Der Greuel der Verwüstung

von antimodernist2014

Bei unserer Interpretation der Großen Botschaft von La Salette haben wir uns Schritt für Schritt zum eigentlichen Thema vorgearbeitet, den Geschehnissen zur Zeit des Antichristen. Mit dem Verständnis der himmlischen Botschaft wuchs auch immer mehr die Verwunderung darüber, daß man nun schon mehr als 150 Jahre lang La Salette kaum oder gar nicht beachtet hat. Überblickt man die letzten Jahrzehnte, so erhärtet sich der Eindruck, daß der höllische Feind ganz besonders die Geschehnisse um Fatima dazu mißbraucht hat, systematisch von der Botschaft von La Salette abzulenken. Während fast ununterbrochen über das sog. dritte Geheimnis von Fatima geredet, geschrieben und diskutiert wird, also über etwas, was man nicht wirklich kennt, wird über das offene Geheimnis von La Salette tiefstes Schweigen gebreitet.

Wie oft hat man das dritte Geheimnis von Fatima schon rekonstruiert und herumgeheimnist, was wohl darin stehen könnte und nach der vermeintlichen bzw. gefälschten Veröffentlichung durch die römischen Besetzer fand diese Geheimniskrämerei neue Nahrung, konnte man sich doch nun fragen, was denn eigentlich die ganze Botschaft sein müßte, denn die neurömische Variante war dann doch etwas zu kurios. Anstatt sich nüchtern mit dem Sachverhalt abzufinden, müssen sogar mystische Offenbarungen herhalten, um die Leute immer noch darüber hinwegtäuschen zu können, daß wir zwar das dritte Geheimnis von Fatima immer noch nicht, hingegen die Große Botschaft von La Salette schon seit etwa 150 Jahren kennen. Warum also das Sichere mit dem Zweifelhaften vertauschen? Etwa deswegen, weil einem die sichere Botschaft nicht behagt?

Sobald man diese mehrmals aufmerksam liest, wird folgende Einsicht immer klarer und fester: Hier haben wir die wichtigste himmlische Verstehenshilfe für die Apokalypse vor uns, also jene Letztzeit, in der wir uns inzwischen befinden. Es ist nämlich ganz wahr, das apokalyptische Geschehen ist nicht mehr fern von uns und somit auch nicht mehr ganz und gar undurchdringlich, stehen wir doch schon mitten drin. Wir haben schon gesehen, nachdem die Feinde die Stadt Rom erobert haben, haben sie begonnen, die oberste Spitze der Kirche anzugreifen – und – nach jahrhundertelanger Vorbereitung im Geheimen – im Handstreich einzunehmen. Wer diese Tatsachen nicht wahrhaben möchte, wird unsere antichristliche Zeit niemals richtig verstehen können und darum notwendigerweise in die Irre geführt werden, d.h. seinen katholischen Glauben verlieren.

Wie wahr das ist, zeigt uns die Große Botschaft von La Salette, die das Wesen der Apokalypse nicht in den gewaltigen Kriegen und Katastrophen sieht, sondern als einen furchtbaren Glaubenskampf deutet. Der Antichrist mit seinen Helfershelfern wird nämlich alles tun, was in seiner beängstigend großen Macht steht, um den Katholiken die Luft zum Atmen zu nehmen, also das geistige Klima mit seinen teuflischen Gedanken vollkommen zu verseuchen. Es ist einfach bezeichnend für viele Deuter von La Salette, die Sache falsch zu gewichten. So wird etwa in dem Buch von Johannes Höcht über La Salette die apokalyptische Angst auf die Angst vor der Atombombe oder Wasserstoffbombe konzentriert. Wo bleibt da der übernatürliche Ernst, so möchte man fragen? Wo bleibt das Gespür für das eigentlich Katholische, das sich in allerhöchster Gefahr befindet? Wir Katholiken brauchen keine Furcht vor der Atombombe oder Wasserstoffbombe zu haben, so beängstigend sie auch an sich sein mögen, aber wie unser göttlicher Lehrmeister mahnt: „Fürchtet den, der nach dem Tod die Macht hat, in die Hölle zu stürzen. Ja, ich sage euch: Den fürchtet!“ (Lk 12,5).

Auffallend ist, dasselbe Phänomen der Verkennung der eigentlichen Gefahr läßt sich auch bei vielen sog. Traditionalisten und konservativen Konzilskatholiken beobachten. Auch bei diesen wird nicht ernsthaft über La Salette gesprochen, aber viel über Fatima phantasiert. Diese Blindheit der meisten Traditionalisten ist umso unbegreiflicher, als die große Botschaft von La Salette trotz ihrer prophetischen Rätselhaftigkeit dennoch erstaunlich konkret und damit gut faßbar ist. Selbst die wenigen, die sich überhaupt die Mühe machen, sich mit La Salette zu beschäftigen, erliegen meist schnell der Versuchung, sobald es ernst wird, in irgendwelche pseudomystische Erklärungen auszuweichen. Dieser Versuchung wollen wir nicht nachgeben, sondern bei unserer Deutung möglichst nahe am Originaltext bleiben.

Wenn es um ganz konkrete Angaben geht, fallen in der Großen Botschaft vor allem drei Jahreszahlen auf, die sich in folgenden Sätzen finden:

1. Der Stellvertreter meines Sohnes, der Hohepriester Pius IX., verlasse Rom nach dem Jahre 1859 nicht mehr.
2. Im Jahre 1864 wird Luzifer mit einer großen Menge von Teufeln aus der Hölle losgelassen. Sie werden den Glauben allmählich auslöschen, selbst in Menschen, die Gott geweiht sind.
3. Im Jahre 1865 wird man den Greuel an heiligen Stätten sehen.

Den Sinn des ersten Satzes haben wir in unserer letzten Arbeit über La Salette dargelegt. Pius IX. wurde durch die freimaurerischen Revolutionäre zum Gefangenen im Vatikan gemacht. Ein Verlassen Roms hätte in dieser Zeit für ihn das Todesurteil bedeutet. In der Folge hatte der Papst jeglichen politischen Einfluß verloren, ganz Italien war in der Hand der Freimauerei. Die zweite Jahreszahl verweist auf ein auch in der Apokalypse erwähntes Geschehen, das direkt mit der Zeit des Antichristen zu tun hat. Nach dem Gericht über das Tier und den falschen Propheten heißt es: „Und ich sah einen Engel vom Himmel niedersteigen, der den Schlüssel zum Abgrund und eine große Kette in seiner Hand hielt. Er packte den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel, der Satan ist, fesselte ihn auf tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund. Dann verschloß er ihn und legte ein Siegel darauf. Nicht mehr sollte jener die Völker verführen, bis die tausend Jahre zu Ende wären. Danach muß er für kurze Zeit losgelassen werden“ (Offb 20, 1ff).

Allioli gibt dazu die Erklärung: „Unter dem Namen Teufel ist nicht notwendig jede teuflische Kraft , sind nicht alle bösen Geister zu verstehen, sondern es kann auf das Haupt beschränkt sein. (Thom.) Die Bindung des Teufels hatte bei der ersten Ankunft und dem Tode Christi statt: der Teufel war hinausgeworfen Joh. 12,31., seine Herrschaft beschränkt und den Menschen Macht gegeben, ihn im Namen Christi zu vertreiben. (Matth. 8,29; 12,28) Diese Bindung besteht darin, daß er nicht seine ganze Kraft üben darf zur Verführung der Menschen. (Aug.) Unter den tausend Jahren verstehen die meisten Erklärer die Zeit zwischen der Menschwerdung Christi und der Verführung des Antichrist (V 7), oder der Auferstehung (V 13), weil durch die Zahl die Vollkommenheit die Fülle der Zeiten bezeichnet wird. (Aug. Viktorin. Hier. Cassiodor. Primas. Thomas).“

1864 – das Ende der tausend Jahre

Die weinende Gottesmutter sagt also auf dem Berg von La Salette im Jahr 1846 ganz unmißverständlich voraus, daß mit dem Jahr 1864 die tausend Jahre, nämlich die Zeit der Erquickung (vgl. Apg. 3,21), zu Ende gehen und Luzifer mit einer großen Menge von Teufeln aus der Hölle losgelassen wird. Maria nennt dabei den obersten der Teufel nicht Satan, sondern Luzifer, womit sie uns wohl den Hinweis geben möchte, daß der oberste der Teufel in unserer Menschenwelt als Engel des Lichts zur Verführung der Gotteskinder auftreten wird. Nun hätte man doch erwarten dürfen, die Verantwortlichen in der Kirche wären aufgrund dieser Information seit dem Jahr 1864 zu höchster Wachsamkeit übergegangen, denn die Schläue Luzifers ist doch wohl kaum zu überschätzen und die Vorbereitungsarbeiten zum Generalangriff auf die Kirche Jesu Christi waren zweifelsohne alle abgeschlossen. Blickt man jedoch auf die Geschichte, so ist nichts Derartiges geschehen. Die meisten Bischöfe und Priester haben die himmlische Warnung vollkommen ignoriert und sind dementsprechend der wirksamen Macht der Versuchung anheimgefallen: „Sie werden sie in einer Weise blind machen, daß diese Menschen, falls sie nicht eine besondere Gnade empfangen, den Geist dieser bösen Engel annehmen werden“, hat die Gottesmutter gewarnt.

Es ist eine unleugbare Tatsache, genau um diese Zeit begann der Modernismus immer mehr den Geist des Klerus zu verwirren – und was ist der Modernismus anderes als der Geist der bösen Geister, die seelenzerstörende Lehre des Menschenmörders von Anbeginn, der schlimmste Unglaube im sprachlichen Gewand des Glaubens? Was ist er anderes als ein Aufstand gegen den einzig wahren Gott und Seine Gebote? Als Pius IX. genau in diesem Jahr 1864 den sog. Syllabus errorum als Anhang der Enzyklika Quanta cura beifügte, in dem 80 Sätze aufgezählt werden, welche die wesentlichen Zeitirrtümer des 19. Jahrhunderts kennzeichneten und verurteilten, trat er damit dem Heer der Dämonen entgegen. Diese Zusammenstellung der wichtigsten Irrtümer über Kirche und Staat – das Wort „Syllabus“ bedeutet „Zusammenstellung“ – sollte den sog. liberalen Katholiken den Spiegel vors Gesicht halten und sie zur Einsicht bringen. Aber leider hatten schon zu viele den Geist der Dämonen angenommen und waren unbelehrbar geworden. Der Syllabus war durchaus bei vielen kein päpstlicher Anstoß zu einer Gewissenserforschung mehr, sondern stieß auf heftigste Ablehnung. Eigentlich hätte man doch meinen müssen, jeder Katholik sei froh über diese päpstliche Abgrenzung des katholischen Denkens von den Hauptströmungen des damaligen, immer antichristlicher werdenden Zeitgeistes.

Im Lexikon für Theologie und Kirche, das in den 30er Jahren des vergangen Jahrhunderts herausgegeben wurde, war man noch der Ansicht, daß der Syllabus zu „einem Damm gegen die anhebende Geistesrevolution der Neuzeit, gegen den modernen Verweltlichungsprozeß, gegen die Prinzipienlosigkeit auf allen Gebieten, gegen die Verabsolutierung des Staates, d.h. des Menschenwillens“ wurde (Lexikon f. Theologie und Kirche, IX, 922), was aus heutiger Sicht doch allzu optimistisch und sogar ein wenig weltfremd erscheint. Nein, der Syllabus konnte den Modernismus nicht mehr aufhalten, wie auch die verschiedenen Maßnahmen, die später vor allem Pius X. dagegen ergriff, weil sie von den Katholiken nicht mehr ernst genug genommen wurden. Der Wunsch, der modernen Welt anzugleichen, verdunkelte den kirchlichen Sinn vor allem vieler Kleriker immer mehr. Die Gottesmutter hatte es vorausgesagt: „Viele Ordenshäuser werden den Glauben völlig verlieren und viele Seelen mit ins Verderben ziehen.“ Wie bedrückend ist es etwa, feststellen zu müssen, daß selbst die Dominikaner und Jesuiten in den folgenden Jahrzehnten vollkommen dem Modernismus verfallen sind. Der Teufel hat letztlich ganze Arbeit geleistet – „Es wird Kirchen geben, in denen man diesen bösen Geistern dient.“

Schaut man sich auch nur ein wenig in den Blättern und Veröffentlichungen der Konservativen und Traditionalisten der Menschenmachwerkskirche um, so kann man die Verblendung dieser Leute kaum noch fassen. Selbst ein Bergoglio bringt sie nicht mehr zur Einsicht, weil nämlich der Modernismus schon lange jeglichen übernatürlichen Glauben zerstört und damit die Fähigkeit der Unterscheidung der Geister aufgehoben hat. Viele wollten und wollen zwar nicht so modern sein wie die sog. Progressisten, aber dennoch wollten sie auch nicht von der Menschenmachwerkskirche lassen, weshalb sie letztlich auch den Modernismus annehmen mußten, ließen sie sich doch auf das dialektische Spiel zwischen konservativen und progressistischen Vertretern des Modernismus ein, worin der Teufel eine wahre Meisterschaft entwickelt hat. Wer sich aber einmal in dieser Teufelsküche befindet, kommt man so schnell nicht mehr heraus.

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