Der Greuel der Verwüstung

von antimodernist2014

Der heidnische König erkannte ganz klar, das einzige, was der Hellenisierung der Juden entgegenstand, war der Absolutheitsanspruch ihres Glaubens. Dieser hinderte sie daran, so zu werden wie die anderen Völker, die Völker der Heiden. Also mußten sie vor allem dazu gebracht werden, diesen aufzugeben: „Da erließ der König ein Dekret für sein ganzes Reich: alle sollten ein Volk werden und jeder seine Gebräuche aufgeben. Alle Völker fügten sich dem Befehl des Königs. Selbst die Israeliten fanden Gefallen an seinem Kult, opferten den Götzen und entweihten den Sabbath.“ Aber damit noch nicht genug. Um die Juden möglichst schnell an den heidnischen Glauben zu gewöhnen, war es naheliegend, den Tempel in Jerusalem zu einem heidnischen Tempel umzufunktionieren.

Hierzu erklärt unser Kommentar: „Mit einer unerbittlichen Strenge versuchten die Syrer die Durchführung des Religionsediktes. Der Tempel zu Jerusalem wurde dem rechtmäßigen Gotteskulte enteignet und als heidnische Kultstätte dem olympischen Zeus geweiht. Man mochte gerade ihn, den Himmelsherrn, gewählt haben, weil er mit Jahve, dem höchsten Herrn des Himmels, am meisten Beziehung hatte. Zu Ehren des Zeus wurde auf dem altehrwürdigen Brandopferaltar ein neuer Altar aufgebaut. Schon der Prophet Daniel hatte vom Greuel der Verwüstung im Heiligtum gesprochen (11,31; 12, 11; vgl. 9, 27). Es ist verständlich, daß der 15. Kasleu (6. Dezember) 167 als ein Tag größter Schmach sich tief in das Gedächtnis des Volkes einprägte. Doch genügte der heidnischen Propaganda die staatliche Beschlagnahme des Gotteshauses nicht. Man errichtete für die neue Staatsreligion in allen Städten des Landes Opferaltäre, um dem Volke den neuen Kult zu erleichtern.“

Der Tempel in Jerusalem, der Tempel des einzig wahren Gottes wird kurzerhand zum Tempel des „Herrn“ im Olymp, womit der „Greuel der Verwüstung im Heiligtum“ Einzug hielt. Der einzig wahre, von Gott geoffenbarte Gotteskult wird durch einen Dämonenkult ersetzt, denn die Götter der Heiden sind Dämonen! Mit der Entweihung des Tempels einher ging noch folgende Maßnahme: „Neben dieser Gewaltpropaganda für die neue Staatsreligion ging die offene Verfolgung der jüdischen Religion. Man suchte vor allem die Gesetzbücher zu beschlagnahmen und zu vernichten, um die religiöse Belehrung durch das geschriebene Wort zu verhindern“ (S.23-24).

Versuch der Verschmelzung des Gottes der Juden mit einer griechischen Göttergestalt im Zuge der (staatlich erzwungenen) Hellenisierung

Wie schon Kardinal Billot erwähnt hat, wurde vom König ein alter Athener beauftragt, die königlichen Maßnahmen vor Ort durchzusetzen und zu überwachen. Der Herderkommentar erklärt dazu:

„An unserer Stelle berichtet das zweite Makkabäerbuch von der Gesandtschaft nach Jerusalem, ohne den ganzen Zusammenhang anzugeben. Sie war einem alten Athener übertragen, wohl einem Manne, der das athenische Bürgerrecht besaß. Er war am ehesten geeignet, griechisches Wesen in Palästina einzuführen. Seine erste Aufgabe war es, durch Gesetzesmaßnahmen unter den Juden eine Abfallbewegung hervorzurufen. Ferner mußte er den Tempel in ein Zeusheiligtum umwandeln. […] Die Umbenennung des Tempels von Jerusalem lag ganz in der Auffassung der griechischen Welt, die sich keinen namenlosen Gott vorstellen konnte. Doch sollte der jüdische Gott nicht einfach durch den griechischen Zeus ersetzt werden. Vielmehr wurde eine Verschmelzung des fremden Gottes mit einer griechischen Göttergestalt versucht, wie wir sie oft in der griechisch-orientalischen Welt beobachten. Unter allen Göttern des griechischen Pantheons wies nur der Zeus Olympios als der Himmelsherr eine gewisse Ähnlichkeit mit dem höchsten Gott der Juden auf. So lag es für den Griechen nahe, den namenlosen Judengott als den olympischen Zeus anzuflehen. Dann konnten Juden und Griechen unter dem gleichen Namen und der gleichen Gestalt ihren Gott verehren und wären sich religiös nähergekommen. So verständlich dieses Verhalten für den Griechen bei seiner polytheistischen Einstellung (Vielgötterglaube) war, so sehr empfand der Jude eine solche Umbenennung als Abfall und Heidentum. Jahve wäre in die Reihe der vielen Göttergestalten eingetreten.
Selbst das einfache Volk wurde durch die plumpe und pietätlose Art der Tempelentweihung empört. Jeder stieß sich am unsittlichen und ausgelassenen Treiben in den heiligen Hallen. Mit dem neuen Kult wurden wüste Opfermahlzeiten gehalten und Hetären zur Unterhaltung der Menschen in das Heiligtum zugelassen. Man ging sogar zu unzüchtigem Treiben an heiliger Städte über. Das Ungeziemende, das sonst noch nach unserer Stelle in den Tempel gebracht wurde, bestand wohl in verbotenen Opfertieren. Ob auch der neue auf dem Brandopferaltar errichtete Zeusaltar darunter begriffen ist, läßt sich nicht entscheiden (1 Makk. 1, 59). Eher deutet Vers 5 auf diesen Greuel der Verwüstung hin. Außerdem wurde der Brandopferaltar durch unreine Schweineopfer entweiht (1 Makk. 1, 47). Mit dieser Schändung des Heiligtums war die Feier des Sabbats und der andern Feste unmöglich geworden. Man ging nun auch so weit, nicht nur den Kult, sondern auch das Bekenntnis des Glaubens zu verhindern. Denn die neuen heidnischen Feste boten die Gelegenheit, die Juden zwangsweise zur Teilnahme am heidnischen Kult zu verpflichten. […] Den Juden blieb nur die Wahl, zum Hellenismus überzutreten oder Verfolgung und Martyrium auf sich zu nehmen. Denn auf dem Beharren in der alttestamentlichen Religion stand die Todesstrafe. Wie die große Masse des Volkes sich nicht zum Heroismus des Glaubensbekenntnisses durchringen konnte, berichtet das erste Makkabäerbuch (1, 43)“ (S. 192).

Es ist schon erschreckend, wie leicht es gelang, die Israeliten ihrem Glauben abspenstig zu machen. Selbst der „Greuel der Verwüstung“ erregt nur eine Weile die Gemüter, denn auch an die Ersetzung des wahren Gottes durch einen Götzen kann man sich gewöhnen. Nun herrscht der Herr des Olymps, der Gott Zeus, in Jerusalem und nicht mehr der Gott der Israeliten, Jahve. Der Glaubensabfall ist meist verbunden mit abartigem Götzenkult.

Wenn die damaligen Juden Modernisten gewesen wären, hätten sie überhaupt keine Schwierigkeit gehabt, im Sinne des Ökumenismus die anderen Götter neben dem eigenen Gott zu dulden. Man hätte sie nur nicht zwingen dürfen, diesen fremden Göttern Opfer darbringen zu müssen, sondern ihnen sagen müssen, wir beten alle gemeinsam zu dem einen Gott aller Religionen um den Frieden in der Welt. Weil aber viele Juden noch den wahren Glauben an Jahve als den einen und einzigen Gott des Himmels und der Erde besaßen, skandalisierten sie sich an dem gottlosen Treiben der Heiden. Darum mußte der König alle Mittel der Täuschung einsetzen, um die Glaubensfestigkeit der Juden überwinden zu können.

Der priesterliche Schützer der ererbten Väterreligion wird zum Förderer des Heidentums

Eine besonders perfide Rolle in dieser Umerziehungszeit spielte der Hohepriester Jason, von dem es im zweiten Makkabäerbuch heißt: „Damals erschlich sich Jason, der Bruder des Onias, [des rechtmäßigen Hohepriesters] das Hohepriesteramt. … Kaum hatte er die Herrschaft angetreten, führte er sogleich bei seinen Volksgenossen griechische Art ein“ (2 Makk. 4,7;10). In Vers 13 heißt es sodann: „Durch die maßlose Ruchlosigkeit Jasons, der ein gottloser Mensch, aber kein Hoherpriester war, kam es zu einer Blüte des Hellenismus und zur Annahme fremder Sitten.“ Am wirksamsten bei einer Umerziehungsmaßnahme ist es immer, wenn man diejenigen Menschen auf seine Seite zieht, denen das Volk vertraut. König Antiochus Epiphanes wußte natürlich, wie hilfreich es sein würde, den jüdischen Hohepriester vor den eigenen Karren spannen zu können.

Der Herderkommentar bemerkt dazu:

„Jason, dessen griechischer Name schon für seine hellenistische Gesinnung bezeichnend ist, wollte seinen älteren Bruder Onias aus seinem Amte verdrängen. Das heiligste Amt seiner Religion erkaufte er sich durch eine hohe Geldsumme (ungefähr 2 300 000 Goldmark). […] Jason erstrebte nicht nur das Hohepriesteramt, sondern wollte seine einflußreiche Stellung zur Einführung des Hellenismus benutzen. Der priesterliche Schützer der ererbten Väterreligion wurde zum Förderer des eindringenden Heidentums. Darum suchte er sich für Geld einen königlichen Freibrief zu verschaffen. Denn seine Pläne gingen auf Umsturz der bisherigen Staatsordnung, die auf biblischer Grundlage beruhte. […]
Sobald er seinen Bruder verdrängt hatte, betrieb Jason in aller Eile die Hellenisierung. Denn dadurch gewann er nicht nur das Wohlwollen und den Schutz des Königs, sondern traf die strenggläubige Partei seines Bruders aufs Schwerste. […] So manche durch das mosaische Gesetz geforderten Einrichtungen wurden hinfällig und durch Gewohnheiten ersetzt, die gegen dieses Gesetz verstießen. All das gipfelte in der Gründung des griechischen Gymnasiums, das Jason in der Nähe der Burg und des Tempels ganz im Mittelpunkt der Stadt errichtete. Seinem Einfluß gelang es, gerade die Jugend für das griechische Wesen zu gewinnen, das auf jeden jungen Menschen eine große Anziehung ausüben mußte mit seiner sportlichen Körperpflege, seinen kulturellen Leistungen und seiner Aufgeschlossenheit für alles natürlich Gute“ (S.173).

Ein solch gewissenloser Ehrgeizling war der richtige Mann für den heidnischen König, denn „seine Pläne gingen auf Umsturz der bisherigen Staatsordnung, die auf biblischer Grundlage beruhte“. Auch das Land Juda sollte modern werden, sollte hellenisiert werden. Der alte Glaube war rückständig und hinderte das Volk, am Wohlstand der Völker teilzuhaben, so sprach man allenthalben. An der Stelle von Gebetshäusern und Synagogen wurden Gymnasien errichtet. Vor allem die Jugend sollte an den kulturellen Leistungen der Griechen Anteil haben, ist doch die Jugend ihrem Wesen nach aufgeschlossen „für alles natürlich Gute“. Schon damals also tauschte man Humanismus, Naturalismus und Götzendienst gegen die Offenbarungsreligion.

Aber nicht nur die Jugend verfiel dem Zauber des Neuen: „Mit dem Hohenpriester waren auch viele Priester dem neuen Geiste verfallen. Ihre Pflichten im Tempel und am Altare stellen sie zurück und beteiligten sich an den unpriesterlichen Ringkämpfen. Diese galten dem gläubigen Juden als gesetzeswidrig, da sie unter dem Patronat eines heidnischen Gottes abgehalten wurden“ (S.174). Was aber war der Schlüssel zu diesem teuflischen Erfolg? Es heißt im Herderkommentar: Der priesterliche Schützer der ererbten Väterreligion wurde zum Förderer des eindringenden Heidentums. Damit waren die meisten Juden hilflos der Verführung ausgesetzt.

Der „Greuel der Verwüstung“ im Neuen Bund

Aber formulieren wir doch dieses Geschehen einmal passend für unsere Zeit: Mit dem Papst und dem Konzil waren auch viele Bischöfe und Priester dem neuen Geiste verfallen. Ihre Pflichten im Tempel und am Altar stellen sie zurück und beteiligten am sittenlosen Treiben der Welt. Dieses galt zwar dem gläubigen Katholiken als gottlos, da es vollkommen unter dem Einfluß der antichristlichen Freimauerei stand und deswegen natürlich ganz und gar auf antichristlichen Prinzipen erbaut war, aber dennoch ließ sich die Masse der Gläubigen durch die Wölfe im Schafspelz verführen, wurde doch der päpstliche Schützer der ererbten Väterreligion zum obersten Förderer des eindringenden Modernismus.

Der Herderkommentar bemerkt noch folgendes: „Ob dieser vaterlandslosen Gesinnung mußte sie das Strafgericht treffen. Es kam durch ihre syrischen Freunde selbst über sie. Denn bald begnügte sich Antiochus nicht mehr mit Halbheiten. Er verlangte vollen Glaubensabfall, entweihte sogar den Tempel und entzog dadurch ihrem Priestertum die Daseinsberechtigung. Durch ihr Paktieren mit dem Heidentum bereiteten sie sich selbst den Untergang“ (ebd.).

Auch dieser Kommentar soll aktualisiert werden: Das Strafgericht kam über die Katholiken aus den eigenen Reihen. Sobald der Stuhl Petri fremdbesetzt war, gab es keine Schonung mehr. Nachdem die Lehre der modernen Welt angepaßt worden war, kamen die Sakramente an die Reihe, denn die Neuerer verlangten den vollen Glaubensabfall. Deswegen entweihten sie das Heiligtum der heiligen Messe und entzogen dadurch ihrem Priestertum die Daseinsberechtigung. Fortan sollten sie nur noch Sozialarbeiter in und Manager von den Gemeinden sein. Durch ihr Paktieren mit dem Neuheidentum bereiteten sie sich selbst den Untergang.

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