Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl – einst und heute

von antimodernist2014

Das hochzeitliche Gewand ist schon ganz und gar außergewöhnlich und sehr schön, übernatürlich schön! Was für eine reichhaltige Erklärung geben uns dazu die Kirchenväter. Aus ihren Erklärungen ersehen wir, wenn man in den himmlischen Hochzeitssaal eintreten will, dann braucht man zunächst die übernatürliche Tugend des Glaubens und der Gottesliebe, d.h. man braucht einen bekennenden, lebendigen Glauben, der sich durch die entsprechenden Werke zeigt! Weil aber derjenige, der sündigt und den Herrn Jesus Christus nicht als Gewand anlegt, keine Entschuldigung hat, heißt es: „Darauf wußte der Mann nichts zu sagen.“ So wird es sein, vor dem göttlichen Richter verstummt der Sünder, weil er keine Ausreden mehr hat.

Auch unser Kommentator aus dem Jahre 1841 weiß uns einiges über das hochzeitliches Kleid zu sagen, was die Ausführungen des hl. Thomas bestens ergänzt. Es folgt Winkelhofers Punkt II.

Alles ist bereitet, von Seiten Gottes ist kein Mangel; — aber ach! Die Menschen als Gäste sind nicht bereitet. Es wird ihnen zwar Zeit gegeben, sich zu bereiten, sich von Makeln reinzuwaschen, sich ein hochzeitliches Kleid zu verschaffen; aber sie mißbrauchen diese Zeit meistens, um sich Vergnügungen, Reichtümer, Güter dieses, nicht des ewigen Lebens zu verschaffen. So vergehen die Tage; plötzlich entsteht ein Geschrei: „Sehet, der Bräutigam kommt, auf, geht ihm entgegen: und die bereitet waren, gingen mit ihm zum Hochzeitsmahl ein, die törichten Jungfrauen aber wurden hinausgesperrt.“ Jener Armselige im heutigen Evangelium war auch geladen; er weigerte sich nicht, noch viel weniger tötete er die Einladenden, wie die Übrigen; aber doch wurde er hinausgeworfen vom Gastmahle, nicht weil er zu kommen sich weigerte, sondern weil er unvorbereitet kam. Diejenigen, welche nicht kommen wollten, sind die Juden, welche die Propheten und Apostel, die sie einluden, nicht hören wollten, und auch nicht hörten, oder gar töteten; sind die Ungläubigen, welche an Christus durchaus nicht glauben. Aber jener Armselige bedeutet die Christen, die Rechtgläubigen, welche zum Hochzeitsmahl in die Kirche kommen mit Glauben, aber ohne Vorbereitung, ohne gute Werke, ohne Liebe, ohne heiligmachende Gnade, die sie durch Sündigen verlieren. Jener hat kein hochzeitliches Kleid, welcher in die Pforte der Ewigkeit eintritt im Stande einer Todsünde; dieser wird nicht zum Mahle gelassen, sondern hinausgeworfen; obgleich er getauft, gefirmt, mit dem Leibe Christi erquickt ist, obgleich er ein ewiges Leben glaubte, weil er kein hochzeitliches Kleid hat.
O mein Lieber! Wie oft entbehrst du dieses Kleides! Wie oft gehst du ohne dasselbe schlafen! Wie oft wirfst du es vor dem Schlafe durch eine schändliche Lastertat von dir. Ach! wenn du in dieser Nacht gerufen würdest, was würde mit dir geschehen?! „Wie bist du hierhergekommen, und hast doch kein hochzeitliches Kleid an?“ wird die Frage lauten; und der Richterspruch: „Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis.“ Ach! vielleicht hast du diese Nacht zum ersten Male im Stande der Sünde geschlafen? Wenn du gestorben wärest, lägest du schon in der Hölle, und würdest dort trauern, aber vergebens, daß du statt des ewigen Gastmahles ewigen Hunger erwählt hast. Traue nicht, lege dich nie zu Bette mit einer schweren Sünde! Stehe nochmal auf vom nächtlichen Lager, und verschaffe dir wenigstens durch eine vollkommene Reue ein hochzeitliches Kleid. Als einst die hl. Theresia die hl. Messe eines Priesters anhörte, von dem sie aus Gottes Eingebung wußte, daß er sich nicht im Stande der Gnade befände, so mahnte sie ihn; und dies ist unter Allen die notwendigste Vorbereitung. Es gibt auch heutzutage noch einige solche. Der hl. Paulus nennt das ewige Leben einen Sabbat. „Das Volk Gottes hat noch einen andern Ruhetag (Sabbat) zu erwarten.“ (Hebr. IV, 8.) — Die glückselige Ewigkeit ist der ewige Sabbat oder Ruhetag. Die Juden mußten sich zu jedem Sabbate bereiten; daher wurde der vorausgehende Tag Paraszeve (Vorbereitungstag) genannt. „Es war aber Vorbereitungstag, der vor dem Sabbate ist.“ Paraszeve heißt also so viel als Vorbereitung. An diesem Tage bereiteten sie die Speisen.
Die glückliche Ewigkeit ist unser Ruhetag (Sabbat); dieses ganze Leben ist unsre Vorbereitung (Paraszeve). Daher müssen wir uns eifrig bereiten. Schon jetzt müssen wir uns durch gute Werke jenes Abendmahles würdig machen. Wenn die Juden am Vorbereitungstage nichts arbeiteten, keine Speisen bereiteten, so mußten sie am ganzen Sabbate Hunger leiden, weil es ihnen am Sabbat nicht erlaubt war, zu arbeiten oder zu kochen. Auch im Himmel, welcher ein großer Sabbat ist, darf man nichts mehr arbeiten. Alsdann wird keine Zeit mehr sein. Wenn wir uns jetzt eitlen Scherzen und Tänzen ergeben, wenn wir selten über himmlische Dinge nachdenken, wenn wir für’s ewige Leben nichts aufwenden, was ist das für eine Vorbereitung? Jetzt laßt uns Hunger leiden; jetzt enthaltsam sein. Wer sich zum reichlichen und hochzeitlichen Mahle bereitet, der kleidet sich nicht nur gut, sondern enthält sich auch zu Hause von Speisen; wer zur Tafel eines Fürsten geladen ist, der ißt nicht zuvor mit den Schweinen die Schoten und füllt sich nicht damit den Bauch. Die Ergötzlichkeiten und Vergnügungen der Welt sind die Schoten der Schweine. Wie magst du mit diesen mitfressen? O spare dich auf etwas Besseres! Faste jetzt; es wird eine Zeit kommen, wo du wirst gesättigt werden. Vielleicht nehmen sich Einige von dem Gebote des Fastens aus. Jetzt enthalte dich, damit du nicht von dem himmlischen Hochzeitsmahle ausgeschlossen werdest. Jetzt arbeite, damit du der ewigen Ruhe genießest. „Bei den Verdammten werden sie Hunger leiden wie die Hunde. Ihr Anteil ist Schwefel. — Ihm lasset uns zu entgehen suchen.“ Amen.

Wie erschreckend ist es in der Tat, wenn jemand kein hochzeitliches Gewand trägt. Wie sorgsam muß man deswegen auf den so leicht verlierbaren Schatz der Gnade Acht haben, damit man nicht einmal unvorbereitet vor den göttlichen Richter treten muß. O mein Lieber! Wie oft entbehrst du dieses Kleides! Wie oft gehst du ohne dasselbe schlafen! Wie oft wirfst du es vor dem Schlafe durch eine schändliche Lastertat von dir. Ach! wenn du in dieser Nacht gerufen würdest, was würde mit dir geschehen?! „Wie bist du hierhergekommen, und hast doch kein hochzeitliches Kleid an?“ wird die Frage lauten; und der Richterspruch: „Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis.“

Das ist ganz sicher eine nicht oft genug zu bedenkende Mahnung für jeden von uns. Aber warum nur sind es so viele, die nicht zur Hochzeit kommen wollen oder ohne hochzeitliches Gewand? Es wäre jedem Menschen leicht möglich, ein hochzeitliches Gewand zu tragen, wie der hl. Johannes Chrysostomus erklärt:

Der Vater des Bräutigams stieß jenen unwürdigen Gast hinaus, nicht darum, daß er unreine Kleider hatte, sondern daß er mit unreinen Kleidern erschienen war. Er sagte nicht zu ihm: Warum hast du kein hochzeitliches Kleid, sondern: Wie bist du herein gekommen, und hast doch kein hochzeitliches Kleid an? Du standest, sagt er, bettelnd auf den Gassen, und ich schämte mich deiner Armut nicht; deine Schmach macht dich in meinen Augen nicht verwerflich; ich befreite dich von deiner Niedrigkeit, und führte dich in den Saal des Bräutigams; ich würdigte dich der königlichen Tafel, und erhob den zur größten Ehre, welcher doch die größte Strafe verdiente. Doch du wurdest selbst durch meine Wohltaten nicht besser; du verharrtest in deiner Bosheit, und entweihtest sowohl das feierliche Fest, als den Bräutigam selbst. Geh also hin, Unwürdiger, und büße für deine Torheit.
Ein jeder unter uns sehe also, daß er nicht eine solche Stimme höre; ein jeder werfe alle niedrigen Gedanken, welche der geistlichen Lehre unwürdig sind, von sich, und so nähere er sich diesem heiligen Tische.

Was hat Gott nicht alles getan, um jedem Menschen die Gnade schenken zu können, er hat Seinen eingeborenen Sohn nicht geschont, sondern Ihn als Erlöser in unsere Welt gesandt. Dieser hat sich unserer Armut und Schmach angenommen und die Strafe für unsere Sünden getragen – „Doch du wurdest selbst durch meine Wohltaten nicht besser; du verharrtest in deiner Bosheit, und entweihtest sowohl das feierliche Fest, als den Bräutigam selbst.“

Schon jetzt gilt es, sich auf das himmlische Gastmahl vorzubereiten, indem wir in der hl. Kommunion den Vorgeschmack davon erhalten. Je reiner die Seele, je geistiger der Mensch, desto mehr wird er bei der hl. Kommunion von der himmlischen Freude erfüllt werden. Das himmlische Gastmahl hat schon jetzt begonnen, denn der Bräutigam war schon in unserer Menschenwelt und hat sich selbst für uns zur Speise zum ewigen Leben gemacht. So wird jede würdige, andächtige, mit liebendem Herzen empfangene hl. Kommunion zu einer Vorbereitung auf die Ewigkeit, wie uns der hl. Thomas belehrt hat: „Oder es sind das hochzeitliche Kleid die Gebote Gottes und die Werke, welche nach dem Gesetz und Evangelium verrichtet werden und das Kleid des neuen Namens bewirken.“ Wie schön ist das: „das Kleid des neuen Namens“!

Das Gleichnis vom Himmelreich in den Augen eines Modernisten

Obige Erwägungen sind während der Vorbereitung auf die Predigt zum 19. Sonntag nach Pfingsten entstanden. In Zuge dieser Vorbereitung stießen wir zudem auf eine Predigt zum dem Gleichnis von himmlischen Hochzeitsmahl, die wir den Lesern nicht vorenthalten wollen, weil sie ein richtiggehendes Schulbeispiel für eine Auslegung des Wortes Gottes durch einen Modernisten ist. Der Prediger ist Professor in evangelischer „Praktischer Theologie“ und sowohl an einer evangelischen „Theologischen Fakultät“ als außerplanmäßiger Professor für Praktische Theologie, als auch als Pfarrer tätig.

Nachdem der Prediger das Evangelium vorgelesen hat, wendet er sich an die versammelte Gemeinde:

Liebe Gemeinde!
Und dieses Gleichnis soll von Jesus sein? fragt man sich unwillkürlich, wenn man die Geschichte zum ersten Mal wahrnimmt. Von Jesus kennen wir doch Sätze wie: ‚Selig sind die Sanftmütigen, denn sie sollen das Erdreich besitzen.‘ Und jetzt das: Ein gekränkter König, der die Ablehnung seiner Einladung statt mit Sanftmütigkeit mit einem Blutbad beantwortet. Und so eine Geschichte soll dann auch noch ein Gleichnis fürs Himmelreich, für Gottes neue Welt sein? Man wundert sich. Und es fallen noch mehr Unstimmigkeiten am Gleichnis auf: Wie soll denn eine Hochzeit so laufen: Die Ochsen sind schon geschlachtet und das Essen ist vorbereitet. Weil dann die Gäste nicht kommen, schickt der König nochmals seine Knechte aus. Das nützt auch nichts und es folgt der blutige Feldzug. Schließlich werden unbekannte Gäste von der Straße eingeladen. Bis das alles passiert ist, ist das Essen nicht nur kalt, es ist längst vergammelt und ungenießbar. Und auch das ist erzählerisch nicht stimmig: Wenn der König schon die Gäste spontan von der Straße einsammeln lässt, dann kann er niemanden vorwerfen, nicht richtig angezogen zu sein. Das Gleichnis ist voller Ungereimtheiten. Es ist unplausibel und das sind die Gleichnisse Jesu sonst nicht. Erkennbar hat sich an diesem Gleichnis ein Redaktor zu schaffen gemacht, der die Vorlage überarbeitet und dabei seine Interessen und seine spezielle Sichtweise eingetragen hat.

Es ist wirklich wahr: „Man wundert sich“! Wie kann ein evangelischer Theologe so über die Heilige Schrift, das Wort Gottes, sprechen, wo doch sein Religionsstifter M. Luther gekommen war, das Wort Gottes und das wahre Evangelium zu verteidigen gegen die Papisten? Anderseits bezeugt unser Prediger wohl auch gerade deswegen so wenig Ehrfurcht vor dem Wort Gottes, weil doch auch Dr. Martin Luther mit der Heiligen Schrift nicht zufrieden war und gleich mehrere Bücher aussortiert hatte, in denen nur allzu deutlich stand, daß die Heilige Schrift mit dem Wort des Dr. Martin Luther nicht übereinstimmt. So gesehen wundert man sich und wundert man sich auch wieder nicht über das Urteil des Protestanten: „Das Gleichnis ist voller Ungereimtheiten.“ Es sei nur kurz daran erinnert, daß alle oben angeführten Erklärer des Gleichnisses auch nicht eine Ungereimtheit in dem Gleichnis entdecken konnten.

Bei den Modernisten ist das freilich ganz anders. Der Modernismus stammt übrigens vom Protestantismus her, aus dem wiederum der Rationalismus und die Aufklärung entstanden sind, ohne die es keinen Modernismus gäbe. Für einen Modernisten ist die Bibel ein Buch wie jedes andere, voller Fehler und Ungereimtheiten. Wobei man doch nochmals anmerken muß, also insofern doch wieder nicht wie jedes andere Buch, denn so viele Fehler und Ungereimtheiten wie die Modernisten in der Heiligen Schrift finden, findet man schließlich nicht in jedem Buch. Warum man dann über ein Buch, das so voller Fehler und Ungereimtheiten ist, so viel Aufhebens macht, das wissen wohl die Modernisten alleine.

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