Schatten vorhält. Aber keines kommt in den hl. Schriften besonders des Neuen Bundes häufiger vor, als jenes, in welchem uns das selige und ewige Leben unter dem Namen und Bilde einer hochzeitlichen Feierlichkeit und eines hochzeitlichen Mahles vorgestellt wird, wie auch wieder im heutigen Evangelium, das so anfängt: „Das Himmelreich ist einem Könige gleich, der seinem Sohne Hochzeit hielt.“ Dieser König, wie aus den hl. Vätern Kornelius a Lapide erklärt, ist Gott der Vater. Der Sohn des Königs und der Bräutigam bei dieser Hochzeit ist der Mensch gewordene Sohn Gottes; die Braut ist die Kirche, und zwar nicht bloß die streitende auf Erden, sondern auch, und vorzüglich, die triumphierende im Himmel. Denn dort wird die Hochzeit Christi, die bei seiner Menschwerdung angefangen hat, erst vollendet werden, und ihre Vollkommenheit erlangen. Zwar ist schon jetzt auf Erden dieses Hochzeitsmahl bereitet, bei welchem das Wort Gottes, die Sakramente und die göttlichen Gnaden dargereicht werden; und dazu werden die Menschen berufen und eingeladen, aber in keiner andern Absicht, als daß sie von diesem zeitlichen Mahle der Gnade zum ewigen Mahle der Glorie, zum Hochzeitsmahle des Lammes, was kein Ende mehr nimmt, übergehen. Weil also diese Vergleichung des ewigen Lebens mit einem Gastmahle in den hl. Schriften sehr häufig ist, und gewiß nicht umsonst vom Hl. Geiste vorgestellt wird, sondern als sehr passend, um uns teils eine großen Begriff vom ewigen Leben einzuflößen, teils um in uns eine wirksame Sehnsucht danach zu erwecken, so wollen wir heute zur weiteren Erläuterung des zwölften Glaubensartikels das ewige Leben betrachten, als das vornehmste und ewige Gastmahl, zu dem wir alle geladen sind, und zu dem wir auch ohne Zweifel zugelassen werden, wenn wir uns nur jetzt auf die gehörige Weise vorbereiten. Zwei Punkte habe ich also zu erklären:
1) die Vortrefflichkeit des Gastmahles,
2) die gebührende Vorbereitung dazu.
Unser freigebigster Gott beruft uns alle zum ewigen Leben, wie zu einem Hochzeitsmahl. O wie vortrefflich und kostbar ist dieses Mahl von Seiten Gottes! Der beste, gütigste Gott lädt uns zum ewigen Leben, wie zu einem Hochzeitmahl ein. O welch‘ große und genaue Vorbereitung erfordert und verdient dieses Gastmahl von unserer Seite! Heilige Jungfrau Maria, erflehe uns von deinem göttlichen Sohne den gehofften Nutzen aus dieser Betrachtung!

Winkelhofer schreibt zu Punkt I.

Nicht ohne Grund oder umsonst vergleicht die hl. Schrift so oft das ewige Leben und dessen Freuden, die uns im Himmel verheißen sind, mit einem großen Mahle, das im himmlischen Sion allen Auserwählten zubereitet werden wird. „Der Herr der Heerscharen wird allen Völkern auf diesem Berge ein fettes Mahl bereiten.“ (Is. 25,9), und zwar wird es ein Hochzeitsmahl sein, und (Offenb. 19,9): „Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind.“ – und es wird nicht ein gewöhnliches, sondern ein königliches Hochzeitsmahl sein, wie Christus heute erklärt. Nichts konnte in irdischen Dingen die völlige Sättigung, die wir im ewigen Leben haben werden, und das große Mahl, wo man alles im Überfluß hat, passender ausdrücken, nicht die Freuden des ewigen Lebens besser erklären, als eine Hochzeit, bei der es gewöhnlich sehr fröhlich hergeht; nichts mehr die erhabene Größe des ewigen Lebens andeuten, als eine königliche Hochzeit, wo alles aufgeboten wird, was zur menschlichen Pracht gehört. Und weil wir arme Sterblichen [Bellarmin de act. felic.] in diesem Tränen-Tal nichts Größeres sehen oder wünschen, so will Gott uns sinnlichen Menschen dadurch die unaussprechliche Glorie des ewigen Lebens vorbilden. Übrigens wird jene himmlische Hochzeit umso vortrefflicher und besser sein als eine irdische, um wie viel der Himmel von der Erde absteht, und um wie viel Gott, der sie bereitet, an Macht und Reichtum die Könige dieser Erde übertrifft. Aus allen Gastmahlen, welche deswegen, wie die Schrift sagt, angestellt wurde, finden wir kein größeres und prächtigeres als jenes, das einst der mächtige König Assuerus gab, und das im Buche Ester Kap. I. ausführlich beschrieben wird. „Es war in den Tagen des Xerxes, jenes Xerxes, der von Indien bis Äthiopien über 127 Provinzen herrschte. Als König Xerxes in der Residenz Susa auf seinem Königsthron saß, gab er im dritten Jahr seiner Regierung allen seinen Fürsten und Beamten ein Festmahl, zu dem sich die Kriegsobersten der Perser und Meder mit den Edelleuten und Fürsten der Provinzen bei ihm einfanden. Dabei stellte er seinen Reichtum, seine königliche Herrlichkeit, seine glanzvolle Pracht und Größe gar viele Tage, 180 Tage lang, zur Schau.
Als diese Tage zu Ende waren, gab der König auch allem Volk, das sich in der Residenz Susa befand, hoch und niedrig, ein siebentägiges Festmahl im Hof des Gartens, der am königlichen Palast lag.
An silbernen Ringen und Marmorsäulen waren mittels Schnüren von Byssus und rotem Purpur Behänge von weißer Baumwolle und violettem Purpur befestigt. Auf dem Fußboden, der aus Alabaster, weißem und dunklem Marmor und Perlmuttsteinen war, standen goldene und silberne Ruhelager. Die Getränke wurden in goldenen Gefäßen gereicht; jedes Gefäß war von dem anderen verschieden. Königlicher Wein war dank der Freigebigkeit des Königs in Menge vorhanden. Nach königlicher Anweisung durfte man niemand zum Trinken nötigen. Denn der König hatte allen seinen Hausverwaltern befohlen, jedem seinen freien Willen zu lassen.“
– So daß nichts Prachtvolleres gelesen und ausgedacht werden kann, als jenes Gastmahl, man mag seine Veranstalter, oder den Ort, oder die Anzahl und den Adel der Gäste, oder die Art der Speisen, oder endlich die Dauer des Gastmahles betrachten. Aber was ist alle Pracht dieses Gastmahles im Vergleich mit jenem, das uns bereitet wird, und zu dem wir alle geladen werden im ewigen Leben, im Himmel! Vergleichen wir ein wenig nach den vorzüglichsten Umständen das eine mit dem anderen: 1) von wem, 2) wo, 3) für wen, 4) wie, 5) auf wie lange wird jenes Hochzeitsmahl im Himmel angestellt?

1) von wem

Groß und unvergleichlich wird jenes Gastmahl sein, wenn wir auf den Veranstalter oder den Gastgeber sehen, der kein Anderer ist, als Gott selbst, der größte und beste. Vieles trägt zur Pracht eines Gastmahles der Urheber desselben bei. Je größer dieser ist, desto glänzender bewirtet er seine Gäste. Daß das Gastmahl des Absalom glänzend gewesen sei, wird mit diesen Worten erwähnt: „Absalom hatte ein Gastmahl angeordnet, wie das eines Königs“ (II. Kön. XIII, 22.), d. h. ein solches, wie es selbst einem König ziemte, wie es königliche Pracht und Würde erforderte. Vom himmlischen Gastmahle aber, dessen Urheber Gott selbst ist, muß gedacht und gesagt werden: Gott bereitet seinen Auserwählten im Himmel ein Gastmahl, wie das eines Gottes, d. h. ein solches, wie es Gott geziemt, wie es die Pracht und Freigebigkeit Gottes selbst erfordert. Damit ein Mahl groß wird, wird große Macht, Reichtum und Freigebigkeit von dem erwartet, der es anstellt. Wer weiß nun nicht, daß die Macht und der Reichtum und überdies die Freigebigkeit Gottes unendlich sei. Von einer solchen Macht, Reichtum und Freigebigkeit, d. i. von einer göttlichen und unendlichen, kann nur ein großes, ja das größte Gastmahl herkommen. Von jenem König Assuerus, welcher über 127 Provinzen herrschte, und von seinem Gastmahl wird gesagt, daß er dadurch den Reichtum der Herrlichkeit seines Reiches und die Größe seiner Macht zeigen wollte. Auch der König der Könige, welcher über Himmel und Erde herrscht, will im Himmel vorzüglich seinen Reichtum, seine Macht und Freigebigkeit im vollen Glanz zeigen; was für ein Gastmahl müssen wir also im Himmel von einem solchen Herrn erwarten? Die Pracht eines königlichen Gastmahles wird ungemein erhöht, wenn der König selbst dabei zugegen ist, wenn er selbst seinen Gästen zuspricht, und die Speisen verteilt. Dieses, meine Lieben, dieses wird beim himmlischen Mahle geschehen. Da wird Gott selbst sichtbar zugegen sein, Jesus Christus selbst wird seinen Freunden die wunderbaren Speisen jenes Mahles austeilen, „Er wird umhergehen und sie bedienen.“
— Ja er selbst wird mit ihnen auf eine wunderbare und seinem glorreichen Zustande angemessene Weise essen und trinken: „… wo ich es neu in meines Vaters Reiche trinken werde.“ (Matth. XXVI. 29.) — Er wird selbst uns an seinen Tisch ziehen: „… auf daß ihr an meinem Tisch essen und trinken sollt in meinem Reiche.“ (Luk. XXlI. 29.) —

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