Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl – einst und heute

von antimodernist2014

2) wo

Viel trägt überdies zur Pracht und Freude des Mahles bei 2) der Ort, an welchem es gegeben wird, wenn er bequem und prächtig bereitet ist. Der Ort, an welchem Assuerus sein Gastmahl gab, war, so erzählt die Schrift, bereitet im Vorhofe des Gartens und des Waldes, der durch königliche Pflege gepflegt war, unter den schönsten Teppichen von mannigfachen Farben, unter marmornen Säulen, auf goldenen und silbernen Betten, welche bei den Morgenländern statt der Sessel dienten, auf einem Fußboden, der mit Smaragden und andern kostbaren Steinen belegt war. So beschreibt uns diesen Ort die hl. Schrift. Aber wer wird den Ort jenes Gastmahles, das uns im ewigen Leben bereitet wird, beschreiben können?! Dies werden die Engel und jene glückseligen Seelen können, die schon im Himmel leben. Wir aber, die wir gleich Würmern auf der Erde kriechen, wissen nichts von der Größe, dem Glanz und der Schönheit jenes Ortes. Der Hof jenes Gastmahls ist der Himmel, ist das Haus Gottes, kein königlicher Palast oder Speisesaal. Es ist der Ort des wunderbaren Gezeltes Gottes selbst; nicht seidene Teppiche, nicht goldene Betten. Es ist das himmlische Paradies, nicht ein königlicher Garten oder Wald. Die Erde ist nur ein kleiner Punkt, wenn man sie mit der Größe des Himmels vergleicht; ein Gefängnis, ein Stall ist die Erde, wenn man sie mit der Schönheit des Himmels vergleicht; ein Punkt sind alle irdischen Gastmahle der Könige, nichts sind sie, wenn man sie mit dem Mahle des größten Königs, Christi, vergleicht, nur in Bezug auf den Ort und die Zubereitung. Ausrufen möchte man mit jenem, welcher einst mit Christus zu Tische saß, als er von jenem Mahle redete: „Selig, wer teilnimmt am Mahl im Reich Gottes!“ (Luk. XIV, 15.) —

3) für wen

Wenn der Gastgeber groß, der Ort bequem, angenehm und glänzend ist, so müssen 3) auch die Gäste selbst gut und einander lieb sein, damit das Mahl vergnügt ist. Oft schlägt einer das beste, sonst glänzende und angenehme Mahl aus, wenn er weiß, daß dazu Menschen geladen sind, die entweder an Adel weit niedriger, oder sich feind und wenig gewogen, oder streitsüchtig sind. Wenn aber eine gute Gesellschaft, wenn gleichgesinnte Freunde, die nur ein Herz und ein Sinn sind, zusammenkommen, so schöpft man aus dieser Gesellschaft mehr Vergnügen als aus dem Mahle selbst. Bedenkt nun, meine Lieben, wie das Vergnügen des himmlischen Gastmahles beschaffen sein muß, gemäß der Gesellschaft der Gäste, die da sind die guten Engel und alle Heiligen, alle Kinder Gottes, alle, nicht bloß Fürsten und Vornehme, sondern so viele Könige, die gegeneinander auf’s Freundschaftlichste gesinnt sind, und sich mehr als mit brüderlicher Liebe lieben, alle Gott ähnlich nach jenen Worten (I. Joh. III.): „Wir werden ihm ähnlich sein, weil wir ihn sehen, wie er ist.“ — Von Assuerus wird gesagt, daß er den Fürsten, den Mächtigsten unter den Persern, den Vortrefflichsten unter den Medern und den Vorstehern der Provinzen ein Gastmahl gehalten habe. Auch Christus hält im Himmel den Engeln, welche die Fürsten seines Reiches sind, und den Menschen als seinen mächtigsten Dienern, welche im Kampfe gegen das Fleisch, die Welt und den Teufel Sieger gewesen, ein Gastmahl. O welche Freude wird es sein, mit so großen Fürsten und Helden, mit den Aposteln und Martyrern, mit allen Auserwählten beim himmlischen Gastmahle zu sitzen! mit den hl. Patriarchen und Propheten! „Viele werden mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreiche zu Tische sitzen.“ (Matth. VIII, II.) — Von den 7 Söhnen Jobs erzählt die hl. Schrift, daß jeder nach der Reihe durch die 7 Tage in der Woche, jeder in seinem Hause, ein Gastmahl hielt, wobei sie und ihre drei Schwestern freundschaftlich und friedlich miteinander speisten. Auch im Himmel werden alle wie Brüder und Schwestern beim Gastmahle sitzen, alle einander lieb und teuer, fröhlich und vergnügt. „Wie Frohlockende sind Alle, die in dir wohnen.“ (Ps. LXXXVI.)
O Christen, freuet euch über eine solche künftige Gesellschaft! Dort wird kein Friedensstörer, keiner einem andern aufsässig sein. Freuet euch, und beweint den Verlust der Freunde und Verwandten nicht, weil ihr Hoffnung habt, sie wieder zu sehen, und ewig mit ihnen am himmlischen Tische zu sitzen!

4) wie

Welche Speisen, welches Getränke werden endlich bei jenem Gastmahle aufgesetzt werden? Bei dem königlichen Gastmahle des Assuerus waren mannigfache und ausgesuchte Speisen in kostbaren Schüsseln aufgetragen. Der Wein war des königlichen Glanzes würdig, ward im Überfluß, vortrefflich und in goldenen Pokalen gereicht. Und welcher Wein, welche Speise wird erst beim himmlischen Mahle aufgesetzt werden? Christus der Herr wird, vom Himmel herabredend, an’s Essen und Trinken erinnern: „Ich trage euch auf, daß ihr esset und trinket an meinem Tische in meinem Reiche.“ Wie ist dies zu verstehen? Wir müssen hier ein zweifaches Mahl, welches die Seligen im Himmel haben werden, unterscheiden; eines, welches der Seele, und ein anderes, welches dem Leibe bereitet wird. Die Speise und der Trank der Seele ist die Anschauung und beseligende Liebe Gottes selbst, oder vielmehr Gott selbst, der auf‘s Klarste erkannt, auf‘s Süßeste geliebt, und der glückseligen Seele mitgeteilt wird. Diese Speise wird die Seele unendlichmal mehr ergötzen und ersättigen, als die ausgesuchtesten Speisen und Getränke den Leib ergötzen. „Ich werde gesättiget werden, wenn deine Glorie offenbar wird. In der Salbung deines Hauses werden sie erquickt, und mit dem Strome deiner Annehmlichkeit wirst du sie tränken.“ (Js. XXXV, 9.) —
Einen Vorgeschmack dieser Speise, und ein sicheres Unterpfand empfangen wir in der hl. Kommunion. Hier gibt sich Christus zwar wahrhaft dar, aber er gibt sich nicht dar zum Erkennen, Hören, Sehen und Schmecken nach seiner Schönheit und Süßigkeit. Er verbirgt uns alles, aber im Himmel werden wir in geoffenbarter Gestalt nicht nur seine Menschheit, sondern auch seine Gottheit schauen; wir werden sie nicht bloß schauen, sondern auch lieben und genießen in Ewigkeit. O unerklärbare Speise! O süßes Gastmahl! Wenn schon das hl. Abendmahl einen so großen Trost gewährt, was wird erst das Hochzeitmahl im Himmel sein?! Wenn das Manna schon von so lieblichem Geschmacke war: „alle Süßigkeiten in sich fassend“ (Weish. XVI, 2N.), was wird erst im Himmel sein?!
In Bezug auf den glorreichen Leib. Auch dieser wird sein Gastmahl, seine Speisen und Getränke haben; zwar nicht Brot oder Wein oder Fleisch oder ähnliche Nahrungsmittel, deren er im Stande der Glorie keineswegs mehr bedarf. Aber doch wird auch der Geschmack dann eine Ergötzung haben, welche Gott den Seligen bereiten wird, als wenn sie immer die schmackhaftesten Speisen kosteten. Und dies ist jener neue Wein, von welchem Christus am letzten Abendmahle sagte, daß er ihn mit seinen Aposteln im Reiche seines Vaters trinken wolle.

5) auf wie lange

Die letzte und vorzüglichste Eigenschaft des himmlischen Gastmahles ist 5) seine Dauer. Das Gastmahl des Assuerus dauerte lange Zeit, 180 Tage. Eine unerhörte Sache, ein Gastmahl von 180 Tagen! Die Hälfte des Jahres ist’s, durch die jene Schmausereien hinausgedehnt wurden. Aber was ist dieser Zeitraum, wenn man ihn mit der Ewigkeit vergleicht, durch welche das Mahl Christi dauert! Jene 180 Tage nahmen endlich ein Ende, jenes halbe Jahr von Freuden ging vorüber. Aber die Zeit des himmlischen Mahles wird nie vorübergehen, wird immer fortdauern. Auf andere Gastmahle und fröhliche Tage folgt öfters eine unruhige Nacht, traurige Tage, Tage der Enthaltsamkeit und des Fastens. Aber auf den Tag des ewigen Gastmahles wird keine Nacht folgen; auf diesen Tag der ewigen Freude folgt kein Tag der Trauer oder des Fastens. Das Gastmahl Absaloms hatte einen blutigen Ausgang; es wurde dabei Ammon von seinem eigenen Bruder ermordet. Das Gastmahl des Balthasar hatte einen traurigen und schrecklichen Ausgang; es erschien eine Hand, welche an die Wand schrieb, und das Ende seiner Regierung und seines Lebens verkündigte. Das Gastmahl der Söhne Jobs hatte einen traurigen Ausgang. Es stürzte das Haus zusammen, und begrub alle Gäste. Auf einen fröhlichen Hochzeitstag folgen oft viele traurige und beweinenswerte Tage. Nichts dergleichen wird bei der himmlischen Hochzeit, beim himmlischen Gastmahl sein, wozu uns Christus einlädt. Jenes wird nicht nur kein trauriges und schreckliches Ende, sondern durchaus gar kein Ende nehmen. Es wird ewig dauern ohne Ekel; kein Ende wird dort angekündigt; der Saal des himmlischen Gastmahles wird nicht zusammenstürzen. Wir werden uns immer freuen, und immer an der Tafel sitzen. Saget, meine Lieben, ist nicht dieses Gastmahl vortrefflich? sagte nicht jener Engel zum Johannes recht: „Schreibe: selig sind, welche zur Hochzeit des Lammes geladen sind“ (Offenb. XIX, 9.), und hinzusetzte: „Diese Worte Gottes sind wahr.“ Wer aber ist zu diesem Mahle geladen? Du und ich, und wir alle. „Kommet zur Hochzeit.“ Niemand aus uns wird wohl mit den Juden sagen: Ich will nicht kommen! — Aber wie? Sind wir auch alle bereit? Ist es hinreichend, geladen zu sein, den Glauben eines ewigen Lebens zu haben? Keineswegs.

Nein, es reicht durchaus nicht, nur den Glauben an ein ewiges Leben zu haben, man muß auch ins ewige Leben eingehen wollen, denn „Viele sind zwar berufen, wenige aber auserwählt“. In dem Gleichnis wird diese Wahrheit schon fast peinlich greifbar, sind doch viele eingeladen, aber nur wenige kommen zur Hochzeit. Die meisten geladenen Gäste begnügen sich mit allerlei fadenscheinigen Ausreden, weshalb der König seine Knechte schließlich an die „Scheidewege“ schickt, damit sie jeden zur Hochzeit laden, den sie finden können. Und seine Knechte „brachten alle herbei, die sie fanden, Böse und Gute“.

Als endlich der Hochzeitssaal aus all jenen, die von den Zäunen und Scheidewegen herbeigebracht wurden, gefüllt ist, fällt einer im großen himmlischen Hochzeitssaal ganz aus der Reihe – derjenige, der kein hochzeitliches Gewand trägt. Über diesen seltsamen Gast kann man sich viele Gedanken machen, wie uns die Kirchenväter zeigen, die der hl. Thomas von Aquin in seiner „Goldenen Kette“ zusammenfaßt. Hören wir einmal, was er allein alles über das hochzeitliche Gewand zu sagen weiß, das diesem Gast fehlt – wobei hier nochmals in Erinnerung gerufen sei, diese Texte sind nicht nur 176 Jahre alt, sondern mehr als 1500 Jahre. Wenn das keine zeitlosen Wahrheiten sind!

„Der Hochzeitssaal“, nämlich Christi und der Kirche, „füllte sich“, als diejenigen, die von den Aposteln gefunden worden sind, für Gott wiedergewonnen wurden und sich zum Hochzeitsmahl setzten. Gute und Böse mußten berufen werden, aber nicht so, daß die Bösen böse blieben, sondern daß sie ihre Gewänder, die nicht zum Hochzeitsfest paßten, ablegen und Hochzeitskleider anziehen, das heißt: aufrichtiges Erbarmen und Güte. Und darum geht der König hinaus und sieht sich die Gäste an, bevor er ihnen das Mahl reicht, um sich zu vergewissern, ob sie Festkleider haben, und er an ihnen Freude hat. Die anderen verurteilt er, und darum heißt es (Origenes, In Matth.): „Als sie sich gesetzt hatten und der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhatte.“
Nicht daß Gott nicht überall wäre; es heißt aber dort [in besonderer Weise] gegenwärtig, wo er einen Menschen richtend anschauen will – wo er das nicht will, da scheint er abwesend zu sein. Der Tag aber, an dem er die Menschen ansieht, ist der Tag des Gerichts, wenn er auf die Christen schaut, die sich am Tisch der Heiligen Schrift niedergesetzt haben. (Chrysostomus)
Was sollen wir anderes unter dem Hochzeitsgewand verstehen als die Liebe? Denn sie hatte der Herr an, als er kam, um sich mit der Kirche zu vermählen. Wer also ohne Hochzeitsgewand zur Hochzeit kommt, ist derjenige in der Kirche, der zwar Glauben, aber keine Liebe hat. (Gregor der Große)
Oder aber, der kommt ohne Hochzeitsgewand zur Hochzeit, der dort nicht den Ruhm des Bräutigams sucht, sondern den eigenen. (Augustinus, Contra Faustum).
Oder das Hochzeitsgewand sind die Weisung des Herrn und die Werke, die unter dem Gesetz und dem Evangelium getan werden, und das Kleid des neuen Menschen ausmachen. Doch derjenige, der sich am Tag des Jüngsten Gerichts einen Christen nennt, aber keine [guten Werke] aufweisen kann, wird sofort getadelt. Es heißt: „Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen?“ Er nennt ihn Freund, denn er ist ja zur Hochzeit geladen, also durch den Glauben ein Freund. Er wirft ihm aber seine Unverschämtheit vor, weil er mit seinem schmutzigen Gewand den Glanz des Hochzeitsfestes mindert. (Hieronymus)
Weil aber derjenige, der sündigt und den Herrn Jesus Christus nicht als Gewand anlegt, keine Entschuldigung hat, heißt es: „Darauf wußte der Mann nichts zu sagen.“ (Origenes)

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