Arme Seelen – Von Geistern und Gespenstern

von antimodernist2014

Wir haben es aus dem Mund der Königin gehört: „Wir haben uns längst daran gewöhnt, und niemand spricht jetzt mehr von der Gestalt. Sie ist uns gleichgültig geworden, da sie harmlos ist und nur hin und wieder das Gespräch sich ihr zuwendet.“ – Da kann man nur sagen: Sehr arme Arme Seele! Fügen wir noch einen zweiten Bericht hinzu, um noch etwas besser unterscheiden zu lernen:

„In dem nun zu schildernden Falle handelt es sich um Spukvorgänge ganz außergewöhnlicher und wohl wirklich einzig dastehender Art. Die Berichte darüber sind mir von mehreren gebildeten Personen, die Augen- und Ohrenzeugen waren, zur Verfügung gestellt worden, darunter Akademiker. Aber auch einfache, schlichte Menschen mit gesundem Verstand waren darunter, deren Zeugnis gerade deswegen ebenso glaubwürdig ist wie das der anderen.
Es handelt sich um das Schloß Bronnen an der Donau in der Nähe von Beuron. Ich habe über die dortigen Vorgänge einen längeren Bericht in der Zeitschrift für metapsychische Forschung (3. u. 4. Heft 1939 und 2. Heft 1940) veröffentlicht und muß mich hier auf einen kurzen Auszug beschränken.
Diese Vorgänge sollen mit Verbrechen zusammenhängen, die dort im 14. Jahrhundert von einem Ritter begangen worden seien. Nach der Schloßchronik habe er zwei Frauen und zwei Diener ermordet.
Das Schloß war in den letzten Jahren (bis 1939) an einen Freiburger Arzt Dr. J. verpachtet. Dieser lud öfter einen Geistlichen zu sich ein, dem er klagte, er und seine Frau würden auf dem Schloß durch Spukvorgänge sehr beunruhigt und belästigt. Außer einem Geistlichen, Pfarrer L., der dort oft in der Schloßkapelle den Gottesdienst abhielt, weilte auch Pfarrer A. zu Besuch, neben einer Anzahl Laien.
Am 8. September 1920 erblickten L. und Dr. J. nachts 10 Uhr auf der Burg am Fenster stehend einen weißen Fleck am Boden. Dieser vergrößerte sich und wuchs sich zu einer Gestalt aus, die frei in der Luft schwebte, sich über den Schloßfelsen hinausbewegte, dann wieder zurückkam, und zwar durch die Zweige der Bäume hindurch, die in diesem Augenblick rauschten. Die Gestalt kam immer näher und blieb in der Entfernung von einigen Metern schweben. Es war ein weißglänzendes Phantom, das Gesicht war ausgebildet, aber von weißen Schleiern umhüllt, wie auch die ganze Gestalt. L. fragte, was sie wolle, er wolle ihr gern helfen, wenn er könne, es erfolgte aber keine Antwort. Die Gestalt legte sich an einer bestimmten Stelle flach auf den Boden, erhob sich wieder und verschwand im Dienstgebäude, wo sehr starker Lärm und Gepolter entstand. Während L. wiederholt das Zeichen des Kreuzes in dieser Richtung machte, wurde der Lärm schwächer und nur ein Hämmern ließ sich hören. In der folgenden Nacht ungefähr um 1 Uhr, erwachte L. durch ein rasches Gehen über ihm in der oberen Etage. Er meinte erst, es seien Ratten. Aber dann tönte es wie Kegelschieben, es war, als ob zwei Männer mit einander ringen und der eine zu Boden fiele; dann kam es mit schweren Schritten die Treppe hinunter und pochte an seiner Tür. Der anwesende Hund winselte nur. Als sich der Spuk entfernt hatte, bellte der Hund laut und wütend.
Von diesen Spukvorgängen erfuhr auch Prof. F. aus F., ein Berliner Staatsrat, ein protestantischer Schloßgeistlicher und Reichstagsabgeordneter E., die zu Besuch aufs Schloß kamen. — In der nächsten Nacht wandelte die Erscheinung unter den Fenstern des Schlosses langsam auf und ab. Es war eine sehr breite Gestalt. Plötzlich schien sich diese zu teilen und ein zweites Phantom löste sich von ihr los. Diese Gestalt war mehr nebelgrau und verbeugte sich wiederholt vor der weißen Gestalt. Beide verschwanden im Dienstgebäude, und nun hörte man einen Lärm wie wenn Männer in einen Sarg geschlagen würden. Darauf kamen vier weiße Gestalten heraus und schwebten unter den Fenstern vorbei. L. rief nun: ‚Gebt Zeichen, ob ihr Dämonen oder arme Seelen seid, wenn möglich ein Lichtzeichen.‘ Nun sahen sie auf dem Boden etwas Leuchtendes wie einen großen Glühwurm. Plötzlich aber erhob sich vom Boden ein Rauch in die Höhe, der sich zu einer fünften Gestalt ausbildete. Diese schwebte gegen die Kapelle und verursachte ein wiederholtes Blitzen. Im Scheine des Blitzes sah man alle Gebäude des Hofes. Die Phantome aber erschienen in diesem Licht schwarz. Nun rief Pfarrer L. laut: ‚Wenn ihr hl. Messen nötig habt, so tut dies kund durch Blitzen!‘ Darauf erfolgte ein viermaliges Blitzen und alles verschwand. Die vier Messen wurden in Beuron zelebriert.
In der Nacht erfolgte wieder ein Gehen die Treppe hinauf, ein Pochen an der Tür von L.s Zimmer, auf das dieser durch Klopfen antwortete. Der Hund verhielt sich diesmal ruhig. Nun erfolgte aber ein solches Gepolter und Beben, daß alle Gegenstände im Zimmer und die Wände zitterten. Diesmal wurden zwei Gestalten gesehen auf der Schloßbrücke. Man sah deutlich, wie die eine Gestalt sich vor dem Tor auflöste und jenseits desselben sich wieder bildete; die andere Gestalt näherte sich sehr langsam der Burg und blieb wie zur Wache stehen. L. riet zu schießen, aber der Schloßpächter wollte nicht.
L. sagt, es sei ein ganz eigenartiges Gefühl, wenn man die Phantome sah, teils unheimlich, teils Ehrfurcht erweckend, wenn man dies langsame, würdevolle Dahinschweben sah. Er bedauerte, daß man die Phantome nicht photographiert habe.
Nach den Angaben des Pfarrers L., des Kastellans und anderer machen sich auf dem Schloß nicht nur arme Seelen, sondern auch Dämonen bemerkbar. Dies scheint tatsächlich der Fall zu sein, denn es passierte dem Pfarrer L., daß ihm, wie er selbst versichert, der Dämon einmal in Gegenwart von fünf Personen seine Sünden offenbarte. Und als L. beschämt ableugnete, ‚blamierte er mich erst recht!‘ erklärt L. freimütig. Er bemerkt ferner: ‚Als ich ihm (dem Dämon) einmal sagte: ‚Loquere latine, si potes!‘ (sprich lateinisch, wenn du kannst) sprach er sofort in dieser und noch in etwa zehn anderen Sprachen!‘
Der Kastellan des Schlosses, ein ehemaliger Kriegsteilnehmer, antwortete mir auf Anfrage u.a.: ‚Soviel kann ich Ihnen mit voller Bestimmtheit sagen, daß hier wirklich sehr sonderbare Dinge vor sich gehen! Tatsache ist z. B., daß man zu gewissen Zeiten sprechen hört und daß man auch selber mit den unsichtbaren Intelligenzen, die sich arme Seelen nennen und um Hilfe flehen, sprechen kann und daß man auch alles deutlich versteht. Dazwischen drängen sich immer wieder Dämonen, früher aber mehr und gewalttätiger als heute, die ihren Dreck und ihre schlechten Absichten an den Mann zu bringen suchen. Zusammengefaßt: die Sache hier auf dem Schloß ist sehr ernst, sie ist Tatsache und wir bzw. ich haben schon vieles erlebt. Ich bin mir allerdings noch nicht ganz klar, worauf das alles hinaus will. Jetzt verlangen die Geister beinahe nur noch Gebet, damit sie erlöst werden, und ich lasse mich mit ihnen auch nicht mehr weiter ein, als daß ich ihnen in diesem Punkte vollständig beistimme, als einzige Verbindung mit ihnen … Alles andere erscheint mir gefährlich, ja verhängnisvoll zu sein. Ich merke, man muß einen Abstand halten zwischen sich und solchen Geistern… Ich habe hier schon unglaublich viel Dinge gehört, habe stundenlang mit diesen Geistern sprechen können. Von den Dämonen will ich nichts wissen. Ich bin meistens ganz allein hier oben auf dem Schloß und bleibe nur im Vertrauen auf Gott.‘
Von anderer Seite ist mir versichert worden, daß der Kastellan, der früher sich von der Religion abgewandt hatte und kaum noch etwas glaubte, seit er auf dieses Schloß gekommen und die ‚Bekanntschaft‘ mit diesen Spukgeistern gemacht, ein völlig anderer Mensch geworden sei. Er sei heute ein wirklich frommer, gottesfürchtiger Mann.“

(Ebd. S. 215-219)

Wenn man von diesen Berichten her, die sich beliebig vermehren ließen, auf den Unglauben der heutigen Zeit schaut, so kann man nur feststellen, daß dieser Zeitzeugen von mehreren Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden der Irreführung oder des Betrugs bezichtigen muß, um sich rechtfertigen zu können. Blickt man auf die Geschichte des Unglaubens zurück, so ist auffallend: Der Modernismus hat etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen, auch das Urteil vieler Katholiken zu beeinträchtigen – genau zur selben Zeit hat der Spiritismus, also der Geisterglaube Amerika und Europa überschwemmt. In dem Augenblick, als die Katholiken ihren Glauben an die Engel und Armen Seelen verlieren, schießt der Spiritismus in Kraut, und der Glaube an Geister, die man beschwören kann, verbreitet sich zunächst unter den „Gebildeten“, sodann im Volk – die Geister aber, die sich beschwören lassen, sind die Dämonen! Dementsprechend war der moderne Unglaube schon immer sehr zwiespältig, er war nicht einfach nur Gottesleugnung, er schloß immer auch schon eine Zuwendung zu den Dämonen mit ein. Der Unglaube ist sozusagen nur die Medienseite des modernen Unglaubens, untergründig schwelt immer schon der Geisterglaube mit und führt immer mehr zum Satanismus, zur Teufelsanbetung.

Diese Entwicklung sollte uns nicht wundern, gibt es doch ohne den katholischen Glauben keine rechte Urteilsbasis für diese Phänomene. Der Innsbrucker Philosoph Prof. A. Gatterer S.J., sagte in der erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts noch bezüglich solcher Spukphänomene: „Vermag vielleicht das Studium der okkulten Erscheinungen sicheren Aufschluß über das Schicksal der Seele nach dem Tode zu gewähren? Für die Beantwortung dieser nicht nur wissenschaftlich interessierten, sondern auch für die Praxis des Lebens außerordentlich wichtigen Frage, sind nun allerdings viele spontane okkulte Kundgebungen, die zur Kategorie des gutartigen Spukes gehören, wie Armenseelenerscheinungen u. dgl. von außerordentlicher Bedeutung. Nur ungesunde Hyperkritik kann alle derartigen Vorkommnisse, freilich mit der nötigen Umsicht und Kritik gesammelt, leugnen, da sie für jeden, der guten Willens ist, eine leichtfaßliche und eindringliche Bestätigung jener gediegenen philosophischen Argumente darstellen, die schon von jeher für die Geistigkeit und Unsterblichkeit der Menschenseele vorliegen. Wir halten also fest: Nicht wenige Spontanerscheinungen Verstorbener sind die Grundlage eines gediegenen wissenschaftlichen Beweises für das Fortleben der Seele nach dem Tode“ (Ebd. S. 118).

Das ist unmittelbar einleuchtend: Wenn mir eine Arme Seele erscheint, dann ist das immer auch ein praktischer Beweis für die Unsterblichkeit der Seele. Denn wenn nach dem Tod einfach alles aus wäre, könnte natürlich auch keine Arme Seele erscheinen. Es ist zu vermuten, daß auch daher die aufgrund der unzähligen Tatsachenberichte aus Jahrhunderten äußerst dümmliche Leugnung jeglicher außernatürlicher oder übernatürlicher Phänomene und damit der Existenz einer Geistseele herkommt, weil man frei von jeglicher Moral wie ein Tier leben möchte. Letztlich fürchtet man die Konsequenzen, wenn es nämlich nach dem Tod nicht einfach aus ist mit dem Leben, dann muß man sich ernstlich fragen: Und was kommt dann? Kommt dann vielleicht doch Gericht, Fegfeuer, Himmel oder Hölle?

Der Hochschulprofessor A. Ludwig aus Freising führt in seiner „Geschichte der okkultistischen Forschung von der Antike bis zur Gegenwart“ u.a. aus: „Bei dem äußerst regen Interesse, das nun endlich von seiten der Gebildeten der metaphysischen (okkultistischen) Forschung und ihren Resultaten entgegengebracht wird, macht sich der Mangel einer geschichtlichen Darstellung dieser Forschung stark fühlbar… Ich hielt es daher für angezeigt, an die erstmalige Darstellung einer Geschichte der okkultistischen Forschung heranzutreten… Dabei glaubte ich, zuweilen über diesen Rahmen noch etwas hinausgehen zu dürfen durch Erwähnung von geistig bedeutenden Männern, die jene später so hartnäckig geleugneten Tatsachen vollauf anerkannten, um zu zeigen, daß nicht etwa nur ‚das dumme Volk‘ an die Realität solcher Dinge fest glaubte, sondern Männer, die Urteil und Geistesfreiheit genug besaßen, um nach genauer Prüfung ohne feige Menschenfurcht ihrer Überzeugung lauten Ausdruck zu geben. Dies wiegt für viele schwerer als alle Forschungsversuche“ (Ebd. S. 119).

Was waren das noch für Zeiten, als Männer da waren, „die Urteil und Geistesfreiheit genug besaßen, um nach genauer Prüfung ohne feige Menschenfurcht ihrer Überzeugung lauten Ausdruck“ zu geben: Nach dem Tod kommt das Gericht. Und nach dem Gericht werden viele ins Fegefeuer kommen, um dort für den Himmel bereitet zu werden durch viele Schmerzen. Viele aber werden auch in die Hölle kommen, weil sie Gott keinen Glauben schenkten und Seine Gebote nicht achten wollten – manche werden aber auch sogleich in den Himmel kommen, weil sie Gott aus ganzem Herzen Glauben geschenkt und IHN über alles geliebt haben.

Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert gehörte der hl. Nikolaus von Tolentino (1245-1305) zu den meistverehrten Heiligen Europas und Amerikas. Papst Bonifaz IX. ernannte den großen Wundertäter offiziell zum Schutzpatron der Armen Seelen, was 1884 Papst Leo XIII. erneut bekräftigte. Durch sein Gebet kam er besonders den Armen Seelen im Fegefeuer zu Hilfe, und er sah öfters viele dieser Seelen nach Darbringung des heiligen Meßopfers und während er betete aus den Flammen zum Himmel emporsteigen und hörte sie Dank sagen. Wenn er die heilige Messe las, erglühte sein Antlitz, aus seinen Augen flossen reichliche Tränen und von allen Seiten drängte sich das Volk herbei, um ihn am Altare zu sehen, und an seiner glühenden Andacht sich zu erbauen und seines Gebetes teilhaftig zu werden.

Obwohl es damals nicht üblich war, täglich zu zelebrieren, durfte er mit besonderer Erlaubnis jeden Tag für die Armen Seelen das hl. Meßopfer feiern. Diese Erlaubnis wurde ihm aufgrund folgenden Erlebnisses erteilt:

„Dieser heilige Mann hatte ein besonderes Mitleiden mit den Seelen des Fegfeuers, und eines Tages hörte er ein wenig vor der Mettenzeit eine Stimme erbärmlich zu ihm schreien, und sagen: ‚O Vater Nikolaus! Schau‘ mich an.‘ Als er fragte, wer da schreie, und was sein Begehren sei, antwortete der Geist: ‚Ich bin die Seele des Fremdlings von Osimo, welchen du im Leben als deinen Diener wohl gekannt hast, und werde in dieser Flamme gepeinigt. Denn ich bin durch die Barmherzigkeit Gottes in das Fegfeuer verurteilt, da ich sonst nach der Gerechtigkeit der ewigen Verdammnis schuldig war. Nun kann ich durch dein Gebet von diesen unerträglichen Peinen befreit werden, insofern du meiner in deinem Gebete gedenken wirst.‘ Da sprach der heilige Nikolaus: ‚Dir wolle mein Heiland helfen, durch dessen rosenfarbenes Blut du erlöst bist. Denn ich kann für dich heute am Sonntag keine Messe verrichten, weil mir das Hochamt zu halten obliegt.‘ Da sprach der Geist: ‚Komm ehrwürdiger Pater, komm und sieh, ob es dir gebühret, das Begehren einer so großen und armseligen Schaar, welche mich zu dir gesandt, abzuschlagen, und besonders mich Elenden so unbarmherzig zu verstoßen.‘ Da stand der Mann Gottes auf, und folgte dem Geiste aus der Einöde bis auf eine weite und lange Ebene nach, und sah darauf eine unzählbare Menge der armen Seelen von allerhand Standespersonen, welche mit flehentlichen Stimmen ein Gebet und besonders die heilige Messe von ihm begehrten. Alsdann kam der Mann Gottes zu sich, und erschrak heftig vor der strengen Gerechtigkeit Gottes. Er fing an aus Mitleiden bitterlich zu weinen, und las sowohl denselben Sonntag, als auch die ganze folgende Woche die heilige Messe für diese armen Seelen, mit Erlaubnis seiner Obrigkeit. Als diese Woche vorbei war, erschien ihm wiederum der gemeldete Geist, und sagte ihm für die erwiesene Guttat herzlichen Dank, mit dem Vermelden, daß seine Andacht dem Herrn gefallen, und er viele Seelen aus ihrer Qual erlöset habe.“

(Aus: Legende der Heiligen, das ist: Eine schöne, klare und anmuthige Beschreibung des Lebens, Leidens und Sterbens von den lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des ganzen Jahres, gesammelt und verfaßt durch P, Dionysius von Lützenburg, verbessert durch P. Martin von Cochem. Landshut, 1845. Druck und Verlag der Joh. Thomann’schen Buchhandlung. S. 301)

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