Als Mann und Frau erschuf er sie

von antimodernist2014

Die Autorin meint: „Die Ur-Spezies, die diesen Gendefekt entwickelte, hat davon vermutlich nichts mitbekommen, da sie reichlich Vitamin C-haltiges Obst zum fressen hatte. Auch die heutigen Affen leiden gewöhnlich nicht an Vitamin C-Mangel, da sie reichlich ascorbinsäure-reiche Nahrung auf ihrem Speiseplan stehen haben und damit ihre ‚Erbkrankheit‘ ganz unbewusst und sehr erfolgreich selbst ‚behandeln‘. Einzig der Mensch ist zwischenzeitlich auf die abwegige Idee gekommen, er käme ohne Früchte aus und könne z.B. nur mit Schiffszwieback verpflegt über die Weltmeere segeln (bis zahlreiche Todesfälle aufgrund von Skorbut im 18. Jahrhundert zur näheren Beschäftigung mit Nahrungsmittel-Inhaltsstoffen führten). Meerschweinchen, echte Knochenfische, einige Sperlingsvögel und Fledertiere haben übrigens einen ähnlichen Gendefekt und sind daher ebenso auf Vitamin C in der Nahrung angewiesen.“ Nach der Logik unseres „Dozenten“ würde sich daraus ergeben, daß der Mensch, wenigstens dem Leibe nach, ebenso von Meerschweinchen, Knochenfischen, Sperlingsvögeln und Fledertieren abstammen könnte.

Aus der Sicht der modernen Naturwissenschaften ist an diesen Ausführungen nichts Außergewöhnliches. Ein katholischer, „traditioneller“ Priester sollte sich freilich zumindest daran stoßen, daß bereits vor der Erschaffung des Menschen und somit vor dem Sündenfall ein „Gendefekt“ bzw. „Fehler in der Gensequenz“ aufgetreten sein soll, der noch dazu auf den ersten Menschen und von da auf alle seine Nachkommen überging, als eine „Folge von ‚Erbkrankheiten‘“ noch vor der Erbsünde. Hat der Schöpfer das bei der Erschaffung des Menschen übersehen, oder hat er es billigend in Kauf genommen oder sogar gewollt? Der Glaube aber lehrt uns, daß die ersten Menschen von Gott unmittelbar erschaffen wurden, daß sie vollkommen an Leib und Seele waren und daß ein „Defekt“ gleich welcher Art erst mit der Erbsünde und nach dem Sündenfall eingetreten sein kann.

Vielleicht verdankt sich ja das Fehlen des Enzyms gar nicht einem „Fehler in der Gensequenz“? Vielleicht hat der Schöpfer absichtlich darauf verzichtet, weil doch der Mensch für ein Leben im Paradies, dem Garten Eden, bestimmt war, wo Vitamine im Überfluß vorhanden waren? Daß es dann – nach dem Sündenfall wohlgemerkt! – auch Menschen gab, die meinten, lange Seereisen ohne Vitaminzufuhr unternehmen zu können, ist nicht dem Schöpfer anzulasten und zeugt weniger von einem „Gendefekt“ als von einem Mangel an Kenntnis oder Klugheit seitens der Seefahrer. Im allgemeinen wußten die Menschen von jeher, daß sie Vitamine brauchen, und entwickelten deswegen gewisse Techniken, um auch in Gegenden und Zeiten ohne frische Zufuhr von Obst und Gemüse zu überleben und gesund zu bleiben (z.B. das Haltbarmachen von Früchten durch Trocknen oder Einmachen, das Einstampfen von Sauerkraut, der Verzehr von rohem Fleisch und Fisch…).

8. Sehen wir beim heiligen Thomas nach, wie eine katholische Erklärung über die Entstehung des ersten menschlichen Leibes aussieht. In seiner „Summa theologiae“ I q. 91 behandelt der heilige Thomas von Aquin dieses Thema und stellt sich zuerst die Frage (a. 1), ob der Leib des ersten Menschen aus dem „Lehm der Erde“ gemacht worden sei, wie es uns die Heilige Schrift berichtet: „Da bildete Gott, der Herr, den Menschen aus Lehm der Erde…“ (Gen 2, 7). Der Kommentar bei Arndt-Allioli bemerkt dazu: „Also aus anorganischem Stoffe.“ Da gibt es eigentlich gar nichts zu deuteln.

Der heilige Thomas weist auf die Vollkommenheit Gottes hin, die sich in Dessen Werken je nach ihrer Art widerspiegelt, gemäß dem Wort der Heiligen Schrift: „Dei perfecta sunt opera. – Die Werke Gottes sind vollkommen“ (Deut 32, 4). Auch dies sollte einem katholischen Priester wenigstens soweit geläufig sein, daß für ihn ein „Gendefekt“ bei der Erschaffung eines Geschöpfes vollkommen undenkbar ist. Gott selber ist schlechthin vollkommen, insofern Er alles in Sich trägt, und zwar nicht in zusammengesetzter Weise, sondern ganz einfach und vereint, wie der heilige Dionysius sagt, derart nämlich, wie die verschiedenen Wirkungen in der Ursache vorexistieren, gemäß Seiner einen und einheitlichen Wesenheit. Dem Engel wird diese Vollkommenheit mitgeteilt, insofern in dessen Erkenntnis alles vorliegt, was Gott in der Natur hervorgebracht hat, und zwar durch die verschiedenen Formen. Im Menschen nun wird diese Vollkommenheit in einer minderen Weise abgebildet, nicht insofern er die Kenntnis aller natürlichen Dinge in seiner natürlichen Kenntnis vorliegen hat, sondern indem er gleichsam aus allen Dingen zusammengesetzt ist, trägt er doch eine Geistseele in sich nach Art der geistigen Substanzen, und enthält er gleichzeitig alle Elemente der Körper, jedoch in vollkommener Ausgewogenheit gleich den Himmelskörpern.

Der heilige Thomas spricht hier natürlich nicht von den chemischen Elementen, sondern von den vier Elementen Feuer, Luft, Wasser, Erde. Die höheren dieser Elemente, nämlich Feuer und Luft, dominieren im Menschen, „weil das Leben vor allem in Wärme besteht, welche Feuer ist, und im Dunst, der zur Luft gehört“. Man mag über diese „mittelalterlichen“ Vorstellungen lächeln, aber ist es nicht wirklich so, daß unser körperliches Leben einen dauernden Verbrennungsprozeß voraussetzt, bei welchem Wärme erzeugt, Sauerstoff verbraucht und Kohlendioxid ausgeschieden wird? Feuer und Luft. Als Folge dessen, sagt der Aquinate, müssen die niederen beiden Elemente, Wasser und Erde, das substantielle Übergewicht im Körper haben, damit der Gesamthaushalt wieder stimmt. Darum heißt es, der Leib des Menschen sei aus dem „Lehm der Erde“ gemacht, denn der Lehm ist nichts anderes als Erde mit Wasser gemischt. Und wieder müssen wir zugeben, daß es die Sache trifft, denn besteht der Leib des Menschen nicht tatsächlich zum größten Teil aus Mineralstoffen und Wasser? So dumm war die Elementenlehre des Mittelalters vielleicht gar nicht, weshalb sie übrigens heute in manchen esoterischen Kreisen eine gewisse „Renaissance“ erlebt.

Deshalb, schließt der Doctor angelicus, werde der Mensch eine „Welt im kleinen“ genannt, weil sich doch alle Geschöpfe irgendwie in ihm fänden. Indem er aus Geist und den vier Elementen der Materie zusammengesetzt ist, steht er gewissermaßen in der Mitte zwischen den geistigen und den körperlichen Substanzen. Wie wir sehen, hat es durchaus einen Sinn, daß der menschliche Körper aus dem „Lehm der Erde“ gemacht wurde. Und übrigens wird dies beim Tod eines jeden Menschen sichtlich bestätigt, indem sein Leib wieder zu dem zerfällt, woraus er gemacht wurde. „Staub bist du, und zum Staube kehrst du zurück“ (Gen 3, 19).

9. Im zweiten Artikel fragt sich der engelgleiche Lehrer, ob der Leib des Menschen unmittelbar von Gott hervorgebracht wurde. Die Antwort ist klar: Die Formung des Leibes des ersten Menschen konnte nicht durch irgendein Geschöpf geleistet werden, sondern nur unmittelbar durch Gott. Eine körperliche Form kann an sich wieder nur durch eine körperliche Form hervorgebracht werden. Ein Engel, da unkörperlich, konnte das nicht bewerkstelligen. Allein Gott kann, obwohl völlig unkörperlich, aufgrund Seiner Allmacht körperliche Dinge durch einen Schöpfungsakt hervorbringen. Da zuvor kein menschlicher Körper existierte, der in Kraft der Zeugung einen anderen gleichartigen formen konnte, bleibt nur übrig, daß der Leib des ersten Menschen unmittelbar von Gott hervorgebracht worden ist.

Es ist sehr wichtig für uns zu verstehen: Körper können andere Körper hervorbringen. Durch ihre Zeugungskraft vermögen Lebewesen andere Lebewesen hervorzubringen, allerdings nur gleichartige, da sie nicht irgendeine andere oder neue Formen erzeugen können. Der menschliche Leib besitzt eine ganz eigene, eben menschliche Form. Diese konnte nur Gott ihm verleihen. Übrigens wäre der heilige Thomas gar nicht auf die Idee gekommen, der Leib des Menschen könne irgendwie aus dem Tierreich stammen. Viel eher war man in jener glücklichen Epoche geneigt, die Mitarbeit von Engeln an der Formung dieses Leibes anzunehmen. Das aber schließt der Aquinate aus. Er sagt, daß die Engel Gott sehr wohl manche Dienste leisten in ihrer Wirkung auf körperliche Dinge. Doch gibt es Dinge, die allein Gott vorbehalten sind und die Engel gar nicht vollbringen können, wie etwa die Auferweckung von Toten oder die Heilung eines Blindgeborenen. Dazu gehört auch die Formung des ersten Menschenleibes aus dem Lehm der Erde. Freilich konnten die Engel auch dazu gewisse Dienstleistungen erbracht haben, wie etwa das Herbeibringen des Stoffe, wie sie auch bei der Auferweckung der Toten am Jüngsten Tage überall ausschwärmen werden, um den Staub der verwesten Leiber herbeizubringen (ad 1).

Der dritte Artikel beschäftigt sich mit der Frage, ob der Leib des Menschen eine angemessene Verfassung hatte. Im Buch des Predigers lesen wir: „Deus fecit hominem rectum. – Gott hat den Menschen recht erschaffen“ (Eccle 7, 30). Wieder fragen wir uns, wo da Platz für einen „Gendefekt“ sein soll. Der heilige Thomas erklärt, daß alle natürlichen Dinge von der göttlichen Kunst hervorgebracht wurden, weshalb sie „irgendwie Kunstwerke Gottes selber sind“. Diese katholische Einsicht allein genügt, den „Evolutionismus“ mit seinem Materialismus und seinen primitiven Mechanismen völlig zu desavouieren. „Jeder Künstler aber bemüht sich, seinem Werk die jeweils beste Verfassung zu geben, nicht die schlechthin beste, sondern die seinem Zweck entsprechend beste“, fährt der heilige Thomas fort. „Und wenn eine solche Verfassung irgendeinen mit ihr verbundenen Defekt mit sich bringt, so kümmert das den Künstler nicht.“

Also doch ein Defekt! Der Aquinate erläutert: „So wie ein Handwerker eine Säge, da sie zum Schneiden gedacht ist, aus Metall fertigt, damit sie zum Schneiden geeignet sei, und nicht aus Kristall, das vielleicht ein schöneres Material wäre, denn eine solche Schönheit wäre dem Zweck hinderlich. So gab Gott jedem Naturding die jeweils beste Verfassung, nicht freilich schlechthin, sondern in Hinsicht auf den jeweiligen Zweck.“ Daß eine Säge aus Metall ist und nicht aus Kristall, ist kein wirklicher „Defekt“ im Sinne eines Fehlers oder Makels. Deshalb meinten wir oben, ob der „Gendefekt“ nicht vielleicht einfach daher rühre, daß der Mensch zum Leben im Paradies bestimmt gewesen ist, ebenso wie er bei den „Trockennasenprimaten“ schlicht auf deren Lebensweise abgestimmt sein dürfte.

10. Der Doctor universalis fährt fort: „Nächstes Ziel des menschlichen Leibes ist jedoch die geistige Seele und deren Tätigkeiten, denn die Materie ist wegen der Form und die Instrumente wegen der Handlungen des Tätigen.“ Würde allein diese simple philosophische Wahrheit beherzigt, so könnte kein Mensch je auf die Idee kommen, der menschliche Leib stamme aus dem Tierreich ab. Die unabdingbare katholische Lehre vom Menschen als Geistwesen, die auch Pius XII. und das Vorbereitende Konzilsschema betonen, hat auch ihre unmittelbaren Folgen für den Menschenleib. Da er als einziger über eine geistige Seele verfügt, muß ihm auch eine ganz einzigartige und entsprechende Form eignen, wie sie sich nirgends im Tierreich finden und daher von dort auch nicht stammen kann. Gott hat also den menschlichen Leib in einer seiner Bestimmung vollkommen entsprechenden Weise gestaltet, sowohl was die Form als auch was die Tätigkeiten angeht. „Und wenn irgendein Defekt in der Verfassung des menschlichen Körpers zu sein scheint, so ist es so zu sehen, daß dieser Defekt aus der Notwendigkeit der Materie stammt dazu hin, daß die Eigenschaften des Leibes im nötigen Verhältnis zur Seele und den seelischen Tätigkeiten stehen.“

Was bedeutet das im einzelnen? Der Tastsinn, sagt der heilige Thomas, ist Grundlage aller anderen Sinne und daher im Menschen ausgeprägter als bei den anderen Lebewesen, weshalb er eine gegenüber diesen sehr viel ausgewogenere Verfassung hat. Daraus ergibt sich, daß er in manchen äußeren Sinnen den Tieren nachsteht. Beispielsweise hat er einen ziemlich schlechten Geruchssinn. Da es aber notwendig war, ihm ein vergleichsweise großes Gehirn zu geben, einmal wegen der freien Tätigkeit der inneren Sinne (das, was man heute gerne „Psyche“ nennt) und zum anderen als Ausgleich des kühlen Kopfes gegen die Wärme des Herzens (die seiner aufrechten Statur wegen einige Kraft haben muß), behindert diese Größe des Gehirns den Geruchssinn. Ähnliches gilt für die gegenüber manchen Tieren schwächere Seh- und Hörkraft. Diese ist der insgesamt ausgeglicheneren Verfassung des Menschen geschuldet, ebenso wie andere „Schwächen“ auf Gebieten, wo uns die Tiere oft übertreffen, wie etwa Geschwindigkeit im Laufen usw. (ad 1).

Hörner und Krallen, wie sie Tiere zu ihrer Bewaffnung tragen, und Fell oder Federn, mit denen sie bekleidet sind, fehlen dem Menschen ebenfalls wegen der Ausgeglichenheit und Zartheit seiner Verfassung, die ihm aufgrund seiner Seele zukommen. Dafür hat der jedoch eine Vernunft und Hände, mit welchen er sich in unbeschränkter Weise alle Arten von Waffen, Bekleidung und anderen zum Leben notwendigen Dingen bereiten kann, weshalb die menschliche Hand bei Aristoteles das „Werkzeug aller Werkzeuge“ genannt wird. Das entspricht vollkommen der geistigen Natur des Menschen, welche von unbegrenzter Kreativität ist und daher die Fähigkeit braucht, sich unbegrenzt mannigfache Werkzeuge herstellen zu können (ad 2).

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